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(Band 1) Primal - Ein Troll ohne Namen

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Summary

Bluthauer ist ein Troll-Gladiator aus der Arena der Pucks und kennt nichts anderes als Kampf und Blut. Als seine Herren ein gewagtes Geschäft eingehen, gerät sein bisher simples Leben aus den Fugen. Plötzlich wird aus dem gefürchteten Kämpfer selbst die Beute einer Jagd und jeder hat einen anderen Grund, um ihn zu fassen. Auf der Flucht schließt er sich einer Gruppe stammesloser Wanderer an und bietet ihnen seine Kraft im Tausch gegen einen Weg zurück zur Arena. Während Feinde ihm dicht auf den Fersen sind, ahnt Bluthauer nicht, dass auch seine neuen Gefährten Geheimnisse mit sich tragen – und dass sein Schicksal mit den alten Mächten der Trollstämme verwoben sein könnte.

Status
Ongoing
Chapters
7
Rating
4.5 2 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Das Licht wartete am Ende eines dunklen Tunnels. An einem Ort wie diesem war jener Ausdruck mehr als bloße Worte. Es war ein Versprechen, ein Versprechen von Blut und Tod, und es wurde bereits sehnsüchtig erwartet. Durch das dumpfe Gemäuer grollten die taktgleichen Stampfer der Menge und ließen den Stein erzittern, sodass feine Körner aus den Ritzen rieselten. Die Rufe und das Klatschen der Meute vermengten sich zu einer gierigen Symphonie, ein Vorgeschmack auf die Lobpreisung. Eine Ehre, die den Sieger überschütten und den Verlierer von dieser Welt verabschieden würde.

Diese Rufe waren Bluthauer nur allzu vertraut, während der Troll seinen starren Blick auf das Gittertor am Ende des Tunnels gerichtet hielt. Wie oft er dieses Verlangen der Menge schon gehört hatte, wusste er nicht. Es war ihm auch gleich. Selbst wenn Zahlen oder Buchstaben seine Freunde gewesen wären, hätte es für ihn keinen Sinn ergeben, sich das zu merken. Am Ende wusste der drei Meter große, gestählte Hüne von Arenakämpfer, dass nur der Sieg zählte, denn der Sieg bedeutete Leben und das Wissen, der Stärkste zu sein.

Außerhalb des Tunnels, erhoben über den Rängen der steinernen Sitzbänke und der tosenden Menge, kündigte Nukzos das bevorstehende Spektakel an. „Wir kommen nun endlich zum Hauptkampf!“, rief er mit seiner kratzig quietschenden Stimme durch eine Klangtröte, die seine Stimme durch die Arena trug. Für einen Puck wie ihn war diese Tonlage normal, denn seine Art war kaum größer als ein Kleinkind. Er hatte typisch spitze, zu den Seiten fallende Ohren, schrumpelige braune Haut und einen scharfen Verstand, der vor allem nach Gold gierte. „Und er ist sehenswert, wie jedes Mal, in unserer Grube des Fleisches!“

Der Name der Arena, die rund fünftausend Leute fasste und heute voll besetzt war, ließ die Menge erneut jubeln. Es waren Händler, Piraten, Söldner und die Bewohner des freien Hafens Khuwix, einem schäbigen, gesetzlosen Nest. Die Völker waren bunt durchgemischt, doch Pucks, Menschen und Roder machten den Großteil der Zuschauer aus.

Während die Pucks und Menschen mehrheitlich freie Händler und Seefahrer waren, waren die grobschlächtigen Roder meist nur Handlanger. Sie standen im Dienste der Stadt oder ihrer Besucher. Es waren Bestien mit dem Antlitz eines kampflustigen Keilers. Statt jubelnder Worte grunzten viele von ihnen bloß in die Arena hinab und bleckten ihre kleinen, aber scharfen Hauer.

