Wilde Tochter by manchmal_Satu at Inkitt
Customize readability
Aa

Wilde Tochter

All Rights Reserved ©

Summary

Eine junge Frau auf dem Schlachtfeld. Dutzende verlorene Seelen. Monster die aus der Dunkelheit hervorkriechen. Eine Armee Katzen.

Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
18+

Tochter

Die Nacht hatte die letzten Lichtstrahlen gefressen. Mit ihnen waren auch die Schatten gegangen. Jetzt herrschte nur noch Dunkelheit. Und mit ihrer Herrschaft kamen auch bald ihre Untertanen hervor. Ich blickte geradeaus, während ich mich mit meiner linken Hand an der Rinde eines nahe stehenden Baumes abstützte. Ich ließ ein leises, langgezogenes, pfeifendes Sss erklingen.

Hören konnte ich die Antwort darauf nicht, doch ich wusste, das Dutzende, wenn nicht sogar hunderte Katzen aus dem Unterholz hinter mir heranschlichen. Als die erste Katze, eine schwarze, in meinem Augenwinkel erschien, sagte ich: „Sucht die Lebenden, begleitet die Toten.“ Mit der schwarzen Katze verließ ich den Waldrand und trat hinaus in die Ebene. Letztes Lughnasadh hatte ich hier noch barfuß Kräuter gesammelt, scharfe Steine verflucht und dürre, vorjährige Tannennadeln aus meinen Sohlen gepult. Dieses Lughnasadh war meine Kräuterwiese zum Schlachtfeld geworden. Meine Kräuterpflanzen waren zertreten oder in Feuer aufgegangen.

Die Erde war aufgewühlt, als hätten mehrere Rotten Wildschweine sich hier durchgepflügt. Umgefallene Baumstämme, kaputte Speere und zersplitterte Klingen verletzten heute die Sohlen meiner Füße. Doch ich hatte kaum Zeit, mich drum zu kümmern. Die Monster, die Ghule, die Fledderer und Räuber, die Raubtiere und Krähen, die Walküren, Dschinns und Kriegsgottheiten würden sich bald über die Ebene her machen.

Und dabei betrat keiner von ihnen von sich aus dieses Feld. Die einen hatten Hunger, die anderen suchten nach Gegenständen, die sie brauchen oder verkaufen konnten, die Dritten suchten nach Ruhm und Ehre, die vierten wurden gezwungen und die fünften, suchten sich ein neues Gefolge in der Anderswelt.

Selbst die Katzen waren nur auf meinen Bitten hier. Und ich? Ja ich war wohl aus lauter Sentimentalität hier. Und um den Gefallenen und Verletzten eine weitere Möglichkeit zur Auswahl anzubieten.

Nämlich Erlösung.

Die ersten Katzen setzten sich auf den Brustkorb der Toten. Sie würden warten bis die sich die Seele vom Körper löste, dann würden sie sie mit ihren Vorderpfoten einfangen und in die andere Welt begleiten. Die Katzen, die sich den lebenden zuwandten, legten ihre kleinen Köpfchen in die Hände der Kriegerinnen und Krieger, strichen um ihr Gesicht und warteten, bis die Finger der jeweiligen Menschen durch ihr Fell fuhr.

Es beruhigte die Verletzten und sie hörten auf, aus lauter Schmerz zu schreien. Weder die Katzen noch ich unterschieden. Ich gehörte weder der einen nach der anderen Seite an. Das wichtigste war für mich wie für die Fellknäuel, sich um das Leid und den Tod zu kümmern, damit Mutter erde Heilung geben und selbst wieder heilen konnte.

Ich schritt zu einer tigerfarbenen Katze. Sie lag in der Halsbeuge eines jungen Mannes, der stille Tränen weinte.

Ich schaute seinen Körper von oben bis unten an, dann kniete ich mich nieder. Ich legte eine Hand fürsorglich auf seinen Kopf und streichelte seine Haare.

„Ich... ich....“

Er verschluckte sich an seinen eigenen Worten.

