Wolfsgrau: Dunkelwald, Buch 1

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Summary

Marie würde alles tun, um Ihren kleinen Bruder Ben zu schützen. Auch sich an ein Leben bei Wolfswandlern zu gewöhnen, die Ihre neue Familie sein sollen. Das einzige das Sie nicht tun würde, ist sich an den zukünftigen Alpha Eric zu binden. Auch er wehrt sich gegen Ihre gemeinsame Anziehungskraft und den unauflöslichen Bund, den Ihre Wölfe einzugehen bereit sind.

Status
Complete
Chapters
27
Rating
4.8 12 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Heute war der vierte Jahrestag, an dem Ben und meine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Seitdem gibt es nur noch uns. Mittlerweile ist er schon zwölf Jahre alt und ein Mensch, der jeden Tag lächelt und positiv in die Zukunft sieht. Doch leider denke ich oft, dass er versucht, mich und andere nur drüber hinwegzutäuschen, wie traurig er über unseren Verlust ist.

Am Anfang weinte er viel, aber heutzutage hat er immer ein lustiges Wort oder einen Scherz auf den Lippen. Ben wird durch seine offene, freundliche Art von allen gemocht und hat in seiner jetzigen Schule eine Menge Freunde gefunden, worüber ich sehr froh bin. Das Letzte, was ich mir für ihn wünsche ist, dass er glaubt, er wäre alleine.

Ich hatte nie Zeit, selbst zu trauern, da mich der plötzliche Tod unserer Eltern dazu zwang, meine ganze Konzentration auf Ben zu richten. Dies hatte und hat bis heute Vorrang vor allem.

Auch vor dem eigenen Liebesleben. Ich bin seit kurzem fünfundzwanzig Jahre und war noch nie verliebt, denn mit den zwei Männern war ich eher aus dem Grund zusammen, endlich jemanden zu haben, der nicht zwölf ist. Aber Liebe war es bei beiden nicht und so waren Ben und ich schnell wieder unter uns.

Wir zwei gegen den Rest der Welt sagt Ben immer zu mir, wenn er merkt, dass ich traurig werde. Ich kann mir nicht vorstellen, wie jemand so einen Verlust ohne beistand durchsteht.

Da wir seit dem nur noch zu zweit waren, war es notwendig, mich um einen Job zu kümmern, der zu so einer Lebenssituation passt. Leider gehörte ein erneuter Umzug dazu. Es war das elfte Mal, da unsere Eltern nie lange an einem Ort zufrieden waren, und so sind wir viel herumgekommen. Mama und Papa sagten immer, Sie bräuchten nur sich und uns, um die glücklichsten Menschen der Welt zu sein. Daher hat Ben sein Motto wahrscheinlich auch her.

In den Blicken meiner Eltern lag so viel wärme füreinander, dass es niemand übersah, wie sehr sie sich liebten. Für alle waren Sie das Traumpaar mit einer perfekten Beziehung. Wir Kinder waren die Krönung, wie Papa immer sagte.

Ihre Vertrautheit lässt mich als Einziges daran glauben, doch die Liebe zu finden, obwohl ich mittlerweile die Hoffnung verliere, da mir dieses Gefühl so fremd ist. Ob nicht jeder Mensch dazu geschaffen ist?

Und was ist schon perfekt? Dann spüre ich kein Feuerwerk, wenn der eine vor mir steht, sondern nur Freude, das kann doch auch reichen. Ben gibt mir schließlich ebenfalls das Gefühl nicht alleine zu sein.

Ich habe beschlossen, dass dieser Umzug unser letzte ist, denn es ist nicht unbedingt optimal, für ein Kind sich andauernd verabschieden zu müssen. Das war schon zu oft der Fall.

Meinen neuen Job habe ich in einem noblen Restaurant bekommen, der mir Spaß macht. Die Schichtleitung hat Verständnis für die Situation, in der wir stecken und passt die Arbeitszeiten so an, dass ich für Ben genügend Zeit habe. Nur am Wochenende ist es nötig, dass ich abends arbeite, doch dann hat zum Glück unsere Nachbarin Oma Ruth ein Auge auf Ben.

Sie wohnt direkt in der Wohnung unter uns und lächelt immer, wenn Ben und ich Sie Besuchen. Ich vermute, Sie ist genauso einsam wie wir, obwohl Sie einen Sohn hat, wie Sie uns erzählt hat. Zum Glück lebt eine so nette Dame im selben Haus, die sich freut, in uns einen Enkelersatz zu haben.

