Man on the Moon 🖤

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Summary

In einer Welt voller Glanz und Chaos kämpft das unscheinbare Mädchen Luna Evans, ihre Familie zu unterstützen und sich selbst zu finden. Doch als sie dem berühmtesten Rockstar Amerikas, Blake Ryder, begegnet, wird ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt. „The Man on the Moon“ ist eine fesselnde Geschichte über Liebe, Ängste und die Reise zur Selbstentdeckung - ein Abenteuer, das Luna dazu zwingt, über sich hinauszuwachsen und die Sterne zu erreichen.

Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
16+

Man on the Moon

In einem Leben voller Höhen und Tiefen ist das Wichtigste, dass man nicht allein ist. Mein Name ist Luna Evans, ich bin 18 Jahre alt und habe schon von klein auf miterlebt, was es heißt, allein zu sein. Ich selbst war nicht immer alleine, aber als mein Erzeuger meine Mutter verlassen hat, als ich ein Säugling war, habe ich seitdem ich denken kann, gesehen, was es bedeutet, gegen die Einsamkeit anzukämpfen.

Meine Mutter, Tess, hat meinen Erzeuger viel zu jung kennengelernt. Sie war gerade einmal 19 Jahre alt, als ich zur Welt kam. Als er erfuhr, dass sie schwanger war, hat er sich aus dem Staub gemacht. Sie kommt aus einer konservativen Familie, und der Mann, der ihr die Ehe versprach, ließ sie nun schwanger im Stich. So musste meine Mutter ausziehen, abgestoßen von ihrer Familie, die nicht bereit war, sie in dieser schwierigen Lage zu unterstützen.

Trotz der Widrigkeiten hat sie sich mit mir ein kleines Leben in Kalifornien aufgebaut. Sie arbeitet in einer der angesagtesten Modefirmen als Sekretärin und sorgt für uns in unserem kleinen Haus, das etwas abgeschieden von der Stadt im Grünen liegt. Es ist ein Ort, der uns Schutz bietet, auch wenn er oft mit Erinnerungen an das Verlorene gefüllt ist. Vor nicht allzu langer Zeit hat meine Mutter sich jedoch erneut in eine Beziehung gestürzt - mit einem Mann namens Jack. Ja, sie hat denselben Fehler wieder gemacht und ihm vertraut. Und, wie es kommen musste, wurde sie wieder schwanger. Natürlich ließ er sie erneut im Stich, und jetzt habe ich eine kleine Schwester, Sophia, die gerade einmal einen Monat alt ist. Es bricht mir das Herz, zu sehen, dass meine Schwester dasselbe Schicksal erleidet wie ich.

Dennoch gebe ich mein Bestes, das Unglück und die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen, um meiner Familie ein besseres Leben bieten zu können. Ich versuche, wo ich kann, meine Mutter zu unterstützen. Ich arbeite zweimal in der Woche von 20:00 bis 00:00 Uhr in einem kleinen Schuppen an der Tankstelle, wo es nur besoffene Männer gibt, und unappetitliche Kuchen, Kaffee und Sandwiches verkauft werden. Es ist nicht viel, aber es hilft, die Rechnungen zu bezahlen und die kleinen Freuden des Lebens zu finanzieren.

Jetzt stehe ich hier, unter der heißen Sonne, und schiebe den Kinderwagen vor mir her, um Sophia zu beruhigen, die ein Schreibaby ist. Ihr zartes Gesichtchen ist gerötet, und ich kann die Tränen in ihren großen, neugierigen Augen sehen. Ich versuche, sie sanft zu wiegen, während ich mit sanfter Stimme vor mich hinrede.

