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Lilith

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Summary

Nach einem Sturm findet der Vampirkönig Simon am Waldrand eine junge, verletzte Flederkatze. Er nimmt sie mit auf seine Burg, um sie dort gesund zu pflegen. Aber eine Flederkatze wäre keine Flederkatze, wenn sie Simon daraufhin mit purer Dankbarkeit entgegentreten würde. Diese Geschichte war ursprünglich ein Geburtstagsgeschenk für Aizuelpa. (Auf einer anderen Plattform). Die Figur der Flederkatze gehört ihr. Aizuelpa war so freundlich, sie mir ‚auszuleihen‘

Status
Complete
Chapters
11
Rating
4.9 (9 reviews)
Age Rating
13+

1.

Schon seit einer Woche zogen schwere Herbststürme über das Land und machten es beinahe unmöglich, die Burg zu verlassen. Missmutig stand Simon am Fenster seines Büros und blickte hinaus auf die Bäume, die sich im Wind bogen. Der Regen peitschte fast schon waagrecht auf die Erde nieder. Frustriert begann der König, im Büro auf und ab zu laufen. Er konnte es nicht leiden, wie ein Gefangener auf seiner eigenen Burg eingesperrt zu sein. Doch das Wetter ließ es nicht zu, die Festung zu verlassen. Immer wieder blieb er vor dem Fenster stehen, sah in das trübnasse Regengrau hinaus, aber der Sturm hatte kein Einsehen. Die orkanartigen Böen nahmen an Intensität sogar noch zu. Schließlich stützte Simon deprimiert die Arme auf der Fensterbrüstung ab. Den Blick auf die schnell vorbei ziehenden Wolken sah er zu, wie das Grau nach und nach dunkler wurde und Platz für das Schwarz der Nacht machte.

In den Morgenstunden ließ der Wind endlich nach. Das schon gewohnte Klappern der Dachziegel wurde immer leiser. Stattdessen erklang zu Beginn noch verhalten, dann immer lauter, das erste zaghafte Vogelgezwitscher. Simon öffnete die Augen. Sofort fielen ihm schwache Sonnenstrahlen ins Gesicht. „Endlich …“, murmelte er und schwang die Beine über den Bettrand. Schon wenige Minuten später stand er im Innenhof und ließ sich sein Pferd satteln. Kurz darauf donnerten die Hufe des Hengstes bereits über die hölzerne Zugbrücke.

Dicht über den Hals des Tieres gebeugt, galoppierte Simon am Waldrand entlang. Der Hengst schnaubte ausgelassen, auch er war froh, endlich wieder laufen zu können. „Lauf, Allatos“, feuerte der Vampir ihn weiter an und stieß einen lauten Ruf aus. Bald schon war das Pferd bis zum Bauch hinauf mit Schlamm bespritzt. Als der Weg immer schlammiger wurde, zügelte Simon das Tier. Ruckartig richtete er sich auf einmal auf und zog die Zügel an. Mit gerunzelter Stirn drehte er suchend den Kopf umher. Ganz leise, fast nicht zu hören, vernahm er ein kaum wahrnehmbares, klagendes Miauen. Simon klopfte dem Hengst auf den Hals und stieg ab. „Warte hier, Allatos.“

