Prolog: Der Anruf
Es begann mit einem Anruf, der nie hätte enden dürfen. 22:43 Uhr. Der Schreibtisch von Sarah LeClair war beleuchtet von den kalten, blauen Lichtern der Notrufzentrale. Die Monitore summten leise, und die Welt außerhalb des Gebäudes war ruhig. Zu ruhig, dachte Sarah, als sie den letzten Schluck ihres abgestandenen Kaffees nahm. Das Telefon klingelte, und sie drückte die Taste, ohne nachzudenken. Es war Routine. »911, was ist Ihr Notfall?« Für einen Moment kam keine Antwort. Nur Stille. Nicht die Art von Stille, die beruhigend ist, sondern die Art, die einem das Gefühl gibt, beobachtet zu werden. Sarah straffte sich. »Hallo? Können Sie mich hören?« Dann kam die Stimme. Hoch, atemlos, fast ein Flüstern. »Bitte… helfen Sie mir.« Sarahs Herz begann schneller zu schlagen. »Ganz ruhig. Was ist passiert? Wo befinden Sie sich?« Die Stimme wurde lauter, hysterischer. »Ich weiß es nicht! Ich bin… ich bin in einem Haus. Sie kommen! Bitte, sie kommen!« Sarahs Finger flogen über die Tastatur. Sie öffnete die Ortung, doch die Leitung war instabil. Der Standort war nicht eindeutig. »Wer kommt?« fragte sie schnell. »Können Sie irgendetwas sehen? Irgendeine Adresse?« »Es ist dunkel… leer…« Die Stimme stockte. Dann ein Klirren, gefolgt von einem schweren Schlag. Ein ersticktes Keuchen. »Halten Sie durch!« rief Sarah. »Ich schicke jemanden zu Ihnen. Bleiben Sie dran!« Doch die Leitung brach ab. Sarah starrte auf den Bildschirm, wo die rote Markierung des Anrufs langsam erlosch. Der Raum war still, doch in ihrem Kopf hallte das letzte Wort des Mädchens wider: Helfen. Sie wusste nicht, dass sie gerade eine Tür geöffnet hatte – und dass die Dunkelheit, die dahinter lauerte, sie bereits im Blick hatte.