„Du hast keine Schmerzen. Habe ich Recht? Du fühlst gar nichts.“

Er nickte verzweifelt.

„Du musst mir vertrauen, dann kann ich dir helfen.“

Er nickte erneut.

Ich legte meine freie Hand direkt neben seinem Kopf auf den Boden und fing an zu summen. Die Erde um in herum kam in Bewegung und kroch wie die Flut langsam über ihn. Es konnte furchteinflößend sein, wenn die Erde plötzlich lebendig wurde. Die geweiteten Pupillen seiner Augen zeigten mir, dass er Angst hatte. Doch die Katze an seiner Seite und das Vertrauen, das er wohl in mich hatte, verhinderte, dass er sich gegen die Umarmung der Erde wehrte.

Die beiden würden nun schlafen, bis der erste Lichtstrahl den schwarzen Nachthimmel durchschnitt.

Die nächste Katze war eine Rote. Sie hatte sich eine Kriegerin ausgesucht, deren Wut noch immer im Gesicht stand. Vielleicht war sie eine Berserkerin. Vielleicht war sie aber auch nur wütend auf sich selbst, dass sie nun hier lag, und nicht im Lager ihrer Truppen.

Die rote Katze strich immer wieder um ihren linken Arm und maunzte erfreut, wenn sich die Frau dazu herabließ, sie zu streicheln.

„Die hatten keine Ehre!“, presste sie verkrampft zwischen ihren Lippen hervor.

„Die Ehre wagt sich erst gar nicht aufs Schlachtfeld.“

Der Satz von mir, schien sie getroffen zu haben. Aber nicht in beleidigender Art und Weise. Sie schaute zuerst nach links, dann nach rechts und schielte dann an sich runter.

„Mein Arm.“

Ich schaute herum und fand ihn, hob ihn hoch und legte ihn wieder zu ihr.

„Du musst jetzt geduldig sein. Wenn das Licht über die Ebene scheint, ist nicht wieder alles gut, aber es wird besser sein als jetzt.“

Sie senkte kurz ihre Augenlider und ihren Kopf Richtung Brust. Ich kniete mich neben sie hin, legte eine Hand auf den gesunden Arm und eine auf den Boden, dann stimmte ich mein Lied wieder an. Die Frau blickte mich nun stolz an und sie weigerte sich zu blinzeln, bis die Erde sich über ihr zusammen schloss.

Die nächste Katze lag auf dem Schoss des nächsten Soldaten. Er hatte sich selbst in eine sitzende Position gebracht, an einen abgebrochenen Baumstamm gelehnt.

„Die Feldschere haben uns aufgegeben, warum du nicht?“

„Leben gibt man nicht auf“, antwortete ich knapp.

Die Katze auf seinem Schoss stand auf, machte den Buckel und fauchte in den Wald hinein. Ich überlegte nicht lange und warf meinen Körper über den Mann und die Katze.

„Apate steh uns bei.“

Ich fühlte, wie die Göttin in mich fuhr. Sie verdoppelte mein Äußeres. Dann verdoppelten sich diese beiden wieder. Jedes Ich, schritt zu einer Katze und einem verwundeten Menschen.

Die Doppelungen beugten sich wie ich über die Körper, dann verschwanden sie mit den Opfern.

„Wie...“

Ich unterbrach in sofort mit einem zischenden Sch! Er blieb ruhig, jedoch nicht wegen meiner Unterbrechung, sondern weil er in diesem Moment das aus dem Unterholz brechen sah, was die Katze schon lange vor uns gesehen hatte.

Ein auf allen vieren gehendes fahles Etwas, dessen höckrige Haut ein Eigenleben führte, bewegte sich genau in die andere Richtung der sich bewegenden Muskeln des Untieres. Es war ein Graus fürs Auge und ein Rätsel für die Gedanken, diese Fortbewegung zu begreifen.

„Was zum!“

Sofort presste ich meine Handfläche auf seinen Mund. Das Biest hatte es gehört, denn sein vieläugiger Blick zuckte zum Baumstamm. Doch dank Apate konnte es uns nicht sehen.

