SMUT THINGS

Summary

𝐄igentlich ist alles was Grace immer wollte, dass ihr bester Freund Steve mehr in ihr sieht und ihre langjĂ€hrigen GefĂŒhle endlich erwidert. Doch das Schicksal hat nunmal andere PlĂ€ne und es keimt ein nie da gewesenes Verlangen fĂŒr jemanden auf, der ein dĂŒsteres Geheimnis verbirgt. SLOWBURN x HUMOR x SMUT

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1











MANCHMAL BEKAM ICH DAS GEFÜHL, als wĂŒrde er mich regelrecht hassen. Oder es zumindest manchmal versuchen, als wĂŒrde er sich bewusst dafĂŒr entscheiden, mich von sich abzustoßen. Vielleicht kam es mir auch nur so vor und es war einfach ein Teil seines Charakters, der tief in ihm verwurzelt war. Wie eine Art schlechte Angewohnheit, dass man die Menschen von sich fern hĂ€lt, die nett zu einem sind und einem gut tun könnten.

»Warum guckst du schon wieder so theatralisch aus dem Fenster?« Seine Stimme bohrte sich durch mich hindurch, so dunkel und mahnend wie sie wieder klang.

GĂ€nsehaut bildete sich auf meiner Haut und ich schluckte leicht. Wohl wissend, dass er es sowieso nicht bemerkt hat, da sein Blick an die Straße geheftet war und die Musik im Hintergrund aus den Boxen tönte.

»Graaace...« brummte er wieder in diesem dunklen Ton. Ja, ich kannte diese Oktave nur zu gut. Genauso klang es, wenn er kurz davor war, mich wieder anzuschreien und seiner Wut freien Lauf zu lassen. FĂŒr die ich meistens gar nichts konnte, weil er einfach ein Pulverfass war, das beim kleinsten Funken in die Luft ging.

Ich wusste, dass er sich dafĂŒr oft indirekt schlecht fĂŒhlte. Nicht weil er mich oder wen auch immer verletzte, sondern weil er seine Kontrolle nicht abgeben wollte, nicht mal an seine eigenen GefĂŒhle.

»Ich schaue nicht theatralisch, ich schaue einfach nur nach draußen.« Ich sprach so leise, dass er mich durch Ted Nugent’s Geschrei und seine E-Gitarre kaum hören konnte. Mein Blick war weiterhin auf die vorbei rauschenden BĂ€ume neben mir gerichtet.

Das Auto heizte ĂŒber die leere Landstraße, natĂŒrlich wie immer weit ĂŒber die Geschwindigkeitsbegrenzung und ich machte kein Geheimnis daraus, dass mich die Schnelligkeit nervös werden ließ. Erstrecht nicht, seitdem ich ihn schon einmal auf das Armaturenbrett gekotzt habe. Ist ja nicht so, als hĂ€tte ich ihn nicht gewarnt.

Langsam fing auch ich an mich dafĂŒr zu hassen.

Ja, ich war wĂŒtend auf mich selbst, dass ich so fĂŒhlte und so wenig Kontrolle ĂŒber meine Emotionen und Taten hatte, diese zu verbergen. Ich wollte mich nicht so fĂŒhlen und erst recht sollte niemand es wissen. Ganz besonders nicht er. Und damit meinte ich nicht, dass mir ĂŒbel von seinem Fahrstil wird...

Doch er wusste es. Ich spĂŒrte, dass er es spĂŒrte.

Und es ihn sauer machte. Warum das so war, konnte ich nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht weil es alles nur kompliziert machen wĂŒrde.Wenn da ĂŒberhaupt etwas ist, Gracie...

»LĂŒg mich nicht an.« zischte er und trat fester auf das Gaspedal. Wieder schluckte ich hart, als ich von der schlagartigen Geschwindigkeit in den schwarzen Ledersitz gedrĂŒckt wurde. Und ich wusste, dass es nur eine Frage von Sekunden sein wird, bis mir wieder kotzĂŒbel war.

»Du wolltest dieses kleine Spielchen unbedingt spielen. Oder hat little Miss Sunshine das etwa vergessen?« FlĂŒchtig schaute er zu mir rĂŒber und ohne, dass ich den Blick erwiderte, wusste ich, dass seine Lippen aufeinander gepresst und sein Kiefer angespannt war. Oh, er war also so richtig wĂŒtend.

