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I'd rather ask for forgiveness than to beg for persmission

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Summary

Das geordnete Leben von Mathematikprofessor Alexander Wolkow gerät gehörig aus den Fugen, als ihm der Straßenjunge Nikita vor den chicen 7er BMW fällt. In einem Anflug selten gekannten Mitgefühlts, nimmt Alexander den Jungen bei sich auf. Er hat ja keine Ahnung, dass er sich mit dem rebellischen Bengel auch eine ganze Menge ungekannter Gefühle mit ins Haus holt. Eine Neuinterpretation von "My fair Lady" als Gay Romance.

Status
Complete
Chapters
74
Rating
5.0 8 reviews
Age Rating
18+

1.1

Alexander starrte angestrengt gegen den einsetzenden Schneeregen an, als könnte Willensstärke allein diesem Einhalt gebieten.

Die Scheibenwischer schrammten über das Glas der Windschutzscheibe. Ein gleichbleibendes, durch Mark und Bein gehendes Stakkato.

Hin-her, hin-her, hin-her.

Es war nervtötend.

Die bunten Lichter hinter dem mit Wasser besprenkelten Glas flirrten und flimmerten wie Irrlichter in der Dunkelheit; die penetranten Leuchtreklamen sandten ihr kaltes, surreales Licht in die Nacht hinaus und bereiteten ihm langsam, aber sicher stechende Kopfschmerzen.

Er wollte nur noch eines: nach Hause. Auf schnellstem Wege.

Allerdings gestaltete sich das derzeit schwieriger als gedacht.

Warum zum Teufel mussten sie den äußeren Ring dichtmachen? Und das noch dazu an einem Feiertag.

Das war doch von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Unwillkürlich verdrehte Alexander - nicht zum ersten Mal an diesem Tag - die Augen.

Energischer als notwendig legte er den dritten Gang ein und stellte die Frequenz der Scheibenwischer höher.

Das Schrappen wurde noch lauter. Es fraß sich wie Säure in seine Gehirnwindungen.

Er konnte sich selbst nicht recht erklären, wieso es ihn ausgerechnet hierher verschlagen hatte.

Wobei doch … sein Navigationsgerät schien einen verqueren Sinn für Humor zu haben. Oder sah ihn schlichtweg gerne leiden.

Die Gegend, rund um den Hauptbahnhof, weitab des eleganten Admiralitätsdistrikts, war nicht grundlos ein als Moloch verrufenes Fleckchen Erde. Die grelle Kleidung der Damen auf dem Bürgersteig machte selbst den Neonreklamen Konkurrenz.

Und er fiel auf.

Das wusste er. Mit dem Wagen alle Mal. Nicht nur ein wasserstoffblonder Kopf wandte sich interessiert nach ihm um.

Alexander schüttelte sich und umgriff das Lenkrad fester.

Herrje, das erweckte definitiv den falschen Eindruck … er warf einen schiefen Blick auf sein Navigationsgerät, das mit quäkiger Computerstimme die Wegbeschreibung herunterbetete. Er hätte sich die Strecke vorher definitiv genauer ansehen sollen.

Lautes Rufen und Schreien, das selbst durch die geschlossenen Türen und Fenster in den Innenraum des Wagens drang, ließ ihn abrupt den Blick heben. Er fuhr langsam, ließ den Blick suchend schweifen, bis er die Ursache des Tumults erspähte.

Zwischen den aufgedonnerten Damen schien sich eine Gruppe Jugendlicher auf dem Bürgersteig … zu prügeln? Unweigerlich zog Alexander die Augenbraue in die Höhe.

Was zum Teufel taten denn Kinder hier?

Noch dazu um diese Uhrzeit?, schoss es ihm durch den Kopf, ehe kein einziger weiterer Gedanke mehr in seinem Schädel Platz fand.

Es geschah wie in Zeitlupe.

Fassungslos, mit weit aufgerissenen Augen, sah Alexander dabei zu, wie einer der Jungen mit brachialer Gewalt von zwei anderen an den Schultern gegriffen und rücklings auf die Straße geschubst wurde.

Direkt vor sein Auto!

Scheiße!

Sein Kopf war mit einem Schlag eine leere Halle, er handelte instinktiv.

