Bookdate

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Summary

Jamie hat kein Date für den Valentinstag und findet Trost in einem Buchladen.

Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Bookdate

Als sie den Buchladen betrat, beschlugen ihre Brillengläser und sie strich sich die Schneeflocken aus ihrem kurzen Haar. Irgendwie konnte Jamie Schnee nur etwas abgewinnen, wenn sie ihn durch ein Fenster betrachten konnte. Wenn sie draußen sein musste, während es schneite, war sie nicht unbedingt ein Fan von Schnee.

Jamie wartete bis sie wieder etwas sehen konnte und machte sich dann auf den Weg zu den Bücherregalen mit Fantasy und Science Fiction Büchern.

Sie seufzte, heute war Valentinstag und wieder hatte sie keinen Freund, mit dem sie feiern konnte. Eigentlich war es lächerlich darüber traurig zu sein, sie hatte immerhin gute Freunde und verstand sich auch mit ihrem Bruder und ihren Eltern sehr gut. Aber alle hatten an diesem Tag schon etwas anderes vor und waren am Abend beschäftigt. Was in Hinblick auf die Art des Feiertages ja keine Überraschung war.

Sie seufzte noch einmal. Ihr Bruder hatte seine Verlobte; bestimmt hatte er einen schönen Abend für sie geplant, er gab sich da immer richtig viel Mühe. Ihre beste Freundin hatte sich in die Südsee verzogen und lag mittlerweile wohl an einem feinkörnigen weißen Sandstrand. Jamie war sich sicher, dass sie auch schon einen netten Single abgeschleppt hatte, mit dem sie die Abende und Nächte verbrachte. Und Susanne hatte es sich bestimmt mit ihrer Freundin auf der Couch gemütlich gemacht und sie schauten zusammen Actionfilme. Keiner stand für einen Anti-Valentinstag-Abend zur Verfügung, einen Abend mit Pizza und rauen Mengen Alkohol und vielleicht ein bisschen Single-Selbstmitleid.

Jamie tat einen langen Seufzer mehr und beschloss dann sich wieder zusammenzunehmen. Es würde ja nichts nutzen, sich in Selbstmitleid zu baden, nichts würde sich dadurch ändern und sie hatte nun einmal einfach kein Händchen, was Männer anging. Weder dazu, sie auf sich aufmerksam zu machen, noch sie länger zu halten. Aber wenigstens konnten sie dann auch nicht nerven. Man musste immer die Vorteile an einer Sache sehen.


Jamie sah das Bücherregal vor sich an. G.R.R. Martin und sein ‘Das Lied von Eis und Feuer’ war das Erste, worauf ihr Blick fiel. Die Bücher hatte sie schon alle zu Hause und nur die Hälfte davon waren schon gelesen; es gab einfach zu viele andere Bücher, die sie auch lesen wollte. Ansonsten aber mochte sie die Geschichte, auch wenn ihr nicht alle Charaktere gleich gut gefielen.

Sie sah die Reihe von Ben Aaronovitch, super Bücher, aber leider hatte sie schon alle auf Deutsch verfügbaren gelesen. Jamie konnte das neue Buch fast schon nicht mehr erwarten.

J.R.R. Tolkien. ‘Der Herr der Ringe’, ‘Der Hobbit’ und ‘Das Silmarilion’ kannte sie schon, bei den anderen Büchern war sie noch nicht dazugekommen sie auch zu lesen, aber sie waren schon in ihrem Besitz. Wenn sie an die ganzen ungelesenen Bücher zu Hause dachte, fragte sie sich ehrlich, wieso sie schon wieder in einem Buchladen stand. Aber sie wollte heute Abend nicht eines von ihren Büchern zu Hause lesen, die Geschichten passten irgendwie nicht so recht. Jedenfalls kam es ihr momentan so vor.

Jamie ließ ihren Blick über die Buchrücken schweifen und runzelte die Stirn. Aus irgendeinem Grund schien auch keines der Bücher hier zu dem heutigen Tag und zu ihrer Stimmung zu passen. Keines der Bücher schien wirklich zu ihr zu sprechen.