Nahm er sie etwa gerade in Schutz? Oder war er einfach nur angepisst?

»Weißt du...« Er hielt inne und ich wusste, dass jetzt entweder gar nichts folgen wĂŒrde, oder etwas richtig Fieses. So war es nĂ€mlich jedes Mal. Doch ich war absolut nicht scharf darauf, zu erfahren, fĂŒr was er sich letztendlich entscheiden wollte. Dieses Mal jedenfalls nicht.

Die Sonne schien und es war Freitag, eigentlich sollten wir gute Laune haben, vielleicht das Wochenende planen oder ĂŒber die Party am Samstag sprechen. Aber nein, ich hatte mal wieder meine Wortwahl nicht vorher ĂŒberdacht und dafĂŒr hĂ€tte ich mir in diesem Augenblick gerne die Zunge abgebissen. Und so wie es schien, hĂ€tte er sich darĂŒber auch gefreut.

»Es reicht jetzt!« Kurz sah er zu mir und unsere Blicke trafen sich. Doch bevor er antworten konnte, drehte ich meinen Oberkörper leicht in seine Richtung. Rick meinte ja schließlich, dass die Körpersprache mehr aussagt als Worte es jemals könnten. Also war schlichten und auf ihn zugehen angesagt. Soweit er es natĂŒrlich zulassen wĂŒrde.

»Ich bin nicht eifersĂŒchtig, okay? Ich verstehe nur nicht, warum du ausgerechnet zu ihr nett sein musst?«

DafĂŒr, dass ich ĂŒberhaupt nicht lĂŒgen kann, war das eigentlich gar nicht schlecht. Das schien Billy irgendwie anders zu sehen, denn von dem kam nur ein abfĂ€lliges Lachen, mit den Blick auf die Straße gerichtet. Diese kalten, bösen blauen Augen.

»Was geht...«

»Ja, ja... es geht mich nichts an!« fuhr ich ihm mĂŒrrisch dazwischen, darauf fokussiert, mir nichts von meinem Aua in meiner linken Brust anmerken zu lassen.

»Aber ich dachte, dass wir sowas wie Freunde wĂ€ren. Und du weißt, was sie getan hat... mich wĂŒrde es nichtmal wundern, wenn sie sich nur an dich ranmacht, weil sie mich hasst. Weil sie denkt, dass wir eventuell etwas miteinander haben und sie dich mir wegnehmen will. Genau wie sie es bei Steve versucht hat.«

Wow, das kam dann irgendwie doch alles ein bisschen schneller und höher heraus als geplant und dass Steve’s Name gefallen ist, machte es mit absoluter Sicherheit auch nicht besser. Erstrecht nicht, wenn ich ihm indirekt unter die Nase rieb, dass Steve etwas besser gemacht hat als er.

Dabei war es genau das, was ich gedacht habe und demnach auch aussprechen wollte. In der leisen Hoffnung, dass er auch in diesem Fall besser sein will, als King Steve, wie er es immer in dem gewohnt abfÀlligen Ton ausspuckte.

Cheryl ist so ein verdammtes MiststĂŒck.

Sie war vielleicht irgendwann mal ein guter Mensch. Irgendwann, als wir Kinder gewesen sind. Aber inzwischen hasste sie mich. Warum dies so war, wurde mir nie gesagt, aber seitdem sie etwas mit Jessie anfing, nachdem er mich vor unserem ganzen Jahrgang gedemĂŒtigt hatte, war mir klar, dass sie mir einfach nur mein Leben schwer machen wollte.

Sie scheint es zu genießen, vor all den Jungs den Engel raushĂ€ngen zu lassen, wĂ€hrend sie sich mit nahezu jedem MĂ€dchen auf der Schule verfeindete.

»Und warum gibst du ihr dann was sie will?« kam es monoton zurĂŒck mit einem kurzen kĂŒhlen Blick, bevor er sich wieder zurĂŒck zur Straße wandte. Ich musterte sein Seitenprofil kurz, bevor auch ich mich gerade in den Sitz setzte und realisierte, dass wir bereits fast an meinem Haus waren.