Langsam und bedächtig trat Simon zwischen die ersten Bäume, die Sinne sorgfältig nach möglichen Gefahren ausgestreckt. Erneut hörte er das klägliche Miauen, dieses Mal bereits etwas lauter. Mit einem erwartungsvollen Grinsen schritt er auf einen umgefallenen Baum zu und beugte sich hinunter. Neben einem der dickeren Äste lag, ganz von Schlamm verschmiert, ein kleines, schwarzes Etwas, von dem das Maunzen ausging. Simon ließ sich auf das Knie sinken. Sofort drang die Nässe des Bodens durch seine Kleidung, doch der König störte sich nicht daran. Seine Augen funkelten fasziniert. Vor ihm lag eine abgemagerte und völlig durchnässte Flederkatze. Das Fell des Tieres war über und über mit Schlamm bedeckt. Der ganze Körper zitterte und bebte. „Na wer bist denn du?“, sprach er das Tier sanft an und streckte die Hand nach der Vampirkatze aus. Im gleichen Moment zog er sie schon wieder fluchend zurück. Sein lederner Handschuh zierte nun ein großer Riss, aus dem etwas Blut quoll. „Ich will dir doch nur helfen, du Mistvieh“, knurrte er. Unwillig musterte Simon die Vampirkatze genauer. Der eine Flügel des Tieres hing kraftlos an der Seite herab. Der Vampir schüttelte den Kopf. „Ich kann dich nicht hierlassen, Kleine. Ob es dir gefällt oder nicht, ich muss dich mit auf meine Burg nehmen.“ Simon brummte unwirsch, als er auf den zerstörten Handschuh sah. „Ich habe aber auch keine Lust, mich noch weiter von dir kratzen zu lassen …“ Dann zuckte er die Schultern. „Es wird dir nicht gefallen, aber anders geht es nicht.“ Simon öffnete die Fibel an seinem Umhang. Er legte das Cape doppelt und warf es über das zitternde Tier. Geschützt durch den Stoff, hob er es hoch. Sofort begann das Tier zu zappeln und sich zu sträuben, stieß sogar ein wütendes Fauchen aus. Schnell wickelte Simon den Umhang dichter um die Flederkatze. Mit dem Stoffbündel unter dem Arm stieg der Vampir auf sein Pferd. „Jetzt reiten wir erst einmal auf die Burg.“ Wütend begann die Vampirkatze zu zappeln, konnte sich aber in Simons festem Griff nicht befreien. Lediglich mit den Schenkeln trieb er seinen Hengst an. Deutlich langsamer als auf dem Hinweg lenkte er Allatos in Richtung seiner Festung und stoppte schließlich im Innenhof. Cuno erwartete ihn bereits und griff nach den Zügeln. Mit gerunzelter Stirn blickte er auf das zappelnde und inzwischen auch fauchende Bündel. „Was habt Ihr denn mitgebracht, Hoheit?“ Simon fluchte leise, ließ sich aus dem Sattel gleiten und umfasste das Tier mit beiden Händen. „Eine Flederkatze. Sie ist scheinbar im Sturm vom Baum gefallen zu sein. Das Tier ist völlig abgemagert und ausgekühlt. Außerdem scheint sie verletzt zu sein. Ich konnte die Kleine nicht dort draußen lassen. Das wäre ihr Tod gewesen. Allerdings gefällt es ihr nicht gerade, in meinem Umhang gefangen zu sein, doch anders hätte ich sie nicht hierher bringen können.“ Cuno nickte. „Es sind sehr stolze und freiheitsliebende Tiere.“ Simon seufzte. „Ich weiß, aber das macht es nicht gerade leichter, die Kleine zu versorgen. Sie wird nicht verstehen, dass es zu ihrem Besten ist. Ich bringe sie erst einmal in mein Büro. Und dann sehen wir weiter.“ Der Stallmeister strich dem Pferd sanft über den Hals. „Und ich kümmer mich um Allatos und lasse Euch etwas Fleisch für die Flederkatze bringen.“

Kaum, dass Simon den Innenhof verlassen und die Burg betreten hatte, begann das Tier in seinen Armen noch heftiger zu zappeln. Gleichzeitig knurrte und fauchte das Tier, so laut es konnte. „Jetzt hör doch auf. Ich will dir nur helfen.“ Er stieß ein Fluchen aus, als die Flederkatze sich aus dem Umhang freikämpfte und ihn in den Finger biss. „Jetzt reicht es mir aber.“ Simon packte das Tier erneut fester. Dieses Mal legte er seine Hand auf den Kopf der Flederkatze und schloss konzentriert die Augen. Fast sofort hörte das Tier auf zu kämpfen, knurrte nur noch leise vor sich hin.

Der König sah erschöpft auf. „Tut mir Leid, Kleine. Aber du lässt mir keine andere Wahl. Sobald wir in meinem Büro sind, nehme ich den Bann von dir. Versprochen.“

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