Ihre Augen suchten das Regal mit Science Fiction ab, auch dort sprang ihr keines der Bücher wirklich ins Auge.

Aber das konnte doch nicht sein! Sie fand immer ein Buch, mindestens eines, und schaffte es nie ohne neue Bücher aus dem Geschäft zu gehen, selbst wenn sie es so vorgehabt hatte. Immer wurde sie von mindestens einem Buch gefunden und konnte ohne es auch nicht nach Hause gehen. Also was war heute denn nur los? Sie musste doch ein Buch finden können.

Wahrscheinlich würde jeder, wenn sie das erzählte, denken, dass sie nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte. Es war vielleicht auch ein bisschen lächerlich, aber irgendwie wusste sie, dass das richtige Buch hier irgendwo war. Und sie würde es finden.

Jamie nahm sich ein paar Bücher aus dem Regal, die interessant aussahen und setzte sich in einen der Sessel, die dazu einluden, die Bücher anzulesen und genauer zu betrachten. Sie schlug das erste Buch auf und begann die erste Seite zu lesen.

So richtig fand sie nicht in die Geschichte und sie kam absolut nicht mit dem Schreibstil der Autorin klar. Auch die anderen Bücher auf ihrem Stapel weckten ihr Interesse nicht. Etwas enttäuscht blätterte sie durch die Seiten ihres letzten Buches, das sie genauer unter die Lupe nehmen wollte.

Wo sie sonst das Buch in ihrem Bann zog und es sie nahezu verschluckte, waren jetzt nur leblose Wörter und Sätze, die sie nicht fesseln wollten. Jamie schlug es wieder zu und stand auf. Sie nahm ihre Umhängetasche und wunderte sich wie immer, was sie denn so schweres drinnen hatte, hievte sie hoch und nahm die Bücher auf den Arm.

Eigentlich konnte man Bücher auch liegen lassen und Angestellte würden die Bücher dann wieder ins Regal zurückstellen, aber Jamie fand das immer schon ein bisschen unfair gegenüber den Buchhändlern und räumte sie lieber selbst wieder auf. Und vielleicht fiel der Blick ja auf eine Geschichte, die genau auf diesen Zeitpunkt gewartet hatte, um sich zu zeigen. Der Weg zurück zu den jeweiligen Regalen führte sie an einem Tisch vorbei, der ein großes Schild darüber hängen hatte.


Ihr Bookdate für Valentinstag.

Darunter war noch das Datum für den Aktionszeitraum geschrieben. Auf jedem eingepackten Buch war ein Aufkleber, auf den ein Satz des jeweiligen Buches gedruckt war. Man sollte nur durch den ersten Satz entscheiden, ob man das Buch lesen wollte und nicht durch die Covergestaltung oder den Klappentext. Eigentlich fand Jamie die Idee nicht schlecht, wenn sie es genau bedachte, sogar brillant. Und wieso sollte nicht ein Buch ihr Date für den Valentinstag sein? Bücher waren manchmal eh die besseren Freunde. Und sie waren immer für dich da.

Sie räumte rasch die verbliebenen Bücher an ihre Plätze auf und kam dann wieder zurück. Dann schaute sie sich die Valentinstags-Bücher an. Einen der Sätze kannte sie sogar.

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle, der ein beachtliches Vermögen besitzt, zu seinem Glück nur noch einer Frau bedarf.(1)

Sie musste schmunzeln. Stolz und Vorurteil. Natürlich war es auch dabei. Aber das hatte sie schon gelesen im Schrank stehen und es war nicht so ganz das, was sie heute zu suchen schien. Sie wollte eine neue Geschichte erleben. Gemächlich sah sie sich die anderen Bücher an und las die Sätze auf der Verpackung. Kein weiterer kam ihr bekannt vor und es gab auch nur einen einzigen anderen Satz, der sie neugierig machte und sie auf eine Weise berührte. Jamie nahm das eingepackte Buch in die Hand.

