Kapitel 1: Der Abstieg eines Helden
Frank "Ranzig" Rüpel lag mit dem Gesicht nach unten in einer stinkenden Seitengasse, eingehüllt in den beißenden Geruch von Urin und Verfall. Die Sterne funkelten schwach durch den dichten Smog, und irgendwo in der Ferne hallten die Sirenen der Polizei. Einst war er Captain Kraftprotz, der gefeierte Held, doch das war lange her. Jetzt war er ein Wrack, eine Witzfigur – und er wusste es.
Mit einem tiefen Seufzer rappelte er sich hoch, stützte sich an einer Mülltonne ab und griff nach einer halb vollen Flasche Whisky, die er neben sich gefunden hatte. "Na, Prost auf die verdammte Welt," murmelte er und nahm einen tiefen Schluck. Der Alkohol brannte in seiner Kehle und weckte ihn aus seiner dumpfen Lethargie.
Seine Gedanken schweiften zurück zu dem verhängnisvollen Tag, an dem alles den Bach runterging. Es war ein epischer Kampf gegen Dr. Chaos gewesen, ein wahnsinniger Wissenschaftler mit einem Faible für Weltuntergangsmaschinen. Frank hatte geglaubt, es sei ein Routineeinsatz, aber er hatte sich gewaltig geirrt. Dr. Chaos hatte ihn überlistet, seine Kräfte mit einer höllischen Maschine abgesaugt und ihn zum Gespött der Stadt gemacht.
Ein schriller Schrei riss ihn aus seinen Gedanken. Es war der Schrei einer Frau, voller Angst und Verzweiflung. Frank spitzte die Ohren und versuchte, die Richtung zu bestimmen. Die Stimme kam von der anderen Seite der Gasse. Mit einem mürrischen Grinsen auf den Lippen ließ er die Flasche fallen und stapfte in die Dunkelheit.
Um die Ecke sah er eine Gruppe von Schlägern, die eine junge Frau bedrängten. Sie hatten die typische Uniform der Straßengang „Die Höllenhunde“ an – zerrissene Lederjacken, grobe Stiefel und böse Grinsen auf den Gesichtern. „Hey, lasst das Mädchen in Ruhe, ihr Arschgeigen!“ brüllte Frank, während er auf sie zustapfte.
Die Gangmitglieder drehten sich um und musterten ihn spöttisch. „Na, sieh mal einer an. Ist das nicht der abgehalfterte Captain Kraftprotz?“ höhnte einer von ihnen. „Was willst du denn hier, alter Mann? Deinen Ruhm zurückkaufen?“
Frank lachte trocken. „Ich bin nur hier, um euren beschissenen Tag noch schlimmer zu machen.“ Mit einem schnellen, unerwarteten Schlag brach er dem Höhnenden die Nase. Blut spritzte in alle Richtungen, und der Mann sackte krachend zu Boden.
Ein anderer Angreifer stürzte sich auf Frank, ein Messer in der Hand. Frank wich aus, packte den Angreifer am Handgelenk und brach es mit einem kräftigen Ruck. Das Messer fiel klappernd zu Boden. „Das war dein erster Fehler“, sagte Frank und trat ihm mit voller Wucht in die Weichteile. Der Mann krümmte sich schreiend vor Schmerz.
„Du Bastard!“, schrie ein dritter Gangster und zog eine Pistole. Bevor er abdrücken konnte, hatte Frank bereits eine rostige Eisenstange vom Boden aufgehoben und sie dem Angreifer in den Bauch gerammt. Die Pistole fiel aus der erschlaffenden Hand des Mannes, der mit weit aufgerissenen Augen zu Boden ging.
„Das ist nicht fair!“, jammerte ein vierter und letzter Gangster, der nervös zwischen Frank und dem Fluchtweg hin und her blickte. „Ihr seid eine gottverdammte Gang!“, brüllte Frank und warf ihm einen abgetrennten Arm eines seiner Freunde zu. „Wann habt ihr jemals fair gespielt?“
Der Gangster drehte sich um und rannte davon, die Hände in die Luft geworfen. „Ich bin raus, Mann! Ich bin raus!“
Frank wandte sich der jungen Frau zu, die immer noch zitternd am Boden kauerte. „Alles in Ordnung?“, fragte er mit einem überraschend sanften Ton in der Stimme.
Sie nickte schwach und stand zögernd auf. „Danke... danke, dass Sie mich gerettet haben.“
Frank grinste schief. „Keine Ursache. Es war mir ein Vergnügen, diese Bastarde zu vermöbeln.“
Bevor sie noch etwas sagen konnte, hörte Frank das aufheulende Geräusch eines Polizeiautos, das in die Gasse einbog. „Ich muss hier weg“, murmelte er und drehte sich um. „Pass auf dich auf, Kleines.“ Mit diesen Worten verschwand er in der Dunkelheit, zurück in den Dunst und Schmutz der Stadt, die er einst geschworen hatte zu beschützen.
Als Frank die vertraute Dunkelheit der Gasse verschluckte, dachte er über sein Leben nach. Früher hätte er sich wohl kaum vorstellen können, wie tief er fallen würde. Aber jetzt, mit Blut an den Händen und einem stechenden Schmerz in der Brust, wusste er, dass dies nur der Anfang seines langen, blutigen Weges war. Er konnte nicht zurückkehren – er konnte nur weiter vorwärts gehen, in die Nacht hinein, wo das wahre Böse lauerte.








