wet wet wet
Dieser Herbst begann dunkel, verregnet und stürmisch. Zu schnell wurde es schon sehr kalt. Ein Windstoß blies mir den Mantel auseinander. Fluchend zog ich ihn wieder um meinen Leib und hielt ihn an Ort und Stelle. Knöpfe oder ein Gürtel wären jetzt gut gewesen. Ein Regenschirm auch, aber dumm, wie ich war, schätzte ich die Wolkendecke beim Losgehen als vorübergehend und ungefährlich ein. Jetzt lief mir der Regen in den Kragen und kalt den Rücken hinab. Eine Gänsehaut schüttelte meinen Körper. Das Lächeln auf meinen Lippen hatte ich beinahe nicht bemerkt. Ich war glücklich!
“Entschuldige bitte..“, kam es so plötzlich von direkt neben mir, dass ich erschrocken zur Seite auswich und vom Weg abkam. Auf dem nassen Laub rutschte ich zu allem Übel auch noch aus. Fluchend streckte ich meine Arme zur Seite aus und fing mich mit breit auseinander stehenden Beinen. Mein Blick fuhr hoch zu dem Mann, der mich leicht schmunzelnd ansah. Sofort schoss Hitze in mein eiskaltes Gesicht.
“Fuck.“, murmelte ich, als ich zurück auf den nassen Sand des Parkweges trat, “Warum?”
“Ich wollte dich nicht erschrecken.“, gab er entschuldigend zu verstehen und trat etwas von mir zurück.
Ich schüttelte den Kopf und zog mir den Mantel wieder um den Leib. Ich wollte erwidern, aber als ich ihm in die Augen sah, blieben mir die Worte im Hals stecken. Ein warmes Grün sah auf mich hinab. Er legte seinen Kopf etwas schräg und rang mit seinem Schmunzeln. In dieser Woche hatte ich schon viele Menschen gesehen und ich war mir sicher, alle von ihnen waren Briten, aber er- er traf genau ins Schwarze des Klischees. Blasse, ebene Haut, dunkle Locken, die ihm Nass im Gesicht klebten, der Kopf tief zwischen den Kragen seines schwarzen Trenchcoats gezogen- was nicht passte, waren die grünen Augen. In meinem Kopf hatte ich mir immer vorgestellt, in ihn hinein zu laufen und dabei Kaffee zu verschütten und ihm einen neuen auszugeben oder er mir, während seine blauen Augen meine nicht los lassen konnten. Das Grün war so anders, aber viel passender. Und er war groß. Groß, gutaussehend, Brite und nass. Ein Hauch eines Kribbelns zog durch meinen Magen.
“...dass du mir vielleicht helfen könntest?”
“Huh?“, ich blinzelte ihn an, als er mich aus meinen Gedanken riss, “Was?”
Er leckte sich über seine Lippen und sah auf den Boden- ganz offensichtlich versuchte er, sein Lachen zu unterdrücken. Zu spät realisierte ich, dass ich ihn anstarrte und zwang mich, immer Mal wieder woanders hinzuschauen.
“Der Wind ist sehr laut, tut mir Leid.“, sagte ich hastig, um meine Reaktion zu erklären, aber die Erklärung war lächerlich.
“Ja, der Wind ist heute..“, er machte eine Pause, bevor er mich etwas zu ernst ansah, “..außergewöhnlich stark.”
War das Sarkasmus? Machte sich der Fremde über mich lustig? Ich könnte es ihm nicht verübeln. Wenn ich auch nicht das perfekte Klischee mit dem Kaffee bediente, war ich doch ausreichend tollpatschig und verpeilt. Ich spürte wieder eindeutig die Hitze in meinem Gesicht und sah jetzt auf den Boden. schob mit meinen Fuß ein paar kleine Steine hin und her. Versuchte, alles zu tun, außer ihn weiter anzustarren. Er wusste wahrscheinlich schon Bescheid, was in meinem Kopf vor sich ging. Woran ich gedacht habe, als ich ihm nicht zugehört hatte. Aber ich musste ihm dafür ja nicht noch eine Bestätigung geben.
