Alicia - Der Spiegel Lügt nicht

Summary

Ich war sieben, als ich verschwand. Zwanzig, als ich in einer Zelle aufwachte. Und irgendetwas in mir wusste, dass die Welt, in die ich zurückkehre, nicht mehr dieselbe war. Sie nennen mich verrückt. Ich nenne es Wunderland. Wo Schatten flüstern, Wände atmen und Männer mit Masken keine Gnade kennen. Wo der Hutmacher schweigt - und trotzdem alles sieht. Dies ist kein Märchen. Dies ist mein Wahnsinn. Mein Körper. Meine Zerbrechlichkeit. Und sein Blick, der alles nimmt - was mich menschlich mach

Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Vorwort

ALICIA – Der Spiegel lügt nicht

Vorwort

Das erste, was ich spürte, war der Geruch. Nicht Gestank – nicht direkt. Aber etwas zwischen Metall und nasser Haut, wie rostige Fingerabdrücke auf einem toten Spiegel. Ich war wach, bevor ich die Augen öffnete. Irgendetwas in meinem Inneren zitterte bereits, ein nervöses, kriechendes Gefühl unterhalb der Rippen, als hätte mein Körper vor mir gewusst, dass dieser Tag nichts Gutes bringen würde. Die Matratze unter mir war dünn, durchgelegen und seltsam feucht – nicht nass, nicht sauber, sondern klebrig, wie wenn Haut zu lange an Kunststoff liegt. Ich richtete mich auf. Langsam. Gelenke knackten, als wären sie eingerostet. Das Licht war grell, zu weiß, zu künstlich, und schmerzte sofort in meinen Augen. Es kam von einer flackernden Röhre an der Decke, deren Summen mich mehr verletzte als das Licht selbst. Ich ließ den Blick durch den Raum gleiten. Keine Fenster. Nur Wände, gelblich, rissig, mit dunklen Flecken, die früher einmal Flecken gewesen sein könnten – oder Hände. Die Tür aus Metall, ohne Klinke. Nur ein schmaler Schlitz auf Augenhöhe. Nicht breit genug, um hindurchzusehen. Breit genug, um gesehen zu werden. Ich war allein. Wieder. Oder noch. Mein Körper fühlte sich an, als wäre er nicht meiner. Als wäre ich nur zu Besuch in mir selbst. Das passierte manchmal. In den besseren Tagen. An den schlechteren dachte ich, dass ich nur ein Kleid war – aus Haut, das jemand anderes trug. Ich bin Alicia. Zwanzig Jahre alt. Und ich bin kaputt. Man sagt, ich sei mit sieben verschwunden. Ein ganzes Jahr lang. Und als sie mich fanden, stand ich in einem Brunnen. Nackt. Blutig. Mit einem Lächeln, das nicht zu meinem Gesicht gehörte. Sie sagten, ich hätte in einer Sprache gesprochen, die niemand verstand. Dass ich Tiere beschuldigt hätte. Uhren beschrieben habe, die atmen. Und erzählt hätte, dass man mich in Stücke geschnitten und neu zusammengesetzt hätte. Dass ich mehrmals erwähnt hätte, mein Gehirn sei jetzt falsch herum. Und dass der Hutmacher das absichtlich gemacht habe, weil sonst die Zeit nicht passt. Natürlich hielten sie mich für verrückt. Ein Kind, das aus dem Wald kam, mit Geschichten voller Blut und Wahnsinn. Sie sperrten mich ein. Erst in Kinderhände. Dann in Kliniken. Ich bekam Medikamente. Fragen. Und immer wieder diesen Blick – den Blick von Menschen, die lächeln, während sie denken: Bitte bleib weit weg von meinem Kind. Ich lernte, still zu sein. Zu sagen, was sie hören wollten. Die richtigen Worte. Die richtige Stimme. Die richtige Leere. Und sie glaubten, ich sei geheilt. Bis vor zwei Wochen. Da fanden sie meine Zeichnungen. Ein Mädchen mit aufgeschnittener Kehle. Ein Mann mit einem Zylinder, dessen Zunge an Fäden hing. Eine Katze ohne Haut. Und einen Finger. Wieder und wieder. Immer derselbe Finger. Ich zeichnete ihn mit Adern. Mit Nägeln. Mit Falten. Manchmal hatte er Lippen. Manchmal war er noch warm. Ich erinnere mich nicht an alles. Aber an den Geruch. Wie verbranntes Fleisch in einem Bücherregal. Und an die Stimme, die sagte: Du bist schön, wenn du es tust. Jetzt bin ich wieder hier. In einer Zelle. Ohne Zeit. Ohne Fragen. Ohne Antwort. Und dann sah ich es. Die Wand gegenüber. Dort, wo gestern noch nichts war, waren jetzt Worte eingeritzt. Nicht geschrieben. Geritzt. Bück dich. Die Teestunde beginnt. Ich spürte, wie mein Magen sich zusammenzog, nicht vor Angst – sondern vor Vorfreude.

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Great Character

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Strong Dialog

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