Im Winter meines siebzehnten Lebensjahres kam meine Mutter zu dem Schluss, dass ich Depressionen hatte, wahrscheinlich, weil ich kaum das Haus verließ, viel Zeit im Bett verbrachte, immer wieder dasselbe Buch las, wenig aß und einen großen Teil meiner restlichen Zeit damit verbrachte, über den Tod nachzudenken.(2)

Dann überlegte sie sich, brauchte sie überhaupt ein neues Buch? Eigentlich hatte sie doch schon genug in ihrem Regal, die sie noch lesen wollte. Aber heute war ein besonderer Tag und da konnte man sich doch etwas leisten? Ein Valentinstags-Geschenk an sie selbst.

“Denken Sie auch über ein Bookdate nach?”

Jamie hob den Blick. Auf ihrer rechten Seite und an einer anderen Seite des Tisches stand ein junger Mann. Er hatte auch eines der Bücher in der Hand. Ein freundliches Gesicht sah ihr entgegen und seinen Mund umspielte ein kleines Lächeln. Er trug einen schwarzen Mantel und darunter sah ein weißes Hemd hervor. Kein Schal und das bei diesem Wetter, zumal auch die oberen Knöpfe seines Hemdes nicht geschlossen waren. Sie würde so wahrscheinlich erfrieren, wenn sie für mehr als ein paar Minuten nach draußen gehen würde.

Das Interessanteste aber fand Jamie seine langen dunkellila Haare. Wenn sie ehrlich war, sah es ganz schön gewagt und exotisch aus. Schon alleine die Farbe, aber dann hatten Männer in ihrem Umfeld normalerweise nicht so lange Haare. Aber auf eine schräge Weise passte es zu ihm und machte ihn auf eine faszinierende Weise schön. Er entgegnete ihren Blick und seine grünen Augen strahlten sie an.

“Es scheint so, nicht wahr?” Sie machte eine kurze Pause. “Sprechen Sie immer Frauen in Buchläden an? Oder ist das Ihr erstes Mal?” Sie musste einfach sticheln, sie konnte es sich einfach nicht verkneifen.

Jamie erntete ein leises Lachen. “Woher wissen Sie das nur?”

Sie musste sich wirklich anstrengen, die Augen nicht zu verdrehen. Dieses flirtende Verhalten von Männern fand sie schon immer nervig. Es war einfach so offensichtlich und ihrer Meinung nach meistens ziemlich abgedroschen. Ihr Blick fiel wieder auf ihr Überraschungsbuch. Sollte sie es wirklich kaufen?

“Denken Sie, das könnte ein Buch für mich sein?”

Sie schaute ihn wieder an. Eine Strähne war aus seinem Pferdeschwanz gefallen und ließ ihn anziehender auf sie wirken. Er hielt das eingepackte ‘Stolz und Vorurteil’ hoch.

“Woher soll ich das denn wissen? Ich kenne Sie ja gar nicht.” Sein Lächeln verschwand. Sie fragte sich wieso, immerhin war das ja nur die Wahrheit. Vielleicht sollte sie aber versuchen, das wieder auszubügeln, sonst wäre die Unterhaltung wahrscheinlich ziemlich schnell vorbei. Und irgendwie mochte sie die Unterhaltung. “Ich könnte Ihnen aber sagen, welches Buch es ist. Ich finde jedenfalls, man sollte es einmal im Leben schon gelesen haben.”

“Moment, Sie wissen nur anhand des ersten Satzes, welches Buch das ist?” Erstaunen schwang in seiner Stimme mit. Jamie grinste ein wenig in sich hinein.

“Wissen Sie, der Satz ist eigentlich schon relativ bekannt und wenn man noch dazu das Buch gelesen hat ...” Sie zuckte mit den Schultern, während sie das sagte.

“Wie fanden Sie es denn?” Sein Blick wurde neugierig und freundlich. Außerdem schien es so, als wäre der Mann ein paar Zentimeter näher an sie herangetreten.