Ich gebe ihr, was sie will? Ist das sein scheiß Ernst?

»Was meinst du?«

»Was interessiert dich, wenn ich sie flachlege? Denkst du das Ă€ndert was an unserer Freundschaft?« WĂŒrde ich es nicht besser wissen, wĂŒrde ich denken, dass ihn dieses GesprĂ€ch nicht nur ankotzt, sondern schon fast langweilt?

»Sie ist heiss, sie ist leicht zu haben und sie soll Dinge können. Du weißt schon. Mehr nicht. Ich scheiße auf sie, aber mal wieder Druck ab lassen, ist doch nicht verkehrt. Also warum nicht in ihr Gesich-«

»Man!« zischte ich dazwischen und hielt mir diesmal wirklich theatralisch die HĂ€nde ĂŒber die Ohren, wĂ€hrend er lachte. Arschloch.

»Es ist mir doch egal, was du dabei denkst! Schon klar, dass du dich nicht verlieben wirst, sie deinem Vater vorstellst und Kinder mit ihr willst.« Ich nahm meine HÀnde von den Ohren und konnte mir ein trauriges Seufzen nicht verkneifen.

»DafĂŒr brĂ€uchtest du ja schließlich sowas wie ein Herz.«

Auch wenn wir nun sowas wie Freunde waren, zweifelte ich noch immer an, ob Billy sowas wie GefĂŒhle ĂŒberhaupt zulassen konnte. Ja, er fuhr mich oft zur Schule und zurĂŒck. Auf Partys beschĂŒtzte er mich manchmal vor aufdringlichen Betrunkenen. Wir erzĂ€hlten uns auch die ein oder anderen privaten Dinge und wahrscheinlich war ich die einzige Person in Hawkins, der er ĂŒberhaupt irgendwas Persönliches ĂŒber sein Privatleben erzĂ€hlte oder die auch den Namen seiner Mutter kannte, mal abgesehen von seiner lieblosen Kindheit oder den GrĂŒnden wieso er hier hingezogen war.

Gleichzeitig arbeitete er aber auch fĂŒr meinen Onkel, natĂŒrlich dank mir. Und ich wusste, dass er diesen Job mehr als nur ein bisschen brauchte. Ohne ihn könnte Billy sein Auto nicht finanzieren und die MĂ€dels von unserer Schule mĂŒssten ihre Drinks und Burger bei ihrem ersten und meistens letzten Date selbst bezahlen.

Manchmal erschien mir unsere Freundschaft eher wie eine Art Kompromiss, der durch zufÀllig aufeinander folgende Ereignisse entstanden ist.

Billy war so unzugÀnglich und anders, als all meine Freunde, so anders als eigentlich jeden, mit dem ich zuvor zu tun hatte. So anders als Steve. Und dennoch mochte ich ihn mehr als nur ein bisschen, so wie bisher nur Harrington. Der mit Nancy zusammen ist, komm damit klar.

Obwohl sie nichts miteinander gemein hatten. Er war bei weitem nicht so aufmerksam und fĂŒrsorglich, er war nicht loyal und oft nicht mal freundlich, Billy war weder warm noch einfĂŒhlsam.

Nein, er war kalt, egoistisch und dennoch gab es eine Seite an ihm, die mich zu ihm hinzog, wie helles Licht in der Nacht Insekten anlockte. Eher wie ein Insektenschröter, der erst so faszinierend hell und fesselnd leuchtete, nur um sie dann elendig zu brutzeln...

»Was interessiert dich ĂŒberhaupt, was sie denkt?« zischte er abfĂ€llig durch das laute Gitarrensolo und bog mit quietschenden Reifen in meine Straße ab. Angespannt hielt ich mich am TĂŒrgriff fest und sog die Luft scharf ein, als ich dadurch aus meine wirren Gedanken gerissen wurde.

»Fahr langsamer, bitte!«

»Ich hab dich was gefragt, Grace.« Seine Stimme wurde wieder langsam ruhiger und damit auch eine Oktave tiefer, wÀhrend er mich mit genauso dunklen Augen ansah.

Doch ich legte fragend meine Stirn in Falten, als meine Augenbrauen nach oben wanderten... Denkt er echt, ich habe Angst vor ihm? Hah. Vielleicht – manchmal – ein bisschen.

