Der erste Schultag
„So langsam geht mir die Geduld aus Tami“, die stimme meins Bruders hört sich heute fast noch genervter an als sonst.
Ich wühle mich weiter durch das Meer an Klamotten auf meinem Zimmerboden. „Ich such nur noch meinen linken Schuh“. Es kann doch nicht wahr sein das ich immer irgendwas suche! Ich muss dringend aufräumen, aber in meinen tiefsten Inneren weiß ich das es nicht so schnell passieren wird.
„Immer suchtst du noch irgendwelche Sachen“, oho mein Bruder kocht vor Wut. „In zwei Minuten fahre ich los egal ob du mit im Auto sitzt oder nicht!“ Ich höre die Tür ins Schloss fallen.
Innerlich jubelnd ziehe ich meinen Sneaker zwischen ein paar Röcken hervor, ich hüpfe richtung Treppe wärend ich mir den Schuh anziehe, schnappe mir schnell meine Tasche und fliege förmlich die Treppe runter und bin dankbar das ich nicht auf der Nase gelandet bin. Im vorbeirennen greife ich noch eine Jacke vom Hacken und stürme aus der Tür.
Super, ich sehe schon von weiten wie genervt Sebastian ist. Mein großer Bruder hasst es wenn er zuspät kommt, und naja ich bin quasi die Königin der Unpünktlichkeit. Als ich die Beifahrertür seines roten Opel aufschwinge trifft mich sein Blick und ich wäre am liebsten tot umgefallen. Meine Augen wandern auf das Handy in seiner Hand und mir fällt auf, dass ich meins im Bad habe liegen lassen.
Ich setze mein süßestes lächeln auf „Ich bin gleich zurück, hab mein Handy vergessen“. Befor er etwas sagen konnte hab ich die Tür zugeschlagen und renne zurück zum Haus.
In Lichtgeschwindigkeit renne ich ins Bad greife nach meinem Handy und bin zurück am Auto. Ich wusste das Sebi nicht ohne mich fahren würde. Triumphierend lasse ich micht auf den Beifahrersitz fallen und schliese die Tür, „Wir können los“, flötete ich meinem Bruder fröhlich entgegen.
Ohne ein Wort aber dafür kopfschüttelnd lenkt er das Auto die Auffahrt runter Richtung Straße. Ich mag es nicht wenn mein Bruder so grummelig ist, deshalb mache ich mich am Autoradio zu schaffen und verbinde mein Handy. Sekunden später schlägt uns die Melodie von unsem Lieblingssong entgege, wir beide lieben die Band Black Roads. Beim einsetzen der Stimme des Sängers merke ich schon wie Sebi sich entspannt und dann fängt er sogar an mitzusingen. Beim nächsten Lied grölten wir beide lauthals mit und schon war alles wieder gut.
Wir kommen an der Schule an und jetzt realisiere ich erst, die Sommerferien sind vorbei und die Schule geht wieder los. Mein letzes Schuljahr vor dem Abi, und mein Bruder fängt auf der Fachhochschule an.
„Danke fürs absetzen und fürs warten Bruderherz“, ich gleite aus dem Auto und drehe mich zu Sebastian um. „Glaub aber nicht das es jeden Morgen so läuft, nächstes mal fahre ich wirklich ohne dich“, seine stimme klink jetzt nicht mehr so genervt wie vor zwanzig Minuten. Ich klimpere mit den Augen und werfe ihn einen Luftkuss zu bevor ich mich umdrehe. „Achja, ich kann dich heute Mittag nicht abholen also musst du den Bus nachhause nehmen“, höre ich noch bevor er weiter fährt.
Ich lasse meinen Blick über die anderen Schüler gleiten während ich richtung Eingang laufe und such nach meiner Besten Freundin. „Da bist du ja“, Jessica hackt sich von hinten bei mir unter, sie hat mich wohl zuerst gefunden. „Jess, ich bin so froh dich wiederzusehen“, strahle ich meine beste Freundin an. Sie war fast die ganzen Ferien weg, bei ihrer Familie in Brasilien, sie sieht wunderbar aus. Ihre dunkelbraunen Locken fallen ihr auf die Sultern, ihre Haut ist noch etwas dunkler geworden wodurch ihr intensiv grünen Augen noch mehr herausstechen.
