Always Meet U Twice by Mira_N at Inkitt
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Always meet U Twice

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Summary

So sehr sie ihren engsten Freund Robin liebt, Leonie freut sich, dass der Beginn ihres Studiums auch ein unabhängigen Neuanfang bedeutet. Zu viel ist zwischen ihnen passiert und zu groß ist die Kluft, die die Vergangenheit zwischen die beiden geschlagen hat. Als sie nach Königsburg zieht, scheint alles perfekt zu sein. Doch wie es der Zufall so will, steht sie noch vor Studienbeginn ihrer ersten großen Liebe gegenüber. Matt. Matt, der ohne etwas zu sagen vor mehr als drei Jahren aus ihrem Leben verschwunden ist. Schnell kochen all die Gefühle von damals wieder hoch. Und je näher sich die beiden kommen, desto drängender schreien in ihr die Fragen, warum Matt sie alleine gelassen hat und ob sie ihm verzeihen kann.

Genre
Romance
Author
Mira_N
Status
Complete
Chapters
58
Rating
4.9 14 reviews
Age Rating
13+

Abschied

Lange dunkle Wimpern und eine Stupsnase, die sogar im Profil anbetungswürdig war, ließen mich mir einer Tatsache besonders sicher werden: Ich hasste meinen besten Freund.

Wie ein Besessener starrte Robin an mir vorbei durch die Fensterscheibe. Im Café lief ein Fußballspiel auf einer riesigen Leinwand. Wir saßen im Außenbereich. Robin war wie in Trance und bemerkte nicht, dass ich ihn seit fünf Minuten böse anfunkelte. Ich sag ja, lange Wimpern und süße Stupsnase! So intensiv hatte ich mich noch nie mit diesem Profil beschäftigt. Und langsam machte mich diese Nase echt sauer.

Normalerweise liebte ich das Milá. Es war ein kleines, beschauliches Szenecafé, das sich abends in eine gemütliche Cocktailbar verwandelte. Heute war es meine persönliche Hölle. Der Innenraum war mit Menschen vollgestopft, und die liebevolle Vintagedekoration ging völlig unter. Stattdessen beherrschten weiße Trikots das Bild, während über einen Beamer das EM‑Viertelfinale der deutschen Nationalmannschaft lief. Es war unerträglich laut. Selbst draußen konnte man sein eigenes Wort kaum verstehen. Innerlich fluchte ich. Warum ausgerechnet heute?

Es war das letzte Mal, dass ich mich mit Robin treffen konnte. Morgen flog er mit seiner Freundin Clara nach Berlin und dann weiter nach Queensland, um dort Meeresbiologie zu studieren. Wann ich ihn wiedersah, stand in den Sternen. In seinem Gepäck steckte ein One‑Way‑Ticket.

Oh ja, ich hasste meinen besten Freund.

Und ich hasste Clara und ihren beknackten Schnöselvater, der dieses Studium überhaupt erst ermöglicht hatte. Sie veränderten ihn. Robin war nicht mehr der lockere, schüchterne Typ, sondern passte sich immer mehr elitären Kreisen an, die nicht zu meinem naturverliebten Hobbybiologen passten.

Sogar einen maßgeschneiderten Smoking hatte er eingepackt. Das wusste ich, weil ich ihn heute Nachmittag mit ihm abholen musste. Sein schuldbewusster Blick hätte mich fast dazu gebracht, ihn an den Schultern zu packen und zu schütteln. Doch es hätte nichts genützt.

Robin wusste ganz genau, wie sehr ich es hasste, dass er sich für Clara so verdrehte. Ich hasste das. Und am meisten hasste ich Fußball. Fußball war die Pest.

Missmutig nippte ich an dem bunten Cocktail. Das Getränk war fast leer, obwohl es erst vor ein paar Minuten gebracht worden war. Der Alkohol wirkte, aber nicht genug, um Robins Ignoranz zu ertragen.

Gott, Robin fuhr morgen. War ihm das echt egal?

»Willst du dich heute abschießen, oder warum exst du deinen Zombie, Leo?«

Überrascht schaute ich auf. Robin musterte missbilligend mein Getränk. Ich hob das Glas provozierend an und ließ die Eiswürfel klimpern.

Wow … Ich genoss seine volle Aufmerksamkeit. Wann war das passiert? Halbzeit? Ich prüfte es nicht, sondern kippte den Rest hinunter.