Mit aller Kraft drückte er das Bremspedal durch, bis es hart gegen das Bodenblech stieß, er spürte wie sein Oberkörper nach vorne gerissen wurde und schmerzhaft im Sicherheitsgurt hängen blieb. Das Quietschen der Reifen, das Ruckeln des greifenden ABS’. Sein Herz hämmerte schnell und hart hinter seinem Adamsapfel, als wollte es sich aus seiner Kehle freisprengen.

Fuck!

Seine Finger waren noch immer eisern um das Lenkrad verkrampft. So sehr, dass die Knöchel der Gelenke hart und weiß hervortraten. Das Leder unter seinen Handflächen wurde rutschig.

Der Wagen stand. Und sein Herz polterte.

Die Scheibenwischer schrammten noch immer unbeeindruckt im gleichbleibenden Rhythmus über die Windschutzscheibe. Sie waren einen Herzschlag lang das einzige Geräusch, das er vernahm, ehe ihm das Navi ein „Bitte wenden“ entgegenplärrte.

Es dauerte eine Schaltsekunde, bis Alexander es realisierte.

Er hatte den Jungen angefahren!

„Um Gotteswillen!“

Seine Finger zitterten so sehr, dass er das Gurtschloss erst im dritten Anlauf öffnen konnte, mit wackeligen Beinen stürzte Alexander aus dem Auto auf die regennasse Straße und warf einen panischen Blick vor den dampfenden Kühlergrill.

Auf dem schillernden Asphalt lag ein dünner Junge, in einer für das Wetter ebenfalls viel zu dünnen Blouson-Jacke, der sich mit unkoordinierten Bewegungen soeben versuchte, auf den Unterarmen aufzurichten. Die Jacke rutschte ihm dabei in die Armbeuge, entblößte einen fadenscheinigen, grauen Pullover, der sich binnen Sekunden mit Wasser vollsog.

„Geht es dir gut?! Bist du verletzt?!“, platzte es auch schon aus Alexander heraus, seine Stimme überschlug sich in seinem Rachen, als er mit zwei schnellen Schritten vor dem Jungen in die Hocke ging. Seine Finger zuckten. Er wollte den Jungen berühren, doch schwebten sie tatenlos wenige Zentimeter über den schmalen Schultern.

Statt seiner Finger huschten seine Pupillen über den Körper, flackerten unstet über ein blasses Gesicht, in das der Wind in just diesem Moment einige feuerrote Haarsträhnen peitschte. Der Junge rührte sich mit langsamen, seltsam abgehackt wirkenden Bewegungen und sah ihn verwirrt aus blauen, viel zu tief in ihren dunkel umrahmten Höhlen liegenden Augen an.

„Ich … denke schon“, murmelte der Junge und schien jetzt erst zu realisieren, wo er sich befand. Seine Hände bebten als er sie sich vor das Gesicht hielt und die Schürfwunden betrachtete, als könne er nicht begreifen, wie diese zustande gekommen waren.

Der Junge stand eindeutig unter Schock.

Alexander biss sich hart auf die Unterlippe. Die Schürfwunden sahen fies aus, aber … sein Blick glitt erneut die schlanken Gliedmaßen hinab.

Die Stimmen der umherstehenden Zuschauer wurden lauter. Übertönten sogar das Rauschen und Pfeifen des Schneeregens und drängten sich vehement in Alexanders Geist.

Okay … so wie es aussah, hatte er tatsächlich noch rechtzeitig gebremst.

Außer den aufgeschürften Händen und einem aufgeschürften Knie, das unter der zerrissenen Jeans zum Vorschein kam und hellrotes Blut auf den dunklen Straßenbelag spuckte, hatte der Junge keine äußerlichen Verletzungen.

Wobei … fuck.

„Wie heißt du? Wie alt bist du? Kannst du mir sagen welcher Tag heute ist?“, stieß Alexander ohne Punkt und Komma hervor und betete zu Gott, dass der Junge sich nichts am Kopf getan hatte.

Die Hände sackten abrupt in seinen Schoß. Die blauen Augen sahen ihn verwundert an, als verstünde er nicht, wieso ihm diese Fragen gestellt wurden.

„Nikita. Ich bin neunzehn und heute ist Tag der Verfassung.“

Alexander nickte heftig. Der Tag stimmte.

Aber Herrgott, nach neunzehn sah die halbe Portion wirklich nicht aus. Nicht einmal einsatzweise. Vielleicht log er auch …

„Kannst du aufstehen?“, fragte er und ließ seinen Blick ein letztes Mal prüfend über den durchnässten Jungen fahren.