Jessica schenkt mir ihr schönstes lächeln und wir machen uns auf den Weg richtung Klasse, „ich hab dir so viel zu erzählen“, platz es aus ihr heraus. „Na ihr hübschen, Wie waren eure Ferien?“, wir drehen uns um und schau in ein grinsendes Gesicht. „Chris!“, ich springe meinem ältesten Kindheitsfreund entgegen und ziehe ihn im eine Umarmung. „Ich dachte du bist dieses Jahre nicht an unserer Schule, was machst du hier?“, ungläubig schaue ich ihn an. Eigentlich sollte er auf einer anderen Schule sein. Seine Eltern hatten sich getrennt und er sollte dieses Jahr bei seiner Mutter leben. „Mom musste wegen ihrer Arbeit ins Ausland, also bleibe ich bei Dad und deshalb kann ich auch bei euch auf der Schule bleiben“, er grinst bis über beide Ohren. Ich freue mich so das ich mein letztes Schuljahr mit meinen beiden besten Freunden erleben kann, ich war niedergeschlagen als er letztes Jahr erzählt hatte, dass er die Schule wechseln muss.
„Jetzt kann das Abschlussjahr nur großartig werden“, Jessica hüpft auf uns zu und schließt sich unserer Umarmung an. Ich bin so froh das die beiden sich von Anfang an gut verstanden haben, auch wenn ich glaube das da mehr als nur mögen im Spiel ist. Chris und ich sind quasi zusammen aufgewachsen, als Jessi in der siebten Klasse an unsere Schule kam haben wir uns auf anhieb gut verstanden. Sie war damals so aufgeregt und ich hatte ihr die ganze Schule und später auch die Stadt gezeigt, so wurden wir Freunde.
Gemeinsam laufen wir auf unseren Klassenzimmer zu als mir ein kleiner schauer den Rücken läuft. Ich spüre das ich beobachtet werde, kann aber niemanden sehen.Ich bleibe stehen und schau mich noch einmal genau um, aber alle um mich herum laufen auf ihre Freunde zu oder zu ihren Klassen. „Tami alles in Ordnung? Was ist los mit dir?“ Chris sieht mich brsorgt an und Jessica zieht an meinem Arm. Ich schüttele das Gefühl von unbehagen ab und folge den beiden ins Zimmer.
Es waren erst wenige vor uns in der Klasse angekommen und wir hatten noch freie Platz wahl. Gemeinsam schappen wir uns drei Plätze nebeneinander in der vorletzten Reihe. „Brasilien war fantastisch und ich habe mich so gefreut meine Cousinen wieder zusehen“, Jessi rutscht während sie von ihem Sommer erzählt aufgeregt auf dem Stuhl auf und ab.
Da war es wieder dieses Gefühl bei dem sich alle meine Haare aufstellen, ich muss wissen wo das her kommt. So ein komisches Gefühl hatte ich noch nie und es muss einen Grund dafür geben. „Hörst du mir überhaupt zu?“, ich zucke zusammen als ich eine Hand vor meinem Gesicht wahrnehmen. Verdamt ich hab Jessi total ignoriert, ich war irgenwie abgelenk. „Sorry Jess, ich war irgenwie abgelenkt, ich weis auch nicht was heute los ist. Ich hab seit ein paar Minuten eine komisches Gefühl und ich weiß nicht warum“. Jessi schaut mich verwirr an aber bevor sie was sagen konnte kamm ein weißhaariger älterer Mann durch die Tür, „Bitte setzt euch“. Das muss unser neuer Lehrer sein, ich hatte ihn noch nie zuvor auf der Schule gesehen also muss er neu hier sein.
Unser neuer Lehere stellte sich als Herr Weiß vor und teilte unsere Kurspläne aus, aber ich kann mich die ganze Zeit nicht wirklich konzentrieren und höre ihm nicht richtig zu. Ich gehe unsere Kurse durch Chis, Jessi und ich habem zum Glück den größten Teil der Kurse gemeinsam. „Yess, ich habe nur zwei Kurse alleine ohne euch“, glücklich schiebe ich meine unterlagen in meine Tasche als die Pausenglocke leutet. Alle strömen nach draußen auf den Innenhof, um sich noch ein paar Sonnenstrahlen vom Spätsommer abzuholen.
