Zukunftspläne
"Emilia, kommst du bitte Mal runter?", rief mich meine Mutter mit einer leicht zitternden Stimme.
Ich lag gerade auf meinem Bett und schwelgte in Erinnerungen.
Vor drei Tagen hatte ich mich von meinem Freund getrennt, weil er der Meinung war, nach 5 Jahren Beziehung mal etwas neues ausprobieren zu müssen. Carlos war Geschäftsführer einer Immobilienfirma und ich seine Angestellte im Büro. Wir lernten uns damals bei meinem Bewerbungsgespräch kennen. Er wirkte im ersten Moment eingebildet und eher desinteressiert, so als würde er das Gespräch schnell hinter sich bringen wollen. Ich war damals gerade siebzehn geworden, er sechsundzwanzig. Ich wusste, es war falsch, sich in ihn zu verlieben, aber gegen die eigenen Gefühle kann man nun mal nichts machen. Die meiste Zeit ignorierte er mich und sprach nur das Nötigste mit mir. Als ich nachmittags in den Feierabend wollte und in den Fahrstuhl stieg, kam Carlos angerannt und streckte seine Hand in die Fahrstuhltür, um sie am Schließen zu hindern. Er stellte sich neben mich, hielt einen Chip an ein Display, was sich unter den Knöpfen befand und drücke auf die 6, die letzte Etage im Gebäude. Dort war ich noch nie, fragte mich aber schon immer, was sich dahinter verbirgt. Ich beobachtete, wie sich die Türen langsam schlossen und konnte die kommende unangenehme Stille schon jetzt kaum ertragen. Sobald der Fahrstuhl sich zu bewegen begann, fragte Carlos: "Glaubst du, ich merke nicht, wie du mich immer anschaust?" Ich merkte sofort, wie mir rote Farbe ins Gesicht schoss. "Wie bitte?" Mir rutschte die Frage etwas ernster heraus, als sie klingen sollte. Er grinste. "Du hast schon richtig gehört." Er wurde etwas leiser und kam einen Schritt auf mich zu. "Ich...Ich weiß nicht, was du meinst", stammelte ich. Natürlich wusste ich, wovon er redet. Es war ja kaum zu übersehen, wie ich ihn ständig anhimmelte und wahnsinnig nervös wurde, sobald er etwas von mir wollte. "Glaubst du, ich sehe nicht, wie du mir immer extra deinen Hintern entgegen streckst, wenn du etwas aufhebst oder wie dein Ausschnitt von Tag zu Tag größer wird?" Er kam wieder einen Schritt auf mich zu. Ich versuchte auszuweichen, trat dabei aber gegen die Wand vom Fahrstuhl. Ich fand es unverschämt, dass Carlos mir so etwas direkt ins Gesicht sagt, gleichzeitig erregte es mich aber wahnsinnig. Er hatte ja auch Recht. Die Führungsposition machte ihn unglaublich attraktiv und sexy. Er kam immer näher. Meine Sprache verstummte und ich wusste nicht, was ich hätte antworten sollen. Noch bevor ich widersprechen konnte, drücke er mich mit dem Rücken an die Wand, griff fest, aber dennoch vorsichtig meinen Hals und gab mir einen Kuss. Seine Lippen hörten nicht auf, meine zu berühren. Als ich seine Zunge an meinem Mund spürte, setzte ich mit ein und konnte nicht aufhören. Seine freie Hand wanderte von meiner Hüfte nach unten Richtung rechten Oberschenkel und langsam unter meinem Rock wieder nach oben. Ich schob seine Hand weg, auch, wenn ich gern mehr gehabt hätte. "Wir dürfen das nicht.", flüsterte ich leise, noch voller Adrenalin und ohne glauben zu können, was da gerade passiert ist. "Doch. Ich bin dein Chef und niemand sonst. Also dürfen wir das. Wenn du es auch willst." Ich hörte innerlich schon die Stimme meiner Mutter, die sagte: "Er ist fast 10 Jahre älter als du, er benutzt dich nur!", aber es war mir egal. Ich wollte es. "Ja.", kam zurückhaltend aus mir heraus. "Dann komm." In dem Moment kam der Fahrstuhl zum Stehen und die Türen öffneten sich. Und dann standen wir im sechsten Stock. Carlos nahm meine Hand und zog mich hinter sich her, bis er seine Hände um mein Gesicht legte und mich wieder begann zu küssen. Ich umgriff seine Taille, während wir in ein riesiges Wohnzimmer kamen. In der Mitte stand ein U-förmiges Sofa, auf das er mich leicht schubste. Er kam auf mich zu und zog sein Oberteil aus. Seine Hand glitt erneut unter meinen Rock zwischen meine Beine und ich musste leicht stöhnen, weil ich nicht darauf gefasst war. Ich wusste nicht recht wohin mit meinen Händen, also krallte ich mich im Sofakissen über mir fest. Und so kam es zu unserem ersten Mal, zum Beginn einer wundervollen Beziehung. Fünf Jahre voller Romantik, Zärtlichkeit und Liebe. Ich liebte ihn wie noch nie jemanden zuvor und er mich. Dachte ich zumindest.