“Es ist eine Liebesgeschichte, wie Sie es sich vielleicht auch schon gedacht haben mögen.” Sie studierte sein Gesicht und wartete auf eine Reaktion von ihm. Er nickte ganz leicht.

“Außerdem finde ich, Sie sollten wissen, dass es von einer Frau geschrieben wurde, aus irgendeinem Grund mögen das manche Männer nicht oder es schreckt sie ein bisschen ab.”

Ihr Gegenüber hob die Hand, um sie zu unterbrechen. “Damit hatte ich noch nie ein Problem.” Er schmunzelte. Okay, das machte ihn ihr sympathischer.

“Gut, dann haben sie bei mir schon einmal ein Stein im Brett. Und es ist Literatur, kein Erotikroman. Ich fand es unglaublich schön. Es war romantisch und ich mochte, um ehrlich zu sein, den männlichen Hauptcharakter sehr.” Sie machte eine kurze Pause. Jamie würde ihn noch tot quasseln, sie musste unbedingt aufhören. “Und eigentlich glaube ich, ich sollte Ihnen gar nicht mehr über das Buch verraten. Lesen Sie es einfach unvoreingenommen.” Jamie schenkte ihm ein Lächeln. Das sie ihm eigentlich gar nicht hatte schenken wollen, aber es hatte sich einfach davongestohlen.

“Wenn es Ihnen so gefallen hat, dann werde ich es wohl lesen. Das scheint ja wirklich ein Gutes zu sein.” Er drehte es kurz in seiner Hand. “Was haben Sie da für ein Buch?” Seine grünen Augen richteten sich wieder auf Jamie.

Sie hielt es ihm so hin, dass er den ersten Satz lesen konnte. “Ich muss zu meiner Schmach zugeben, dass ich Ihnen nicht sagen kann, welches Buch Sie da in der Hand haben, wenn Sie es wissen wollten. Aber klingt interessant.” Er verzog seinen Mund zu einem Lächeln. Einem ziemlich niedlichen Lächeln.

“Oh, das habe ich auch gar nicht erwartet.” Sie sah ihn kurz an. Das wäre schon ein ziemlich großer Zufall gewesen. Zusammen mit dem anderen großen Zufall, der schon passiert war. Irgendwann würde es dann schon ins Absurde abgleiten. Dann wiederum wollte sie die ganze Zufallsbegegnung auch nicht unnötig in die Länge ziehen. Sie hatte ihr Buch und langsam befiel sie auch der Hunger.

“Ich hoffe, es gefällt Ihnen”, sie deutete auf seine Hand, in der er ‘Stolz und Vorurteil’ hielt, “einen schönen Tag wünsche ich Ihnen noch.” Noch ein kleines Lächeln und dann machte sie sich auf zur Kasse.

Jamie war schon am Weggehen, als der Mann zu ihr aufschloss.

“Hoffentlich gefällt Ihnen Ihr Buch auch, es muss ja schließlich einen Grund gegeben haben, warum Sie sich gerade dieses ausgesucht haben.” Ein leichtes Lächeln. “Geht Ihr Freund heute Abend nicht mit Ihnen Essen?”

Es war so offensichtlich, auf was er mit dieser Frage abzielte. Eigentlich hatte es schon gereicht, dass er ihr nachgegangen war. Aber irgendwie war er auch nett. Und er faszinierte sie ein bisschen.

“Ich wüsste nicht, was Sie das interessieren sollte. Und Sie? Haben Sie nichts Besseres zu tun, als ein Buch zu lesen?” Sie schlug einen neckenden Ton an.

“Es schockiert Sie vielleicht, aber tatsächlich nicht. Eigentlich hätte ich Sie das auch gar nicht fragen brauchen, das Buch verrät mir zusammen mit der Tatsache, dass Sie jetzt hier sind, schon, was ich wissen wollte. Sie kommen von der Arbeit, habe ich recht?”

Jamie schaute verlegen zu Boden. Das war ja schon fast gruselig, wenn es nicht so logisch wäre.

