Die Liebe, Die Ich Suche by JulienMcKenzie at Inkitt
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Die Liebe, die ich suche

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Summary

Eine gefühlvolle Geschichte über Mut, Vertrauen und die Suche nach der einen Liebe, die es Wert ist, alle Ängste hinter sich zu lassen.

Status
Ongoing
Chapters
12
Rating
n/a
Age Rating
18+

Hinter der Maske

Sonja strich ihre schwarze Weste glatt, ihre Finger glitten über das goldene Logo des Restaurants, das darauf eingestickt war. Wenn man den Stoff in den Händen hielt, bemerkte man das dieser weich und teuer ist, genau wie der Rest ihrer perfekt sitzenden Uniform. Die hochgesteckten blonden Haare waren mit Haarnadeln fixiert, jede Strähne sorgfältig an ihrem Platz. Sie betrachtete sich einen Moment lang im Spiegel des kleinen Umkleideraums, bevor sie den Blick abwandte. Diese Frau, die ihr dort entgegenblickte – elegant, strahlend und makellos – war nur eine Rolle, die sie spielte.

Die Ruhe vor dem Ansturm der Gäste war einer ihrer liebsten Momente des Tages. Das Elysian lag in stiller Eleganz da. Die cremefarbenen Wände reflektierten das warme Licht der Kronleuchter, und die silberglänzenden Bestecke lagen ordentlich neben klaren Gläsern. Der Duft von frisch gebackenem Brot und feinen Kräutern, die aus der Küche drangen, erfüllte den Raum.

Sonja holte tief Luft und straffte die Schultern. Gleich werden die ersten Gäste eintreffen, und sie würde bereit sein, die Rolle der perfekten Kellnerin zu übernehmen – eine strahlende, anziehende Frau, die jeder im Raum bewunderte. Niemand würde auf die Idee kommen, dass diese Fassade nur eine Maske war, die sie mit der Zeit perfektioniert hatte.

Die Glocke an der Tür des Restaurants klingelte leise, und Sonja hob automatisch den Kopf, ein Paar trat ein. Die ersten Gäste waren eingetroffen ein älteres Ehepaar, das regelmäßig hier speiste. „Willkommen im Elysian,“ sagte sie mit einer Stimme, die weich und melodisch klang. Ihre Worte glitten über die Besucher wie warmer Honig, und das Paar lächelte zurück, dankbar für die aufrichtige Freundlichkeit, die sie ihnen entgegenbrachte. Sie führte sie zu ihrem Tisch und half der Frau, ihren Mantel abzulegen. Sie legte die Speisekarten mit einer eleganten Bewegung ab und schmunzelte erneut. „Wenn Sie Fragen haben, lassen Sie es mich wissen,“ Sie erklärte die Menüempfehlungen und nahm die Bestellung des Paares auf. Welches sich höflich bedankte, und Sonja zog sich zurück, um Platz für private Gespräche und Zweisamkeit zu schaffen.

Es dauerte nicht lange, bis die Tische nahezu vollständig besetzt waren. Menschen in maßgeschneiderten Anzügen und eleganten Kleidern unterhielten sich leise, in der Zeit drang die Musik aus den Lautsprechern in den Speisesaal mit sanften Klaviertönen und füllte diesen. Sonja glitt wie ein Schatten durch den Raum, immer präsent, aber nie aufdringlich. Sie nahm Bestellungen auf, schenkte Wein nach und verteilte Lächeln, das wie Lichtstrahlen wirkte.

In der Zeit in der sie sich weiter durch den Raum bewegte, schlich sich ein vertrautes Gefühl der Einsamkeit in ihre Gedanken. Sie hatte gelernt, es zu ignorieren, zumindest bei der Arbeit. Doch heute war es schwerer. Überall, wohin sie schaute, waren Paare: ein älteres Ehepaar, das sich leise unterhielt; ein junges Pärchen, das ein Dessert teilte; zwei Geschäftspartner, die sich herzlich über ein gelungenes Projekt freuten. Alle schienen in ihrer eigenen kleinen Welt zu leben, eine zu der Sonja keinen Zugang hatte.