Ben fragt oft, ob ich es nicht satthätte andere Menschen zu bedienen, aber es macht mich glücklich. Das ich unsere Gäste mit dem erlernten Fachwissen zu beeindrucken kann, zeigt mir, dass ich ausgezeichnet in meinem Job bin.

In den vergangenen vier Jahren habe ich es geschafft, mich bis zum Maître d´ Hôtel oder Oberkellnerin genannt, hochzuarbeiten. Eine Leistung, auf die ich sehr stolz bin.

Ich finde meine Kollegen genauso nett wie die Gäste und bin gerne hier im Restaurant, so wie heute Abend. Es war die Hölle los und es waren hochrangige Persönlichkeiten da, die nur Lob für mich da ließen, wie aufmerksam und zuvorkommend ich bin. Ihr Lob vertreibt meine Unsicherheit, wie sonst nichts.

Als die Tür, nach Feierabend hinter mir abgeschlossen wird, sehe ich auf mein Handy. Es ist schon zwei Uhr nachts, ich sollte mich beeilen. Es ist ein warmer Samstag Anfang Juli und es hatte, kurz bevor ich das Restaurant verließ, geregnet.

Ich liebe den Geruch von frisch gefallenem Regen an einem heißen Sommertag und atme diesen mit einem breiten Lächeln, Tief ein. Es sind nur fünfzehn Minuten bis nach Hause, weswegen ich im Sommer mit dem Fahrrad fahre.

Während der Fahrt genieße ich den Fahrtwind und den Geruch der frischen Nachtluft in den blonden Haaren. Es bringt mich zum Grinsen, wenn ich sie sehe, denn es hat eine Weile gedauert, bis sie diese Länge erreicht haben und ich finde sie am beeindruckendsten an mir. Nur das grüne Strahlen meiner Augen ist noch etwas besser.

Nicht ganz so imponierend ist meine Figur. Diese würde ich als normal bezeichnen. Sportlich und schlank, aber mit genug Kurven, um die Aufmerksamkeit der Männerwelt zu bekommen. Manchmal sogar zu deutlich.

Die warme Luft auf der Haut lässt einen wohligen Schauer durch meinen Körper fahren. Diese Ruhe nachts, sobald keiner mehr unterwegs ist und ich einen Moment alleine bin, genieße ich immer. Am besten ist es zwar mit Ben, allerdings braucht jeder mal eine kurze Pausen von allem.

Er sollte um die Zeit schon längst schlafen, aber manchmal wartet er auf mich, damit ich ihm von der Arbeit berichten kann. Im Gegenzug berichtet er mir von den neusten Geschichten, die er von unserer Nachbarin erzählt bekommen hat.

Wenn Oma Ruth Müde wird, verschwindet er in nach oben in sein Zimmer. Dort zockt er dann und wartet auf mich, obwohl er ihr gegenüber behauptet, schlafen zu gehen.

Zuhause angekommen fällt mir direkt auf, dass unten der Fernseher an ist. Komisch. Mich überkommt eine seltsame Vorahnung und meine Nackenhaare stellen sich auf.

So habe ich bis jetzt nur einmal empfunden, und zwar an dem Tag, als es an der Tür klingelte und der Polizeibeamte mir mitteilte, dass wir Vollwaisen sind. Dieses ungute Gefühl lässt mich durch Oma Ruths Fenster schauen. Nichts zu sehen, außer dem laufenden Fernseher.

Ich betrete den Hausflur und gehe zügig nach oben zu unserer Wohnung, denn mich überkommt eine unwillkürlich Angst und verstärkt sich immer mehr. Sobald die Tür geöffnet ist, höre ich aus Bens Zimmer gewohnte Geräusche und sehe durch die angelehnte Tür, das flackernde Licht seines Bildschirms. Erleichtert atme ich aus.

Grade als ich mich etwas entspanne und nach Ben schauen möchte, fällt mir dieser Geruch auf, es riecht nach Erde und feuchtem Holz. Ich bleibe wie angewurzelt stehen, als ich eine Bewegung im Augenwinkel sehe.

Im nächsten Moment spüre ich, wie mich etwas Hartes im Gesicht trifft und wie ich auf unserem Boden aufschlage, danach nur Dunkelheit.