Chapter 1
Ich saß mich zu dem “gefährlichen “ Mann. Warum tun Menschen sich sowas an? Warum behandeln sie andere so? Ich spürte immernoch oder viel mehr noch wie die anderen Passagiere fiese Blicke in seine und jetzt auch meine Richtung schickten. In ihren Gesichtern war Angst, aber auch Verachtung. Freaks. Aber da war noch etwas…Verwirrung? Sie sahen von ihm zu mir und wieder zu ihm. Vor allem die neuen Passagiere tuschelten nun unter sich. Dachten sie etwa wir seien zusammen? Ich versuchte uns aus ihrer Perspektive zu sehen eine 1.80 große, dunkle Frau mit einem noch größeren Afro, schick gekleidet, fast zu schick für die Bahn. Meine langen Beine waren in schwarzen Strümpfen gefangen und ich hatte eine beige, glockenförmige Winterjacke an, die mich aussehenließ wie Rotkäppchen und er ein Kopf größer als ich bleichweiß, knochig, fast mager, aber seine Muskeln, seine Kraft scheinten durch. Er hatte einen Buzzcut mit eher helleren Haaren und ein Tattoo zierte den Platz unter seinem rechten blauen Auge. Gefährlich? Gefährlich! Vielleicht hatte er eine Träne unter dem Auge. Vielleicht starrten ihn die Menschen deswegen so an. Ich geriet in Panik. Meine Hand zuckte und plötzlich berührte ich eine Wärme, seine Hand. Zieh sie weg, sagte mein Kopf. Ich sollte sie wegziehen, wiederholte er, doch mein Kopf gab keinen Befehl an meine Nerven weiter oder der Befehl löste sich in meinen Nervenbahnen auf. Bitte tu was! Schrie ich, doch mein Kopf tat nichts. All meine Energie musste in mein Herz gepumpt worden sein. Es bebte wie verrückt und ich schaute aus dem Fenster. Seine Hand bewegte sich nicht. Wir saßen da. Der Bus bewegte sich, die Menschen stiegen ein und aus, aber wir blieben stehen, wir bewegten uns nicht. Die Berührung, seine Berührung war aufregend und gefährlich, erfrischend und beängstigend. Ich fragte mich, ob er das wollte, warum er nicht wegzog. Wartete ich darauf oder hoffte ich, dass er nie wieder wegziehen würde? Ich sah nach geradeaus und er merkte es. Scheiße! Er sah mich nicht an, das sah ich aus meiner peripheren Sicht. Aber er reagierte auf meine Bewegungen, auf meine Atmung, wie ein Wächter, wie ein Raubtier. Nachdem wir uns ungefähr zwanzig Minuten nicht bewegt hatten, zuckte mein Knie ganz leicht, keine Berührung verursachend, doch sein Knie bewegte sich auch, sofort. Zufall? War er nervös, so wie ich nervös war? Irgendwann kamen mir die Bäume bekannter vor. Gleich kam meine Haltestelle, aber ich wollte sie nie wieder sehen. Ich könnte für immer hier sitzen und seine Hand berühren. Ich wurde nervöser und nervöser, zog in Erwägung nicht auszusteigen, aber dann was? Darauf warten, dass er aus steigt und ihm bis zu seiner Wohnung verfolgen? Warum ließ mich der Gedanke nicht kalt? Meine Haltestelle. Ich konnte sie sehen. Automatisch tat ich das was ich mich in der letzten halben Stunde nicht traute zu tun. Ich sah ihn an. Seine blauen Augen, die so hell waren, fast grau. Ich weiß nicht was er sah, vielleicht ein braunes Mädchen, das in blaue Augen wühlte, sich darin verloren hatte. Ich weiß nur was ich sah. Lippen. Ein paar Lippen von rosener Farbe. Sinnlich und alles andere als einladend, aber schön. Ich würde es riskieren. Auf die Gefahr hin, dass diese Lippen mich beißen, würde ich sie berühren. Ich spürte wie der Bus stoppte und hörte das Piepen der Tür und ich ging und nahm meine Hand mit. Am nächsten Tag nahm ich wieder den Bus und er war wieder da. Ich hatte extra darauf geachtet den um 20:06Uhr zu nehmen, auch wenn vor zehn Minuten einer fuhr. Ich stieg ein, suchte den Platz auf dem er gestern saß und fand ihn. Sein Blick war gesenkt. Ich erkannte ihn an seiner Silhouette, so dass auch ich ihn nicht in die Augen sehen musste. Der Platz neben ihn war frei und ich setzte mich und er streckte die Brust aus. Irgendwann spürte ich eine Hand auf meine, seine Hand. Ich blickte ihn an, aber er blickte nur nach vorne. Ich schaute auf die Uhr und es war 20:14Uhr Ich zählte die Minuten, die ich noch mit ihm verbringen konnte bis meine Haltestelle kam.
