Der perfekte Moment

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Summary

Chiara, eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, strebt nach ihrer Scheidung danach, in ihrem Heimatdorf ein neues Leben für sich und ihre Kinder aufzubauen. Derzeit möchte sie von Männern nichts wissen. Doch dann trifft sie den Bruder ihrer ehemals besten Freundin aus Kindertagen wieder, der ihre alten Gefühle für ihn neu entflammt. Wird er es schaffen, ihr Vertrauen in die Liebe zurückzugeben, oder wird sie ihr neues Leben alleine meistern?

Status
Ongoing
Chapters
10
Rating
5.0 3 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1


Chiara

„Mama, wie lange dauert es noch, bis wir bei Opa sind?“, fragt meine sechsjährige Tochter Romina wiederholt, während meine 14-jährigen Zwillinge Alexandra und Malcolm in ihre Smartphones vertieft sind. Seit heute Morgen um sechs Uhr sind wir unterwegs zum Haus meines Vaters in Plockton. Plockton ist ein kleines Küstendorf an der Westküste der Highlands, der Ort, an dem ich seit meiner Geburt ein halbes Leben verbracht habe, bevor ich vor 15 Jahren mit meinem Mann Craig nach Brent, einem Stadtteil von London, zog.


„Noch zwei Stunden, dann haben wir es geschafft“, versuche ich meine Kleine zu beruhigen, die nun schon seit fünf Stunden in unserem Prius sitzt und sich verständlicherweise langweilt. Zeitweise konnte ich sie mit meinem Tablet beschäftigen, was ich allerdings nicht besonders toll finde.


Es würde mindestens noch eine Stunde dauern, bis ich nach Hause käme. Mein Vater bewirtschaftet unsere Ländereien in Plockton, die er bis auf einige wenige Angestellte alleine bewohnt. Während der Sommermonate beschäftigt er mehr Mitarbeiter, die ihm bei der Ernte und dem Scheren der Schafe helfen.


Mein Vater lebte autark und ernährte sich von dem, was das Land hervorbrachte und was er selbst züchtete.


Nach meiner Scheidung wurde mir unser Haus in Brent zugesprochen, doch fühlte ich mich dort nicht mehr wohl. Jedes Detail des Hauses weckte Erinnerungen an die glücklichen und die traumatischen Zeiten meiner Ehe mit Craig. Von unserem Einzug nach der Hochzeit bis hin zum Betrug mit meiner besten Freundin, den ich mit ansehen musste.

Daher akzeptierte ich dankbar das Angebot meines Vaters, wieder bei ihm einzuziehen und ihm auf dem Hof zu helfen. Nach dem Tod meiner Mutter fühlte er sich oft einsam und war glücklich über die Aussicht, dass wir bei ihm wohnen würden.


Mit meinem Anteil vom Hausverkauf in Brent könnten wir einige Monate auskommen, bevor ich eine Anstellung oder wie geplant eine Praxis als Tierärztin suchen müsste. Notwendig wäre es jedoch nicht, da auf dem Hof genügend Arbeit auf mich wartet...


Ich bin gespannt, was mich erwartet und wie viel sich in den letzten 15 Jahren verändert hat. Ich telefoniere gelegentlich mit Allison, meiner besten Freundin von früher, und halte mich über die Neuigkeiten auf dem Laufenden, besonders was ihren Bruder Killian betrifft.


Killian.


In meiner Jugend begleitete er all meine Träume. Ich war so verliebt, doch er beachtete mich nicht, die kleine beste Freundin seiner Schwester.


Allison heiratete Killians besten Freund James, und zusammen haben sie einen Sohn, der genauso alt ist wie meine Zwillinge.

Vielleicht finden meine Kinder in ihm einen Freund, um leichter Anschluss zu finden. Durch den Rückspiegel meines Autos sehe ich ihre genervten Gesichter, die unentwegt auf ihre Smartphones starren.

Natürlich waren sie nicht erfreut über meine Entscheidung. Von ihren Freunden getrennt zu werden, gefällt niemandem, doch sie hatte keine andere Wahl, da ihr Vater mit meiner ehemaligen besten Freundin ein neues Leben begonnen hat und sie nicht bei sich aufnehmen wollte. In der Besuchsregelung sind die Ferien bei ihrem Vater vorgesehen, was bedeutet, dass ihr Kontakt auf sechs Wochen im Jahr beschränkt ist.


Nach sieben Stunden, die sich wie eine Ewigkeit angefühlt hatten, erreichen wir endlich das Haus meines Vaters, der die Tür aufschwingt und uns freudig entgegenkommt.