»Komm schon, kleine Maus, alles wird gut. Wir gehen gleich nach Hause, und dann kannst du ein Nickerchen machen.« Die Straße, auf der ich gehe, ist ruhig, abgesehen von den gelegentlichen Geräuschen von vorbeifahrenden Autos. Plötzlich springt jemand aus dem Luxusauto neben mir, und die Szenerie verändert sich in einem Augenblick. Der Junge rennt an mir vorbei und stößt mich mit seiner Schulter zur Seite, als würde er mich als Hindernis ignorieren. Doch in diesem Moment verheddert sich sein Armband in meinem, und er ist gezwungen, abrupt stehenzubleiben. Vor mir steht ein beeindruckender Junge, dessen tiefschwarze, volle, wellige Haare am Ansatz in einem starken Kontrast zu den kurz rasierten Seiten stehen. Mit einer Körpergröße von mindestens 1,90 Metern sticht er sofort ins Auge. Sein sportlicher Körperbau ist in ein enges schwarzes Shirt gehüllt, das seine muskulösen Arme betont, während die schwarze Jeanshose eng an seinen Beinen anliegt. Sein Gesicht, das wie aus Porzellan erscheint, wird von dunklen, kantigen Augenbrauen und hellen, grünen Augen geschmückt - so strahlend, dass sie wie grüne Edelsteine im Sonnenlicht funkeln. Seine langen, dunklen Wimpern verleihen seinem Blick eine hypnotisierende Intensität, und die rosigen, vollen Lippen scheinen darauf zu warten, eine Herausforderung auszusprechen. Ein Blick auf seinen Körper offenbart, dass er teilweise tätowiert ist. Neben seiner rechten Schläfe prangt ein Stern, während auf seiner linken Wange das Wort „Devil“ prangt. Der Hals, mit schwarzen Federn tätowiert, lässt mich erahnen, dass das Bild unter seinem Shirt weitergeht. Auf seinen Armen sind mysteriöse Schriften und Symbole zu erkennen, die ich nicht entziffern kann. Doch die Tattoos auf seinem Handrücken und an den Fingern sind klar: Skeletknochen, die seine rebellische Natur unterstreichen.

»Hey! Bist du taub?«, schnipst er vor meinen Augen, da ich von seiner Präsenz abgelenkt bin.

»Schneidest du dein Armband ab, oder soll ich es tun?«, fragt er herausfordernd und lässt sein Taschenmesser vor meinen Augen aufspringen. Sofort zucke ich zusammen.

»Wieso muss ich denn mein Armband schneiden?! Mach du doch deinen kaputt!«, sage ich, während ich versuche, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen. Plötzlich hält er unsere Hände, die aneinandergekettet sind, vor mein Gesicht.

»Mein Armband kostet mehr als dein gesamtes Outfit«, erklärt er selbstbewusst, und meine Lippen öffnen sich vor Überraschung.

»Woher willst du denn wissen, wie viel meine Kleidung kostet, du Straßenbandit!«, necke ich zurück.

»Deine Stickjacke ist aus dem Discounter, dein Top darunter aus dem Supermarkt, deine Hose wahrscheinlich gebraucht aus dem Internet, da sie so geblichen ist, und deine Schuhe sind wahrscheinlich aus dem Container. Wer trägt heutzutage noch solche Grabsteine an den Füßen?«, fragt er und deutet mit einem spöttischen Blick auf meine sportlichen Schuhe mit den breiten, hohen Absätzen.

»Im Gegensatz zu deinem Armband hat meines eine emotionale Bedeutung, die solche Schmorbraten wie du nicht verstehen können, kapiert?!«, halte ich ihm entgegen und halte unsere angeketteten Hände diesmal vor sein Gesicht.

»Was für eine emotionale Bedeutung hat es?«, fragt er belustigt und sieht mich herausfordernd an.

»Der ist von meinem…«, kurz muss ich überlegen, da dieser Stofffetzen keinerlei Bedeutung hat, außer dass er aus einer Schokoladenverpackung als Dank für den Kauf kam. Aber das muss er ja nicht wissen.

»Von deinem?«, fragt er, seine Neugier geweckt.

»Freund«, lüge ich und hoffe, dass er die Lüge nicht durchschaut. Er zieht den Kopf zurück und sieht mich skeptisch an.

»Dann sag deinem Freund, dass er dir den Müll erneut holen soll, denn mein Armband ist ein Unikat und nirgends mehr erhältlich.« Während er versucht, mit dem Messer mein Armband durchzutrennen, ziehe ich meinen Arm an mich, sodass sein Arm gezwungen ist, in meine Richtung zu kommen.

