Frostfäden

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Summary

Cassia, eine leidenschaftliche Eiskunstläuferin, lebt für Perfektion auf dem Eis. Nach einem erfolgreichen Wettbewerb wird ihr Leben jedoch aus der Bahn geworfen: Ein geheimnisvoller Mann entführt sie und bringt sie in ein abgelegenes, düsteres Anwesen. Gefangen in einem luxuriösen, aber beklemmenden Raum, erfährt Cassia, dass sie seine „Puppe“ werden soll. Ein gefährliches Spiel aus Kontrolle und Manipulation beginnt, bei dem Cassia gezwungen ist, sich zwischen ihrem Überlebenswillen und der düsteren Anziehung zu ihrem Entführer zu entscheiden – während die Fäden ihres bisherigen Lebens immer weiter zerschnitten werden.

Status
Complete
Chapters
26
Rating
5.0 7 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Prolog

PROLOG

Die Kälte des Eises kriecht in jede Faser meines Körpers, als ich am Rand der Eisfläche stehe. Meine Finger zittern leicht und ich balle die Hände zu Fäusten, um das Zittern zu unterdrücken. Die Halle ist voll, die Gesichter der Zuschauer verschwimmen vor meinen Augen zu einer formlosen Masse. Mein Atem geht flach, meine Brust fühlt sich eng an, als würde mir die Luft ausgehen. Ich spüre nur den Druck, der schwer auf mir lastet.

„Cassia.“ Chris’ Stimme dringt durch das Summen der Halle und holt mich ins Hier und Jetzt zurück. Seine Hand liegt fest auf meiner Schulter, ein starker Griff, der mich in der Realität festhält. „Vergiss nicht, warum du hier bist. Das ist dein Moment. Du hast es in dir.“

Ich nicke, obwohl meine Gedanken in alle Richtungen rasen. „Ich weiß“, sage ich leise und versuche, die Worte zu glauben. „Ich bin bereit.“

Er beugt sich zu mir herunter, seine Augen fixieren meine, als wolle er sichergehen, dass ich ihn wirklich höre. „Nicht nur bereit. Du bist die Beste hier. Du darfst nicht versagen.“

Die Worte lasten schwer auf meinem Herzen, als ich aufs Eis trete. Das Licht blendet mich kurz, die Kälte trifft mich mit voller Wucht, aber es fühlt sich vertraut an, wie ein alter Freund, der mich umarmt. Alles, was zählt, ist die Musik, die gleich beginnen wird. Doch als die ersten Töne erklingen, setzt mein Herz für einen Moment aus.

Das ist nicht das richtige Lied.

„I know what I should say, ‘I don’t think of you’, but I do, oh, I do, I do...”

Es ist „Home to Another One“ von Madison Beer. Panik steigt in mir auf, schießt wie ein kalter Schauer durch meinen Körper. Mein Atem stockt, meine Beine werden schwer. Das ist nicht das Lied, das ich geübt habe. Ich bin nicht vorbereitet. Ich bin nicht gut genug, um spontan zu improvisieren, nicht vor all diesen Leuten. Nicht jetzt.

Ich stehe regungslos da, die Panik legt sich wie ein Schleier über meinen Verstand. „Black car on the highway, could’ve sworn I saw your face, was it you? Was it you?” Die Worte hallen durch die Halle und für einen Moment bin ich mir sicher, dass ich versagen werde.

Doch dann zwinge ich mich in Bewegung. Meine Schlittschuhe durchschneiden das Eis und ich folge der Musik, auch wenn sie mich unvorbereitet trifft. Jeder Schritt ist improvisiert, aber mein Körper erinnert sich, wie man sich bewegt. Die Panik bleibt, aber sie wird übertönt von der Notwendigkeit, weiterzumachen. „I still hear you call me, ‘Baby’...”

Langsam finde ich den Rhythmus, lasse mich von der Musik tragen, auch wenn es nicht die ist, die ich geübt habe. Langsam gewinne ich die Kontrolle zurück. Die Angst weicht der Konzentration. „Say you hate me, it’s okay, boy, you’re not the only one...” Die Worte verschmelzen mit meinen Bewegungen, während ich durch die Halle gleite, als wäre das von Anfang an der Plan gewesen.

Als ich zur letzten Pirouette ansetze, drehe ich mich immer schneller. Mein Atem geht flach, die Welt um mich herum verschwimmt. Die Lichter, das Eis, die Menschen - alles wird zu einem Strudel, der mich in sich hineinzieht. Doch als ich mich umdrehe, bemerke ich etwas. Da ist jemand, der mich beobachtet. Nicht wie die anderen Zuschauer, die mich anerkennend und bewundernd ansehen.

„Another year, we’re still here, call me, ‘Baby’...”

Ein ganz in Schwarz gekleideter Mann steht regungslos im Schatten der Tribüne. Seine Augen sind fest auf mich gerichtet, kalt, intensiv, als wäre ich der Einzige hier. Er ist anders. Sein Blick durchbohrt mich, nimmt mir für einen Moment den Atem. Mein Herz rast, meine Gedanken wirbeln durcheinander. Für einen Moment verliere ich fast das Gleichgewicht.

Doch ich fange mich wieder, vollende die Pirouette und bleibe sicher auf den Kufen stehen. Der Applaus bricht laut los, aber ich höre ihn kaum. Mein Blick geht zurück zu dem Mann in Schwarz.

Er ist verschwunden.

Das Lied verklingt, der Jubel erfüllt die Halle, doch in meinem Kopf hallen nur noch die Worte des Refrains nach. „I know you go home to another one...” Sie hinterlassen ein Echo in meinem Kopf, während die Kälte des Eises und der unheimliche Gedanke an diesen Fremden mich nicht loslassen.