Another World

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Summary

Als Silvia mit ihrem Freund Brendon, mit dem sie schon seit längerem Beziehungsprobleme hat, in den Urlaub fliegt, entdeckt sie einen kleinen Buchladen mit einem jungen Bibliothekaren. Als eines Tages ihr Leben besonders aus den Fugen gerät, zeigt er ihr eine neue, magische Welt...

Status
Ongoing
Chapters
5
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Als ich die Straße hinunter ging, regnete es. Schon wieder. Die Einkaufstaschen an meinem Arm fühlten sich so schwer wie nie an, doch trotzdem verspürte ich keine Freude bei dem Gedanken daran, zurück zu meiner Wohnung zu kommen. "Meine Wohnung", welch komische Worte,um einen Ort zu beschreiben, der sich so gar nicht nach mir anfühlt. Ein Ort, den ich nicht Zuhause nennen würde. Und doch laufe ich direkt auf das Gebäude zu, wissentlich, dass dort nur Ärger auf mich wartet. Ärger mit strohblondem Haar, braunen Augen und Muskeln, die schon so mancher den Kopf verdreht haben. Einschließlich mir-Oder zumindest meinem früheren ich.



Ganz in meine Gedanken über Brendon vertieft bemerke ich nicht, wie sich der Riemen einer der Taschen löst und das nächste was ich mitbekomme ist, wie die Tüte auf dem Boden liegt und alle Einkäufe herausfallen. Ein Gurkenglas rollt die leicht schräge Straße herunter und zerschellt an der nächsten Laterne. Die teuren Äpfel aus dem Biomarkt kullern ebenso wie weitere Konserven heraus und so verteilt sich mein gesamter Einkauf auf der Straße. Verdammt, das wird bestimmt Ärger mit Brendon geben! Wir haben sowieso kein Geld, ich bin zu spät um das Abendessen zu machen obwohl heute Gäste kommen und dann auch noch das? Er wird ausrasten! Schnell sammle ich die Einkäufe, die noch zu retten sind ein und werfe sie in die lädierte Tüte. Dann renne ich zu meinem Wohngebäude, krame den Schlüssel hervor und sprinte so gut es mit den vielen Taschen eben geht die Treppe hinauf. Als ich die Haustüre öffne, überkommt mich eine Welle der Erleichterung: Brendon ist noch nicht da. Schnell mache ich mich daran, die Kartoffeln zu kochen und das Steak zu braten. Im Anschluss bereite ich noch eine helle Rahmsoße vor. Alles nicht besonders vornehm, dennoch das edelste, was ich mir leisten kann. Plötzlich ertönen schwere Schritte hinter mir. Shit. Shit. SHIT. Brendon ist da und ich bin nicht mal ansatzweise fertig. Langsam drehe ich mich um und schaue ihm an. Er ist nicht ansatzweise so nass geworden wie ich, schließlich fährt er auch mit meinem Auto. Seins ist seit einem halben Jahr in der Werkstatt, zumindest behauptet er das.




Mit düsterem Blick betrachtet er zuerst die Küche, mit den vor sich hin köchelnden Töpfen und dann mich. "Ich komme nach Hause, nachdem ich einen langen Tag auf der Arbeit hatte und weiß, dass mein Großvater gleich kommt und du schaffst es nicht einmal, das Essen pünktlich auf dem Tisch zu haben? Weißt du eigentlich, wie viel du mir zu verdanken hast?" Mit diesen Worten kommt er einen Schritt auf mich zu. "Du siehst besser zu, dass du hier fertig wirst und dich dann halbwegs präsentabel machst, ansonsten werde ich noch wütender" sagt er, seine braunen Augen starren mich noch immer wutendbrannt an. Ich nicke, unfähig zu sprechen und decke den Tisch. Danach gehe ich und mache mich halbwegs präsentabel, so wie Brendon es mir aufgetragen hat. Es ist eine Schande, zu tun, was dieser Mann mir befiehlt. Aber etwas anderes bleibt mit eigentlich nicht übrig, ansonsten schreit er wieder so. In diesen Momenten bekomme ich ernsthaft Angst, er würde mir etwas antun. Doch im nächsten Augenblick ist er wieder so unglaublich sanft und ich weiß wieder, warum ich an dieser Beziehung so unfassbar gern festhalten möchte.




Gekleidet in einem schlichten Kleid mit schwarzer Strumpfhose darunter drehe ich meine dunklen, braunen Haare in einen Knoten und befestigt diesen mit einer Haarnadel. Ich trage gerade noch etwas Parfüm auf, als ich die Türklingel höre.                                                                                                                                                                                                                                                                        Dann gehe ich  zur Tür und öffne sie. Davor steht Brendons Großvater. Er ist ein kleiner Mann, der über die Jahre hinweg gebrechlich geworden ist, doch seine breiten Schultern sind Zeugen der Arbeit aus jüngeren Jahren. Er war Schiffsbauer, und als sein Chef bzw. sein bester  in Rente ging, bekam er die Firma. Heutzutage hat das noch wenig mit Schiffbau zu tuen, stattdessen ist es eher eine Import-Export Firma.



