Fleya
Draußen ist es dunkel. In mir dreht sich alles. Mir wird heiß und die Hitze schießt durch meine Poren, ich fühle mich eingeengt von all-den Menschen die mich erdrückten und mich anrempelten. Meine Finger begannen zu Zucken und zu kribbeln ich musste das Kribbeln irgendwo herrauslasssen, doch ich wollte nicht schon wieder meinen Arm verunstalten, deshalb musst ich mich zusammenkneifen, doch das Kribbeln war unerträglich. Wut stieg in mir hoch. Plötzliche Wut die ich nicht begründen konnte. Es war schon wieder passiert. Ich dachte ich hätte mich jetzt unter Kontrolle, doch das, das jetzt nun wieder passierte machte mich nur noch trauriger. Ich war enttäuscht über mich selbst. Ich war immer das glückliche, nette Mädchen und wollte nicht zulassen, das ich das nicht mehr war. Ich wollte die Trauer und die Panikattacken nicht für echt halten, ich redete mir ein, sie wären nur Einbildung, da ja eigentlich alles gut war. Naja, es war gar nichts gut, aber das spielte keine Rolle. Ich hielt es nicht mehr aus und rannte aus der lauten Menge mit den tanzenden Menschen und der viel zu lauten Musik raus. Ich ging auf den Balkon und schlug die Tür zu. Die plötzliche Stille die, die ganze Musik übertönte tat so gut. Es war alles ruhig und die frische Nachtluft bließ mir ins Gesicht.
Tief ein und ausatmen
Ein und aus
Ein und aus
Immer ein und aus.
Doch ich schaffte es nicht. Ich sank an der Wand des Gebäudes nach unten und ließ meinen Kopf in die Hände gleiten.
Nicht weinen
Nicht weinen
Nicht weinen
Ich schaffte auch das nicht.
Mein Herz schlug schneller und alles drehte sich. Ich konnte nicht anders mein Gehirn fühlte sich an, als wolle er etwas tun, doch wurde krampfhaft davon abgehalten, also tat ich es. Ich wollte es nicht. Doch es geschah. Ich kniff mir so fest wie möglich mit meinen spitzen Fingernägeln in den Arm und ließ all die Wut und die Gefühle raus. Das schlimme daran, es half jedes mal und tat gut. Endlich die Wut rauslassen. Doch da hörte ich jemanden räuspern. Ich drehte mich um. In der Tür stand ein Junger Mann in meinem alter. Und es war nicht nur einer. Ich kannte ihn. Diese schwarzen Haare mit dem Mittelscheitel und die kleinen schwarzen Augen. Ich kannte sie irgendwoher. "Alles gut?", fragte der Typ. Die Stimme! Ich kannte ihn! Meine Augen weiteten sich und mein Herz setzte einen Moment aus. "Leehan?!", fragte ich überrascht und flüsterte beinahe. Leehan lächelte ganz leicht und bückte sich zu mir runter. "Alles ok bei dir?" Ich überlegte und stockte bei der viel zu leichten Antwort. "Ja." Leehan sah mich besorgt an. "Sag die Wahrheit.", forderte er mich sanft auf. "Es war mir nur zu viel hier auf der Party, zu viele Menschen." Leehan schien mit der Antwort nicht zufrieden, schien sich dennoch damit abzufinden. "Wie geht es dir so? Lange nicht gesehen.", fuhr er fort. "Ganz ok und dir?"
"Geht mir genauso. Es tut mir leid was passiert ist. Das hätte nicht passieren sollen."
"Ist schon ok. Ich komme damit klar."
Leehan stand auf und lief an die Brüstung des Balkons und schaute nach unten auf die Stadt. "Du hast dich echt verändert.", hauchte er. Ich lachte krampfartig und spürte erneute Panik in mir aufkommen. Ich war die ganze Zeit so angespannt. Ich hatte Angst vor Sozialen Kontakten. Eine panische Angst. Ich fing an zu zittern und jeder Muskel verkrampfte sich. Leehan merkte das ich mit meiner Antwort zögerte und kam auf mich zu. Er setzte sich neben mich. Ich konnte kaum hören wie er vor sich hinflüsterte: "Ganz schön verändert." Ich konnte mich nicht rühren ich zitterte einfach am ganzen Körper. Zuletzt gesehen hatte ich Leehan vor vier Jahren als meine Mutter auch noch gelebt hatte. Es war zwar schon ein Jahr seit ihrem Tod vergangen, doch meine Welt war in sich gebrochen. In so vielen verschiedenen Bereichen. Leehan legte einen Arm um mich, was mich nur noch mehr verkrampfte. Ich brach in Tränen aus.
Beruhig dich jetzt
Beruhig dich jetzt
Beruhig dich jetzt
„Sag mir was du denkst.", flüsterte Leehan nach einer Weile. Ich würde es ihm so gerne sagen, doch alles in meinem Kopf fühlte sich so unordentlich an und es drückte in als würde sich dort ein gewaltiger Druck aufbauen. "Ich will nach Hause.", das war das einzige das ich sagte. Ich wunderte mich selbst über meine Worte. Leehan raschelte in seiner Hosentasche und zog einen Autoschlüssel hervor. Er drückte auf einen Knopf und ein gedämmpftes Klicken erklang von unten, wo die Autos standen. "Dann los." Leehan wusste wo ich wohnte, aber nein ich wollte nicht dort hin. Es fühlte sich nämlich nicht nach Zuhause an, doch ich hatte nichts wo ich sonst hinwollte. Ich schüttelte laut schluchzend den Kopf und ließ ihn auf meine Knie sinken. Leehan legte erneut einen Arm um mich. Eine halbe Ewigkeit saßen wir so da und nichts passierte. Ich weinte, schluchzte und spürte wie mein Herz in tausend Stücke zerbrach. Leehan saß einfach nur neben mir. Ich hatte mich an seinen Arm gewöhnt und fühlte mich fast schon wieder sicher. "Was ist dein größter Wunsch?", fragte Leehan urplötzlich. Ich schaute mit verkwollenen Augen auf. Die Frage war einfach. "Ich will Ballett tanzen.", kiekste ich. Meine Stimme klang heiser. "Dann hoffe ich das dein Wunsch in Erfüllung geht." Ich schaute ihn fragen an. "Eine Sternschnuppe.", sagte er nur. Mein Herz wurde warm. "Ballett also. Ich kann deinen Traum wahr werden lassen." Ich hörte auf zu zittern. "Wie?", meine Stimme war wie ein flüstern. "Ich tanze Ballett an der Black wood Academy of Ballett."