“Ich sagte-“, begann er freundlich und trat etwas näher. Sofort schlug mein Herz schneller und ich war gezwungen, ihm wieder in die Augen zu sehen. So dicht vor mir, raubte er mir den Atem. Ich war mir meiner geringen Körpergröße plötzlich sehr bewusst. Wie es sich anfühlen musste, sich auf die Zehenspitzen stellen zu müssen, um ihn zu küssen?
Mit erhobener Stimme, fuhr er fort und riss mich wieder aus meinen Gedanken. Zum Glück. “Ich bin etwas verloren und mein Akku ist leer- könntest du mir weiter helfen?”
“Verloren?“, mir fiel es immer noch schwer, mich von seiner Nähe nicht ablenken zu lassen. Einen klaren Gedanken zu fassen.
“Ja- ich lebe in London und komme nur her, um-”
“Ich kann dir helfen.“, unterbrach ich ihn. Ich wollte ihm nicht das Gefühl geben, sich erklären zu müssen, “Ich bin erst seit einer Woche hier und kenne mich auch nicht aus. Aber mein Akku ist nicht leer.”
Ich atmete tief ein und aus, während ich mein Handy heraus holte und google Maps öffnete.
“Ich komme aus Deutschland.“, sagte ich nervös in die Stille hinein.
“..okay.“, sagte er nur und ich war froh, ihn nicht ansehen zu müssen.
‘Ich komme aus Deutschland? Warum- warum?!’
“Möchtest du selber schauen, oder...“, ich hielt ihm das Handy hin. Statt es anzunehmen, trat er noch näher, um mit auf den Bildschirm schauen zu können. Ich musste tief ein und aus atmen.
“Ich muss zum nächstmöglichen Store.”
Während ich es eintippte, zitterten meine Finger und ich hätte schwören können, dass ich ein leises Lachen neben mir hörte. Ich war einfach lächerlich!
“Kalt heute, hm?“, meinte er und ich nickte. Erleichtert atmete ich aus. Süß von ihm, dass er meine zitternden Hände mit der Kälte entschuldigen wollte.
Der Regen auf dem Bildschirm störte die Sensorik, sodass ich es immer wieder an meiner Kleidung trocken reiben musste. Die Zeit zog sich zäh dahin und ich spürte ihn viel zu sehr in meinem Rücken.
“Ich habe meinen Regenschirm vergessen.“, sagte ich in die Stille hinein. Das Handy lud viel zu langsam. Nur schwer konnte ich mich davon abhalten, die Seite immer wieder zu aktualisieren.
“Er hätte dir bei diesem Wind wenig genützt.“, lachte er. Ich kam nicht dazu, darüber nachzudenken, ob er wieder über mich lachte- er redete weiter: “Ich lasse meinen oft zu Hause. Ein guter Mantel ist besser, als ein Regenschirm.”
“Mein Mantel hält die Nässe kaum auf.” Ich war erleichtert, dass er das Gespräch suchte.
“Ich kann dir eine gute Marke empfehlen, wenn du magst? Vielleicht...“, er räusperte sich, “...bei einem Kaffee? Die-“, ein Donnern unterbrach ihn und wir sahen gleichzeitig hinauf. Die bunten Blätter an den Bäumen wirkten nur noch braun und grau. Als wir beide gleichzeitig fluchten, trafen sich unsere Blicke wieder und wir lächelten uns breit an. Alles hier war braun und grau und dunkel- nur seine Augen nicht. Diese Augen mit den langen Wimpern, in denen sich die Regentropfen fingen. In meinem Bauch wurde es warm. Und das zarte Kribbeln, wurde lauter, als ich begriff, was hier neben den Mänteln wirklich passiert war.
Ich schrie mich an. Ich hätte mich am liebsten selbst geohrfeigt.
