Chapter 1 - sa-yo-na-ra
Ein Schuss hallt durch die regennassen StraΓen. Wieder und wieder ertΓΆnt das dumpfe GerΓ€usch von den hohen HauswΓ€nden als ein Mann an ihr zusammensackt und ein Messer klirrend auf den Boden fΓ€llt.
Die StraΓen in der sonst so belebten Stadt sind leer, die Sonne neigt sich ihrem Untergang wΓ€hrend der Wind auffrischt und eine Spur von Regen mit sich trΓ€gt.
Ein junger Mann lΓ€uft alleine den gepflasterten Weg entlang und ΓΆffnet mit glΓ€nzend blauen Augen einen Umschlag. Auch wenn er die Handschrift zuvor noch nie gesehen hat, weiΓ er genau von wem er stammt ohne auf den Absender zu sehen.
Sein Herz schlΓ€gt so laut, dass er es gegen seine Brust drΓΌcken spΓΌrt. Sein Bauch rumort vor Aufregung und Erleichterung trotz der Funkstille, die er selbst heraufbeschworen hat, ein Zeichen des Absenders zu hΓΆren.
Seine Augen huschen ΓΌber die ersten Zeilen und er muss heftig blinzeln, damit keine der TrΓ€nen ΓΌber seine Wangen rollt.
Augenblicklich ist er wieder von dem Japaner gefangen, kann seine Stimme und das herzliche Lachen in seinen Gedanken hΓΆren wΓ€hrend er in dem Meer aus Chaos und Angst unbeholfen umher taumelt.
Doch der Blonde hatte niemals Zweifel daran, dass der schwarzhaarige ganz andere Dinge wusste und erreichen konnte. Seine Entschlossenheit trotz seiner UnzulΓ€nglichkeit, seine WΓ€rme trotz des Chaos, seine FΓΌrsorge trotz der SchwΓ€chen. Die Gabe Hoffnung zu schenken und an ein besseres Leben zu glauben.
Er selbst wollte ihn ebenfalls beschΓΌtzen.
Vor dem Chaos in dieser schrecklichen Stadt.
Vor dem Chaos in seinem innersten das ihn schon sein Leben lang begleitete.
Da schien es fΓΌr ihn nur natΓΌrlich, keinen Abschied zu nehmen obwohl ihn seine treuen Gangmitglieder und selbst der junge Chinese Sing Soo-Ling, der nach Shorters Tod als AnfΓΌhrer seiner Gruppe fungiert, ΓΌberreden wollten. Schlussendlich sind sie alleine zum Flughafen gefahren um ihn ein letztes mal zu sehen.
Zweifel an seiner Entscheidung ΓΌberkommen ihn.
Ein GefΓΌhl, dass er niemals zuvor hatte. Immer war er vorausschauend und berechnete alles bis ins kleinste Detail. Doch das liegt auΓerhalb seiner Erfahrungen.
Sehnsucht zerfrisst sein Herz wΓ€hrend er die Zeilen des Briefes genau liest und sich ihm ein Ausweg aus der dreckigen Stadt aufzeigt.
Die Stimme seines frΓΌheren Mentors Blanca kreist in seinen Gedanken. Die Mahnung, wie wichtig eine Verabschiedung sein kann und die Zuversicht, dass der Blonde es schaffen kann dem Strudel zu entfliehen.
Versunken in all den Emotionen hΓΆrt er die sich nΓ€hernden Schritte im RΓΌcken nicht. Zu spΓ€t dreht er sich herum und greift nach seiner Waffe um einen Schuss abzugeben, der wie ein nicht enden wollendes Echo durch die StraΓen hallt.
''Warum vernachlΓ€ssigst du deine Deckung? Warum jetzt? Warum?'', Blut spritzt an die Wand hinter Lao Yen Tai, dem Halbbruder von Sing Soo-Ling.
Sprachlos sieht der Blonde nach vorne sieht und die Waffe mit einem festen Griff umschlossen hΓ€lt und Blut auf die Pflastersteine vor ihm tropft. Sein eigenes Blut aus der Stichverletzung im Bauch.
Beide Personen, der Blonde und der schwarzhaarige Chinese, fangen die Schreckgeweiteten Blicke des GegenΓΌber auf.
Sie kennen sich.
Sie kannten sich.
Damals.
Vor nicht allzu langer Zeit.
Nun scheinen sie Fremde zu sein zwischen denen eine breite Kluft aus MissverstΓ€ndnissen liegt.
Langsam gleiten zwei Zettel zu Boden und werden vom Regen und den eigenen Bluttropfen des Blonden benetzt. Als er sich nach ihnen bΓΌckt, lΓ€uft ein Schwall Blut aus der Stichverletzung.
Sayonara - machs gut
Es ist kein 'bis bald',
kein 'wir sehen uns wieder'.
Es ist ein endgΓΌltiger Abschied in ein freundlich klingendes Wort verpackt.






![Werewolf Hollow [GALATEA DATE TBA]](https://cdn-gcs.inkitt.com/vertical_storycovers/ipad_76bbf380fa2e8dc2f70694197487ab81.jpg)

