Battle Born

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Summary

In einem erbitterten Krieg ist ein junger Soldat auf einem unwichtigen Außenposten eingesetzt. Was ihn nicht weiter stört, da er diesen Krieg sowieso verabscheut. Doch dann wird sein Posten von aufständischen Rebellen angegriffen und belagert. Während dieser Belagerung kommen ungeahnte Dinge aus seiner Vergangenheit zum Vorschein. Dinge, die der Außenseiter lieber vergraben gelassen hätte. Je tiefer er jedoch gräbt, desto mehr muss er sich fragen, was wahr ist und wem er vertrauen kann.

Status
Complete
Chapters
14
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

1. Kapitel

„Heute vergeht die Zeit aber auch gar nicht”, meinte Marshall leichtherzig.

Ich lachte kurz auf und nickte. Jeder verdammte Baum sah gleich aus, wie sollte man sich hier jemals ohne Kompass zurechtfinden? Nervös ließ ich eine Hand an meinem Sturmgewehr los, um mich davon zu überzeugen, dass sich meiner noch in der Hosentasche befand. Ich wollte mich nicht auf Marshall verlassen. Er war liebenswert, aber zerstreut. Einer der wenigen, der mich nett behandelte. Vielleicht einer der Gründe, wieso ich fast immer mit ihm auf Patrouille geschickt wurde. Keiner der anderen hätte sich dazu bereit erklärt, auch wenn viele von ihnen neutral waren. Und ich war trotzdem froh, von da unten wegzukommen. Weg von alledem.

Es war ein schöner Spätsommertag, die Sonne lugte vereinzelt zwischen den Baumkronen hindurch und ließ verträumt ihre Strahlen durchscheinen. Die Luft war vom Zwitschern der Vögel und dem Summen der Insekten erfüllt. Der Geruch von Natur umspielte meine Nase und versprach mir ein falsches Gefühl von Idylle.

Wir befanden uns hier in einem entlegenen Teil des großen Waldes außerhalb der Stadt und bewachten die verhältnismäßig kleine Bunkeranlage. Zwanzig Mann auf kleinem Raum. Doch einen großen Vorteil hatte unser Standort: Nie geschah hier etwas. Ich war schon seit einem halben Jahr hier, direkt nach Abschluss der Ausbildung. Von dieser Anlage wusste kaum jemand außerhalb des Militärs Bescheid und wir lagen strategisch ungünstig. Große Kampfgefechte waren hier nicht zu erwarten. Generell war hier nichts zu holen. Keine geheimen Operationen, kein Depot für Waffen oder sonstiges. Nichts. Wofür das Militär sich so einen doch eher nutzlosen Bunker mit zwanzig Mann unterhielt, musste niemand verstehen. Außer ein paar Ersatzwaffen war hier nichts zu holen.

Unter meiner Uniform schwitzte ich ein wenig und wischte mit dem Ärmel über meinen kahl geschorenen Kopf, auf welchem die braunen Stoppeln langsam wieder Einzug fanden. Wie man uns mit der Tarnuniform im Wald nicht doch einfach erkannte, war mir ein Rätsel. Vor allem wenn wir mit Sturmgewehren durch die Gegend liefen.

Ich seufzte auf. Meinetwegen konnte es ruhig weiterhin so still bleiben. Auf großes Kriegstreiben hatte ich keine Lust.

Plötzlich hörte ich in einiger Entfernung ein Rascheln im Gebüsch. Sofort richtete ich aufmerksam den Lauf meines Sturmgewehres auf eben diese Stelle. Vorsichtig ging ich in besagte Richtung und hoffte auf ein Reh oder einen Hasen. Ein großer Bär wäre jetzt nämlich sehr unvorteilhaft gewesen, trotz meiner Waffe. An mein Bären Abwehrspray hatte ich, wie so oft, nicht gedacht. Zwar waren die Chancen niedrig, aber nie null, hier auf einen Bären zu treffen.

Ich näherte mich der Stelle und sah mich um. Nichts war zu erkennen, außer hier und da vom Wind bewegtes Blattwerk. Doch da stahl sich etwas in mein Auge. Etwas Silbernes. Eine Bärenfalle? Nein, dafür war es zu klein und funkelnd. Vorsichtig ging ich noch näher heran, kniete mich auf den weichen Waldboden. Erkennungsmarken? Wer hatte die denn verloren? Wäre schön, wenn außer mir mal jemand Ärger bekommen würde.

Ich ließ meine Waffe wieder los, um die Kette mit den zwei Anhängern aufzuheben. Meine Finger berührten die Kettenglieder, als ich etwas Hartes an meinem Hinterkopf spürte. Verwirrt hielt ich inne. Was war das? Ein schlechter Scherz von Marshall? Der war für sowas aber eigentlich nicht zu haben.

„Keinen Schritt weiter, Soldat. Schön stillhalten”, forderte eine männliche Stimme ruhig, aber direkt. Kannte ich die Stimme? Nein, definitiv nicht. Wenn es jemand der anderen gewesen wäre, hätten die mich doch auch mit meinem Namen angesprochen.