‘Ja, ich würde sehr gern einen Kaffee mit dir trinken.’
Egal, wie oft ich den Satz in meinem Kopf wiederholte, er blieb drin. Kein Ton kam über meine Lippen. Das einzige, wie ich mein starren weniger unangenehm machen konnte, war, meinen Mund geschlossen zu halten. Er leckte sich über die Unterlippe und sah leicht schmunzelnd auf den Boden. Wieder donnerte es.
“Wir sollten weiter..“, sagte er leise und warf mir nur einen kurzen Blick zu, “Das Gewitter soll heute heftig werden.”
Ich brachte nur ein Nicken hervor, dabei wollte ich unbedingt auf die Kaffee-Sache eingehen. Sollte es wirklich so stehen bleiben? Vielleicht dachte er ja, ich hätte seine indirekte Einladung nicht mitbekommen. Es nicht gehört. Schließlich war der Wind ja so laut. Innerlich beschloss ich, dass das die bessere Variante war: Er sollte lieber glauben, ich hätte die Einladung nicht mitbekommen, als dass ich die Situation noch schlimmer gemacht hätte, in dem ich etwas ganz sicher unglaublich peinliches gesagt hätte. Es war eine feige Entscheidung. Und ich hasste mich schon in dem Moment dafür. Allerdings konnte ich das Gefühl gut weg schieben. Wir standen immer noch sehr nah beieinander. Sehr nah. Etwas in mir regte sich. Der Drang, sein Gesicht zu fassen, ihn anzuschreien und anschließend zu küssen, wurde zu groß. Seine Lippen...
‘Du kennst ihn nicht. Du kennst ihn nicht!’, erinnerte ich mich selbst, ‘Und du bist im Eisprung.’
“Ist..“, er räusperte sich und holte mich aus meinem Starren und den peinlichen Gedanken heraus, “Ich meine- wo finde ich den nächsten Store?” Er wich meinem Blick jetzt aus und sah hinab auf mein Handy. Ich folgte seinem Blick.
“Oh..“, brachte ich mitleidig hervor, “30 Minuten Fußweg von hier.”
Er warf noch einen letzten Blick auf die Route, bevor er wieder etwas Abstand von mir nahm.
“Ich bin den Regen und die Kälte gewöhnt.”
“Okay..“, sagte ich und sah schief lächelnd zu ihm auf.
“Okay.” Sein Lächeln! “Wir laufen uns sicher noch ein Mal über den Weg.”
“Sicher!”
Er verabschiedete sich mit einem schmalen Lächeln und lief den Weg zurück, den ich gekommen war. Ich sah ihm noch hinterher, als er sich umwandte. Er hatte den Mund schon geöffnet, um etwas zu sagen, aber als sich unsere Blicke trafen, lächelte er stattdessen breit.
“Shit.“, mit dem Gefühl, ertappt worden zu sein, sah ich auf mein Handy und tat so, als würde ich selbst noch nach etwas suchen. Hitze schoss mir in die Wangen.
“Danke für deine Hilfe!“, rief er und ich sah vorsichtig wieder zu ihm hinüber. Er winkte mir zu und ich winkte zurück. Dann bog er ab, Richtung Hauptstraße und ließ mich in dem kalten Regen zurück. Mein Gesicht und jetzt auch mein Bauch glühten. Wie kann ein Mensch so attraktiv sein?
Nach ein paar Sekunden, konnte ich mich von dem leeren Spot lösen, wo er verschwunden war, mich umwenden und weiter laufen. Der Wind wurde immer stärker, peitschte mir den Regen ins Gesicht und es wurde dunkel. Immer wieder zuckte ein Blitz durch die Wolken und ein Donner grollte. Das Rauschen der Blätter in den Bäumen war laut- es war wirklich sehr laut!- und der fein säuberlich geräumte Weg, war wieder übersäht mit nun nassem Laub. Ich versuchte, nicht an ihn und die Situation zu denken. Ich versuchte mich zu erinnern, woran ich gedacht habe, bevor er mich erschreckt hatte. Aber ich konnte an nichts anderes denken, als an all meine peinlichen Antworten und Reaktionen.