Nukzos grinste verschlagen. Er wusste, wie man diese biestigen Schweine am besten bei Laune hielt. „Einmal mehr haben wir Besuch aus dem stinkenden Loch, das sich Topzoz nennt!“, kündigte er an, und die Buhlaute übertönten den wenigen Jubel. Schon seit zwanzig Jahren war er einer der führenden Köpfe von Khuwix. Er hatte ein Talent dafür, die Menge anzuheizen. „Und Topzoz denkt, sie könnten heute endlich gewinnen. Mit einer barbarischen Kreatur, die keinen Respekt kennt! Es ist eine Kreatur, die selbst von ihrem eigenen Klan ausgestoßen wurde, weil sie die Leichen ihrer besiegten Rivalen schändet, bevor sie sie frisst! Aber genau deswegen, so sagt man, ist dieser Krieger so mächtig. Mit jedem verspeisten Körper schwillt seine Kraft weiter an! Wäre das wahr, könnte er heute zu einem Gott werden, denn sein Mahl wäre nicht von dieser Welt! Ich präsentiere euch Topzoz’ neuestes Prunkstück – Sorak!“

Eines der Fallgitter in der ovalen Arenagrube hob sich schwerfällig an, und ein pechschwarzer Roder, übersät von Narben und mit zwei wuchtigen Streitäxten in den Pranken, betrat den Sand. Er war kräftig gebaut. Breit genug, um zwei seiner Art auszufüllen und an die 2,40 Meter. Stachelige Polster spannten sich über seine Schultern, zwischen denen sein Buckel wie ein einziger Muskel über dem Hinterkopf aufragte. Verstärktes Leder schützte die Vorderseite seiner Beine. Die Hufe blieben frei.

„Was für eine groteske Bestie!“, meinte Nukzos hämisch, aber auch befeuernd. „Doch wenn sie nur halb so stark wie hässlich ist, könnte Topzoz doch tatsächlich eine winzige Chance auf den Sieg haben!“

Sorak sah mit zugekniffenen Augen durch die Reihen der Zuschauer und erntete viel Missgunst von seinesgleichen. Er spuckte auf den Boden und schlug seine Äxte zusammen, um sich brüllend in der Verachtung der Menge zu baden.

„Unerschrocken ist er ja!“, keuchte Nukzos. „Aber wird ihm das nützen? Kann er auf sein Überleben hoffen?“ Er schnappte nach Luft und brüllte erneut. „Denkt ihr wirklich, er könnte unseren Berserker auch nur berühren?! DENKT IHR DAS?!“

Den tosenden Jubel nutzte Nukzos, um gierig Luft zu holen. „NEIN! NIEMALS! Seit elf Hochsommern ist diese Arena sein Schlachthof und sein Tempel! Hier huldigt er dem Blut und trotzt dem Tod! Kann dieser Troll überhaupt sterben?!“

Die Menge schrie ihre Antwort.

„Die Zeichen sagen es! Die Knochen sagen es! Der Sand selbst sagt es! Ungeschlagen! Unsterblich! Unersättlich – BLUTHAUER!“

Während die Menge tobte, erstickte Nukzos beinahe, griff nach einem Humpen Rum und leerte ihn in einem Zug.

Unberührt von allem – der Ansprache, dem ohrenbetäubenden Lärm, dem Erbeben von Grund und Boden – ging Bluthauer auf das sich hebende Fallgitter zu. „Worte. So viele Worte. Immer“, dachte er. Er war ein stoischer Troll und verlor selten mehr als die nötigen Worte. Was hätten ihm mehr davon auch gebracht? Kein Essen. Keine Weibchen. Nichts. Das bestärkte ihn nur in seiner Denkweise. Der Sieg zählte als Einziges. Taten stillten seine Bedürfnisse, nicht endloses Geplapper. „Pucks reden gerne. Nervt mich.“ Das war ein Problem, das ihn schon seit vielen Jahren wurmte. Glücklicherweise gaben ihm die Pucks, was er wollte. Also ertrug er sie.

Sonnenstrahlen durchbrachen die Meereswolken und fielen in die Kampfgrube, als wollten sie die Kämpfer begrüßen.