»Weißt du Billy, zwischen Freunden sollte eigentlich so etwas wie LoyalitĂ€t herrschen. Ich weiß nicht, ob dir das Wort bereits bekannt ist, du könntest ja mal im Duden nachschauen.« Ich sah ihn herausfordernd an und schenkte ihm ein falsches LĂ€cheln. »Das bedeutet, dass -«

»... Ich dich fragen muss wen ich ficken darf?« Er bremste so scharf, dass ich in den Gurt flog und ein leises Quietschen aus meiner Kehle schoss, bevor ich ihm geschockt gegen die Schulter boxen wollte. Doch er umgriff fest um mein Handgelenk, bevor mein Schlag ihn ĂŒberhaupt erreichte.

»Nein, man! Sie hat damals einfach nur mit Jessie geschlafen, um mich zu verletzen! Es ging ihr nur darum, mich zu erniedrigen! Und sie wollte das Gleiche bei Ste–...« Nein, Grace, sprich jetzt nicht nochmal seinen Namen aus. Einmal pro Fahrt reicht.

Ich riss mich aus seinem Griff und blinzelte meine aufkommenden TrÀnen gerade noch weg, von denen ich mir selbst einreden wollte, dass es nichts weiter als WuttrÀnen waren.

»Sie... Ich weiß nicht, warum Cheryl mich so hasst. Aber sie tut es! Und deswegen hat sie mir unter die Nase gerieben, mit Jessie zu bumsen, die Person, die mich verarscht und bloßgestellt hat. Vor der ganzen Schule... u-und nun versucht sie es genauso bei dir!«

Ich griff vergeblich nach meiner Tasche, die im Fußraum zwischen meinen FĂŒĂŸen lag, doch meine langen Haare fielen immer wieder nach vorne in mein Gesicht, so dass ich kaum sehen konnte, wonach meine HĂ€nde da eigentlich griffen.

Gott, diese Haare machen mich manchmal irre. Schnell strich ich sie mir hinter meine Ohren, bevor ich den Sicherheitsgurt öffnete und wieder zu Billy sah, der sich gerade sichtlich gereizt eine Zigarette anzĂŒndete. Ohne mir auch nur einen weiteren Blick zu wĂŒrdigen.

»Schlaf mit wem du willst...« murmelte ich wider Willen, meiner nicht rein freundschaftlichen GefĂŒhle zu ihm, am liebsten hĂ€tte ich ihm etwas anderes gesagt. Aber mir war durchaus bewusst, dass es nichts besser machen wĂŒrde. Wohl eher im Gegenteil. »Aber ich verstehe einfach nicht, wenn du weißt, wie gemein sie immer zu mir ist, du ĂŒberhaupt so nett zu ihr sein kannst. Ich meine nur, ich wĂŒrde-«

»Ich bin aber nicht du, Sweetheart... oder wie du.« Auch wenn er es nicht wĂŒtend, finster oder lachend sagte. Es tat weh. So kalt und monoton wie in seinen besten Momenten. Typisch wenn irgendwas passiert oder gesagt wird, dass ihm nicht in den Kram passt. Diese Situation gehörte ganz klar zu den Best of Billy Hargrove.

»Oder deine beste Freundin Harrington.«

Er sagte mir damit grundsÀtzlich nichts anderes als, dass er nicht loyal ist und ich es auch gar nicht erst von ihm erwarten sollte.

Mein Atem ging flach und ich konnte seinem Blick nicht standhalten. Er schien das alles nicht mal ernst zu nehmen. Oder eher mich. Der Arsch nahm mich scheinbar einfach nicht ernst. Es schien so, als wĂŒrde es ihn nur minder interessieren, dass er mich damit verletzte.

Also nickte ich eher zu mir selbst und streifte den Gurt ab. Bevor ich die TĂŒr aber öffnen konnte, hörte man die Zentralverriegelung, worauf ich leise seufzte und mich wieder zu ihm umdrehte. Er genoss allem Anschein nach, mich zu peinigen. Das war’s bestimmt, er war einfach nur ein Sadist und ich dann wohl oder ĂŒbel ein Masochist.

