Prolog
βGodric? Mein Bruder ist tot?βο»Ώ
Eirik wischte sich fahrig ΓΌber das Gesicht und schloss einen Moment kurz die Augen. Trauer drohte ihn zu ΓΌbermannen, doch der Unglaube an das GehΓΆrte ΓΌberwog noch seine GefΓΌhle.
Das konnte nicht sein.
Sein Γ€lterer Bruder war immer so stark wie ein BΓ€r gewesen. Niemand konnte es mit ihm aufnehmen. Nicht einmal er, Eirik, obwohl er in StΓ€rke seinem Bruder nichts nachstand.
Und nun sollte Godric tot sein?
Eiriks Mutter Fara nahm ihn in ihre Arme, als ob er noch ein kleiner Junge wΓ€re und kein Mann. Sie versuchte, ihn zu trΓΆsten, obwohl sie selbst um ihren Γ€ltesten Sohn trauerte.
βEs war wohl ein Wettkampf, den er mit dem Sohn des Than ausfocht. Es war ein UnglΓΌck. Der Than versicherte uns, dass alles mit rechten Dingen zuging. Er ist selbst erschΓΌttert ΓΌber Godrics Tod. Ich...ich...β
Sie lieΓ ihn los und schlang die Arme nun um sich und zitterte leicht.
Eirik nahm nun selbst seine Mutter in die Arme und wiegte sie, obwohl es ihm schwerfiel, ruhig zu bleiben.
Seine Mutter liebte all ihre Kinder, aber Godric war ihr Γ€ltester Sohn gewesen. Dass er auf einmal nicht mehr da sein sollte, erschΓΌtterte sie.
Er spΓΌrte, wie sie von WeinkrΓ€mpfen geschΓΌttelt wurde.
βWo ist Vater?β, fragte er.
Sie hob ihr Gesicht.
βEr ist sofort aufgebrochen, als er davon hΓΆrte. Er holt Godric nach Hause, um ihm ein angemessenes BegrΓ€bnis zukommen zu lassen.β
Einen Moment war Eirik irritiert, dass sein Vater nicht auf ihn gewartet hatte. SchlieΓlich war Godric auch sein Bruder gewesen und sein Vater wusste, dass er bald wieder von der Jagd zurΓΌckkehren wΓΌrde. Seine Mutter schien zu wissen, was in seinem Kopf vorging.
βDu warst auf der Jagd, mein Sohn. Wir wussten nicht, wann du wieder hier sein wΓΌrdest, denn es kann immer wieder etwas geschehen, was alles verlΓ€ngert. AuΓerdem kennen wir dein Temperament. Du hΓ€ttest sofort nach Vergeltung verlangt. Der Than ist aber ein wichtiger Handelspartner deines Vaters. Egil kann es sich nicht leisten, ihn zu verΓ€rgern.β
Eirik knirschte mit den ZΓ€hnen.
βVerzeih Mutter, aber ich bin nicht dieser Meinung. Handel hin oder her, Vater sollte auf Vergeltung bestehen.β
Sie lΓ€chelte ihn unter TrΓ€nen an.
βDein Vater und dein Bruder haben frΓΌher genauso gedacht. Du bist noch jung, Eirik. Auch du wirst irgendwann lernen, wann es Zeit fΓΌr Vergeltung und wann Zeit fΓΌr Besonnenheit ist.β
Eirik schnaubte.
Er liebte seine Mutter, aber das war nicht die Art der NordmΓ€nner. Zumindest war es nicht seine Art. Seine Mutter war nicht immer eine Frau aus dem Norden gewesen und manchmal hatte man den Eindruck, ihr frΓ€nkisches Erbe wΓΌrde hervorkommen. Gerade im Moment hΓΆrte sie sich wie sein Onkel an, der ein FΓΌrst bei den Franken war. Eirik sah ihn recht selten, aber er erinnerte sich an dessen Worte, die von Ruhe und Besonnenheit geprΓ€gt waren. Es machte ihn noch aggressiver, als er schon war.
Aber er wΓΌrde sich jetzt nicht mit seiner Mutter streiten. Er atmete tief ein, um seine Wut zu dΓ€mpfen.
βHast du schon Boten zu Norien geschickt?β
Ihre Mutter schΓΌttelte den Kopf.
βNein. Ich wollte warten, bis dein Vater wieder zurΓΌck ist. Deine Schwester ist mit ihrem dritten Kind schwanger. Ich will sie nicht zu sehr aufregen.β
Er nickte, aber er war sich sicher, dass Norien es ihnen ΓΌbelnehmen wΓΌrde, dass sie niemand vom Tod des Γ€lteren Bruders unterrichtete.
Norien war nur vier Jahre Γ€lter als er. Vor sieben Jahren hielt ein sΓ€chsischer Than um ihre Hand an. Sein Vater war nicht begeistert davon gewesen, aber Norien liebte diesen Mann ΓΌber alles. Nur deswegen lieΓ sein Vater sie ziehen. Sie war glΓΌcklich bei dem Sachsen, der sie auf HΓ€nden trug.
βWenn Vater hier ist, werde ich selbst zu ihr segeln und ihr die Nachricht ΓΌberbringen.β
Seine Mutter nickte leicht.
Er hob ihr Kinn an.
βDu solltest dich etwas hinlegen, Mama. Γberlasse es mir, die Arbeit zu beaufsichtigen.β
Er nannte sie nicht mehr oft so, aber nun lockte er ihr damit ein LΓ€cheln hervor. Das war von ihm beabsichtigt.
βJa, mein kleiner Nordmann. Das sollte ich wirklich. Ylvie wird dir sicher helfen.β
Er nickte und fΓΌhrte sie in das Langhaus.
Ylvie war die Frau seines Onkels Randulf. Sie und seine Mutter waren schon seit Jahren gute Freundinnen.
In der Halle herrschte bedrΓΌcktes Schweigen. Jeder hier mochte Godric und respektierten ihn als zukΓΌnftigen Jarl, obwohl er eigentlich nicht der leibliche Sohn seines Vaters war. Selbst Eirik hΓ€tte sich Godric unterworfen. Er war der beste Bruder, den sich ein Mann wΓΌnschen konnte.
Eirik brachte seine Mutter in ihr Gemach und verlieΓ dann das Langhaus. Er schnappte sich eine Axt und ging in den Wald.
Er musste seine Trauer und Wut loswerden.
Wenn er schon keinen SchΓ€del einschlagen durfte, dann wollte er sich nΓΌtzlich machen und einen Baum fΓ€llen. Das sollte sein GemΓΌt etwas abkΓΌhlen.

Hier zeige ich Euch wieder das alte Cover, weil ich auch hier finde, es sollte nicht einfach verschwinden. AuΓerdem war es das erste Cover, dass Nancy mir erschuf.