I kissed a ghost

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Summary

Ein Kuss. Ein Geheimnis. Ein Junge, der nie gegangen ist. Als Lina in das abgelegene Internat Falkenstein kommt, rechnet sie mit Langeweile, nicht mit Geistern. Doch dann begegnet sie Elian – einem Schüler, der seit hundert Jahren tot ist. Er ist mehr als nur ein Schatten der Vergangenheit: klug, sanft, verloren. Und er trägt ein Geheimnis, das nie ans Licht kam. Je näher Lina ihm kommt, desto klarer wird: Elian ist nicht nur ein Geist. Er ist ein Echo von etwas, das nie gesagt wurde. Und vielleicht… Eine Liebe, die zu spät kam – aber doch noch etwas retten kann. Eine berührende Geschichte über das Unsichtbare, das bleibt. Und darüber, wie ein einziger Kuss alles verändern kann.

Status
Complete
Chapters
9
Rating
n/a
Age Rating
13+

Stromausfall

Das Licht flackerte zum dritten Mal, bevor es endgültig ausging. Ich blieb mitten im Flur stehen, die Hand noch am Geländer, der kalte Stein unter meinen Fingern. Für einen Moment war alles schwarz – nicht nur dunkel, sondern schwarz wie Tinte, die alles verschluckt. Internat Falkenstein hatte viele Geräusche. Heizungsrohre, die ächzten. Holzdielen, die bei jedem Schritt jammerten. Und wenn es regnete, klang es, als würde der Wind durch eine alte Kehle schreien. Aber jetzt war da nichts. Nur mein Atem. Und das leise Summen meines Handys in der Tasche. Ich zog es raus, schaltete die Taschenlampe ein und hielt sie vor mich. Ein bleicher Lichtkegel tanzte über Steinwände und Porträts längst toter Direktoren. Irgendwo knarrte eine Tür. Ich hatte bloß Durst gehabt. Und vielleicht… Ein bisschen Schlaflosigkeit. Also war ich in die Küche geschlichen. Aber der Weg zurück führte an der alten Bibliothek vorbei – einem Ort, den man uns in der ersten Woche „dringend“ ans Herz gelegt hatte zu meiden. Nicht aus Angst. Sondern aus Respekt. Oder so. Mir war das egal. Ich wollte ein Buch. Also zog ich die Tür zur Bibliothek auf. Staubiger Geruch. Alte Luft. Regale bis unter die Decke, wie Rippen eines riesigen schlafenden Tieres. Ich richtete den Lichtkegel nach vorn – und dann sah ich ihn. Mitten im Raum. Stehend. Still. Ein Junge. Etwas älter als ich. Helles Haar, fast silbern im Licht. Kleidung altmodisch, aber nicht verkleidet. Als würde er einfach… Falsch zurzeit gehören. Er sah mich an. Und lächelte, leicht. Nicht erschrocken. Eher überrascht. Ich wollte etwas sagen, aber mein Mund blieb trocken. Er kam einen Schritt auf mich zu. Ich spürte keine Kälte. Keine Panik. Nur etwas Seltsames, als würde sich mein Herz erinnern, obwohl mein Kopf protestierte. „Du kannst mich sehen“, sagte er leise. Seine Stimme war tief und irgendwie… Müde. Ich nickte, langsam. Er lächelte schief, als hätte er mit einer anderen Reaktion gerechnet. Dann trat er zurück in den Schatten der Bücherregale.„Dann hast du ein Problem“, sagte er. Und verschwand.