"Endlich seid ihr da," begrüßt uns Liam Murray, mein Vater, und zieht uns in eine stürmische Umarmung.


"Hallo Papa," erwidere ich und versuche, die Tränen zurückzuhalten, die unkontrolliert über meine Wangen laufen.


"Jetzt wird alles wieder gut, du wirst sehen. Willkommen zu Hause, mein Schatz," beruhigt mich mein Vater und nimmt einen Koffer aus dem Auto.

„Kommt, ich zeige euch eure neuen Zimmer. Ich habe sie extra für euch herrichten lassen und hoffe, dass sie eurem Geschmack entsprechen. Dabei hatte ich ein wenig Hilfe von Mrs. Fitzpatrick“, erklärt er stolz und führt uns ins Haus. Dabei fällt mir auf, dass mein Vater sich in den letzten fünfzehn Jahren äußerlich kaum verändert hat. Obwohl er bereits 55 Jahre alt ist, sieht er kaum älter als Mitte vierzig aus. Durch die Arbeit auf dem Hof ist er nach wie vor muskulös.

Sein typisch schottisches rotes Haar, das meinem sehr ähnelt, strahlt in der Sonne, und seine schelmischen blauen Augen verleihen ihm eine jugendliche Ausstrahlung.


Er führt uns in den ersten Stock und weist uns unsere Zimmer zu. Es sind dieselben Zimmer, die wir auch bei früheren Besuchen bewohnt hatten.


„Lexi, dein Zimmer“, sagt er zu meiner ältesten Tochter Alexandra, die er meist liebevoll Lexi nennt, bevor er die Tür ihres Zimmers öffnet und sie mit ihrem Koffer hineingehen lässt. Die einst pinken Wände ihres Zimmers wurden durch fliederfarbene ersetzt, und in der Mitte des Raumes steht ein einladendes Himmelbett. Regale an den Wänden, ein Schminktisch und ein Schreibtisch vervollständigen den Raum.


„Du kannst das Zimmer nach deinem Geschmack einrichten, es gehört ja dir“, sagt er einfühlsam und blickt sie liebevoll an.


„Danke, Opa, es ist wunderbar“, erwidert Alexandra lächelnd, und es ist das erste ehrliche Lächeln, das ich seit Wochen bei ihr sehe.


„Malcolm, dein Zimmer!“, sagt er und deutet auf das Zimmer neben dem von Alexandra.


„Danke, Opa“, erwidert Malcolm trotzig und betritt sein neues Zimmer. Die Trennung von seinem Vater und der Umzug waren für ihn sehr belastend, da er eine enge Bindung zu meinem Ex-Mann hatte und ihm von allen Kindern sowohl äußerlich als auch charakterlich am meisten ähnelt.

Er ist auf alles und jeden wütend, insbesondere auf mich. Vor einigen Tagen beschuldigte er mich, ich sei an unserer Trennung schuld, weil ich mich nicht angemessen um seinen Vater gekümmert hätte. Was er jedoch nicht versteht, ist, dass sein Vater bereits zuvor mit einer anderen Frau involviert war, weshalb ich mich nach und nach von ihm distanzierte und mich stattdessen auf meine Praxis und unsere Kinder konzentrierte..

Es war nicht so, dass ich mich in ein graues Mäuschen verwandelte. Ich ging weiterhin selbstbewusst durch meinen Alltag. Doch ihm gegenüber wurde ich mit jeder neuen Affäre kälter und verschloss meine Gefühle. Das gelang mir auch sehr gut, denn ich tat es zum Wohl meiner Kinder. Aber dass seine neueste Eroberung ausgerechnet meine beste Freundin sein musste, war definitiv zu viel, und ich wagte endlich den Schritt, mich komplett von ihm zu trennen.


Er wollte die Situation nicht akzeptieren und versuchte mit allen Mitteln, mich zu halten, vor allem weil er für seinen Job beim Königshaus eine intakte Familie brauchte. Doch das war mir gleichgültig. Ich wollte all das nicht mehr. Ich wollte frei sein, frei von ihm und seinen Demütigungen.

„Und nun zu meiner kleinen Prinzessin“, verkündet er feierlich, verbeugt sich und öffnet die Tür zu Rominas Zimmer. Die Wände sind in Pink gehalten. Neben einem Schrank, einem Schreibtisch und einem Prinzessinnenbett gibt es auch zwei Regale, in denen bereits das Spielzeug untergebracht ist, das ich nach der Haushaltsauflösung hierher geschickt hatte.