Besonders ein Gedanke begleitete mich nach Hause: Ich hätte seine Einladung annehmen sollen. Ich hätte nach seiner Nummer fragen oder ihm meine geben sollen. Wenigsten nach seinem Namen hätte ich fragen können! Da passierte das Klischee, auf das ich insgeheim immer gehofft und gewartet hatte und ich verpatzte es! Ein wunderschöner Brite sprach mich an, lud mich sogar auf einen Kaffee ein und alles, was ich zu sagen hatte, war, dass ich aus Deutschland kam und der Wind besonders laut wäre. Ich verfluchte mich selbst.
Als ich meine Wohnungstür öffnete und sofort in meiner Küche und meinem Schlafzimmer und meinem Wohnzimmer stand, dachte ich darüber nach, was ich hätte anders machen können. Wie das alles dann verlaufen wäre. Gemütlich in einem warmen Cafe am Fenster, während der Regen dagegen prasselte. Eine heiße Tasse Kaffee und einen unglaublich sympathischen und gut aussehenden Menschen vor mir. Unsere Füße hätten sich vielleicht berührt. Ich wäre die ganze Zeit rot gewesen und er hätte sich auf unaufdringliche Weise darüber lustig gemacht. Vielleicht wäre er ja selbst rot geworden?
Wütend schlug ich die Tür zu meinem fensterlosen Bad auf und rubbelte mir fast aggressiv die Haare trocken. Wie konnte ich mir diese Gelegenheit entgehen lassen? War das nicht immer mein Traum gewesen? In Großbritannien Liebe zu finden? Ich lachte über meine kitschigen Gedanken, während ich mir einen Tee kochte.
‘Bist du 12?’
Fluchend über meine Dummheit, setzte ich mich auf mein Bett und klappte den Laptop auf. Ich schrie in mich hinein, machte meine Lieblingsserie an, scrollte durch mein Handy, versuchte an meinem Businessplan weiter zu arbeiten- aber das nützte alles nichts, um die Situation zu vergessen. Immer wieder tauchte sein Gesicht in meinen Gedanken auf und passend dazu kribbelte es in meinem Bauch. Ich gab mich geschlagen und öffnete ein leeres Word Dokument. Am Ende war das immer noch die beste Strategie für mich, um meine Gedanken zum Schweigen zu bringen. Ich schrieb sie auf und verwandelte sie in eine kitschige, dramatische Story. “Chapter One”
Am nächsten Tag wachte ich mit einem kratzenden Hals und Kopfschmerzen auf. Beste Bedingungen, um den ersten Tag an der Uni zu starten. Ich konnte gerade die erste Woche auf keinen Fall verpassen. Alle AustauschstudentInnen hatten hier Gelegenheit, einander kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen und den Campus kennenzulernen. Und nachdem ich erfolgreich eine Panikattacke verhindert und eine wirklich unglaublich tolle Person kennengelernt hatte, fand ich mich am Montag der zweiten Woche in einem großen Hörsaal wieder. Der erste Kurs: Creative Writing.
Mein Blick fuhr über all die Menschen, die mit mir studierten. Und ich war mit 26 Jahren eine der ältesten. Ich hatte das Ziel, ein Lese-Cafe zu eröffnen. Aber ich hatte trotzdem den Wunsch, irgendwann ein Mal ein eigenes Buch zu schreiben und zu publizieren. Und hier wollte ich mein Hobby zur Profession machen. Als ich mich umsah, schrumpfte dieser Wunsch zu einer Hoffnung. Und selbst daran musste ich mich festkrallen, um sie nicht zu verlieren.
“Y/n..“, eine Hand landete auf meinem wippendem Knie, “Stopp!”