Hinter ihrer Maske bemerkte sie die vertraute Leere. Ihre Bewegungen waren zunehmend mechanisch, ihre Worte eingeübt. In der Zwischenzeit füllte sie ein Weinglas nach, ihr Blick fiel auf ein Paar, das an einem der Fenster saß. Der Mann beugte sich zu seiner Begleiterin und flüsterte ihr etwas ins Ohr, das sie zum Lachen brachte. Ihre Augen leuchteten vor Freude, und ihre Gesichter strahlten eine Nähe aus, die Sonja nur zu eindeutig erkannte – und gleichzeitig so fremd erschien.

Wie oft hatte sie solche Szenen beobachtet? Menschen, die ihre Verbundenheit zelebrierten, die Welt um sich herum vergessen hatten. Ihre Eltern hatten immer erwartet, dass sie eines Tages jemanden finden würde. Sie hatten ihr gesagt, dass sie ihre eigene Familie haben würde. Ihr Vater war überzeugt davon, dass sie einen Mann bekommen würde, der nicht nur ihren Charakter, sondern ebenfalls ihren Stand zu schätzen wüsste. Doch seit ihrem Tod hatte sie diese Hoffnung begraben.

In einer stillen Minute zog Sonja sich zur Anrichte zurück, wo sie eine Bestellung überprüfte. Ihre Kollegin Clara stellte ein Tablett mit Gläsern ab und seufzte. „Ein stressiger Abend und voll ist es mal wieder“ bemerkte sie mit einem erschöpften Tonfall. „Wie immer“ antwortete Sonja und überflog die Liste mit den Bestellungen. „Du bist ein Phänomen“, sagte Clara mit einem bewundernden Lächeln. „Die Gäste lieben dich. Ehrlich, ich wünschte, es wäre möglich mir eine Scheibe deiner Gelassenheit und Professionalität abschneiden.“

Sonja erwiderte das Schmunzeln, doch innerlich bemerkte sie, wie die Worte an ihr vorbeigingen. Es war leicht, eine Maske zu tragen. Niemand erkannte, wie schwer es manchmal war, diese Fassade aufrechtzuerhalten, wie einsam sie in Wirklichkeit ist, weder Freunde oder Familie zu haben, nur eine bekannte und von ihr hatte sie ebenfalls schon ewig nichts mehr gehört.

Am Abend, wo ihre Schicht endlich vorbei war, trat Sonja aus der Tür des Restaurants und zog den Mantel enger um sich. Die Straßen waren friedlich, die Lichter der Laternen tauchten den Gehweg in ein gedämpftes Leuchten. Ihr Auto wartete auf dem Parkplatz, doch sie lief langsamer wie gewöhnlich, genoss die frische Luft, die sie nach den Stunden in dem warmen, geschäftigen Restaurant umgab.

Zu Hause erwartete sie niemand. Nur das leere Heim und die Stille, die sie seit drei Jahren begleitete, dennoch sie hatte keine andere Wahl und fuhr zurück in ihre eigenen vier Wände. Die Bediensteten, die für sie arbeiteten, hatten schon vor einiger Zeit ihren Arbeitstag beendet, sodass nur die erdrückende Leere des Hauses zurückblieb.

Das Anwesen war überwältigend – groß, mit gepflegten Gärten und hohen Fenstern, die im Licht der Straßenlaternen leuchteten. Vor der Villa war ein prächtiger Brunnen zu sehen, welcher beleuchtet war und dessen Wasserspiel im Mondschein romantisch glänzte. Dieser wurde umschmeichelt von Stauden, die bezaubernd anzusehen waren, sie trugen rote wie ebenfalls rosafarbene Blüten. Hinter dem Born sah man wie sich die Treppe hoch, zum Anwesen darbot. Die Mauern waren verziert mit weißem Kalkstein. Sonja empfand eine Schwermut beim Anblick der Villa, in dem Moment, in dem sie ihren Wagen in der Auffahrt parkte. Sie nahm ihre Tasche, vom Beifahrersitz seufzte, stieg aus und betrat das traute Heim, wo nur die stumme Leere des Hauses und das Knarren der Holzdielen sie begrüßten. Sie zog die Schuhe aus und ließ ihre Handtasche achtlos auf das Sofa fallen und lief in die Küche. Der summende Kühlschrank war voll, doch sie hatte keinen Appetit. Stattdessen griff sie nach einer Tasse Tee und ließ sich im Esszimmer nieder.