»Jetzt hör mir mal zu, arroganter Wichser! Ich habe hier ein Schreibaby! Weißt du, was ein Schreibaby ist?!«, frage ich, während ich mit dem Finger auf ihn zeige.

»Ein Baby, das schreit?«, antwortet er, und ich kann den Hauch von Ironie in seiner Stimme hören.

»Ja, genau! Wenn du jetzt nicht dein Armband durchtrennst, dann wird sie hier solch ein Chaos veranstalten, dass du dir selbst den Gnadenschuss geben wirst«, warne ich ihn, und meine Stimme wird eindringlicher. Der fremde Junge neigt sich weit zu mir hinunter, seine Augen mustern mich.

»Ich sehe hier nur ein Schreibaby, das schreit«, sagt er, während er mich von oben bis unten mustert. In diesem Moment beginnt meine kleine Schwester zu weinen, und ich beuge mich hastig zu ihr hinunter. »Nein, nein, alles gut, liebes. Ich bin ja da«, sage ich beruhigend und gebe ihr mit der angeketteten Hand den Schnuller. Der fremde Junge ist gezwungen, sich wie ich zu neigen und seine Hand in den Kinderwagen zu stecken.

»Na, du kleiner Junge? Wie ist es denn möglich, dass so ein gutaussehender Kerl von so einer hässlichen Frau kommt?«, fragt er spöttisch, als er versucht, ihr auf die Nase zu kneifen. Ich schlage seine Hand weg und richte mich auf.

»Erstens liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Und zweitens ist das kein Junge, sondern ein Mädchen! Und jetzt schneid dein Armband ab, ich habe zu tun!«, verlange ich, während ich ihn mit einem festen Blick fixiere.

»Ich sehe keinen Grund, das Wertvollste, was ich besitze, für dich zu zerstören«, entgegnet er und neigt sich erneut nah zu mir. Das Gewicht seines Körpers drückt mich fast zurück, und ich muss tief durchatmen, da ich keine Worte mehr finde. Weder will er nachgeben noch ich.

»Gut. Dann bist du eben gezwungen, für den Rest deines Lebens ein Schreibaby mit dir herumzurühren«, sage ich provokant und setze meinen Weg fort. Er ist somit gezwungen, uns zu folgen.

»Blake! Wo bleibst du?! Der Tourbus wartet! Vergiss das Groupie!«, ruft jemand hinter uns. Ein Junge mit einem Irokesenschnitt, dessen Haare grün gefärbt sind und der eine Jeansweste mit Nieten trägt, erscheint auf der Bildfläche. Er sieht aus wie ein typischer Punk.

»Wen nennst du hier Groupie, du Brokkolikopf?! Sag es mir ins Gesicht!«, schreie ich ihm entgegen, aber Blake zerrt die Hand zurück, die an meine gefesselt ist. So lande ich mit dem Rücken auf seiner Brust, sein Arm wickelt sich schützend um meinen Bauch.

»Ich habe hier ein kleines Problem!«, ruft er zu seinem Freund, der sofort zu uns rennt. Als er vor uns anhält, hebt Blake seine Hand, wodurch auch meine angehoben wird. Er zeigt ihm, wo das Problem liegt.

»Sie möchte das Fetzen nicht abschneiden lassen«, sagt er, und der Punk nähert sich neugierig meinem Arm.

»Wieso hängt denn so ein hübsches Mädchen an solch einem Ding fest?«, fragt er und sieht mich an.

»Siehst du? Er findet mich hübsch«, sage ich zu Blake. Mit einem Kopfschütteln sieht er in die Ferne.

»Pass auf das Kind auf«, sagt Blake und setzt die Schritte vorwärts. Sofort muss ich anhalten und an seiner Hand ziehen, die an meine gefesselt ist.

»Sag mal, was wird das denn jetzt?!«, frage ich und schaue auf den Kinderwagen, der etwas von mir entfernt steht.

»Ich muss ein Konzert geben, und die Fahrt nach Washington kostet mich zehn Stunden. Also passt mein Freund auf deinen Sohn auf, und wir gehen mein Konzert geben. Steh einfach neben mir rum, mehr musst du nicht tun«, erklärt er ernsthaft und beginnt erneut, Schritte zu machen.