Dieser nickte und versuchte sich aufzurappeln. Es sah so erbärmlich aus, dass Alexander ihm mit einem beherzten Griff unter den Armen aufhalf. Sein Blick glitt indes über den Bürgersteig. Die Gruppe Jugendlicher, die ihn überhaupt erst vor sein Auto geschubst hatte, war verschwunden.

Die Ansammlung Schaulustiger löste sich ebenfalls langsam auf, nur dann und wann warf ihm eine der Damen einen beinah mitleidigen Blick zu. So wie es aussah, hatte niemand von ihnen den Aufwand unternommen, Hilfe zu rufen. Alexander verdrehte sich der Magen.

Was sollte er jetzt tun? Die Polizei rufen? Einen Krankenwagen?

Er schob die Gedanken jedoch allesamt beiseite, als er das Zittern unter seinen Handflächen bemerkte. Der Junge fror schrecklich.

„Komm mit ins Auto, da ist es trocken“, entschloss sich Alexander für das nächstbeste und bugsierte den Jungen mit sanfter Gewalt auf den Beifahrersitz seines BMW. Es hatte etwas von einer kaputten Marionette, wie der schmale Körper in dem ausladenden Sitz versank.

Alexander atmete erleichtert aus, als die schwere Tür hinter ihm ins Schloss fiel und er die Stimmen und die immer lauter werdenden Geräusche des Regens aussperren konnte. Die Scheiben beschlugen binnen Sekunden. Sie waren beide triefendnass. Die kalte Nässe fraß sich sogar durch seinen schweren Wintermantel.

„Wird gleich wärmer“, murmelte Alexander, als er die Zündung startete und die Heizung samt Lüftung höher drehte, bevor er mit bebenden Fingern das nächstbeste Krankenhaus in das Suchfeld eingab. „Ich bringe dich jetzt erstmal in ein Krankenhaus.“

Das schmale Gesicht wandte sich ihm so schnell zu, dass die roten Haare nur so flogen und als dünne Fäden an seiner Stirn und den mittlerweile leicht bläulich wirkenden Wangen hängenblieben.

Der Ausdruck in den stahlblauen Augen wurde panisch.

„Kein Krankenhaus …“ Seine Stimme klang fürchterlich hoch. „Bitte …“, setzte er hastig nach und der Ledersitz schien ihn zu verschlingen. „Ich habe keine Krankenversicherung … die schicken mich eh nur weg.“

Die Worte schossen wie Pfeile durch Alexanders Schädel und er ließ stockend die Hand sinken.

Das hätte er sich auch an drei Fingern abzählen können.

So eine kleine Ratte aus der Gosse und eine Krankenversicherung? Natürlich nicht.

Doch … war diese kleine Ratte aus der Gosse in diesem Moment sein Problem.

Was zum Teufel tat er jetzt nur?

Im Endeffekt war es nicht einmal seine Schuld, dass der Junge ihm vor den Wagen gefallen war. Niemand würde ihm einen Strick daraus drehen, doch …

Er hörte das laute Prasseln auf dem Autodach und den Scheiben. Der Schneeregen wurde stärker. So wie es sich anhörte, war er bereits in einen ausgewachsenen Eisregen übergegangen. Er konnte den schlotternden Jungen so jetzt auch nicht wieder vor die Tür setzen. Nicht, ohne dass sich zumindest irgendein Mensch mit Expertise den Jungen angesehen hatte.

Moment mal …

Eilig angelte er nach seinem Handy und taube Finger wischten durch sein Adressbuch.

An: Mascha

Kannst du gleich bitte bei mir vorbeikommen? Es ist dringend. Und bring deinen Arztkoffer mit.

Sascha

Entschlossen drückte Alexander auf den Sendebutton und startete den Motor.

„Ich bring dich erst einmal zu mir“, raunte er und warf einen schiefen Seitenblick auf seinen ungebetenen Fahrgast, der nur noch schwach nicken konnte, ehe er mit dem Kopf gegen die Scheibe gelehnt einschlief.

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Shocking

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Good Writing

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Compelling Plot

4

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Great Character

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Strong Dialog

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Das erste Kapitel hat mich vollkommen überzeugt. Detailgetreu erzählt, sehr guter, wohltuend fehlerloser Schreibstil, spannende Story!

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Vielen Dank fürs Lesen, ich freu mich sehr, dass dir die Geschichte der beiden bisher gefällt :-)

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