"Ach, da ist ja schon meine Lieblingsschwiegerenkelin. Komm, lass dich umarmen, Silvia" mit diesen Worten schließt er mich in eine warmherzige Umarmung, und für einen Moment erschrecke ich, wie dünn er geworden ist. "Du musst mehr essen" sage ich zu ihm. "Ach was, so schnell haut mich schon nichts um. Und das Essen woanders schmeckt mir nicht" antwortet er und wir beiden laufen in das Esszimmer, indem schon die dampfenden Töpfe auf uns warten. Brendon sitzt auch da, steht aber auf, um seinen Großvater zu begrüßen und ihn ebenfalls zu umarmen. Schließlich beginnen wir zu essen, dabei unterhalten wir uns über alles mögliche. Als wir fertig sind, gehe ich in die Küche und fange an, die Teller zu spülen. Ich war gerade beim abtrocknen des letzten Tellers, als ich Brendon und seinen Großvater aus dem Wohnzimmer reden hörte. Das war ein wenig seltsam, da normalerweise eher ich die jetzige war, die Gespräche beginnt. Neugierig gehe ich also einen Schritt näher, darauf achtend, dass man mich aus dem Esszimmer heraus nicht sehen kann.




"Du weißt genau, dass ich jemanden viel besseren verdient hätte" sagt Brendon gerade. Sprechen die beiden über mich?

"Nein, das weiß ich eben nicht. Sie liebt dich und würde alles für dich tun, außerdem ist sie klug. Klüger als du, und wenn du die Firma übernehmen willst, musst du sie verdammt noch mal heiraten!" Der Teller rutscht mir aus der Hand und landet mit lautem Klirren auf dem Boden und zerspringt in kleine Teile. Monoton hebe ich die Scherben auf. Heiraten? Ich will ihn nicht heiraten. Klar, unsere Beziehung hat tolle Momente und so aber irgendwie ist mir von dieser Sekunde an bewusst, dass ich ihn nicht heiraten will. Nicht heiraten kann. Plötzlich steht Brendon neben mir: "Alles okay, Silvia?" Seine Worte heucheln Anteilnahme, doch seine Augen blitzen vor Zorn. "Ja, mir ist nur der Teller aus der Hand gerutscht. Entschuldige bitte den Lärm" antworte ich, noch immer unter Schock.




Später am Abend sitzen wir alle gemeinsam im Wohnzimmer. "Sag mal, was hältst du davon, wenn du und Brendon mal in den Urlaub fahren? Ein paar schöne Tage in Paris, Venedig oder auf den Malediven? Wo immer ihr hin wollt" sagt Brendons Großvater plötzlich. "Das klingt toll, dennoch haben wir dafür nicht genug Geld und müssen beide arbeiten" antwortet ich resigniert. "Ach Geld, Geld hab ich zu genüge. Pass auf, ihr fahrt in den Urlaub, du suchst das Reiseziel aus, ich kümmere mich darum, dass ihr für diese Woche frei habt und bezahle" Ich kann meinen Ohren nicht trauen. "Ich wollte schon immer mal nach Rom" antworte ich aufgeregt. "Na dann, ich buche euch Flüge, ein Hotel und ihr bekommt genügend Geld von mir, die Reise beginnt in genau einer Woche" schmunzelt der Großvater. Dann zieht er seinen Regenmantel an und geht  in den kalten, verschlafenen Flur hinaus, der durch silberne Mondlicht, welches durch die  Fenster schimmert, nur spärlich beleuchtet wird.                                                                                                                                                                                                                                  Kaum   ist sein Großvater die Tür hinaus, dreht sich Brendon zu mir um. "Du denkst wohl auch, Teller sind umsonst? Vergiss nicht, dass ich derjenige bin, der hier das meiste Geld rein bringt!" Jedes seiner Worte wird etwas lauter. "Ja, es stimmt, du verdienst mehr als ich, aber auch nur, weil ich gerade erst mein Studium beendet habe. Später, wenn ich endlich richtige Tierärztin bin, wird sich das ändern!" erwidere ich. "Du wagst es, mir zu wiedersprechen?" Er kommt einen bedrohlichen Schritt näher und sofort bereue ich meine Erwiederung. "Hör zu, Brendon, es tut mir leid, dass ich den Teller zerbrochen habe und spät dran war mit dem Abendessen. Vielleicht wird uns der Urlaub in Rom ja gut tuen und wir verstehen uns danach wieder besser" sage ich müde. Anschließend gehe ich ins Schlafzimmer und lese nich ein wenig in meinem Buch. "Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare war schon immer einer meiner Lieblinge, besonders weil es einer der einzigen Werke von Shakespeare mit einem Happy End ist. Vielleicht hat meine Geschichte so dann ja auch irgendwann ein Happy End, wer weiß. Als ich die Tür ins Schloss fallen höre, fühlt sich der Gedanke eines Happy Ends so weit entfernt an wie nie. Brendon ist mal wieder unterwegsdurch die Bars und Clubs unserer Stadt.