Als ich sie sehen konnte, blickte ich ihn an. Er sah immernoch nach vorne. Kurz darauf blieb der Bus stehen und das Piepen der Türen ertönte und er nahm seine Hand von mir und ich ging und nahm meine Hand mit.
Ich freute mich auf meinen Fremden. Ich musste ihn wiedersehen und der nächste Tag kam und ich konnte es kaum erwarten bis es 20:06Uhr war. Und als es 19:55Uhr war lief ich mit meinem Herz in meiner Hand zur Haltestelle und wartete auf mein 20:06Uhr. Der Bus kam. Fremder. Mein Fremder war da. Ich lief schnurstracks auf ihn zu und vermied es in seine Augen zu sehen. Seine Hand lag auf meinem Platz und für einen Moment dachte ich, er wollte mich wegschicken, doch sobald er mich sah, nahm er die Hand weg und ich setzte mich neben ihm. Dieser Wintertag war eigentlich ein Frühlingstag, die Sonne stand hoch und scheinte durch die nicht mehr so dichte, nicht mehr so zementartige Maße. Ich wartete nicht mehr darauf, dass er meine Hand berühren würde. Ich wusste, dass es irgendwann geschehen würde und so verfiel ich in einen Tagtraum, wo mein Fremder mehr als nur ein Fremder war. Ich fragte mich, wie er sich beschäftigte und schloss schnell auf körperliche Arbeit, eine Stimme in meinem Kopf flüsterte, er sei viel zu hübsch um sich derart anzustrengen. Ich dachte an seine breiten, starken Arme und stellte mir vor wie sie mich an eine Wand bannten oder an ein Bett, wie er sich nahm, was er wollte oder wenigstens damit drohte. Ich fragte mich wie seine Stimme klang. Tief und männlich, betäubend, beängstigend und sein Körper, der konnte bestimmt stundenlang Liebe machen und wenn nicht könnte ich ihn mir stundenlang ansehen…
<<Hey, hey>> hörte ich eine sanfte Stimme an meinem Kopf sprechen.
<<Süße.>> sprach die selbe Stimme. Ich konnte spüren wie seine Lippen sich an meinem Kopf bewegten und vernahm wie er meine Hand zart streichte, als wär sie aus schwarzem Porzellan. Ich öffnete die Augen und sah in fremde Gesichter zig Passagiere sahen uns an als seien wir Vampire. Ich bekam eine Heidenangst. Seine Hand streichte langsam von meinem Kopf über mein Gesicht, so dass meine Sicht versperrt war. Ich fühlte mich sofort besser. Ich fühlte mich schön. Seine Hände wirkten wie ein Nervengift, betäubend, angstberaubend. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung.
<<Die nächste Haltestelle ist deine.>>
Sagte er ruhig.
<<Okay.>>
Sproch ich verschlafen.
Er streichelte über meine Hand.
<<Danke.>>
Bevor die Türen sich öffneten legte er eine Hand an meine Wange und betrachte mich wortlos. Sag etwas! Forderte ich ihn stumm heraus. Die Türen begannen zu piepen und ich ging und nahm mein Gesicht mit.
