Die erwachte Prinzessin

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Summary

Die Geschichte beginnt mit Maria, einer gestressten Büroangestellten, die nach einem Herzinfarkt in einer neuen Welt als das Wolfswelpen-Kind Kesia wiedergeboren wird. Kesia entdeckt bald, dass sie in eine königliche Familie hineingeboren wurde, die über ein mächtiges Rudel herrscht. Sie muss nicht nur ihre neuen Fähigkeiten und Identität akzeptieren, sondern auch lernen, ihre Rolle als zukünftige Königin zu übernehmen, während sie sich gegen Gefahren von außen, wie den abtrünnigen Wolf Asgar, behauptet.

Status
Ongoing
Chapters
22
Rating
4.5 6 reviews
Age Rating
18+

Chapter 1: Wenn der Anfang das Ende trifft

Das monotone Klackern der Tastaturen, das ferne Murmeln von Stimmen und das gelegentliche Klingeln eines Telefons bildeten die ewige Geräuschkulisse meines Alltags. Mein Büro – nüchtern, grau, funktional – war mein zweites Zuhause geworden. Oder vielleicht eher mein Gefängnis.

Ich starrte auf den Bildschirm, während die Zahlen im Excel-Dokument verschwammen. Die Uhr zeigte 21:47. Ich wusste nicht einmal mehr, ob heute Mittwoch oder Freitag war. In den letzten Wochen hatte ich mehr Nächte unter Neonlicht verbracht als in meinem eigenen Bett.

Ein weiteres Projekt. Ein weiterer Bericht. Eine weitere Deadline, die mir im Nacken saß wie ein Raubtier auf der Lauer.

Plötzlich zuckte ein scharfer Schmerz durch meine Brust – als hätte mir jemand ein Messer zwischen die Rippen gestoßen. Ich japste nach Luft. Der Bildschirm flackerte vor meinen Augen, das Licht wurde greller, die Geräusche dumpfer. Schweiß tropfte mir von der Stirn, mein Herz raste – oder blieb es stehen?

„Maria? Geht’s dir gut?“ Thomas, mein Kollege, trat an meinen Schreibtisch. Sein Gesicht war eine Mischung aus Sorge und Panik.

Ich wollte antworten, doch meine Lippen bewegten sich nicht. Meine Zunge war schwer wie Blei. Ich hob die Hand – oder versuchte es – aber meine Muskeln gehorchten mir nicht mehr. Dann geschah es.

Der Schmerz explodierte – ein grelles, heißes Brennen – und dann: Stille.

Keine Geräusche. Kein Licht. Kein Gefühl.



Nichts.

Ich existierte, aber mein Körper war fort. Ich fühlte keine Kälte, keine Wärme, keine Zeit.

Ich war Bewusstsein in der Leere.

Doch dann veränderte sich etwas.

Ein Licht erschien. Zuerst nur ein Schimmer, dann ein sanftes, silbernes Leuchten, das sich langsam verdichtete – bis daraus eine Gestalt wurde.

Sie stand einfach da, im Zentrum des Nichts. Eine Frau. Wunderschön. Unwirklich. Ihre Haut schimmerte wie flüssiges Mondlicht, ihr Haar fiel in glitzernden Wellen über ihre Schultern. Ihre Augen – tief, klar, traurig – blickten direkt in meine Seele.

Sie sagte kein Wort. Und doch verstand ich alles.

In ihren Augen lag so viel Bedauern, so viel Gewicht.

Dann flüsterte sie, kaum hörbar:

„Es tut mir leid, aber du bist jetzt bereit.“

Mehr nicht. Keine Erklärungen. Keine weiteren Worte.

Und trotzdem wusste ich: Dies war das Ende. Und gleichzeitig der Anfang.



Mit einem Schlag wurde alles hell.

Ich spürte etwas Weiches, Warmes um mich. Stimmen, leise und fremd, drangen an mein Ohr.

Ich wollte blinzeln. Meine Lider fühlten sich schwer an – und doch öffneten sie sich.

Was…?

Über mir beugten sich drei Gestalten – riesig aus meiner winzigen Perspektive, aber nicht bedrohlich. Im Gegenteil: Eine warme, beinahe überwältigende Energie ging von ihnen aus.

Bin ich im Krankenhaus? Bin ich… gerettet worden?

Eine Frau mit langen, silberblonden Haaren beugte sich näher und strich mir sanft über die Stirn. Ihr Blick war weich, ihre Lippen bewegten sich, doch ich konnte die Worte nicht verstehen. Es klang wie ein beruhigendes Lied, das mich einhüllte.

Was zum…?

Neben ihr stand ein Mann mit breiten Schultern und einem ernsten Ausdruck. Seine Augen funkelten in einem tiefen Goldton, und doch war in ihnen so viel Liebe, dass mein Herz – oder das, was davon übrig war – einen Schlag auszusetzen schien.

Und dann war da noch eine junge Frau. Ihre braunen Haare fielen ihr über die Schultern, und ihre Augen leuchteten neugierig und voller Staunen.

Ich fühlte mich seltsam schwerelos, gefangen in einem Körper, der sich nicht bewegen wollte. Alles war so groß, so fremd. Und doch… spürte ich eine merkwürdige Vertrautheit.

