Kapitel 1
Die Sonne scheint durch mein Büro. Wie ich den Frühling liebe murmel ich Gedankenverloren vor mich hin. Wie gerne würde ich jetzt am Strand spazieren gehen und den Sonnenschein, wie Medizin in mich einsaugen. Ich schau auf die Uhr und bemerke, dass es schon 14 Uhr ist und ich immer noch nicht die Nachricht erhalten habe, die ich mir so sehnlich wünsche. Meine wirren Gedanken wurden von meinem klingenden Handy unterbrochen. Ich laufe Richtung meines Schreibtisches um zu sehen, wer mich anruft. Als ich den Namen auf dem Display lesen kann, war ich zuerst erleichtert aber im nächsten Augenblick stieg die Nervosität in mir auf und eine Gänsehaut verbreitete sich über meinem ganzen Körper. Ich atme tief ein, bevor ich mein Handy vom Schreibtisch anhebe und den Anruf annehme. Die Worte Hallo Julia hallen an meinem Ohr. Ich wusste direkt an der Art wie er sie aussprach, dass es keinen guten Nachrichten gab und somit habe ich mich auf das schlimmste gefasst gemacht. Gleichzeit steigen mir viele Frage in den Kopf und ich verlor den Durchblick meiner Gedanken. »Bist du noch dran?« Diese Frage brachte mich von meinen Gedanken zurück in die Realität. Ja entschuldige bitte kam sanft aus meinem Mund heraus. Ich frage mich, ob er die Nervosität in meiner Stimme hören kann. »Es tut mir Leid Julia, das ich dir das sagen muss, aber er möchte nicht unterschreiben.« Ein frustriertes seufzen kommt direkt nach den Worten aus meinem Mund. Das war ja zu erwarten, dass dieses Problem nicht friedlich und ohne Komplikationen zu lösen ist. »Was möchte er?« frage ich meinen Anwalt Andrew Watson. »Reden« Reden? Was möchte er den mit mir reden? »Er wird erst unterschreiben, wenn er davor die Möglichkeit hatte mit dir ein Gespräch zu führen« Fassungslos mustere ich die Aussicht aus meinem Büro und kann nicht glauben, dass der Mistkerl mit mir reden möchte. Nach alldem was er mir angetan hat, kann er mich nicht in Ruhe lassen. Nein er muss mit mir reden. Hat das Arschloch schon mal daran gedacht, dass ich nicht mit ihm redenmöchte? »Hast du ausdrücklich betont, dass ich ihn nicht sehen will? Es wäre für uns alle leichter, wenn er einfach unterschreibt, damit wir alles zurücklassen können?« sagte ich in einem schroffen Ton, da ich es vermeiden möchte mich mit ihm zu treffen. »Ja Julia, das habe ich ihm gesagt, aber er besteht darauf dich zu sehen, um mit dir zu reden. Er will ein Gespräch und egal wie es endet, danach wird er unterschreiben.« Dieses Arschloch, egal was er zu sagen hat, kann an meiner Entscheidung etwas ändern. »Wenn dieser Mistkerl mich sehen will, dann komm ich, aber ich hoffe für ihn, dass er es nicht bereuen wird mich zu sehen. Mach einen Termin für Freitag aus, ich werde morgen nach Hause fliegen.« Es macht mich so wütend. Ich möchte doch einfach nur in Ruhe mein Leben leben und damit abschließen. Was ist sein Plan? Denkt er wenn er mit mir redet, werde ich meine Entscheidung überdenken? Das kann er vergessen. »Oke ich schreibe dir dann die Zeit und den Ort. Soll ich deinen Eltern Bescheid geben, dass du nach Hause kommst?« Um Gottes Willen das würde mir gerade noch fehlen, als hätte ich nicht schon genug Stress. »Nein, danke. Ich werde nach Hause fliegen, um die Papiere zu unterschreiben und danach werde ich im nächsten Flieger sitzen um wieder von dort wegzukommen.« Ich sehe schon den verurteilenden Blick meiner Eltern vor meinen Augen, wenn sie wüssten, dass die Sache wirklich durchziehe. Deswegen ist es das Beste, wenn sie nichts davon erfahren und auch niemals mitbekommen, dass ich zu Hause sein werde. »Wie du möchtest, dann sehen wir uns übermorgen, ich schreibe dir noch alle Informationen. Bis dann.«