Wow, Gedanken Grace... achte auf deine Gedanken!




Â»đƒđ” 𝐖𝐎𝐋𝐋𝐓𝐄𝐒𝐓 𝐌𝐄𝐈𝐍𝐄 𝐊𝐋𝐄𝐈𝐍𝐄 𝐊𝐔𝐌𝐏𝐄𝐋𝐈𝐍𝐄 sein und ich habe dir gesagt, dass du dir das gut ĂŒberlegen solltest. Dann hast du mich einfach immer mehr in dein kleines Bilderbuchleben infiltriert und nun bist du ...was, hm Sweetcheek? Ich habe dich gewarnt, du weißt wie das lĂ€uft. Denn ich habe keinen Bock auf irgendeine Art von Verpflichtungen, Dramen oder lĂ€stigen Zickenkriege.« Sein Ton war ruhig, fast monoton und ich konnte seinen harten Blick fĂŒr kurze Zeit auf mir spĂŒren. »Und nun sitzen wir hier...«

Gosh, vielleicht war ich wirklich einfach ein Masochist, denn ja, vielleicht war Billy in seinen Taten und Worten kein guter Mensch. Aber auch wenn selten, habe ich etwas in ihm gesehen, das nicht gut war. Sondern pur.

Doch er erlaubt es sich selbst nicht, diese Art von Mensch zu sein. Denn in all den Jahren, die er seinem Vater alleine ausgesetzt war und unter seinem formenden Einfluss stand, ohne Liebe und VerstĂ€ndnis. Hatte Billy verlernt, GefĂŒhle zuzulassen, sich zu erlauben, offen mit seinen SchwĂ€chen oder Ängsten umzugehen und anderen Menschen die fĂŒhlenden Facetten seines Herzens zu zeigen.

Neil hat ihn, obwohl er noch so jung war, verdorben. Er hat seinem kleinen Jungen beigebracht, dass es schwul ist ĂŒber seine GefĂŒhle zu reden oder ĂŒberhaupt erst welche zu entwickeln.

Einem kleinen unschuldigem Kind wurde es verboten zu weinen und es wurde von klein auf gelehrt, Dinge erst zu ĂŒberdenken, nachdem man der aufgestauten Wut und dem Schmerz ungezĂŒgelt Lauf gelassen hat.

Das war Billy.

Ein kleiner verdorbener Junge, der viele aufgestaute Emotionen mit sich herum schleppte, die er hinter vielen hohen Mauern versuchte zu verbergen. Vielleicht war das der Grund, warum ich in diesem Auto saß und mich so in einen Bann gezogen fĂŒhlte. Denn ich wollte diese Mauern einreißen.

Ich konnte ihm das vergeben, weil ich es verstanden habe.

Denn wer alles versteht, kann alles vergeben.

Schweigend nahm er einen Zug von seiner Zigarette, wÀhrend ich aus meinen Gedanken gerissen wurde, von dem GerÀusch des Ledersitzes unter ihm.

Zögerlich löste ich den Blick von meinen HĂ€nden in meinem Schoß und wandte meinen Blick zu ihm.

Wie er dort saß, nachdenklich, mit gewohnt harten GesichtszĂŒgen und einem Arm aus dem Fenster hĂ€ngend, geradeaus starrte. Im Hintergrund konnte ich sehen, wie Heimdall schwanzwedelnd auf der Terrasse stand und sich jaulend und quietschend ĂŒber meine Ankunft freute.

»Ich bin nicht in dich verliebt, okay?« murmelte ich und schĂŒttelte kurz den Kopf, vielleicht, weil ich mir das selbst kaum glauben konnte oder auch, weil es mich traurig stimmte, nicht zu meinen GefĂŒhlen stehen zu können.

Doch er lachte höhnisch und leckte sich kurz ĂŒber die Lippe, bevor er sich zu mir drehte und wieder an seiner Zigarette zog, abwartend, ob noch etwas von mir kommt.

Dabei musterte er mich auf diese Art, wie er es anfangs immer getan hat, um mich nervös zu machen. Damals dachte er, dass ich auch nichts weiter als eine seiner schnell vergÀnglichen wilden Bettgeschichten werden könnte.

Na ja, falsch gedacht, wÀre wohl reichlich untertrieben.