»Erstens ist das eine Sie, wie oft denn noch! Und zweitens werde ich meine kleine Schwester nicht dem Kobold da überlassen!«, sage ich und zeige mit dem Finger auf seinen Freund, der jetzt blinzeln muss.

»Kennt ihr keine Serienkiller?!«, frage ich.

»Also ich habe selber Kinder und würde niemals einem Kind etwas antun«, erklärt das grüne Geschöpf, und ich kann die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme hören.

»Jack Sun«, sage ich, während ich ihn von oben bis unten mustere.

»Wer ist das? Ein berühmter Sänger?«, fragt der Junge mich mit einem spöttischen Lächeln.

»Ein Serienkiller, der ebenfalls Kinder hatte«, antworte ich und sehe ihn herausfordernd an.

»Okay, macht was ihr wollt, ich bin raus«, sagt der Punk und zieht ab, während ich mit Blake wieder allein zurückbleibe. Seufzend steht Blake jetzt direkt vor mir, seine Präsenz überragend und einschüchternd. Er mustert mich von oben bis unten, seine grünen Augen durchdringen mich, als könnte er meine Gedanken lesen.

»Sei froh, dass dein Sohn hier ist. Sonst hätte ich dich mit nach Washington genommen.« Mit diesen Worten zieht er sein Taschenmesser und durchtrennt die Kette an seinem Handgelenk. Die kleinen Kugeln fallen auf den Boden, und ich höre das Geräusch des Metalls, das auf dem Asphalt aufschlägt und dann leise davonrollt. Blake tritt einen Schritt zurück und wirft mir einen letzten prüfenden Blick zu, bevor er sich endgültig umdreht. Seine Gestalt verschwindet, während ich hier stehe, allein und mit einem Gefühl der Leere in der Brust.

»Mal schauen, ob das Teil wirklich so wertvoll ist«, murmle ich zu mir selbst und knie mich hin, um die Kugeln aufzusammeln. Ich hoffe, dass ich sie später in einem Goldladen abgeben kann; vielleicht kann ich mit dem Geld etwas für meine kleine Schwester besorgen. Die außergewöhnliche Begegnung mit dem nervtötenden Jungen habe ich hinter mir gelassen. Ich habe meine kleine Schwester spazieren gebracht, und als sie vor dem Juwelierladen anfängt zu schreien, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Weg nach Hause wieder anzutreten und das kaputte Armband vorerst bei mir zu lassen. Es ist längst 23:00 Uhr, und die Stadt hat sich in eine ruhige, stille Nacht verwandelt. Ich habe meine Schwester ins Bett gebracht, da meine Mutter spät arbeitet und ich die Verantwortung übernommen habe. Jetzt liege ich auf der Couch, der Fernseher läuft im Hintergrund, aber ich überspringe die Sendungen, während ich mit meinen Gedanken woanders bin. Plötzlich halte ich inne, als ich jemanden Vertrautes im Fenster sehe.

