Ariane - Stürme der Liebe

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Summary

Matthew, der wegen der Suche nach seiner verschwundenen Braut in New York ist, hat noch eine Rechnung offen mit dem Saloonmädchen Nana. Sie hat den Lockvogel für zwei Banditen gespielt und getan, als würde sie ihn verführen. Kurz bevor er zum Zug kommt, wird er niedergeschlagen und ausgeraubt. Monate später hat er sie dann in seiner Gewalt, und jetzt kann nichts mehr ihn davon abhalten, sich das zu holen, was ihm beim ersten Aufeinandertreffen versagt worden ist. Doch auch Nana hat ihre eigene Geschichte, und als sich dieses Geheimnis offenbart, erschüttert es Matthews gesamtes Leben.

Status
Excerpt
Chapters
19
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Grafschaft Kent, Shirelands

Wooley Smith lag in seinem eigenen Blut.

Unvorstellbare Schmerzen jagten durch seinen geschundenen Leib. Die hagere, schmächtige Gestalt krümmte sich, als ihn Qual in Intervallen peinigte. Er war fast blind, die Augen zugeschwollen von den Schlägen, die man ihm verpasst hatte. Wenn er vorsichtig mit der Zunge gegen die Schneidezähne tippte, konnte er spüren, dass etliche locker waren. Der Schädel brummte ihm von all den Hieben und Tritten, die er hatte einstecken müssen und jeder mühsame Atemzug, der in einem heftigen Stechen ausartete, sagte ihm, dass sie ihm auch mindestens eine Rippe gebrochen hatten.

Seine vorsichtige Bestandsaufnahme zeigte ihm noch etliche andere Verletzungen. Einige davon hatte er sich bei seinem Sturz in das steinige Flussbett zugetragen – auf seiner Flucht vor den Bluthunden seines Herrn, des Earls of Montfordshire. Das meiste aber verdankte er den Leuten des Earls, die sich auf einem Wink von ihm wie eine wilde Meute auf ihn gestürzt und ihn windelweich geprügelt hatten. Bei einem boshaften Tritt zwischen die Beine war er ohnmächtig geworden, sie hatten einfach weiter gemacht. Und als er wieder zu sich gekommen war, hatte der Earl auf ihn geschossen. Die Kugel hatte ihm das rechte Knie zerschmettert – das war die Strafe dafür, weil er seinen besten Hengst zuschanden geritten hatte. Sagte zumindest der Earl, Wooley selbst war da anderer Meinung.

Es war seine Aufgabe als Trainer der Vollblüter des Rennstalles - der im Besitz von Alwin Montgomerey war - sie zu Bestleistungen anzuspornen. Nach dem Wie fragte kaum jemand, was zählte waren nur die Siege, die die Pferde auf der Rennbahn eintrugen. Seine Methoden waren mancherorts nicht gerngesehen, doch der Erfolg gab ihm recht. Seit er für den Earl arbeitete, waren dessen Vollblüter siegreich wie nie – sogar aus jenen, denen kein anderer eine Chance hatte geben wollen, hatte er Siegertiere gemacht.

Dandys Dream – meine Güte, woher hätte er wissen sollen, dass der Boden hinter der Mauer nach dem Regen schlüpfrig war? In zwei Wochen sollte er in einem großen Zuchtrennen starten, und der Hengst war überhaupt noch nicht fit gewesen. Also hatte er das Training verschärft und den Hengst brachial dazu genötigt, die Mauer zu nehmen.

Niemand hatte danach gefragt, ob er sich bei dem Sturz nach dem Sprung verletzt hatte – ihn, einen der erfolgreichsten Pferdetrainer des Empires. Aber alle hatten sich auf ihn gestürzt, als feststand, dass der Hengst nur mehr erlöst werden konnte. Der Earl hatte es höchstpersönlich getan, den Schuss auf den Vollblüter abgegeben – so, wie er später auch auf ihn, auf Wooley geschossen hatte.

Wooley hatte das einzig Kluge in dieser Situation getan, noch während alle um den Kadaver des Pferdes herumstanden, geschockt und fassungslos, hatte er sich schon zurückgezogen und war klammheimlich vom Hof verschwunden. Hastig hatte er ein paar seiner Habseligkeiten zusammengepackt und war geflohen. Doch weit hatte ihn seine Flucht nicht gebracht, immer noch befand er sich auf dem Gelände von Shirelands, dem gräflichen Gestüt. Schuld daran war die Meute Bluthunde, neben den Pferden der ganze Stolz des Earls, importiert aus den Südstaaten Amerikas. Man sagte ihnen nach, sie seien die besten Spürnasen unter allen Hunderassen – und offensichtlich stimmte das auch.

Stöhnend wälzte er sich auf den Bauch und krümmte sich erneut. Übelkeit plagte ihn, alles drehte sich um ihn herum. Der Blutverlust? Oder hatte er auch innerliche Verletzungen?

Der Earl hatte ihm befohlen, das Land zu verlassen – sonst würde er ihn das nächste Mal erschießen, sollte Wooley ihm noch einmal unter die Augen kommen. Im Klartext hieß das wohl, seine Karriere als Pferdetrainer war beendet. Nach dieser Geschichte würde niemand ihn mehr einstellen und ihm seine Pferde anvertrauen, dafür würde Montgomerey höchstpersönlich sorgen.

Alles, worauf er sein ganzes Leben hingearbeitet hatte, war somit zunichte gemacht …

Wilder Hass brannte in ihm. Hass auf Alwin Montgomerey und seine arrogante Überheblichkeit, mit der er sich selbst zum Richter über Tod und Leben eines anderen aufschwang. Er hatte das Urteil über ihn gefällt, und es auch selbst vollstreckt. Was aus ihm nun werden sollte, das kümmerte niemanden.

Es war ja nicht einmal sicher, ob er die Strafe des Earls überlebte. Wooley bemerkte durchaus die Schwäche, die in alle Glieder kroch. Immer wieder versank er im Nichts eines gnädigen Vergessens, in dem für einen kurzen Moment sogar die Schmerzen von ihm wichen. Dann aber kam er erneut zu sich und die Qualen kehrten doppelt und dreifach zurück, um ihn zu martern.

Irgendwie gelang es ihm, das Bein abzubinden. Mit letzter Kraft, er hätte selbst nicht sagen können, wie. Immer noch lag er am Ufer des Baches im Morast, dort, wo sie ihn hatten liegenlassen, nachdem sie mit ihm fertig waren.

Die Zeit verging. Wooleys Gedanken wurden immer schwärzer. Nun war es sein Hass und der Durst nach Rache, die ihn am Leben hielten. Die dazu führten, dass er langsam wieder zu Kräften kam.

Ja, Rache – das würde künftig sein Lebenszweck sein.

Alwin Montgomerey würde den Tag noch bitter bereuen, an dem er ihn am Leben gelassen hatte. Dafür würde er höchstpersönlich sorgen, und wenn es das Letzte war, was er in seinem Dasein noch auf die Beine stellen konnte. Er, Wooley Smith, war zufällig einer der wenigen, die die Schwachstelle des alten Earls kannten – und das würde er sich jetzt zunutze machen. Er wusste genau, wo er ansetzen musste, um Montgomerey zu vernichten. Er würde ihm das Kostbarste rauben, das er neben seinen Pferden hatte! Und niemand konnte ihn davon abhalten, Rache am Earl of Montfordshire zu nehmen.

Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, schwor Wooley sich.