Disko
Das berühmt/berüchtigte Nigger-Klatschen kennt Ihr doch, noa? Da war mal – ist schon eine Weile her – eine Disko in Zittau. In der: Viele Jugendliche tollten da ausgelassen rum, ließen – sprichwörtlich – die Sau raus, feierten den Abend, als wenn es kein Morgen geben würde. Kurz gesagt: Sie genossen es, dem tristen Alltag mal zu entfliehen, ließen Opa Ottokar erzählen, was der wollte; denn heute waren sie der King, nichts konnte sie aufhalten, nichts, kein Ratschlag, kein Verbot, keine Bitte. Oder? Trotzdem? Allerdings?
Während sie tanzten – Ringelreihe oder bei Techno abzuckend oder bei einer Metal-Runde mit der Luft-Gitarre abrockend und Head-Banging celebrierend – kam ein Farbiger – Schwarzer (War er aus irgend einem afrikanischen Land?) auf die glorreiche Idee, von Tisch zu Tisch zu schreiten und die nicht anwesenden Jugendlichen um ihr mehr oder weniger gefülltes Bierglas zu erleichtern. Ja, Ihr habt richtig gehört! Er wagte es, den Deutschen ihr Nahrungsmittel wegzunehmen.
Natürlich ließen die sich das nicht gefallen, die Stimmung schlug sofort um. Man muss sich mal vorstellen, man kommt schweißgebadet vom Dschungel-Pop-beknien-auf-der-Tanzfläche wieder, freut sich schon auf das kühle Blonde aufm Tisch – das man vorhin erst ergattert hat -, muss was tun gegen das rauhe Reiben in der Kehle, gegen die Kopfschmerzen, die einem da berammeln und dann… und dann … und dann … Nix mehr da! Maximal noch ein grinsender Bierdeckel, auf dem ein Strich prangt, der von einem gezackten Feuchtigkeitsfleck umrandet wird. Aber sonst: Nix mehr! Nicht mal ein leeres Glas, das man vielleicht noch auswringen könnte, um auch den letzten Tropfen raus zu holen. Aber nein, nicht mal dass! Nix mehr! Finito! Durst habend! Wer ist der Schuldige?
Dann: Ihre Augen weiten sich, ihre Augen fangen an zu starren, ihre Augen treten ihnen schier aus den Höhlen. Ihr Gesichtsfeld verengt sich, Konzentration. Schweißtropfen – weitere – treten aus ihnen aus – wie bei den Jägern in der Steinzeit, wenn sie ihre Beute sahen. - Sie bildet eine Rutschbahn zu ihm hin, als hätte jemand eine explosive Bahn aus flüssigem Schwarzpulver zu ihm gelegt. Als würde er fluoreszierend sabbern und hätte dadurch eine Schleifspur – die allerdings transparent ist wie das Sperma der Glaswürmer - gelegt, damit ihn alle finden. Ihn, den Bierklauer. Und … er schüttet was in sich rein aus … Ist das ihr Glas? Ist das ihr Bier? Oooh! Sein Bauch wird immer runder. Dicker. Fetter!
Ein Schrei hallt durch den Raum, mobilisiert die jugendlichen Massen, lässt alle aufspringen. Mit heraushängender Zunge. Mit geballten Fäusten. Mit Zorn-geröteten Gesichtern. Enthusiastisch. Animalisch. Hasserfüllt.
Da trat eine Frau in den Lichtkegel der Disko: Sie schmiss sich todesmutig in das Gewühl der aufgebrachten M.enge, ließ dabei ihre bis zum wohl gerundeten Popo reichenden langen, gelockten brünetten – mit goldenem Glanz – geschwungene Haare umher fließen; empörte sich lautstark: „Das ist mein Mann!“








