Rudi rennt Die Odyssee eines unfreiwilligen Helden

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Summary

Rudi Blaske wollte eigentlich nur Bierschinken kaufen. Stattdessen bekommt er einen USB-Stick in die Hand gedrückt, gerät zwischen vegane Sekten, beige gekleidete Bürokraten, Agenten mit Rollkoffern – und einen Goldfisch namens Kevin, der mehr weiß, als ein Fisch wissen sollte. Was folgt, ist eine irrwitzige Odyssee quer durch Europa: Von dubiosen Klöstern über sensorische Konferenzen bis zum finalen Showdown im Supermarkt. Mit einem Schlabberpulli als Schutzschild, einer Portion Wurstsalat als Orakel und der Wahrheit als ständigem Beifahrer stellt Rudi sich einem System, das den Geschmack kontrollieren will – und entdeckt dabei, dass Mut manchmal in Blasen schwimmt. „Rudi rennt – Die Odyssee eines unfreiwilligen Helden“ ist ein absurdes, kluges und zutiefst menschliches Abenteuer über Manipulation, Aufschnitt und den Widerstand im ganz normalen Leben.

Status
Complete
Chapters
20
Rating
n/a
Age Rating
16+

Die Wurst, die alles veränderte

Rudi Blaske stand an der Frischetheke im REWE seines Vertrauens und schwitzte. Nicht wegen der Temperatur oder dem Gewicht der drei Pfandflaschen in seiner linken Hand, sondern wegen einer Entscheidung von monumentaler Tragweite: Bierschinken oder Fleischwurst?

»Und sonst noch was?« Fragte die Wurstfachverkäuferin, eine Frau mit der Körperspannung eines Sitzsacks, die gelangweilt auf das gewählte Stück Fleisch starrte, als würde sie hoffen, es könnte sich spontan in Urlaub verwandeln. Rudi zögerte. Dann passierte es. ›Ach, was soll’s‹, dachte er, ›heute leiste ich mir was.‹ Er räusperte sich, hob das Kinn und sagte mit der Entschlossenheit eines Mannes, der jahrelang jeden Dienstag Linsensuppe gegessen hatte: »Ich nehme den Bio-Bierschinken. 200 Gramm. Dünn geschnitten. Fürs Brot.« Die Verkäuferin nickte und griff mit einem dramatisch langsamen »Na gut« zum Messer. Ein Schnitt. Zwei. Und dann: das Geräusch, das Rudis Leben in eine vollkommen neue Richtung katapultieren sollte – ein metallischer Klick aus dem Inneren der Wurst. Sie hielt inne.

»Da ist was drin«, murmelte sie.

»Wie bitte?« Sie schnitt das Stück auseinander. In der Mitte der Scheibe glänzte etwas. Etwas, das definitiv nicht auf ein Brot gehörte. Ein kleiner, schwarzer USB-Stick.

»Das ist bestimmt ein Werbegeschenk«, versuchte Rudi, die Situation zu normalisieren. Er lachte auf diese unangenehme Art, wie nur Menschen lachen, die wissen, dass gleich irgendwas richtig Unangenehmes passiert. »Der war da einfach… Drin?« »Offenbar«, sagte die Verkäuferin. Dann schob sie ihm den Stick zu, als würde sie ein benutztes Pflaster loswerden wollen. »Ist jetzt Ihrer. Ich fass sowas nicht an. Ich hab einmal eine Leberwurst aufgemacht, da war ein Kassenbon von 1996 drin. Seitdem – keine Experimente mehr.«


Rudi nahm den Stick. Er fühlte sich leicht und vollkommen harmlos an. Aber irgendetwas daran war… Falsch. Und als er sich umdrehte, um zu gehen, stand plötzlich ein Mann in der Kassenschlange, der auffällig unauffällig aussah: Sonnenbrille in der Gemüseabteilung, ein Ohrstöpsel im rechten Ohr und eine Mütze mit dem Logo der Deutschen Bahn – bei 28 Grad.

Der Mann sah Rudi an. Rudi sah zurück. Dann sah der Mann den USB-Stick in Rudis Hand. Und dann sagte er nur ein einziges Wort. »Laufen.«

Rudi lachte nervös. »Wie bitte?«

»Sie haben keine Zeit. Laufen Sie. Jetzt.« Hinter ihm vibrierte plötzlich die Käsetheke. Etwas summte. Ein unsichtbares Summen, wie von einer sehr teuren Drohne oder einem schlecht gelaunten Mückenschwarm auf Koks. Rudi tat das einzig Logische. Er rannte. Mit drei Pfandflaschen in der linken, einem USB-Stick in der rechten und einer Packung Bio-Bierschinken unter dem Arm, stürmte Rudi Blaske durch die automatische Tür des REWE und hinaus in das Chaos, das fortan sein Leben sein sollte.

Und irgendwo in der Nähe flüsterte eine Stimme ins Funkgerät: »Zielobjekt hat den Köder geschluckt. Operation Bierschinken läuft.«