Die Schottischen Wölfe by Chicken-Feder 🪶 at Inkitt
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Die schottischen Wölfe

Summary

In den größten Nationalpark Schottlands, den Galloway Forest, wurde Sorcha MacKenna geboren und an ihrem achtzehnten Geburtstag muss sie die brutale Ablehnung ihres Gefährten Adair MacKenzie hinnehmen. Er der zukünftige Alpha des Rudels und sie eine schüchterne Omega Wölfin, die sich nicht einmal in ihre wahre Form verwandeln kann. Vor Trauer verlässt sie ihr Rudel und er übernimmt es in ein paar Jahren von seinem Vater. Jeder lebt ihr Leben auf andere Weise, bis sie sich eines Tages wieder treffen und sich Hindernisse und Überraschungen stellen müssen, wodurch sie beide nicht oft einer Meinung sind. Ein Gefühlschaos, das unvermeidlich ist.

Status
Complete
Chapters
119
Rating
5.0 24 reviews
Age Rating
18+

Sorcha

„Wie bitte?“, entfuhr es Sorcha. Ihre Stimme war kaum mehr als ein gehauchtes Zittern. Der Mann vor ihr stieß ein tiefes, warnendes Knurren hervor, das direkt aus seiner Brust zu kommen schien. Seine eisblauen Augen funkelten vor Zorn, so scharf und kalt, dass es Sorcha frösteln ließ. Sie verstand beim besten Willen nicht, was gerade geschah.

Adair, der zukünftige Alpha des MacKenzie-Rudels, stand mit aufrechter muskelbeladener Haltung vor ihr wie ein Sturm... wie eine massive Mauer, der jeden Moment losbrechen konnte. Sein markantes Gesicht wirkte noch härter als sonst. Die tiefblauen Augen verdunkelten sich vor Bedrohlichkeit. Das tiefschwarze, kurz geschnittene Haar warf Schatten auf seine Züge und verlieh ihm ein noch wütenderes, abweisenderes Aussehen. Warum sah er sie an, als wäre sie sein Feind? Noch vor wenigen Augenblicken war alles zwischen ihnen in Ordnung gewesen. Und doch stand sie nun hier, erschüttert und ohne einen Hauch einer Erklärung.

Heute war Sorchas achtzehnter Geburtstag, der Tag, an dem sie endlich die Chance bekommen würde, ihren potenziellen Gefährten zu finden. Eine Möglichkeit, kein Versprechen. Doch dass sie ihn heute finden würde… und dann auch noch im eigenen Rudel, damit hätte sie niemals gerechnet. Erst recht nicht, dass ihr Gefährte ausgerechnet der zukünftige Alpha sein würde. Sorcha, eine schüchterne Omegawölfin, hatte in all den Jahren kaum ein Wort mit Adair gewechselt, obwohl er der beste Freund ihres Bruders war. Zu schlecht war ihr Stand im Rudel. Aye, ihre Familie liebte sie bedingungslos, aber das Rudel sah in ihr einen Makel. Denn Sorcha konnte sich nicht verwandeln. Sie hörte ihre Wölfin, spürte sie unter der Haut wie ein flackerndes Licht, das niemals ganz verlöschte … doch sie brachte es nicht über sich, sie an die Oberfläche zu lassen. Ihre Wölfin war ängstlich, zurückhaltend, und Sorcha wollte sie nicht noch stärker bedrängen oder mit der Verachtung des Rudels belasten. Doch jetzt… diese Worte, die Adair über die Lippen brachte… ließen ihre Wölfin vor Schmerz aufheulen und in sich zusammenbrechen.

„Du hast mich genau verstanden.“ Adairs Stimme schnitt wie gefrorenes Eisen durch die Luft. „Ich, Adair MacKenzie, lehne dich, Sorcha MacKenna, hiermit als Gefährtin ab.“ Kalt. Absolut. Endgültig.

Sorcha brach auf die Knie, als hätten die Worte ihres Gefährten ihr die Beine weggezogen. Der Schmerz traf sie so heftig, dass ihr Atem stockte. Tränen liefen heiß über ihre Wangen, während ihre geweiteten grünen Augen ungläubig an Adairs Gesicht hafteten. Gerade eben noch hatten sie sich tief im Wald unter dem silbernen Licht des vollen Mondes gegenübergestanden. Ein einziger Blick in seine eisblauen Augen hatte gereicht… und alles in ihr hatte gewusst. Der Duft nach Kirschblüten. Der Funken, der in diesem Moment übersprang. Die Erkenntnis, die sie wie ein Blitz durchzuckt hatte.

Gefährten.