Ich sah zur Seite und blickte in große braune Augen. Es schien, als hätte Lilly mich schon immer gekannt. Das gleiche Gefühl hatte ich mit ihr auch, als wir uns begegnet waren. Sofort fühlte ich mich nicht mehr so klein.
“Ich bin nervös.“, gab ich zu.
“Da bist du nicht die einzige.“, schmunzelte sie und deutete auf eine Person drei Reihen vor uns. “Er hat sich vorhin übergeben. Und sie? Sie hat schon den dritten Bleistift zerbrochen. So gut, wie alle hier, kommen aus dem Kichern gar nicht mehr raus. Ich wette, dass sich heute niemand konzentrieren kann.”
“Kichern? Warum Kichern?”
Lilly warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. “Er kommt zu spät.”
“Wer?”
“Der Professor”, schmunzelte sie und beugte sich zu mir, um leiser weiter zu reden, “Er soll jung und heiß sein. Es geht das Gerücht rum, er hätte-” Sie hörte abrupt auf zu reden, als die Tür aufschwang. Ein junger Mann in Jeans und Hoody kam herein und ließ seinen Blick über die Masse schweifen. Er war normschön, aber als besonders ‘heiß’ hätte ich ihn auch nicht beschrieben. Ehrlich gesagt wirkte er eher, wie die Art Typen, denen ich in jedem Fall aus dem Weg gehen wollte. Player. Bei dem Gedanken, dass ich nicht Gefahr laufen konnte, mich in ihn zu verknallen, durchflutete mich Erleichterung.
“Das ist er nicht.“, murmelte Lilly. Und ich wurde nervös. Also bestand doch noch die Gefahr, ich könnte unseren Professor auch heiß finden. Das war wirklich das letzte, was ich wollte. So etwas endete nie gut. Ich wollte Drama auf leere Papierseiten zwingen und nicht selbst erleben.
“Ein Gerücht?“, flüsterte ich, um mich abzulenken, weniger, weil ich es wirklich wissen wollte. Mein Blick folgte dem etwas zu selbstsicher wirkenden Studenten, als er sich einen Platz suchte.
“Ja- deswegen ist er seit diesem Jahr an dieser Uni und nicht mehr in London. Er soll-”
Wieder wurde sie von der Tür unterbrochen. Mir wurde eiskalt, als ich ihn erkannte. Er trug einen schwarzen Wollpullover, den er sich in die braune Stoffhose gesteckt hatte. Dazu schwarze Chucks. Seine heute nicht nassen Haare lagen wild um seinen Kopf herum. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm lösen. Etwas verloren stand er vor der Tür und suchte in dem Stapel Blätter in seinen Armen nach etwas bestimmten. Vielleicht ähnelte er dem Briten aus dem Park auch einfach sehr? Dann hob er seinen Blick, um etwas nervös in den Saal zu schauen. Und der Schock fuhr erneut kalt durch meine Glieder. Diese Augen hätte ich aus tausenden wieder erkannt. Sofort war das Kribbeln zurück. Ich strich mir über den Bauch, aber natürlich verschwand es nicht. Er stand im selben Hörsaal, in dem ich saß! Wir sahen uns tatsächlich wieder! Die Wahrscheinlichkeit, hier in der StudentInnenstadt auf andere StudentInnen zu treffen, war sehr groß. Aber er wirkte älter, als ich, ich hätte nicht gedacht, dass er studierte.
“Das ist der boy aus dem Park, von dem ich dir erzählt habe.“, flüsterte ich Lilly zu und das Kribbeln schoss hinauf in meine Brust. Ein Lächeln baute sich langsam auf meinen Lippen auf.
“Der boy ist unser Professor, y/n!”
Und sofort war das Lächeln auf meinen Lippen zerschmettert. Nein. Es durchfuhr mich eiskalt und ich hätte schwören können, das mein Herz einen Schlag aussetzte. Nein!