»Vielleicht ist mir betrunken nicht mehr so langweilig«, erwiderte ich giftig und zerbiss einen Eiswürfel. Das fiese Stechen ignorierte ich.

Robin verdrehte die Augen und wandte sich wieder der Leinwand zu. Keine Halbzeit.

Wer zur Hölle hatte diesen Sport erfunden? Fußball war echt die Pest.

Ich sagte das nicht aus einer Laune. Ich hatte diese Meinung über Jahre geformt.

Mit zwei Jungen als beste Freunde hatte ich zu oft keine Chance gegen Champions League, VAR‑Entscheidungen oder Abseitstore. Theatralisch seufzte ich und musterte Robins weggetretenen Blick.

Matt würde mich jetzt beachten.

Matt würde nicht wie ein hirnamputierter Geisteskranker an mir vorbeischauen.

Stattdessen würde er mir sein bezauberndes Lächeln schenken. Ein warmer Schauer rieselte mir die Wirbelsäule hinunter.

Wo er wohl war?

Was er wohl machte?

Ob er manchmal an mich dachte?

Mit einem Knall erzitterte der Tisch. Robins flache Hand lag auf der Platte. Als ich zu ihm sah, zog er missbilligend die Nase kraus.

»Du denkst an ihn, habe ich recht? Ist das jetzt dein fucking Ernst, Leonie?«

Ich musste mir ein höhnisches Lachen verkneifen. Matt war mein Geheimrezept, um Robins volle Aufmerksamkeit zu bekommen – selbst Fußball verschwand dann aus seinem Kopf. Ein einziger Gedanke an funkelnde grüne Augen reichte, und er war auf 180.

Ich antwortete nicht, denn egal, was ich sagte, ich würde ihn nicht beschwichtigen können. Nicht mit einer Lüge und erst recht nicht mit der Wahrheit. Ja, es war mein fucking Ernst. Robin wusste es, ich wusste es, die ganze Welt wusste es – nur Matt wusste es nicht.

Ich winkte der Kellnerin zu und zeigte auf das leere Glas. Ihren mitleidigen Blick ignorierte ich. Wahrscheinlich glaubte sie, dass mein Date nicht so lief, wie ich es mir erhofft hatte. Irgendwie hatte sie damit sogar recht. Momentan wollte ich weg oder mich betrinken. Obwohl ich Robin bald lange nicht mehr sehen würde, war es mit ihm unerträglich. Eine Tatsache, die mich sehr traurig machte.

Robin griff nach seinem eigenen unberührten Cocktail und zog gierig am Strohhalm. Als er das Glas zurück auf die Tischplatte knallte, war dort nur noch eine mickrige Pfütze. Seine Knie hibbelten unruhig, während seine Hände eine Serviette in kleine Fetzen rissen. Das Thema Matt stresste ihn. Matt war ein Tabu, doch durch unbedachte Gesten, Sätze oder Gedanken kamen wir früher oder später immer zu diesem Punkt. Ein elender Teufelskreis.

Wir steckten beide in diesem Strudel fest und kamen nicht heraus.

Ich lehnte mich im Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und erdolchte meinen besten Freund mit dem Blick.

»Matt würde mich zumindest nicht ignorieren und ein blödes Fußballspiel spannender finden!«, fauchte ich. »Rob, das ist unser letzter Abend!«

Robins Lippen bildeten einen dünnen Strich. Arrogant zog er die Augenbrauen hoch, sodass seine Miene etwas Aristokratisches bekam.

»Ach ja? Würde er das? Soweit ich weiß, hat es Matthias vor drei Jahren nicht einmal für nötig gehalten, sich bei dir zu verabschieden.«

Ein Stich durchbohrte mein Herz.

»Du bist ein Arsch!«

»Und du hoffnungslos naiv. Wann siehst du endlich ein, dass du ihm egal bist? Krieg das in deinen dämlichen Dickschädel!«

Matt war vor drei Jahren ohne ein Wort abgehauen. Robin wurde seitdem von einer Wut zerfressen, die ich nicht in Worte fassen konnte. Dass wir nicht darüber redeten, machte es nicht einfacher.

Ich schluckte. Teenager waren scheiße, und ich gehörte definitiv zur üblen Sorte.