Immernoch verfolgt mich das unwohle Gefühl und es kam noch ein kribbeln unter meiner Haut dazu. Ich schaue mich wieder um und jetzt trifft mein Blick ein paar eisblaue Augen, die sich quasi durch mich hindurch bohren. Ich habe das gefühl im Flammen aufzugehen und ich weiß das er der Grund für meine komischen Gefühle ist. Jetzt bemerke ich erst zu wem diese unglaublichen Augen gehören, oh Gott mir entkommt ein kleines keuchen. Ein groß gewachsener mindestens 1,90 großer Junge mit hellbraun Haaren, die er zu einem Dutt gebunden hatte wodurch der Undercut zum vorschein kam. So ein makelloses Gesicht habe ich noch nie gesehen und von seinem Körper will ich nicht anfangen. Er starrt mich immernoch an und ich starre zurück, ich versuche meinen Blick von ihm zu lösen aber es geht nicht. Ich hatte das Gefühl, dass er auf mich zulaufen will als ich von einer anderen Schülerin angerempelt wurde und der Bann war gebrochen. Zügig laufe ich zu Jess und Chris die sich zu ein paar anderen aus unserem Jahrgang gesellen haben. Nicht umdrehen sage ich zu mir selbt, denn ich weiß, wenn ich wieder diese Augen sehen kann ich mich nicht mehr bewegen. Ich bin mir sicher ein Knurren gehört zu haben aber ich ignoriere es.
Den rest des Schultages bekommen wir neue Infos und wir dürfen nach der vierten Stunde gehen. „Und morgen geht der Schulalbtraum richtig los“, Chris lässt seinen Arm auf meine Schulter fallen als wir zur Bushaltestelle laufen. „Es wird echt zeit das wir unseren Führerschein machen“, nörgelt ich. „Ja ich hab auch keine lust mehr Bus zu fahren, wenn das alles nicht so teuer wäre“. Jessi lässt sich auf die Bank im Bushäuschen fallen. „Für den Führerschein würde mein Geld schon reichen aber ein Auto werde ich mir so schnell nicht kaufen könne“ seufze ich und lasse mich neben Jess auf der Bank nieder. „Sieht bei mir so ähnlich aus“, Chris zuckt mit den Axeln und schaut sich nach dem Bus um.
Jess und Chris wohnen im gleichen Stadtviertel und nehmen gemeinsam den Bus, ich muss in die andere Richtung also verabschieden wir uns. Fünf Minuten später kommt auch mein Bus und ich steige ein, stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren und lasse eine meiner Playlists laufen ohne darauf zu achten welche. Meine Gedanken springen zu dem großen gutaussehenden Kerl mit den blauen Augen. Irgendetwas ist mit ihm oder vielleicht doch mit mir? Er zieht mich magisch an und ich weiß nicht wieso, das nervt mich, so habe ich mich noch nie gefühlt. Noch nie wurde ich von jemanden so in den Bann gezogen, was auch der Grund war warum ich noch nie einen Freund hatte, mich hab bis jetzt noch niemand wirklich interessiert.
Mist fast hätte ich meine Haltestelle verpasst, im letzten Moment springe ich noch aus dem Bus bevor sich die Türen wieder schließen. Langams mache ich mich auf den Weg zu unserem Haus und genieße dabei die Sonne auf meier Haut, als ich wieder dieses komische kribbel unter meiner Haut spüre. Abrupt bleibe ich stehen und schaue mich um, aber es war niemand zusehen. Ich hätte schwören können das der Kerl hier irgenwo sein muss und mich beobachtet, aber ich konnte nichts sehen. Außer er sitz hier irgenwo im Wald der sich auf der anderen Straßenseite befindet, dass bezweifle ich aber. Wer würden den am hellichsten Tag im Wald sitzen und jemanden beobachten? Aber ich traue mich auch nicht auf die andere Seite um nachzusehen, komisch, ich wohne schon mein ganzes Leben hier am Stadtrand bei dem Wäldchen und hatte nie Angst davor. Früher habe wir oft in dem Wald gespielt und viele lustige Stunden dort verbracht.
Jetzt stehe ich schon mehrer Minuten wie eine verängstigte Katze auf dem Gehweg und starre vor mir her. Die Leute schauen mich schon verwirrt an, also beschließe ich weiter zu laufen. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los beobachtet zu werden, hoffentlich hört das auf wenn ich zuhause bin.
Ich fühle ich mich schon gleich viel besser in unserem Haus und mache mich an das Mittagessen. Wir haben schließlich heute keine Hausaufgaben bekommen also kann ich Mama ja das Kochen abnehmen.
Der rest des Tages verläuft ruhig und ich vergesse schon fast die eisbauen Augen. Ich redete mit meiner Mutter über den ersten Tag, ein paar Kleinigkeiten wie das komische Gefühl erwähnte ich aber nicht. Meine Mutter war machmal etwas spirituell unterwegs und ich wollte nicht mit über die Bedeutung meiner Gefühle reden. Sie würde da schon wieder zuviel reininterpretieren und da habe ich keine Lust zu.
Als ich mich Abendsin mein schönes warmes Bett kuschele sinke ich zungewöhnlich schnell in den schlaf, der heute Nacht etwas unruhiger war als sonst.