Bluthauer mochte die Wärme der Sonne und das tropische Dschungelklima, auch wenn er keine Ahnung vom Jenseits der Arenamauern hatte. Diese erzwungene Eintönigkeit und sein starkes Blut hatten aus ihm den beeindruckenden Kämpfer gemacht, der er heute war. Aufrecht stand er in der Sonne und fühlte den Sand zwischen seinen nackten Zehen. Drei hatte er an jedem Fuß. Einer davon ragte steif aus der Ferse. Er erinnerte sich, wie ihm die Pucks einmal Sandalen gegeben hatten. Doch sie hatten ihn gestört. Trolle besaßen hoch empfindliche Sinne. Von den Füßen bis zum Mund, in der Nase und in den Ohren. Angespannt umschlossen seine zwei Finger und der Daumen sein Bisento, eine speerähnliche Waffe. Allerdings besaß das Bisento keine Speerspitze als Kopf, sondern eine große Klinge. Zusammen mit der langen Stange war es sogar ein Stück größer als Bluthauer.

„Die haben mir nicht zu viel versprochen“, knurrte Sorak und entblößte sein Maul voller kantiger Zähne. Er ließ die Äxte kreischend aneinanderschlagen. „Wenn ich dich gefressen habe, bin ich ein Halbgott.“

„Vielleicht sind es heute wieder zwei Weibchen“, dachte Bluthauer. Seine Konzentration lag vollends auf dem bevorstehenden Kampf. Ein lederner Schurz, Kriegsmaske, metallene Knieschützer und ein Lederpolster auf der rechten Schulter. Mehr trug er nicht.

„Ich rede mit dir!“ Sorak fauchte und scharrte mit den Hufen im Sand.

Bluthauer antwortete nicht. Durch die schmalen Schlitze seiner hölzernen Kriegsmaske beobachtete er Sorak. Grobe, aggressive Bemalung zog sich über das Holz. Unter der Maske ragten seine gebogenen Hauer hervor, lang wie ein Dolch. Der Wind fuhr durch seinen schwarzen Irokesen und strich über den kurzen Fellflaum seiner kohleartig dunkelblauen Haut.

„Diese Kaltblütigkeit!“, rief Nukzos. „Seht ihr, wie wenig ihn sein Gegner kümmert?“ Er deutete auf die Wettstände. „Wer gegen ihn setzt, muss verrückt sein oder sehr reich werden wollen! Fällt dieser Berserker nach elf Hochsommern unter den Äxten dieses Kannibalen, habt ihr ausgesorgt. Für den Rest eures Lebens. Oder bis euch jemand nachts die Kehle aufschlitzt!“, lachte er schrill „Und nun, warten wir nicht länger – der Kampf möge beginnen!“

Keinen hielt es mehr auf den steinernen Sitzen. Noch immer nahmen Pucks überall neue Wetten an, ehe bassbetonte Hörner durch die Arena donnerten.


Sorak folgte seiner Natur und stürmte vorwärts. Trotz seiner Masse gewann er rasch an Tempo. Sand spritzte unter seinen Hufen.

Für einen Troll seiner Statur konnte Bluthauer ebenso mit Geschick glänzen. Er war nicht der Cleverste, aber klug genug, sich einem solch üppigen Roder nicht direkt Klinge an Klinge entgegenzuwerfen.

Gekonnt hätte er es spielend. Stattdessen rollte Bluthauer zur Seite. Die Axt zerschnitt die Luft, wo eben noch sein Kopf gewesen war. Stahl kreischte. Er blieb nicht stehen. Wartete. Beobachtete.

Das Abbremse verlangte Soraks Körper einiges ab. Staub stob auf, als er sich herumwarf. Er griff mit versetzten Axthieben an. Jeder Schwung folgte dem nächsten, bereit, sofort umzulenken.

Jeder Schritt von Bluthauer glich einem Tanz mit seinem Gegner, während er sein Bisento mit beiden Händen hielt. Er brauchte keine zwei Waffen. Er war eins mit seiner. Der große Schwertkopf fing die Äxte ab. Ebenso das spitze, stählerne Ende der Stange. Oder die Stange selbst.

Ohne Vorwarnung kreuzte Sorak beide Äxte und riss sie nach vorn. Stahl krachte auf das Bisento. Die Vibration fuhr Bluthauer durch Arme und Schultern. Sorak drückte nach. Bauch und Brust warfen sich gegen die Stange und brachen den Widerstand.

Bluthauers Größe und die schwere Masse seiner Muskeln bewahrten ihn davor, zu weit zurück oder gar zu Boden gestoßen zu werden.