Obwohl die Jungs zwei Jahre älter waren, waren wir seit dem Sandkasten ein Trio gewesen – beste Freunde, die nichts voneinander trennen konnte. Bis die Liebe in unser Leben kam und aus Freundschaft mehr wurde. Aus einem Trio wurde eine ungesunde Dreiecksbeziehung.

Robin liebte mich, doch ich liebte ihn wie einen großen Bruder.

Ich liebte Matt, doch der liebte mich nur als gute Freundin.

Die Jungs stritten nur noch. Worüber? Keine Ahnung. Ich war zwei Jahre jünger und verstand so etwas nicht.

Kurzfassung des Dramas: Als ich fünfzehn war, gestand mir Robin seine Liebe. Er war süß, und ich kannte ihn mein halbes Leben. Matt hatte mich wochenlang ignoriert, und so dachte ich mir: »Was soll’s«, und kam mit Robin zusammen. Wochen später war aus einstiger unzerbrechlicher Freundschaft ein zerrütteter Scherbenhaufen geworden. Ich war unglücklich, weil ich nicht dasselbe für Robin fühlte wie er für mich. Robin war unglücklich, weil jede Mühe bei mir ins Leere lief. Und Matt? Matt ghostete uns und brach mir damit das Herz. Das schlechte Gewissen brachte mich um. Deshalb plante ich meine Flucht auf einen dreimonatigen Frankreichaustausch in den Sommerferien. Matt tauchte eine Woche vor meiner Abreise in meinem Zimmer auf.

Niemals im Leben hatte ich mich mit einem Menschen so gestritten, und nie hatte mich ein Junge so geküsst wie er. Er nahm mir an diesem Abend alles. Meine Unschuld, meine Würde und endgültig unsere Freundschaft. Erst später wurde mir klar, dass ihm der Abend nichts bedeutet hatte. Matt ging mir aus dem Weg, und Robin redete kein Wort mit mir. Als ich aus Frankreich zurückkam, war Matt verschwunden.

Matts Familie war umgezogen. Wohin? Keine Ahnung.

Was zwischen den Jungs passiert war, wollte mir Robin nicht sagen.

Für eine Antwort brauchte ich Robin jedoch nicht. Ich wusste, dass Matt nichts mehr mit uns zu tun haben wollte. Erreichen konnte er mich. Ich wohnte im selben Haus und hatte die gleiche Handynummer. Jeden Versuch, ihn zu erreichen, schmetterte er ab. Irgendwann gab ich auf.

»Glaubst du, ich kriege es nicht mit, wenn du diesen glasigen Blick bekommst?«, fragte Robin vorwurfsvoll. »Für wie blind hältst du mich?«

Ich hörte seine Eifersucht und konnte sie ihm nicht vorwerfen.

Er kämpfte wie besessen um meine Freundschaft, obwohl er die schon längst besaß. Ich konnte ihm nicht helfen, denn sein Gegner war ein Phantom, das lange nicht mehr in unserem Leben existierte. Matt war nicht mehr da, und doch stand er zwischen uns.

»Du hast mit dem Thema angefangen«, verteidigte ich mich. »Du hättest es ignorieren können. So, wie du mich auch den ganzen Abend ignorierst.«

Der Blick, den er mir schenkte, hätte kleine Kätzchen töten können.

»Natürlich beachte ich dich! Ich höre dir zu, schaue in deine deprimierte Miene und versuche, deine Vorwürfe zu ignorieren, dass ich mit Clara nach Australien fliege. Aber deinen Matt‑Blick ertrage ich nicht. Nicht heute.«

»Nicht heute oder nie?«

»Er ist ein feiges Arschloch. Finde dich damit ab. Er ist weg. Ende.«

Ich seufzte und schwieg.

Die Kellnerin brachte meinen zweiten Cocktail. Ich nahm einen gierigen Schluck und starrte wieder auf Robins Profil. Doch je länger ich das tat, desto mehr verrauchte mein Zorn. Stattdessen machte sich Wehmut breit. Ich liebte diesen Jungen mit den wunderschönen braunen Locken und dem süßen Hundeblick. Ich wollte keines seiner Merkmale vergessen. Robin war toll. Er hatte es verdient, glücklich zu werden — auch wenn er dafür nach Australien gehen musste. Ohne mich.

