Mondkamm - Die Magie erwacht

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Summary

Die Magie erwacht nicht in dir. Sie ruft dich. Als die fünfzehnjährige Lina Aeris eines Nachts eine leuchtende Feder auf ihrem Fensterbrett findet, ahnt sie nicht, dass es der Anfang ihres neuen Lebens ist. Ohne Abschied, ohne Erklärung wird sie in die verborgene Schule Mondkamm gebracht – verborgen in den Bergen, bewacht von Nebel und alten Schwüren. Dort lernt sie, dass Magie nicht gelehrt, sondern entfesselt wird. Doch Mondkamm birgt mehr als Wissen: uralte Geheimnisse, verschwundene Schüler und ein dunkler Zauber, der wieder zu atmen beginnt. Lina muss sich entscheiden, wem sie vertraut. Denn nicht alle in Mondkamm sind, wer sie zu sein scheinen. Und das Erwachen der Magie… könnte das Ende bedeuten.

Status
Complete
Chapters
72
Rating
n/a
Age Rating
13+

Prolog - Die Erwählte

In einem alten Observatorium, tief in den schimmernden Nebeln eines verborgenen Gebirges, sieht eine Lehrmeisterin ein Zeichen, das seit Jahrhunderten nicht erschienen ist: ein leuchtender Pfad im Himmel. Das Zeichen, dass ein Kind der Magie geboren wurde – aber zu spät erkannt. Die Feder wird geschickt, ein alter Ruf ertönt. Und irgendwo in der Welt… wird Lina Aeris mitten in der Nacht wach.


Der Himmel über den Türmen von Mondkamm war von sternlosem Schwarz, als Meisterin Eloryn Virell die Augen hob. Ihr Gesicht, von Falten gezeichnet und doch voller Ruhe, spiegelte das silberne Licht wider, das langsam wie Tinte auf Pergament über das Firmament floss.

›Es ist soweit‹, flüsterte sie. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch, und dennoch hallte sie durch das weite Gewölbe des Sternensaals.

Die Kugel aus Kristall, die auf dem Steinsockel in der Mitte des Observatoriums thronte, begann zu vibrieren. Ihre Oberfläche war glatt, doch unter ihr tobten Lichtwirbel, als würde ein Sturm im Innersten wüten. Eloryn legte die Fingerspitzen darauf. ›Du kommst spät‹, sagte sie. ›Aber du kommst.‹ Sie griff in ihr Gewand und zog eine Feder hervor – schwarz wie Nacht, durchzogen von silbernen Adern. Kein Vogel auf dieser Welt trug solches Gefieder. Die Feder war ein Bote. Kein Brief. Keine Worte. Nur Ruf. Mit einer einzigen Geste – ein Kreis über der Kugel, ein Schnitt durch die Luft – verschwand die Feder in einer Rauchwolke. Sie war unterwegs.


Weit entfernt, in einer schmalen Dachkammer über dem Blumenladen ihrer Tante, wachte Lina Aeris schlagartig auf. Schweiß klebte an ihrem Rücken, ihr Herz pochte wie wild. Das Fenster stand offen. Der Wind roch nicht nach Regen oder Staub, sondern nach kaltem Stein, feuchtem Moos… und etwas, das sie nicht benennen konnte.

›Was…‹ Sie setzte sich auf. Da lag sie:

Eine Feder. Schwarz. Schimmernd. Fremd. Sie bewegte sich nicht, und doch fühlte Lina, wie etwas von ihr ausging – ein Zittern, ein Drängen, ein Versprechen. ›Ich träume noch‹, murmelte sie. Aber der Traum roch nicht so echt. Und Träume ließen keine Federn zurück. Ein Klopfen an der Wand. Kein Mensch. Kein Tier. Als würde das Haus selbst atmen.

Zur selben Zeit bewegten sich Zahnräder tief in den Kellern von Mondkamm. Alte Mechanismen erwachten, eingelassen in Stein, durchzogen von Lichtadern. Der große Gong, seit Jahrzehnten stumm, schlug ein einziges Mal. ›Die Schule hat sie gespürt‹, sagte Eloryn. Sie lächelte nicht. ›Jetzt ist keine Zeit mehr zu zögern.‹

Lina trat mit nackten Füßen auf den Holzboden. Die Feder zitterte, als hätte sie es gespürt. Und dann – ganz leise – hörte sie es: Ein Flüstern. Nicht laut. Nicht verständlich. Nur ein einziger Gedanke, fremd und doch vertraut, in ihrem Innersten gesprochen: ›Folge dem Ruf.‹ Und als sie blinzelte, war das Fenster nicht mehr offen. Es war verschwunden. An seiner Stelle: ein dunkler Gang aus Stein. Kalt, uralt, und mit Lichtpunkten gesäumt, wie Sternenstaub. Lina trat hinein.