Kapitel 1
Hier war ich nun. Alleine mit meinem Koffer vor meinem Apartment in LA.
Ich schaute auf das riesige Gebäude und schloss meine Augen. Autos fuhren auf der Straße, Menschen unterhielten sich und lachten. Hatte ich mir so LA vorgestellt? Hatte ich mir mein Leben so überhaupt vorgestellt?! Das einzige was ich wusste war, daß es für mich kein Zurück gab. Keinen Plan B oder einen Weg aus meinem Dilemma. Es gab nur mich und meinen Willen mein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Doch wie sollte ich das anstellen? Vor 2 Wochen war ich noch verlobt und hätte in 3 Monaten die Liebe meines Lebens geheiratet, nun das dachte ich zumindestens. Der Schmerz an die Erinnerung stach in mein Herz und ich riss die Augen auf. Ich hatte schon zu viele Tränen für diesen Mistkerl vergeudet.
Ich nahm meinen Koffer und ging in das Gebäude, was von nun an erstmal mein "zu Hause" sein sollte. Als ich vor dem Fahrstuhl stand las ich das Schild: "Wartungarbeiten, außer Betrieb"!
"Super" sagte ich zu mir selbst und verdrehte die Augen. Nun gut, ein kleines Workout würde nicht schaden. Also nahm ich meinen 40kg schweren Koffer mit meinem Hab und Gut und stieg in das 3. Stockwerk. Außer Atem stand ich vor meiner Haustür und suchte meinen Schlüssel, den ich in irgendeine Tasche gestopft hatte. Ich fluchte und schmiss meine Handtasche auf den Boden und sank daneben. Mir war zum heulen und ich hätte mich am liebsten in das kleine schwarze Loch verkrochen, in dem ich mich die letzten 2 Wochen versteckt und bemitleidet hatte. Gerade als mir die Tränen kommen wollten sagte eine männliche Stimme: " Hey hey, wieso denn so verzweifelt? Ich wette es ist nichts was ein guter Cupcake und eine heiße Schokolade nicht wieder retten kann."
Ich schaute auf und sah einen Mann Mitte 30. Er hatte schwarze, schulterlange Haare und sah genauso aus, wie ich mir einen Mann aus LA vorgestellt hätte.
"Dann bräuchte ich wahrscheinlich eine ganze Fabrik von Cupcakes um mich zu retten", sagte ich ironisch.
Der Mann lachte und bot mir seine Hand an. Ich nahm sie entgegen und er stellte sich vor.
"Ich bin Mikel, aber Mik reicht voll und ganz. Und wie darf ich die verzweifelte Frau nennen die mir den Weg zu meiner Wohnung versperrt?"
Erst jetzt bemerkte ich, daß ich mitten vor den Treppen saß und mit meinen Koffer den Weg versperrte.
" Oh sorry, das tut mir leid. Ich bin Naemi."
"Kein Problem Naemi. Dann sind wir wohl Nachbarn. Ich wohne gegenüber."
"Klasse ,dann kenne ich ja schon jemanden hier." antwortete ich ihm schnell und suchte nach meinen Schlüsseln.
"Kennen tun wir uns erst wenn wir zusammen eine Nacht durch LA gefeiert sind", Mik lachte und ging an mir vorbei.
"Nun, wenn ich meinen Jetlag ausgeschlafen habe komme ich vielleicht darauf zurück ".
Ich wollte nicht unhöflich sein und direkt ablehnen, aber an Männern hatte ich absolut kein Interesse. Auch wenn er gut aussah und mir bestimmt einen Teil meiner Trauer vorübergehend nehmen könnte, das war nicht das was ich brauchte.
Plötzlich öffnete jemand Miks Appartment.
"Hey Babe, mit wem flirtet du denn da schon wieder?" Ein blonder Mann sprach mit Mik und sah zwischen uns beiden hin und her.
"Hey Babe, das ist unsere neue Nachbarin Naemi. Ich durfte sie gerade schon kennenlernen. Naemi, das ist Tom mein Freund." Mik stelle uns vor und mir wurde bewusst das die zwei ein paar sind und Mik nur freundlich war, ohne Hintergedanken mich ins Bett zu kriegen.
"Schön dich kennenzulernen Tom. Ich wohne ab heute hier. Leider habe ich nen üblen Jetlag und brauche ne ordentliche Mütze Schlaf. Bitte verzeiht mir aber das Bett ruft nach mir. "
Ich war unglaublich müde und konnte kaum noch stehen. Endlich fand ich den Schlüssel und öffnete die Tür.
"Bis dann und sorry fürs im Weg sitzen, kommt nicht mehr vor" verabschiedete ich mich und ging in mein Appartment.
Ich hatte es schon bei einer online Besichtigung gesehen und eine Innenarchitektin das Nötigste einrichten lassen.
Völlig erschöpft stellte ich meinen Koffer und die Taschen ab und ging ins Bad. Ich stellte die Dusche an und ließ das heiße Wasser auf mich prasseln. Es war eine Wohltat für meine verspannte Muskeln. Nach der Dusche ging ich direkt ins Bett und schlief innerhalb weniger Minuten ein.