Meine Gedanken schweiften ab. Sie landeten in Königsburg, einer mittelgroßen Stadt hundert Kilometer von unserer Heimat entfernt.

Sofort bekam ich schwitzige Hände. Dort lag die Uni meiner Träume, an der ich Kunst und Design im Kombi‑Bachelor studieren konnte. Als ich Robin erzählt hatte, wo ich studieren würde, war er an die Decke gegangen. Anscheinend hatte die Universität einen schlechten Ruf, und die Chancen, in der Branche Fuß zu fassen, waren gleich null. Dass mein Zweitfach Pädagogik war, war ihm egal. Manchmal ärgerte ich mich darüber, wie viel Einfluss Robin auf mich hatte. Vielleicht würde sich das ändern, wenn wir nicht andauernd aufeinanderhingen, ich mich in Königsburg eingelebt hatte und hoffentlich ein paar Freundinnen gefunden hatte.

Freundinnen.

Ein aufgeregtes Kribbeln zuckte durch meine Finger. Nie hatte ich wirklich welche gehabt. Immer waren da nur Matt und Robin gewesen.

»JAAA!«

Ich schreckte zusammen, als Robin vor Begeisterung aufsprang und um uns herum lautes Chaos ausbrach. Menschen fielen sich vor Freude in die Arme. Es stand 1:0 für Deutschland.

Als Robin sich wieder hinsetzte, leuchteten seine Augen. Das Lächeln, das er mir schenkte, war voller Zuneigung.

»Ich werde dich vermissen«, sagte Robin und griff meine Hand.

»Ich dich auch, Robin.«

Er lehnte sich leicht zu mir, als wolle er mich aus meinen düsteren Gedanken holen.

»Du wirst sehen, die Zeit vergeht im Flug, wenn du an der Uni bist. Es ist ein Neuanfang und nicht das Ende.«

Ich nickte. Robin würde trotzdem fehlen. Er war immer Teil meines Lebens gewesen und nur ein Haus entfernt.

»Ich werde dich so oft anrufen, wie ich kann«, versprach er. »Du wirst sehen, ich werde dir so auf die Nerven gehen, dass du das Gefühl haben wirst, ich bin nicht weg.«

Er sah mich an, und plötzlich trat glänzende Wehmut in seine Augen. »Ich weiß, dass die letzten Jahre zwischen uns beschissen waren«, begann er. »Du kämpfst um meine Aufmerksamkeit, wie ich um deine. Matt soll nicht mehr zwischen uns stehen. Ab morgen macht das die halbe Erdkugel. Verschenk dein Herz endlich neu.«

Ich starrte ihn an. Robin würde gehen. Als ob mein Herz diese Tatsache gerade erst realisierte, pochte es plötzlich schwerer.

»Erklär mir bitte, wie ich ohne dich funktionieren soll«, flüsterte ich.

»Du brauchst die Veränderung und ein anderes Umfeld. Du musst das alleine machen. Ich habe es auch getan. Clara hat mir echt geholfen, obwohl sie …« Er brach ab und lächelte mich an.

Ich konnte ihn nicht mehr ansehen und starrte auf die Tischplatte.

»Es ist okay, wirklich«, sagte er. »Wenn du versprichst, nach vorne zu blicken.«

Ich nickte und sah ihm in die warmen Rehaugen.

»Versprochen.«

Er strahlte. Zufrieden griff er meine Hand und zog mich auf seinen Schoß.

»Du wirst sehen, es warten viele Überraschungen auf dich«, flüsterte er. Ich schmiegte das Gesicht an seinen Pulli, während er mich enger an sich zog. »Vergiss nie, dass ich dich liebe. Egal, was passiert, ich meinte es immer nur gut mit dir.«

»Du bist der Beste und wirst es bleiben«, antwortete ich und lächelte, weil mir bewusst wurde, dass ich meinen besten Freund zu einem großen Teil verlor — ihm aber das erste Mal seit Jahren wieder näher war.



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Heartwarming

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Good Writing

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Compelling Plot

3

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Great Character

3

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Strong Dialog

5

Strong Dialog

author

Gefällt mir....sehr gut geschrieben 💖💖💖💖💖

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2
author

Der Anfang gefällt mir sehr gut! Am Ende des Kapitels, sind mir sogar etwas die Tränen gelaufen.

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