Blake steht auf der Bühne, umgeben von grellen Lichtern und dem pulsierenden Rhythmus der Musik. Es ist eine Liveübertragung, und die Menge vor ihm ist ein wogendes Meer aus begeisterten Gesichtern. Sein Künstlername ist; Man on the Moon. Dutzende Frauen springen auf, singen mit voller Kehle und jubeln ihm zu, als wäre er der einzige Mensch, der in diesem Moment zählt. Er ist ein Rockstar durch und durch, und seine Ausstrahlung füllt den Raum mit elektrischer Energie. In einem schwarzen Netz-Mantel, der im Licht der Scheinwerfer schimmert und flattert, steht er da, während er dynamisch und schnell über die Saiten seiner E-Gitarre spielt. Jeder Akkord, den er anschlägt, wird von den jubelnden Rufen der Fans begleitet, und der Sound seiner Musik vermischt sich mit den Schreien und den Klängen der begeisterten Menge. Blake ist verschwitzt, und das Licht reflektiert den Glanz auf seiner Haut, während er sich in die Musik vertieft. Er singt ins Mikrofon, seine majestätische Stimme erfüllt den Raum mit einem Gefühl, das tief in die Herzen seiner Zuhörer eindringt. Es ist eine Melodie voller Emotionen und Energie, die selbst aus der Ferne spürbar ist. Hinter ihm erkenne ich das Grüngeschöpf, seinen Freund, der als Schlagzeugspieler in der Band steht. Er spielt mit einer Intensität, die perfekt zu Blakes dynamischer Performance passt, und die beiden scheinen eine untrennbare Verbindung auf der Bühne zu haben. Blake singt gerade eine besondere Stelle in seinem Song, und ich kann die Leidenschaft in seiner Stimme hören - es ist, als würde er seine Seele in jeden Ton legen. Die Emotionen seiner Musik kommen direkt zu mir durch den Bildschirm, und ich kann nicht anders, als die Fernbedienung liegen zu lassen. Ich lehne meinen Kopf auf die Couch, decke mich mit einer Decke zu und schließe die Augen, um vollständig in den Moment einzutauchen. Seine Stimme umhüllt mich wie eine warme Welle, und ich lasse mich von den Klängen mitreißen, während ich in Gedanken versinke. In dieser einen Sekunde gibt es nichts anderes als Blake, seine Musik und die Emotionen, die er vermittelt - ein kraftvoller Ausdruck von Freiheit und Leidenschaft, der mich tief berührt.

»Luna?«

»Luna?«

»Hey, Luna?«

Die sanfte Stimme meiner Mutter dringt durch den Schleier des Schlafes und weckt mich aus meinem unruhigen Schlummer. Ich blinzele und erkenne, dass ich auf der Couch eingeschlafen bin; das Licht des neuen Morgens strömt durch das Fenster und lässt den Raum in einem warmen Glanz erstrahlen.

»Schatz, ich muss dir jemanden vorstellen.« Meine Mutter steht in ihrem eleganten Blazerkleid vor mir, perfekt zurechtgemacht und strahlend. Sie sieht aus, als wäre sie gerade aus einem Modekatalog entsprungen.

»Heute ist doch Samstag. Musst du etwa arbeiten gehen?«, frage ich, während ich mich mühsam aufsetze und meinen Rücken ein wenig strecke. Doch als ich einen Mann bemerke, der vor der Tür im Haus steht, in einem makellosen Anzug gekleidet und mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen, muss ich sofort aufstehen.

»Da ist etwas, was ich dir schon längst hätte sagen sollen«, spricht meine Mutter, während sie sich wieder nach oben neigt, um ihn näher zu mir zu bringen.

»Das ist Maverick Ryder. Der Besitzer der Firma, in der ich arbeite.« Ihre Worte lassen mich innehalten, während ich ihn mustere. Er hat volle, weiße Haare, die ihm ein gewisses Maß an Autorität verleihen, und keineswegs wirkt er zu alt. Vielmehr strahlt er eine gepflegte Jugendlichkeit aus, die ihn fast ebenso vital erscheinen lässt wie meine Mutter. Seine hellen, grünen Augen erinnern mich an etwas, dessen Name mir auf der Zunge liegt, aber ich kann es nicht erraten.

»Wir kennen uns jetzt seit Monaten. Er hat mir die gesamte Zeit in der Schwangerschaft beigestanden, als ich verlassen wurde. Da haben wir Gefühle füreinander entwickelt.« Während sie spricht, greift sie nach seiner Hand und zieht ihn sanft näher zu mir.

»Wir sind ein Paar und werden demnächst heiraten.« Ihre Worte treffen mich wie ein Schlag ins Gesicht, und ich seufze, während ich aufstehe.

»Mom. Nur weil er dein Chef ist, bedeutet das nicht, dass du diesmal eine richtige Entscheidung getroffen hast. Er wird dich genauso schlecht behandeln wie die anderen Männer, die du hattest.« Diese Worte kommen unbedacht über meine Lippen, während ich mich dem Frühstückstisch zuwende, den sie für vier Personen gedeckt hat.