Was passiert hier? Warum fühlt sich das alles so... richtig an?

Panik flackerte in mir auf, als ich meine Hand sah – klein, winzig. Viel zu klein.

Und dann traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz:

Ich bin ein Baby.

Ich wollte schreien, aber es kam nur ein helles, glucksendes Geräusch aus meiner Kehle.

Das ist nicht real. Das kann nicht real sein.

Und doch – alles war echt. Die Gerüche, die Stimmen, der Druck der Decke auf meiner Haut.

Ich war zurück.

Nur nicht als die, die ich einmal war.



POV: Zimmermädchen Lasa

Der Himmel über dem Anwesen war in ein tiefes, leuchtendes Violett getaucht – ein typisches Zeichen, dass der Mondsegen uns an diesem besonderen Tag begleitete. Die Luft war erfüllt vom Duft frischer Blumen und dem Knistern alter Magie.

Heute war ich der Luna Klee zugeteilt – eine besondere Ehre. Noch vor sieben Stunden war sie schwanger gewesen, doch ausgerechnet beim Neujahrsfest hatte die kleine Prinzessin beschlossen, dass sie nicht länger warten wollte.

Zuerst waren alle in Panik. Die Geburt war viel zu früh. Die Heiler waren nervös, die Luna erschöpft. Und Alpha Sean? Vollkommen außer sich. Sowohl er als auch sein innerer Wolf wichen nicht von ihrer Seite, als würde sein Leben von jedem Atemzug seiner Gefährtin abhängen.

Zum Glück – und mit der Gnade der Ahnen – war alles gut gegangen. Mutter und Tochter hatten die Geburt überstanden.

Jetzt, während der Abend hereinbrach, lagen Luna und Alpha erschöpft, aber zufrieden in ihrem Zimmer nebenan. Ich hingegen hatte die ehrenvolle Aufgabe, mich um ihre Tochter zu kümmern – unsere kleine Prinzessin.



Die Kleine war nun seit über drei Stunden auf der Welt. Der Rudelarzt Leo hatte sie untersucht und für vollkommen gesund erklärt.

Doch eines irritierte alle:

Sie hatte noch kein einziges Mal geschrien.

Keine Tränen, kein Laut. Sie schlief einfach – tief, ruhig, vollkommen friedlich.

Ein so stilles Neugeborenes war... ungewöhnlich.

Ich war gerade auf dem Weg vom großen Foyer zurück in das Kinderzimmer, als ich Alpha Sean und Luna Klee auf dem Gang entdeckte. Sie sahen erschöpft, aber glücklich aus – eine Aura aus Stolz und Erleichterung umgab sie.

Schnell verbeugte ich mich respektvoll.

„Alpha. Luna.“

Sie nickten mir freundlich zu, und gemeinsam traten wir ins Zimmer der kleinen Prinzessin.



Und da geschah es.

Die Kleine lag nicht mehr schlafend im Stubenwagen.

Sie sah uns an.

Mit riesigen Augen – offen, wachsam, fast... bewusst.

Ich trat näher heran, konnte den Blick nicht von ihren Iris abwenden.

„Ihre Augen...“, flüsterte ich wie in Trance. „Sie sind wunderschön. Eine Mischung aus Waldgrün und Himmelblau – mit silbrigen Flecken.“

Alpha Sean und Luna Klee nickten.

„Ab heute wird sie Kesia heißen“, verkündete der Alpha mit fester Stimme. „Kesia Shadow. Tochter des Shadow-Rudels.“

Luna legte sanft eine Hand auf seinen Arm. „Kesia... unsere kleine Sternenseele.“

Einen Moment lang herrschte tiefe Stille im Raum. Die Art von Stille, die voller Bedeutung ist.

Ich senkte den Blick, spürte, dass ich diesem heiligen Moment vielleicht nicht beiwohnen sollte. Leise wollte ich mich zurückziehen, als der Alpha plötzlich auf mich zukam.

„Lasa.“

Ich erstarrte.

„Du warst heute bei ihr. Du hast sie gehalten, gewiegt, als Erste gesehen. Ab heute bist du ihr Kindermädchen. Du wirst an ihrer Seite sein – immer dann, wenn wir es nicht können.“

Mein Herz schlug schneller. Ehre und Verantwortung gleichzeitig. Ich nickte tief.

„Ich werde mein Leben darauf ausrichten.“

Doch bevor der Alpha weiterreden konnte, bewegte sich etwas im Stubenwagen.

Die kleine Kesia riss die Augen weiter auf. Ihre Atmung beschleunigte sich. Panik spiegelte sich in ihrem Blick.

Ich trat näher.

Und dann – geschah etwas, was ich nie zuvor gesehen hatte.

Ein silbriges Leuchten hüllte ihren Körper ein.

Ihre Finger verkrampften sich, ihre kleinen Arme zitterten.

Dann...

verwandelte sie sich.

Dort, wo eben noch ein Baby lag, lag nun ein winziger Wolf – silberweiß mit einem Hauch von Nachtblau im Fell.

Klein.

Zart.

Aber unverkennbar: ein Alpha-Welpe.