Ein freundliches bis Freitag kam mir über die Lippen und beende ich den Anruf. Dieses Arschloch! Warum muss er es mir so schwermachen? Warum kann er nicht einfach diese blöden Papiere unterschreiben und aus meinem Leben verschwinden? Gedankenverloren, was dieser Idiot mit mir reden möchte bewege ich mich Richtung meines Schreibtisches. Nachdem ich mich gesetzt habe, öffne ich meinen Laptop und Rufe nach Alice meiner Assistentin an. Keine Minute später klopft es an meiner Bürotür und Alice tritt herein. »Was kann ich für Sie tun Mrs. Kulikow?« Ich habe Alice schon so oft gesagt, dass Sie mich nicht so förmlich ansprechen braucht, dass sie mich einfach Julia nennen soll. Doch Sie sträubt sich dagegen, sie meint sie müsse es sich zuerst verdienen, bevor sie mich so vertraut ansprechen darf, bis dahin wird Sie mich förmlich als Mrs. Kulikow ansprechen. »Buche mir bitte einen Flug nach Hause.« Sie sieht mich erstaunt an, wagt es sich aber nicht etwas zu sagen. Was ich gut finde, denn ich habe keine Lust mich auf ein Gespräch einzulassen, warum ich nach Hause fliege. Sie nickt und verlässt wieder mein Büro. Mein Blick schwenkte wieder zu meinem Laptop. Ich muss noch etwas Arbeit erledigen, bevor ich die Stadt verlasse. Vertieft in meine Arbeit hörte ich nicht das klopfen an meiner Tür. Erst als ich eine große Gestalt vor meinem Schreibtisch erkannte, blickte ich auf und sah direkt in das Gesicht von Josh. Meinen Stellvertreter. »Hast du verlernt zu klopfen?« Fragte ich ihn amüsiert und mit einem Lächeln im Gesicht, während sich mein Blick wieder auf meinen Laptop legte. »Würdest du nicht so vertieft an deinem Laptop kleben, hättest du gehört, dass ich sogar mehrmals geklopft habe.« Ich höre wie Josh ein tiefes Lachen über die Lippen kommt. Sein Lachen steckte mich sofort an und ich musste sofort mit lachen. Genauso ein Lachen habe ich gerade gebraucht, nach dem enttäuschenden Telefonat. Ich lehne mich auf meinem Stuhl zurück und schaue Josh an. »Was gibt es für ein Problem, dass du nicht lösen kannst und deswegen zu mir kommen musst?« sprach ich amüsiert zu Josh, da ich wusste, dass er zum Reden hergekommen ist und nicht wegen eines Problems. »Es gibt keine Probleme, die ich nicht alleine lösen kann.« Sagte er mit einem strengen, aber auch lockeren Ton von sich. »Ich habe gehört, dass du die Stadt für ein paar Tage verlässt. Ich wollte nur nachfragen, wie lange du vorhast weg zu bleiben.« Ich sehe ihm die Neugier an. Ich glaube er wollte eigentlich fragen, wo ich hingehe und wieso. Ich kenne Josh, er ist ein sehr neugieriger Mensch und vor allem bei meinen Angelegenheiten möchte er keine Informationen verpassen. »Ich werde nur ein paar Tage weg sein, spätestens Montag bin ich zurück. Bitte übernimm solange ich weg bin, meine Termine. Du hast das sagen solange ich weg bin. Ich vertraue darauf, dass es keine Probleme geben wird.« Gerade als Josh etwas sagen wollte klopft es an meiner Tür. »Herein« Alice öffnet dir Tür und tritt hinein. »Mrs. Kulikow Sie müssen den Flieger heute um 19 Uhr nehmen. Die Fluggesellschaften streiken die nächsten zwei Tage. Der nächste Flug wäre erst am Samstag 10 Uhr.« Natoll nicht nur, dass ich zurück nach Hause muss, jetzt muss ich auch einen Tag als früher geplant nach Hause. Hoffentlich erfahren meine Eltern nicht, dass ich nach Hause komme, dass würde mir gerade noch so fehlen. »Dann buche mir bitte diesen Flug.« Mein Blick gleitet zu meinem Handy, um zu schauen wie viel Uhr wir haben. Als ich 16 Uhr auf dem Bildschirm lese, stelle ich fest, dass es nur noch drei Stunden zu dem Flug sind. Ich muss mich beeilen, wenn ich noch diesen Flug bekommen möchte. Hastig fahre ich meinen Laptop herunter und packe meine Sachen in meine Handtasche ein. In meiner Hektik habe ich nicht bemerkt, wie Josh mein Büro verlassen hat. Ich schreibe ihm später eine Nachricht. Nachdem ich meine ganzen Sachen zusammengepackt habe mache ich mich auf den Weg. Draußen vor meinem Büro halte ich an Alices Schreibtisch, um ihr zu sagen, dass Josh meine Termine übernimmt und dass er das sagen hat, solange ich weg bin. Unten in der Tiefgarage angekommen wartet Manuel mein Fahrer schon auf mich. Eröffnet mir die Tür und ich steige ein. Ich informiere in darüber, dass er mich nach Hause fahren soll, aber nicht wegfahren soll, da ich meinen Koffer packen werde und dann direkt zum Flughafen muss. »Mrs. Kulikow soll ich für Sie einen Fahrer in New York organisieren?« Ja antworte ich Manuel bevor ich wieder aus dem Fenster schaue und mir die Gedanken verdrehe, was mich zu Hause erwarten wird.