»Ich weiß, dass du skeptisch bist, Luna. Aber ich kann dir versichern, dass ich genauso wie deine Mutter nach der wahren Liebe suche und sie niemals enttäuschen würde. Dafür bedeutet sie mir viel.« Maverick sieht sie in der Tat so an, als würde er ihr die Welt zu Füßen legen wollen, und für einen Moment spüre ich, dass vielleicht etwas Wahres an seinen Worten ist.

»Wenn du glücklich bist, dann bin ich es auch«, sage ich schließlich zu meiner Mutter. Sie umarmt mich und drückt mir einen Kuss auf die Stirn.

»Dann können wir ja frühstücken. Wo bleibt eigentlich dein Sohn?«, fragt sie Maverick, während ich Platz nehme.

»Er war noch vorhin hier. Blake?« Als Maverick den Namen ausspricht, muss ich sofort den Saft, den ich gerade getrunken habe, ausspucken. Meine Mutter reicht mir eine Serviette, nach der ich hektisch greife, während ich versuche, mich zu sammeln.

»Da ist er ja. Komm her, mein Sohn.« Maverick legt tatsächlich den Arm um Blakes Schulter. Er sieht chaotisch aus, seine Haare sind zerzaust, sein schwarzes Hemd total zerknittert und an den Brüsten offen. Es wirkt, als hätte er die Nacht nicht geschlafen, und die Schnalle seiner feinen schwarzen Hose ist offen.

»Das ist mein Sohn Blake. Und das ist die Frau, von der ich dir erzählt habe«, sagt er stolz. Blake sieht mich nur kurz an, dann widmet er seine Aufmerksamkeit meiner Mutter.

»Freut mich, Sie kennenzulernen. Mein Vater kann kaum noch aufhören, über Sie zu sprechen. Jetzt verstehe ich warum. Sie sehen wunderschön aus«, sagt er und reicht ihr die Hand. Plötzlich wirkt er so respektvoll, dass ich fast überrascht bin.

»Nenn mich doch ruhig Tess, mein Sohn. Ab jetzt sind wir eine kleine Familie«, sagt sie und umarmt ihn herzlich, während ich an seine respektlose Art denken muss. Kurz sieht er zu mir, und ein schelmisches Grinsen huscht über sein Gesicht, das mich innerlich aufbrausen lässt.

»Das ist meine Tochter Luna. Na, los, Schatz. Sag Blake hallo. Ihr seid schließlich ab jetzt Geschwisterchen.« Mit diesen Worten gehorche ich ihr widerwillig.

»Freut mich, Schwesterchen«, sagt er und reicht mir seine Hand.

»Mich auch, Brüderchen«, erwidere ich, während ich seine Hand schüttle und dabei versuche, meinen Unmut zu verbergen.

»Na los, setzt euch hin. Ich habe leckere Sachen vorbereitet«, sagt meine Mutter fröhlich und bringt uns dazu, am Tisch Platz zu nehmen. Blake, der neben mir sitzt, ist so breit und groß, dass sein Bein meins berührt. Als er dies bemerkt, sieht er aus dem Augenwinkel zu mir. Ich rutsche schnell zur Seite, um den Kontakt zu vermeiden, und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Die Situation ist surreal - von der Ankündigung meiner Mutter bis hin zu der unerwarteten Dynamik mit Blake. Ich kann nur hoffen, dass sich die Dinge nicht zu kompliziert entwickeln, während wir an diesem Frühstückstisch sitzen, der nun mit neuen, unerwarteten Beziehungen gefüllt ist.

»Als ich das erste Mal deine Mutter gesehen habe, da wusste ich, dass sie die Frau ist, nach der ich gesucht habe, seit dem Tod meiner Frau. Nur in ihren Augen habe ich gesehen, dass ich mich bei ihr zuhause fühlen kann.« Mavericks Worte dringen tief in mich ein, und ich beobachte, wie meine Mutter sanft an seine Hand fasst und ihm ein tröstliches Lächeln schenkt. Es ist ein Moment voller Wärme und Intimität, der mir gleichzeitig ein seltsames Gefühl der Unruhe gibt.