»Mir war immer egal mit wem du geschlafen hast, bei welcher, habe ich je etwas gesagt? Hm?« Oh ja, das ist eine gute Frage. Denn ich konnte binnen Sekunden erkennen, dass er sofort ĂŒber eine gute Antwort grĂŒbelte.

Die aber nie kam.

»Ganz genau! Noch nie. Bei ihr geht es nicht um dich. Es geht um sie. Um Lo-ya-li-tÀt!« In dem Moment hÀtte ich mir selbst gerne einen lobenden Schulterklopfer verpasst.

Doch ich sah ihn schlichtweg mit einem selbstgefĂ€lligen Grinsen an, wĂ€hrend ich meine Arme vor meiner Brust verschrĂ€nkte und diese mit voller Absicht nach oben drĂŒckte, was ihm natĂŒrlich nicht entging.

Pluspunkt fĂŒr mich, Möpse sind halt schon echt etwas Tolles.

Nachdem seine blauen Augen wieder zurĂŒck zu meinem Gesicht gewandert sind und sein LĂ€cheln fast verschwunden war, seufzte er ergiebig und schnippte seine Zigaretten aus dem Fenster, direkt vor unserem Zaun. Ich ließ es dieses Mal einfach so stehen, man konnte ja schließlich nicht gleichzeitig an allen Baustellen arbeiten...

»Schön, dass wir das klĂ€ren konnten. Danke fĂŒrs Fahren.« grinste ich besonnen, da ich es mir nicht verkneifen konnte und beugte mich zu ihm herĂŒber, um ihm eigentlich einen provokanten Kuss auf die Wange zu geben, er drehte sein Gesicht aber unerwartet zu meinem. So, dass uns nur wenige Zentimeter voneinander trennten.

Seine dichten schwarzen Wimpern umrahmten seine blauen, kalten Augen, die meine durchbohrten mit einem undefinierbaren, fast hungrigen Blick? Seine NasenflĂŒgel bebten leicht und er hob langsam seine dunklen Augenbrauen. War es Wut oder Selbstbeherrschung? Oder beides? Dinge, die ich nie erfahren werde.

»Dieses eine Mal Prinzessin, denk nicht, dass ich bei euren Zickenkri-«

»Ja, ja, ja...ist ja gut, du alter Charmeur. Danke.« Ich gab ihm trotzdem einen leichten Kuss auf die Wange und lĂ€chelte, bevor ich mich zurĂŒcklehnte und auf die verriegelte TĂŒr deutete, die er fĂŒr mich kommentarlos öffnete, ohne mich anzusehen.

Doch wĂ€hrend ich ausstieg, konnte ich seine Augen auf mir spĂŒren. Ich wusste genau, dass er nicht auf meinen RĂŒcken oder Hinterkopf starrte, dieses Schwein.

Und ja, vielleicht hatte ich mit Absicht diese Jeans angezogen, von der ich genau wusste, dass sie meinem Arsch schmeichelte, weil sie so verdammt gut saß und nicht weil sie besonders bequem war. Auch wenn wir dieses Freundschaftsspiel spielten, war ich mir sicher, dass er sofort wĂŒrde, wenn ich es zulassen wĂŒrde. Billy wĂŒrde ĂŒber mich herfallen und mich dazu zwingen, ihm noch mehr zu verfallen.

Auf eine andere Art.

Einem anderen Level.

Um mich danach wahrscheinlich genauso fallen zu lassen, wie die anderen naiven MĂ€dels, die er um seine charmanten Finger wickelte, bevor er sie in der Hoffnung zurĂŒckließ, dass sie die eine Besondere sind, die ihn Ă€ndern konnte. Und genau deswegen wollte ich es nicht zulassen. Es war gut so, wie es war. Einfacher. Irgendwie. Auch wenn“Einfach” definitiv das falsche Wort gewesen ist, um diesen Kerl zu beschreiben.

Bevor ich die TĂŒr richtig zuschlagen konnte, gab er schon Gas und ließ mich schwankend vor meinem GrundstĂŒck in einer Staubwolke zurĂŒck.

WĂ€hrend die AutotĂŒr vom Fahrtwind zu knallte. Ja, ja... Poser.