Nach einer Weile, in der ich in meinen Gedanken vertieft war stoppt der Wagen vor dem Gebäude in dem sich mein Apartment befindet. Manuel öffnet mir die Tür und ich steige aus. In meinem Apartment angekommen hole ich meinen Koffer und packe Kleidung hinein. Da ich so schnell wie möglich wieder von da weg möchte, packe ich nur das nötigste ein. Nachdem mein Koffer fertig gepackt war wollte ich gerade los als ich bemerkte, dass ich immer noch in meinen Arbeitsklamotten stecke. Ich werde 5 Stunden fliegen, ich sollte etwas Bequemeres anziehen. Ich gehe zurück in mein Schlafzimmer in Richtung meines Kleiderschrankes. Ich nehme aus meinem Kleiderschrank eine helle blaue Jeans, ein weißes Oversized T-Shirt, einen grauen Hoodie und meine Lieblings Lederjacke heraus. Nachdem ich alles angezogen habe, steuere ich das Wohnzimmer an um nochmal kurz nach meinen Babys zu schauen bevor ich gehe. Im Wohnzimmer angekommen sehe ich meine drei wunderschönen Katzen auf dem Kratzbaum liegen. Ich laufe auf sie zu und gebe ihnen noch etwas liebe bevor ich für einige Tage weg bin. »Mama wird nicht lange weg sein. Solange ich nicht dabin wird sich Claudia gut um euch kümmern.« Claudia ist meineHaushälterin und kümmert sich immer wundervoll um meine Katzen, wenn ich mal geschäftlich verreisen muss. Nachdem ich mich von ihnen verabschiedet habe nehme ich meinem Koffer und laufe runter zu Manuel.
Am Flughafen angekommen atme ich erleichtert auf, da es erst 17:30 Uhr ist und ich es rechtezeitig geschafft habe. Nachdem ich eingecheckt und meinen Koffer abgegeben habe ging ich Richtung Terminal. Leider war die First-Class schon ausgebucht und es gab nur noch einen Sitz in der Business-Class. Ich wollte eigentlich in Ruhe noch im Flugzeug arbeiten, aber ich denke in der Business-Class sollte das aber auch kein Problem darstellen.
Die Zeit ist gekommen. Die Passagiere werden zu dem Flug aufgerufen. Nervös stehe ich auf und nehme meine Tasche in die Hand. In langsamen Schritten schreite ich nervös auf das Gate zu, wo das Boarding stattfindet. Ich gebe der Mitarbeiterin mein Ticket damit sie es einscannen kann. Nachdem sie eseingescannt hat, lächelt sie mir freundlich zu und wünscht mir einen guten Flug. Nervös stehe ich wie angewurzelt vor dem Eingang, denn ich traue mich nicht weiterzulaufen. Was wenn es nicht so abläuft wie ich es möchte? Was wenn er die Papiere auch nicht nach dem Gespräch unterschreiben möchte? So viele Fragen die in meinem Kopf herumschwirren auf die ich keine Antwort habe oder mich vor der Antwort fürchte. »Mrs. Sie müssen bitte weitergehen.« Ich blicke in das Gesicht einer hübschen Flugbegleiterin. Ich lächle sie freundlich an und entschuldige mich. »Auf geht’s zurück in meine Vergangenheit.«