»Natürlich möchten wir euch Kindern kein Vorbild sein und das frühe Heiraten verharmlosen. Aber manchmal trifft man eine Person, und die gibt einem das Gefühl, als würde man sich schon seit Jahren kennen. Und da spielt es plötzlich keine Rolle mehr, wie lange man sich kennt.« Dabei sieht er meine Mutter mit einem solchen verliebten Blick an, dass ich für einen Moment fast den Atem anhalte. Ihre Augen funkeln, und als sie sich einen Kuss geben, sehe ich mich kurz mit Blake an. Doch ich flüchte sofort mit den Augen und konzentriere mich auf mein Omelette, um die aufkommenden Emotionen zu verbergen.

»Und wann soll die Hochzeit sein?«, frage ich schließlich, während ich in mein Omelette stichle, als könnte ich auf diese Weise die Realität verdrängen. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass dieser Kerl neben mir bald Teil meiner Familie sein könnte.

»Wir werden nur eine kleine Feier in der Kirche halten. Möchten nichts Großes. Dafür sind wir beide zu alt«, antwortet meine Mutter mit einem Lächeln, das mir gleichzeitig Hoffnung und Angst gibt.

»Wir möchten es so schnell wie möglich hinter uns bringen. In zwei Wochen müsste alles fertig sein. Aber wir werden schon ab heute zusammenziehen«, erklärt Maverick und sieht meine Mutter liebevoll an. Seine Worte lassen mir das Herz einen Schlag aussetzen.

»Ja, Schatz, und deswegen musst du dir ein Zimmer mit Blake teilen.« Als meine Mutter diese Worte ausspricht, muss ich mein Saft erneut ausspucken. Diesmal ist es Blake, der mir die Serviette reicht.

»Er ist doch ein Rockstar. Warum zieht er denn hier mit ein? Sicherlich hat er irgendwo ein Penthouse für sich allein, umgeben von all den Groupies.« Als ich nach der Serviette greife, zieht Blake sie wieder zurück, und ich merke, dass meine Worte ihn gestört haben.

»Mein Sohn mag ein bekannter Rockstar sein, aber er hat Regeln einzuhalten. Ausziehen kann er erst, wenn er eine Familie gegründet hat. Neben dem Rockstar-Leben besucht er außerdem die Universität. Die haben wir jetzt gewechselt, da wir nicht mehr in New York wohnen werden, sondern hier. Die Leitung war so kulant, dass sie ihm die Zeiten freistellen, wenn er auf Tour ist. Also die zwanzig Penthouse, die er besitzt, sind nur als Auszeit genießbar, nicht wahr, mein Sohn?« Maverick lacht, während er in sein Stück Speck pickt und es genüsslich verzehrt.

Ich kann kaum glauben, was ich höre. Blake, der Rockstar, der anscheinend kein Interesse daran hat, seine Freiheit aufzugeben, soll nun mit mir unter einem Dach leben? Die Vorstellung ist absurd und gleichzeitig beängstigend. Ich fühle mich hin- und hergerissen zwischen der Abneigung gegen die Idee und dem tiefen Wunsch, dass meine Mutter glücklich ist.

»Ich wollte natürlich, dass deine Mutter zu mir nach New York zieht. Aber sie möchte all die Erinnerungen hier in der Stadt nicht aufgeben. Vor allem nicht dieses Haus hier. Sie hat mir abgeschlagen, in eine noch größere Villa einzuziehen. Es sind einfach die Erinnerungen hier, die sie nicht loslassen kann.« Maverick spricht mit einem Einverständnis, das sowohl Verständnis als auch eine gewisse Melancholie in seinen Worten trägt. Ich kann die Tiefe seiner Gefühle für meine Mutter spüren, und es berührt mich auf eine Weise, die ich nicht ganz einordnen kann.

»Sie sind die erste Frau, die nicht auf das Vermögen meines Vaters aus ist. Sie sind so bescheiden, Tess. Danke dafür.« Plötzlich spricht Blake, und seine Stimme ist gefühlvoll, fast zerbrechlich, als würde er seine Gedanken zum ersten Mal laut aussprechen. So sehr, dass meine Hand mit der Gabel innehält, während ich ihn ansehe.