“Du musst dich irren..“, murmelte ich, aber es war eher ein Stoßgebet. Kein Drama- ich wollte kein Drama!
Nur langsam sickerte die Nachricht wirklich zu mir durch. Ich wollte es nicht wahr haben. Aber als ich mich umsah, schauten ihm beinahe alle entgegen. Und es war plötzlich totenstill. Nein.. Das konnte unmöglich..
"Erhat dich angesprochen? Du hast Professor Sty-”
“Entschuldigt die Verspätung.“, sagte er laut in die Stille hinein und lachte verlegen, als er offenbar gefunden hatte, wonach er gesucht hatte und nach vorn lief. Dort ließ er den Stapel Papiere auf dem Tisch fallen und atmete tief ein und aus, bevor er sein Blick an uns wandte. “Offiziell bin ich für euch Professor Styles. Aber nennt mich gern Harry. Ich leite den Kurs ‘creative writing’.”
“Nein.“, murmelte ich und schüttelte den Kopf. Ich hätte nicht geglaubt, dass mir noch kälter werden könnte, aber nun fühlten sich meine Gliedmaßen beinahe taub an.
“Seit diesem Semester haben wir ein paar neue Gesichter unter uns. Und um es ihnen so unangenehm, wie möglich zu machen, stelle ich euch die AustauschstudentInnen einzeln vor.”
Leises Lachen ging durch den Saal, während ich so nervös wurde, dass ich begann, zu schwitzen. ‘Nein!’ Mir wurde richtig übel. Aber es gab kein Vorbei. Nach und nach las er die Namen vor und da die erste Person aufgestanden war, um sich allen zu zeigen, taten es alle anderen nach ihr auch. Innerlich beschloss ich, sitzen zu bleiben. Ich konnte gar nicht aufstehen, meine Beine ließen das nicht zu!
“Y/n y/l/n.”
Ich blieb sitzen. Ich blieb sitzen und starrte einfach nur nach vorn. Unfähig zu reagieren.
“Y/n y/l/n?”
Lilly stieß mir ihren Ellenbogen in die Seite und der Schmerz holte mich zurück. Sofort schoss ich in die Höhe.
“Ah!“, sagte er freundlich und es dauerte nicht eine Sekunde, bis ich es in seinen Augen sah. Er hatte mich auch erkannt. Sein Lächeln wurde noch größer, während ich im Boden versinken wollte. Mein eiskaltes Gesicht, wurde jetzt heiß. Ein paar wandten sich zu mir um, um mich mit einem Lächeln zu begrüßen. Doch je länger die Stille anhielt, desto mehr sahen zwischen mir und ihm hin und her. Sollte ich was sagen? Stellte er mich vor? Er hatte auch alle anderen vorgestellt, niemand musste etwas sagen, außer “Hi”. Aber er blieb still- warum sagte er nichts?
“Ich bin-“, begann ich, aber er redete gleichzeitig weiter.
“Y/n belegt die Kurse “Creative Writing” und “Business”. Sie kommt aus Deutschland.”
Bildete ich mir das ein, oder hatte er zum Schluss leise gelacht, als er auf seinen Zettel sah.
“Hi Y/n.“, sagten die anderen StudentInnen im Chor.
“Hi..“, brachte ich hervor und wischte mir die Hände an der Jeans ab.
“Willst du noch etwas von dir erzählen?“, wollte Professor Styles wissen.
Professor Styles.
Ich schüttelte den Kopf und konnte seinem Blick nicht stand halten. Hastig sah ich auf meinen Notizblock. “Nein.”
“Okay. Hi Y/n!“, begrüßte er mich nun auch noch ein Mal und plötzlich wurde mir unglaublich warm. Erst, als er den nächsten Namen aufrief, setzte ich mich. Mein Brustkorb wurde leicht, mein Magen kribbelte- mir wurde wärmer und wärmer. Verknallte ich mich tatsächlich in meinen Professor? Scheiße nein!