Es lief aufs Schlachtfeld raus, zum ersten Körper, auf dem keine Katze mehr sass, dann verschwand es.

Ich blickte dem Vieh noch lange nach, dann blickte ich auf den Vierbeiner zwischen uns, der noch immer in den Wald starrte.

„Kannst du mir bitte erklären ...“ Wieder unterbrach ich ihn. „Dafür habe ich keine Zeit. Dafür habt ihr alle keine Zeit. Morgen“, vertröstete ich ihn, obwohl es kein Morgen geben würde für eine Erklärung, denn wenn die Sonne ihr Licht brach, war ich schon längst auf dem Weg zum nächsten verwundeten Ort auf dieser Erde. Ich begann wieder zu summen. Die Erde wuchs über ihn und deckte ihn zu. Bis zuletzt konnte ich Verwirrung und Dankbarkeit aus seinem Blick lesen.

Apate stand mir der Rest der Nacht bei. Sie hielt alle unsichtbar gemachten Doppelungen aufrecht. Erst wenn ich mich in der Nähe einer weiteren lebenden Person befand, ließ sie den Schleier fallen damit ich Katze, wie Mensch mit Erde zudecken konnte. Die anderen Katzen, die auf den Toten sassen, verschwanden bald. Die Seelen waren eingefangen. Jetzt mussten sie nur noch in die andere Welt gebracht werden.

Als ich endlich fertig war, spürte ich, dass die Mitte der Nacht angebrochen war. Unzählige Male hatte ich meine Arbeit unterbrechen müssen, wenn wieder ein Ghul, oder ein anderes Untier aus dem Gehölz brach.

Doch es war geschafft und ich war geschafft. Zeit, die zweite Hälfte der Nacht in meinem Bett zu verbringen.

Let manchmal_Satu know what you thought about this chapter!
Love this

1

Love this

Funny

0

Funny

Spicy

0

Spicy

Suspenseful

0

Suspenseful

Emotional

0

Emotional

Profound

0

Profound

Heartwarming

0

Heartwarming

Shocking

0

Shocking

Good Writing

0

Good Writing

Compelling Plot

0

Compelling Plot

Great Character

0

Great Character

Strong Dialog

0

Strong Dialog

Further Recommendations

Die Wölfe von Welby

maryketteler: Ich bin von diesem Roman sehr angetan. Es handelt sich um eine wunderschöne Geschichte, die durch ein tolles Happy End abgeschlossen wird.

Read Now
Chroniken der Werwölfe Band 1 Der Gefährte

Stefanie : Manchmal irritieren die Schreibfehler aber die Geschichte ist sehr spannend und ich freue mich das ich weiter lesen kann und es sogar noch weitere Bücher gibt... Bin gespannt wie es weiter geht..

Read Now
I Am The Luna Queen

kitkatbar29: I totally loved this story! Author has a great handle on her craft! Great unique plot that flowed and unfolded well, great characters, love the satire humor, Fantastic MFC, toss in a couple villains and twists in the story and BOOM! With this book I have discovered a new fav author! I'm off to go fi...

Read Now
A Blessing in Disguise

C.: Well written, good story and some spice, tons of personal growth!

Read Now
His Forsaken Fate

Yvette Stutzer: Es macht mir richtig Spaß es zu lesen ❤️

Read Now
The Orc's Pet

mtasker: I really loved this story. Author, please keep writing such amazing and interesting stories.

Read Now
Ruthless Lord

franny_panchis: Su padre la separó de ella por que no soportaba verla ya que se parece a su madre.Su padre, un lord, le arregla un matrimonio con el mejor soldado del rey .

Read Now
Werewolf Hollow

Nikole: I hadn't read a werewolves story with this kind of werewolves and dynamics, really interesting

Read Now
The Luna Trials

Jamie Zahra: i like everything about this book, keeps me on edge at the same time curious and interested

Read Now