»In diesem Haus habe ich alles mit meiner Tochter erlebt. Das erste Mal, als sie gekrabbelt ist. Wie sie geweint hat, als sie einen Clown geschenkt bekommen hat - bis heute hat sie ein Trauma von Clowns. Oder im Dunkeln kann sie bis heute noch nicht schlafen.« Meine Mutter lacht, doch es ist ein trauriges Lachen, das die Erinnerungen an bessere Zeiten und unbeschwerte Momente in sich trägt.

»Ich habe mit ihr hier gelacht und sogar geweint. Und ich möchte, dass dieses Haus für sie ein schöner Ort wird, ein Ort, wo sie vielleicht lernt, das Licht doch auszuschalten.« Während sie spricht, wandern Blakes Augen auf mich, und ich spüre, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildet. Leise senke ich den Kopf, da ich mich an die Leere dieses Hauses erinnere, in dem ich ohne Vater aufgewachsen bin. Die Wände scheinen die Stille zu reflektieren, die oft zwischen uns geherrscht hat - ein ständiges Echo von Abwesenheit, das niemals ganz verschwindet.

»Jeder kann seine Ängste besiegen. Aber die Menschen trauen sich oft nicht, ihren Ängsten zu stellen, weil sie das Gefühl haben, alleine es nicht bewältigen zu können.« Blake spricht plötzlich, und seine Worte dringen tief in mich ein. Ich schlucke schwer, während ich über seine Einsicht nachdenke. In einer Welt, die oft so überwältigend erscheint, wird mir klar, wie wichtig es ist, sich seinen Ängsten zu stellen, auch wenn es schmerzhaft ist.

»So ein toller Junge bist du. Wahrscheinlich auch schon vergeben. Erzähl mal, hast du eine Freundin?«, fragt meine Mutter, und ich kann die Neugier in ihrer Stimme hören.

»Mein Sohn und eine Freundin? Er ist nicht der Mensch, der sich binden kann. Er langweilt sich zu schnell.« Maverick schüttelt den Kopf und lächelt dabei, als spräche er über ein unartiges Kind.

»Ich würde mir wünschen, dass er weniger weibliche Bekanntschaften hat, die er nur einmal sieht und dann nie wieder. Aber etwas Freiraum sollte er schon haben«, setzt er fort. Ich sehe Blake an, der sein Getränk in einem einzigen Schluck leert. Es scheint fast so, als würde er die ganze Situation genießen.

»Ich schätze, ich bin einfach ein Freigeist«, sagt er mit einem Augenzwinkern, und ich kann mir nicht helfen, als ich seine Selbstsicherheit bewundere.

»Das ist der Weg, um das Leben zu genießen«, sagt meine Mutter mit einem Lächeln, das sowohl Zustimmung als auch eine gewisse Besorgnis ausstrahlt.

»Aber vergiss nicht, dass es wichtig ist, auch jemanden zu finden, der dich ergänzt. Jemanden, mit dem du die Höhen und Tiefen teilen kannst«, redet sie. Blake neigt den Kopf, als würde er darüber nachdenken.

»Und was ist mit deinen Groupies, Blake? Werden die nicht eifersüchtig, wenn du plötzlich mit deiner kleinen Schwester zusammenlebst?«, spricht Mutter so unpassend. Blake zuckt mit den Schultern, und das Grinsen auf seinem Gesicht wird breiter.

»Ach, die werden sich schon daran gewöhnen müssen. Schließlich bin ich jetzt ein Teil dieser Familie«, sagt er mit einem schelmischen Funkeln in den Augen. Ich kann nur den Kopf schütteln, während ich versuche, die Realität dieser neuen Familiendynamik zu akzeptieren. Es wird eine Herausforderung werden, das steht fest, aber vielleicht gibt es auch einen Weg, um damit umzugehen. In diesem Moment sitze ich zwischen zwei Welten - der einen, die ich kannte, und der neuen, die sich gerade entfaltet. Und ich kann nur hoffen, dass die Veränderungen, die vor uns liegen, nicht zu überwältigend werden.