Im nächsten Moment verschwindet Romina in ihrem Zimmer, nimmt sich einige Spielsachen aus dem Regal und beginnt zu spielen.


Mein Vater und ich beobachten sie eine Weile, dann dreht er sich zu mir:


„So, mein Schatz, jetzt zeige ich dir dein Zimmer. Ich habe es auch umgestaltet.“


Er öffnet die Tür zum Zimmer, das direkt neben dem von Romina liegt.

Bewegt betrete ich mein Zimmer und sehe, dass das alte Bett durch ein neues Himmelbett ersetzt wurde. Die Wände leuchten in einem warmen Zitronengelb, und auch helle Möbel wurden ausgewählt. Meine zuvor gesendeten Gegenstände sind bereits ordentlich in Schränken und Regalen verstaut, während meine alten Jugend-Erinnerungen in zwei Kartons verpackt auf dem Bett liegen.


„Ursprünglich wollte ich nur die Matratze wechseln, damit du nicht mehr dort schlafen musst, wo dieser Hurenbock gelegen hat. Aber dann dachte ich, es wäre schön, wenn du komplett neue Sachen bekämest – als einen Neuanfang. Deine Tante hat mir bei der Auswahl und dem Design geholfen“, erzählte er mir.

„Das glaube ich dir direkt“, lache ich ein wenig, umarme ihn und sage gerührt „Danke“, bevor ich mich von ihm löse und mich auf das Bett setze.


„Ich gebe dir ein wenig Zeit, dich von der Fahrt zu erholen oder deinen Koffer auszupacken. Übrigens, ich hoffe, es stört dich nicht, aber ich habe für heute Abend zur Begrüßung ein paar Leute eingeladen“, erklärt er mit einer entschuldigenden Geste und fügt hinzu: „Nur eine kleine Runde. Deine Tante, deine Cousine und deren Tochter, sowie Allison, James, ihr Sohn Jaden und Killian kommen.“


>> Killian, na super <<


Ausgerechnet heute, wo ich von der Fahrt ganz zerknittert aussehe. Ob er immer noch so attraktiv ist wie damals? Früher war er ja der absolute Frauenschwarm. Ich war total in ihn verliebt. Mit seiner Größe von 1,90 m, seinem muskulösen Körper, den braun-schwarzen, zerzausten Haaren, seinen blauen Augen, die an einen Gebirgssee erinnerten, und seiner coolen Art, war er das perfekte Bild eines Traummanns. Aber ich war nur die beste Freundin seiner kleinen Schwester, gezwungen zuzusehen, wie eine nach der anderen bei ihm landete. Ich lernte, meine Gefühle zu verbergen, damit niemand meinen Schmerz sah. Dann traf ich Graig, und er half mir, über Killian hinwegzukommen.


Er kam nicht zu meiner Hochzeit, obwohl er eingeladen war, aber das war mir recht so.

„Nein, Papa, ich freue mich darauf, alle wiederzusehen, und Allison hätte ich sowieso morgen besucht“, erkläre ich freudig, denn ich kann es kaum erwarten, meine beste Freundin aus Kindertagen endlich wieder in die Arme zu schließen. Allison und ich besuchten zusammen den Kindergarten, die Schule und das College. Wir waren unzertrennlich, und selbst als ich in Brent lebte, hielten wir engen Kontakt. Ich vertraute ihr immer noch alles an, und sie war die Einzige, die wusste, wie unglücklich ich in den letzten Jahren war, seit Graig begann, jeder Frau nachzustellen.


Nach einem Kuss auf die Wange verabschiedet er sich und lässt mich allein in meinem Zimmer zurück.


Da es im Ort üblich ist, Feste um 19 Uhr beginnen zu lassen, habe ich noch genug Zeit, eine Stunde zu schlafen und mich dann in Ruhe frisch zu machen, damit ich Killian nicht wie eine Vogelscheuche gegenübertrete.


Killian. Wie in alten Zeiten spukt er wieder in meinen Gedanken. Allison erzählte mir, dass er sich mittlerweile von seiner Freundin getrennt hat. Nachdem viele Frauen kamen und gingen, fand er schließlich eine, die ihm gefiel, und sie waren einige Jahre zusammen, bevor sie ihn verließ, weil sie es satt hatte, auf einen Heiratsantrag zu warten. Killian soll laut Allison erleichtert gewesen sein, da er aus einem unbekannten Grund, den selbst Allison nicht kannte, keine Heiratsabsichten hatte.