Als ich vor zwei Tagen gerade Essen vorbereiten wollte, fiel mir auf, dass ich mein Handy im Büro liegen lassen habe. Carlos war noch arbeiten, weil er ein Projekt dringend fertig bekommen musste. Ich fuhr also mit dem Fahrstuhl nach unten in die zweite Etage und lief in Richtung meines Schreibtisches. Mein Arbeitsplatz lag nur ein paar Meter neben dem Büro von Carlos. Als Chef hatte er einen separaten Raum. Ich wollte ihn fragen gehen, ob er bereits weiß, wann er nach oben kommt und knöpfte meine Bluse ein wenig auf und öffnete meinen Pferdeschwanz, um etwas mehr sexy zu wirken. Ich nahm mein Handy, steckte es in meine Hosentasche und lief in Richtung Büro. Ich wollte gerade klopfen, als ich ein leises Stöhnen durch die Tür hörte. Ich hoffte, dass es nicht das war, was ich dachte und mein Herz begann immer lauter zu schlagen. Ich öffnete sie langsam und erstarrte, als ich Carlos erblickte. Er stand oberkörperfrei mit heruntergelassener Hose vor seinem Schreibtisch, während Lisa Brown, unsere Aushilfe, nackt darauf lag und sich am Tisch fest krallte. Ich konnte seinen schockierten Blick erkennen, als er mich im Türrahmen stehen sah. Er begann sofort, hektisch seine Hose hochzuziehen und den Gürtel zu schließen, während sich Wut in mir ausbreitete. "Das ist also das Projekt, von dem du erzählt hast?" Jetzt merkte auch Lisa, dass sie nicht mehr allein waren und sprang vom Tisch. "Ich kann dir das erklären!", rief mir Carlos nach, als ich mich umdrehte und davon laufen wollte. Mit Tränen in den Augen wollte ich im Erdboden versinken und einfach nur weg. "Du brauchst mir gar nichts mehr erklären! Du hast sie wohl nicht mehr alle! Sie ist neunzehn!" "Schatz, bitte bleib stehen!" Ich rannte zum Fahrstuhl, drückte auf den Knopf und hoffte, dass sich die Türen schnell öffnen. Carlos kam mir hinterher und stolperte halb über den Gang. Zehn Sekunden später stand ich drin und fuhr nach unten ins Erdgeschoss. Ich wollte nicht zurück in unsere Wohnung. Ich wollte nur noch weg von hier. Ich griff nach meinen Autoschlüssel in meiner Hosentasche, ließ ihn aber fallen. Meine Hände zitterten. Ich hob ihn auf und setze mich ins Auto, was circa 20 Meter neben dem Gebäude am Straßenrand stand. Es regnete in Strömen und die Tropfen hämmerten auf das Autodach. Ich brach in Tränen aus und schlug mit der Faust gegen das Lenkrad. Wie kann er mir nur so etwas antun! Wo wir doch so glücklich waren und überlegt haben, zuheiraten und Kinder zubekommen.