“Ach, das ist doch nicht wild. Ich teile Ihr Schicksal, schon vergessen?” Ein wirklich niedliches Grinsen legte sich auf seine Züge. Jamie kam bei der Kasse zu stehen und legte ihr Buch auf die Theke.

“Gehören Sie beide zusammen?” Die Angestellte schaute sie abwechselnd an.

“Oh Gott, Nein!“, antwortete Jamie etwas zu laut. Der Mann sah sie nur amüsiert an. Sie bezahlte und nahm das Rückgeld und dann das Buch etwas ungelenk. Auf dem Weg nach draußen musste sie stoppen, um das Geld aufzuräumen und das Buch und den Geldbeutel in ihrer Umhängetasche zu verstauen. Als Jamie wieder aufsah, stand der Mann wieder vor ihr.

“Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.” Er neigte den Kopf leicht und es lösten sich noch ein paar Strähnen mehr aus seinem Pferdeschwanz, die er sich reflexartig wieder hinter die Ohren strich. Eine umwerfende Geste.

“Das wünsche ich Ihnen auch.” Sie lächelte ihn noch kurz an und wandte sich dann der Ausgangstür zu.


Jamie kramte in ihrer Tasche nach den Haustürschlüsseln. Es wundert sie immer wieder, wieso sie jedes Mal ganz unten in der Tasche waren und alles andere darüber lag. Sie fand ihn, steckte ihn ins Schloss und schloss die Türe auf. Den Schlüssel warf sie in die Schale auf dem Tischchen neben der Türe, zog die Schuhe aus und ging ins Wohnzimmer. Dort warf sie die Tasche aufs Sofa und machte sich auf den Weg in die Küche. Jamie brauchte erst einmal dringend etwas zu Essen. Das bestätigte ihr auch ihr knurrender Magen.


Später am Abend, nachdem sie satt war und ihre Gammelklamotten angezogen hatte, setzte sie sich mit einer Tasse Tee auf das Sofa und nahm das Buch aus ihrer Tasche, sie riss das Geschenkpapier ab und sah sich das Cover an.

John Green, ‘Das Schicksal ist ein mieser Verräter’ stand darauf. Ohne auf die Kurzbeschreibung zu achten, schlug sie das Buch auf und bevor sie anfangen konnte zu lesen, musste sie unwillkürlich an den Mann aus dem Buchladen denken. So ganz war sie aus ihm nicht schlau geworden. Aber auf eine bestimmte Weise hatte er Jamie gefallen. Soweit sie es beurteilen konnte, waren lila Haare schon eine mutige Entscheidung und gleichzeitig hatte er auch noch lange. Das war für einen Mann doch einigermaßen ungewöhnlich. Sein Lachen war irgendwie schön gewesen, es hatte seine Augen so zum Leuchten gebracht.

Jamie hielt kurz inne und schüttelte über sich selbst den Kopf. Jetzt konnte sie ihn noch so toll finden, wie sie wollte. Sie würde ihn aller Wahrscheinlichkeit sowieso nie wieder sehen. Die Stadt war groß und der Buchladen lag am prominentesten Platz und hatte ziemlich sicher sehr viele Kunden. Und bei ihrem Glück war er wahrscheinlich ein Tourist oder Geschäftsreisender und eh bald weg. Wie er wohl ‘Stolz und Vorurteil’ fand und hatte er schon angefangen es zu lesen? Dachte er vielleicht auch an sie, wenn er das Buch auspackte und den Titel las? Oder hatte er sie schon vergessen, kurz nachdem er aus dem Laden gegangen war?

Jamie trank einen Schluck ihres Tees und kuschelte sich in die Kissen ihrer Couch. Kurz stand sie auf und holte sich von dem Sessel noch eine Decke. Dann nahm sie das Buch wieder in die Hand und schob die Gedanken an den Mann aus dem Buchladen beiseite. Damit fing sie an, den ersten Satz zu lesen.

Im Winter meines siebzehnten Lebensjahres kam ... (2)



(1) Jane Austen - Stolz und Vorurteil, erster Satz

(2) John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter, erster Satz