"Dieses Roder-Biest hat wirklich Hunger!", kommentierte Nukzos. "Ob Bluthauer gegen solch rücksichtslose Offensiven ankommen kann?!"

Der Berserker hörte diese Worte nicht einmal. Selbst das donnernde Tosen der Menge klang, als wäre er unter Wasser. Für ihn gab es in diesem Augenblick nur den Kampf, und der Kreuzschwung war noch nicht vorbei.

Nachdem Soraks Äxte nach außen gestoßen waren, flogen sie im selben Schwung nach innen zurück.

Für die vielen Laien auf den Tribünen wirkte es, als hätte der Roder den Troll bereits in die Flucht geschlagen. Der tödliche Schlag schien nur noch einen Augenblick entfernt.

Mit einem laut animalischen Brüllen und der Weigerung, so töricht zu fallen, stemmte sich Bluthauer fest in den Sand. Er riss sein mittig gegriffenes Bisento über sich. Die Axtköpfe glitten über die Oberseite der Stangenenden. Gefährlich nah schliffen sie an seinen Fingern vorbei. Direkt auf seinen Kopf zu.

Erst Millimeter vor dem fatalen Treffer und mit einem Ausfallschritt nach vorne warf Bluthauer den Axtstahl samt seines Gegners zurück. Es war eine Demonstration reinster Stärke. Und genauso gewollt.

Sein Gegner war mächtig. Daran zweifelte Bluthauer nicht. Doch er hatte sein Muster studiert und eine Schwäche erkannt: Sorak konnte nur verteidigen, solange er angriff.

Es war wahr. In jedem seiner Duelle und Massenkämpfe war Sorak stets einem aggressiven Mantra gefolgt: Keine Pause. Kein Rückschritt. Schwung um Schwung. Immer nur vorwärts. Nur selten war er auf einen Gegner getroffen, der ihm und seiner rohen Kraft Paroli bieten konnte. Doch diese Erkenntnis war seine letzte.

Noch während Sorak auf seinen Hufen zurücktaumelte, sah er nur noch Bluthauers Kopf auf sich zuschnellen. Der Aufprall traf seine empfindliche Schweineschnauze. Blut spritzte. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte auf den Rücken.

„Seht ihr?! SEHT IHR?!“, feuerte Nukzos die Menge an.

Alle waren von dem Schauspiel begeistert. Selbst jene, die in ihrer Gier gegen Bluthauer gewettet hatten, konnten kaum fassen, wie spielend der Troll den Roder auf den Rücken gezwungen hatte. Der Sturz roch nach Schwäche. Die Zuschauer verlangten Strafe. „Tod, Tod, Tod, Tod, Tod!“

Tod. Es war ein Wort, das in Bluthauer weder Mitleid noch Hass für seinen Gegner hervorrief. Wenn er es hörte, bedeutete das nur eines: Bald gab es Abendessen und Weibchen. Mehr Sorgen hatte dieser Troll nicht, als er seinen Fuß triumphal auf Soraks Wampe stemmte.

Zum ersten Mal, seit er die Arena betreten hatte, gewährte Bluthauer der Menge einen langen Blick und nahm sie bewusst zur Kenntnis.

Es war ein Schauspiel, das sich in dieser Arena schon unzählige Male wiederholt hatte – mit diesem und vielen anderen Kämpfern. Die Besten wussten, wie die Menge es wollte. Sie hatten lange genug überlebt, um es zu lernen.

Erst als die Rufe nach dem Tod beinahe drohend gegen den Sieger wurden, richtete Bluthauer seine Augen auf den noch immer benommenen und völlig blutverschmierten Sorak. Mit einem triumphierenden Schrei stieß er die Klinge in die Brust des Roders und ließ dessen blubberndes Blutgrunzen für immer verstummen.

Während die Menge den Sieg feierte, blieb Nukzos still. Das Gold war verdient. Doch seine Gedanken waren längst anderswo.

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

1

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author

Your work is impressive, and I see amazing potential. I’d love to help showcase it through line art animation. Can we connect on other social media?

a year
author

Das fängt schon mal ziemlich heftig an 🙈🤭

3 months
1

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