Reflexartig wollte ich mich umdrehen, spürte jedoch sogleich etwas Zweites an meinem Hinterkopf. „Keine Bewegung hat man dir gesagt. Ich dachte, ihr wärt alle so gut im Befehle befolgen?“, hörte ich eine weitere, männliche Stimme sagen. Nein, die kannte ich definitiv nicht. Der Hohn in seiner Stimme war noch ein zusätzliches Indiz für Auswärtige.

„Was ist hier los?“, fragte ich unsicher.

„Hände hoch, schön langsam”, befahl die erste Stimme. Behutsam nahm ich die andere Hand von meiner Waffe und streckte dann beide in die Luft. Im nächsten Moment löste sich die zweite Person von mir und nahm mein Sturmgewehr an sich. Ich starrte nur nach vorne, überfahren mit der Situation. Aufkeimende Panik schnürte mir die Brust zu. Was ging hier vor sich?

Im nächsten Moment wurde ich unter den Achseln gepackt und auf die Beine gezogen. Mehrere Hände tasteten meine Körper ab, entfernten alle Sachen, die ich an mir trug. Noch immer wusste ich nicht, mit wem ich es zu tun hatte. Für einen von Lennox’ Scherzen war das zu ernst aufgezogen. Die unbekannten Hände griffen nach meinen Armen und verdrehten sie auf meinen Rücken, auf welchem sie zusammengebunden wurden. Erst jetzt wurde ich an der Schulter umgedreht und unsanft gegen einen der Bäume gedrückt.

Vor mir standen zwei Männer, geschätzt Mitte vierzig. Sie trugen normale Kleidung in grünen Farbabstufungen und hatten sich Tarnmuster ins Gesicht gezeichnet. Rebellen.

„Mach keine Dummheiten Junge, wie du dir denken kannst sind nicht nur wir beide hier im Wald. So, fangen wir doch mal leicht an. Name und Alter”, sagte der linke. Er hatte eine Narbe über dem rechten Auge, die so markant war, dass ich sie trotz der Farbe erkennen konnte. Neben ihm stand ein breit gebauter, muskulöser Komplize. Dieser hatte meine Habseligkeiten an sich genommen.

Ich musterte beide aufmerksam. Ihre Pistolen hatten sie weggesteckt. Natürlich, ich war keine Gefahr mehr für sie. Wahrscheinlich nicht einmal mit Waffe jemals gewesen. Durch ihr Alter und ihre Statur hatten sie mir einiges an Erfahrung voraus.

„Was wollt ihr von mir?“, fragte ich unschlüssig.

„Name und Alter. Ansonsten redest du nur, wenn du gefragt wirst”, antwortete Narbengesicht ernst.

„Der steht doch auf meiner Uniform”, meinte ich vorsichtig und irritiert.

Die beiden tauschten Blicke aus, die ich nicht deuten konnte. Muskelpaket zog hinter seinem Rücken ein Messer hervor, kam auf mich zu und hielt es mir an den Bauch.

„Wir haben hier also einen Klugscheißer. Ich wiederhole: Du antwortest, wenn und was du gefragt wirst”, stellte er klar, während ich meinen Bauch versuchte einzuziehen.

„Stokes, zweiundzwanzig”, antwortete ich bemüht.

„Kompletter Name”, herrschte mich Narbengesicht an.

„Felix Stokes”, fügte ich hinzu.

Endlich ließ Muskelpaket von mir ab. „Sehr schön, Felix. Weißt du was? Du erhältst heute eine Beförderung. Ab jetzt bist du nicht nur Soldat, sondern auch Reiseführer. Wie klingt das?”

Ich sah ihn verwirrt an. „Wie bitte?”

Neben ihnen tauchten auf einmal eine ganze Schar an weiteren Rebellen auf. Und inmitten von ihnen Marshall, ebenfalls gefangen genommen. Kurz sah ich ihn prüfend an. Er war verletzt, hatte sich wohl gewehrt. In seinem Mund steckte sein Halstuch.

„Du wirst uns zu eurem Außenposten bringen. Dort angekommen wirst du uns hineinlassen. Wenn ihr alle brav kooperiert, muss das nicht böse enden.”

Mein Blick wanderte von einem zum anderen. Warum und wie zur Hölle hatten die erfahren, dass wir hier stationiert waren? Gut, irgendwie konnte man den Bunker schon finden. Die Türe war nicht sonderlich getarnt. Aber trotzdem musste man eine ungefähre Ahnung haben, dass sich das Militär hier niedergelassen hatte.

„Aber was wollt ihr da?“, fragte ich.

Wieder schenkten sich die zwei Blicke.

„Stell keine Fragen, sonst geht es dir wie deinem Kollegen.”

„Wenn ich mich weigere?”

„Wie schon gesagt, dass hat dein Kumpel auch. Doch so verprügelt wie er ist, wird es schwierig Einlass zu bekommen. Ich wiederhole: Wenn ihr alle brav seid, wird es auch nicht hässlich und keiner muss weiteren Schaden erleiden”, sagte der Muskelprotz.

Ich sah Marshall an. Dieser schüttelte den Kopf.

„Okay”, murmelte ich.

Die Rebellen musterten mich eingehend, als ob sie meine Antwort nicht glauben konnten. Marshall sah mich enttäuscht an. Dabei hätte er es besser wissen müssen.