Am Esstisch trank sie ihren Tee, ihr Blick wanderte zu einem Gold gerahmten Foto. Es zeigte sie mit ihren Eltern, aufgenommen an einem sonnigen Tag im Urlaub. Ihr Vater stand selbstsicher neben ihr, ihre Mutter hielt sie fest im Arm. Es war eines der wenigen Bilder, die sie behalten hatte. Der Rest – all die Erinnerungsstücke, die einmal ihre Welt ausgemacht hatten – wurden in Kartons verstaut. Zu schmerzhaft war der Anblick, um ihn zu ertragen. Die Trauer über ihren Verlust war derzeit zu groß.

Ihre Eltern hatten ihr alles hinterlassen: das Unternehmen, das Haus, das Vermögen. Doch mit jedem dieser Geschenke schien eine Bürde verbunden zu sein, eine Erwartung, die sie zu erdrücken drohte. „Du bist eine Weber“ hatte ihr Vater immer gesagt. „Und das bedeutet, dass du Verantwortung trägst.“ Doch Sonja hatte sich nie wie eine Führungspersönlichkeit gesehen. Sie hatte einen Verwalter eingestellt, der das Unternehmen leitete, trotzdem landete jede wichtige Entscheidung dennoch auf ihrem Schreibtisch. Manchmal fragte sie sich, ob sie den Anforderungen gerecht wurde. Ob ihre Eltern sie gemocht hätten so, wie sie ist oder ob sie enttäuscht wären, dass sie so wenig mit ihrem Erbe anfing. Dass sie ein so bescheidenes und zurückgezogenes Leben führt, das sie eine Angestellte ist, obwohl sie es nicht sein brauchte.

Sonja lief in ihr Büro, klappte den Laptop auf, öffnete ein Strategiespiel, doch die Figuren des Spiels verschwammen vor ihren Augen. Ihre Gedanken trieben zurück zu einem Gespräch, das sie vor 3 Jahren kurz bevor ihre Eltern starben, mit ihnen geführt hatte. Sie hatten die Idee, sie mit dem Sohn eines Geschäftspartners zu verkuppeln.

„Max ist gebildet, ehrgeizig und ein Mann, der sich darüber im Klaren ist, was er für Ziele hat“, hatte ihr Vater gesagt. „Eine Verbindung mit ihm wäre nicht nur sinnvoll, sondern ebenfalls strategisch. Diese Bindung ist das Beste für das Unternehmen, welches er erben wird wie für unseres. Mit ihm könnten wir die Firmen in die nächste Generation führen.“

Ihre Mutter hatte versucht, es sanfter auszudrücken: „Wir wünschen uns nur, dass du jemanden hast, der dich liebt und dir Stabilität gibt, eine Person, die aus demselben Stand kommt wie du.“

Sonja hatte sich damals geweigert. Die Vorstellung, einen Mann zu heiraten, den sie nie getroffen hatte, der einer Geschäftsverbindung dient, war ihr unerträglich. Doch jetzt, Jahre später, fragte sie sich, ob sie zu eitel war. Womöglich hatten ihre Eltern recht. Unter Umständen war sie nicht fähig, jemanden in ihr Leben zu lassen.

Mit einem Seufzen klappte sie den Laptop zu und zog sich zurück in ihr Schlafzimmer, sie zog ihren seidenen Schlafanzug an und legte sich ins Bett. Ein neuer Arbeitstag wartete, und mit ihm die Maske, die sie täglich so sorgfältig trug. Es wäre denkbar, dass der morgige Tag leichter für sie wird. Ihr war nicht klar, dass ihre Routinen bald auf den Kopf gestellt werden. Und sie hatte keine Ahnung, dass die wahre Liebe, auf die sie so verzweifelt hoffte, näher war, wie sie vermutete.

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