Ich musste was tun. Das war der dritte Tag und ich konnte an nichts anderes denken außer ihn. Es war verrückt, aber das war ich auch. Also fing ich an eine Verfolgung zu planen. Ich ging morgen nicht zur Arbeit. Ich wühlte stattdessen in meinem Kleiderschrank. Schwarz. Schwarz würde den Job erfüllen. Ich wollge keine Aufmerksamkeit auf mich erregen. Also zog ich eine Mütze an und Handschuhe. Ich verzichtete auf Schminke, weil er mich bis jetzt nur geschminkt gesehen hatte. Als ich in den Spiegel sah, war eine sehr dünne Frau zu sehen mit eher ziemlichen Kurven. Beine in schwarzen Leggings, die in schwarzen Stiefelleten mündeten, eine schwarze Hautenge Jacke und ein sehr bleiches Gesicht. Meine Haare waren zu einem Dutt gesteckt. Er würde mich nicht wiedererkennen. Ich warte auf 17:06Uhr stieg hinten ein, anstatt vorne und sah nicht auf ihn, nicht in seine Richtung. Ich setzte mich zwei Plätze hinter dem Platz an den ich ihm vermutete und wartete, als er nach 45 Minuten Anstalten machte auszusteigen, blieb ich ruhig. Der Bus blieb stehen, die Türen öffneten sich und das Piepen begann. Prey. Das ist der Name den ich ihn gab. Prey war beim ersten Piepen draußen. Ich wartete auf das zweite, das dritte, das vierte. Beim Letzten Piepen zwang ich mich dürch die schließenden Türen und freute mich, dass ich etwas enges anhatte. Prey hatte ich die ganze Zeit im Blick. Er ging nach links, als er aus dem Bus rauskam und ich tat das selbe. Er war wirklich groß, vielleicht größer als ich. Es war einfach ihm im Blick zu behalten in der Menschenmenge, also tat ich das. Er lief schnell. Zu schnell? Ich hoffte, dass er nach Hause ging und nicht irgendjemand traf, nicht irgendeine traf. Der Gedanke machte mich wütend, krank. Jetzt lief ich schneller und kämpfte mich durch die Massen. Ich kannte diese Gassen, ich kannte diesen Geruch und den Schleim dieser Gassen. Ich kannte die seellosen Geschöpfe, die diese Gassen bewohnten und ich fühlte mich wohler. Prey lief in Runden, lange Wege, schnelles und dann niedriges Tempo. Ich wurde misstrauisch wusste er, dass ich ihn verfolge? Ich blieb stehen und plötzlich tat er das auch und dann sah ich den Grund warum er stehen blieb. Ein anderer Mann. Keine Tattoos im Gesicht, aber sein Hals war voll er trug eine Mütze, keine Haare waren zu sehen. Er schüttelte Prey’s Hand und als er aufsah sah er meinen Blick. Ich sah schüchtern auf meine Beine und als ich wieder aufsah setzte ich ein nervöses Lächeln auf. Er sah mich konzentriert an. Don’t break, sagte ich mir und er sah wieder zu Prey. Ich machte mich dünn. Das würde eine lange Nacht werden. Die beiden liefen in einen Flur und ich konnte ihnen nicht folgen. Ich blieb diagonal von der Haustür des Flurs stehen. Prey’s Kollege durfte mich nicht nochmal sehen. Ich fragte mich, ob sie jemals wirder aus dem Flur rauskommen würde und fürchtete, dass ich ohne Prey gehen musste. Ich musste bevor 1Uhr auf dem Rückweg sein, sonst fuhren keine Büsse mehr und eine Nacht auf diesen Straßen würde ich nicht überleben. Ich setzte mir ein Limit sobald es Mitternacht war würde ich mich auf den Rückweg machen. Nach ein paar Minuten verließen sie den Flur. Sein Freund kam raus und ich blickte schnell in eine andere Richtung. Er lief in die Richtung in die ich blickte. Schwein gehabt. Ich drehte mich um und sah Prey nicht mehr. Ich schlieg gegen die Eisenstange. Scheiße! Ruhig bleiben, sagte ich mir selbst, die Straßen waren sehr lang, wenn er aus der selben Tür rausgekommen war, dann sollte ich ihn doch sehen, aber das tat ich nicht, also musste er irgendwo in diesem Gebäude wohnen. Ich schaute nach oben und dann auf meine Uhr. Das waren mindestens zwanzig Stockwerke, Es war 21:16Uhr. Scheißdrauf. Ich ging in den Flur nichts, aber Schritte waren zu hören, zwei, drei Stockwerke über mir. Ich konnte es nicht riskieren hochzublicken. Plötzlich ertönte ein Klingeln, dann seine Stimme. Dieselbe Stimme, die mir an den Kopf geflüstert hat.
<<Nein, ich werd da sein…in einer Stunde…Ich weiß…Hammerweg 34?…33, ok……ich werd da sein.>>
Ich googelte den Ort. Ein Stripclub. Scheiße