Ihre Wölfin war innerlich vor Glück aufgesprungen, hatte geheult, gewedelt, sich vor Freude auf den Rücken gedreht wie ein junger Welpe. Und Sorcha selbst… sie war völlig überwältigt gewesen. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie sich gewollt gefühlt. Geborgen. Sicher in seinen starken Armen, als hätten ihre Seelen schon immer gewusst, dass sie zueinander gehörten. Auch in Adairs Augen hatte sie es gesehen. Dasselbe Erkennen. Sein Wolf, der sofort an die Oberfläche gedrängt war und diese Verbindung, die sie beide eingehüllt hatte wie ein unsichtbares Band. Es hatte sich richtig angefühlt. So richtig, dass Sorcha geglaubt hatte, dieser Moment würde ihr Leben verändern.

Doch jetzt… war er dabei, es zu zerstören. „H… habe ich irgendetwas... falsch gemacht?“, flüsterte Sorcha. Ihre Stimme war rau vor Tränen, während sie zu ihm aufsah, gebrochen, verletzlich, fragil.

In Adairs Augen blitzte etwas auf… ein kaltes, hartes Funkeln. Nicht nur Verachtung und nicht nur Hass. Etwas Dunkleres und Tieferes war darin. Etwas, das Sorcha instinktiv zurückweichen ließ, als würde sie zum ersten Mal wirklich begreifen, wie gefährlich ein Alpha sein konnte, wenn er seine Gefühle unterdrückte. Sein Knurren wurde tiefer, bedrohlicher… so rau, dass Sorcha das Gefühl hatte, es würde ihr die Luft aus der Lunge schneiden. Ein Klang, der in ihr die uralte, instinktive Angst eines rangniederen Wolfes weckte. „Wage es ja nicht, Omega.“ Seine Stimme war kalt wie Stahl, sein Blick gnadenlos. „Zeige Respekt. Ich bin der zukünftige Alpha des MacKenzie-Rudels. Und du wirst niemals meine Luna sein. Nicht die meine, nicht die des Rudels. Nicht mit deinem abscheulichen Makel.“ Adair trat einen Schritt näher, ließ all seine Dominanz über sie herabregnen wie ein Schatten. „Du würdest uns nur schwächen. Sogar deine Welpen wären es. Akzeptiere das.“ Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf, ein übermächtiger, kalter Fels vor ihr. Seine Alpha-Aura schlug über Sorcha zusammen wie eine gewaltige Welle, und sie keuchte auf... als hätte er sie körperlich getroffen.

Etwas in ihr brach. So vollständig, dass Sorcha es fast hören konnte. Eine Leere breitete sich in ihr aus... schwarz und bodenlos. Ihre Wölfin, eben noch voller Freude, zog sich wimmernd zurück, verkroch sich tief in die hintersten Winkel ihres Verstandes. Sorcha sank weiter auf den Boden, ein Häufchen Elend im Moos und den Schatten des nächtlichen Waldes.

Ohne ein weiteres Wort wandte Adair sich um und verschwand. Sein Duft nach Kirschblüten löste sich mit ihm auf, als hätte der Wind ihn fortgerissen… und zurück blieb nur eine tote, erdrückende Stille. Sorcha hörte nichts außer ihren eigenen Schluchzern. Nichts außer dem Schmerz, der in ihrer Brust pochte wie eine offene Wunde. Dieser eine besondere Moment, der schönste ihres Lebens... war innerhalb von Minuten zerstört worden. Abgewiesen. Verworfen. Zerschmettert.

Ihr Herz brannte, ihr Körper zitterte, ihr Inneres schrie… und ihre Wölfin blieb reglos, erschöpft vor Schmerz. Angst und Panik stiegen in ihr auf, heiß und chaotisch. Das Einzige, was Sorcha jetzt wollte, war… fliehen.

Mit zittrigen Beinen und dem letzten Rest an Kraft zwang Sorcha sich hoch. Nicht zurück zu den Hütten des Rudels und nicht zurück zu ihrer Familie… so sehr sie sie auch liebte.

Nein.

Nicht nach dieser brutalen, endgültigen Zurückweisung ihres Gefährten. Es war ihr egal, ob jenseits der Territoriumsgrenze Abtrünnige lauerten, ob sie allein im Wald sterben würde. Der Schmerz war stärker als jede Angst. Die Notwendigkeit, Distanz zu schaffen... überwältigte alles. Also rannte Sorcha. Rannte, bis der Wald an ihr vorbeirauschte wie ein verschwommener dunkler Schatten. Rannte, bis ihre Lungen brannten und ihre Beine nachgaben. Rannte, bis sie nicht mehr wusste, wie viel Zeit vergangen war… Minuten? Stunden? Irgendwann brach Sorcha zusammen. Zusammengerollt auf dem waldbedeckten Boden, schloss sie die Außenwelt aus. Sie schloss ihre Augen. Schloss den Schmerz nicht aus, aber ließ ihn zumindest nicht mehr nach außen dringen.

Sorcha war so müde... so unendlich müde. Und in diesem Moment wünschte sie sich nur eines... einfach einzuschlafen… und nie wieder aufzuwachen.

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