Blutmond die Gefährtin des Alphas

Summary

Als der Blutmond den Himmel über Haven Creek in blutiges Rot taucht, verändert sich alles. Die junge Lorelai sucht nur eines: einen Ort, an dem sie endlich zur Ruhe kommen kann. Doch kaum trifft sie in dem abgelegenen Dorf ein, wird sie von düsteren Träumen, mysteriösen Begegnungen und einer beunruhigenden Präsenz heimgesucht. Dann begegnet sie Kain – dem gefährlichen, schweigsamen Alpha eines Werwolfrudels, der mehr über sie zu wissen scheint, als er sagt. Er behauptet, sie sei seine Gefährtin, durch das uralte Gesetz des Blutmondes an ihn gebunden. Doch Lorelai weigert sich, ihr Schicksal kampflos hinzunehmen. Während sich Bedrohungen von außen und Spannungen im Rudel zuspitzen, beginnt in Lorelai etwas zu erwachen – etwas, das sie selbst nicht versteht. Und Kain muss sich entscheiden, ob er sie beschützt… oder verliert.

Status
Complete
Chapters
80
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Kapitel 1: Die Fremde im Nebel


Haven Creek lag eingehüllt in den Atem des Waldes. Die Nebel zogen träge durch die Straßen, tasteten mit feuchten Fingern über alte Fassaden, krochen in jede Ritze. Die Welt war still. Zu still.


Lorelai stieg aus dem rostigen Pick-up, den sie von einem zwielichtigen Kerl für ein paar hundert Dollar gekauft hatte. Die Fahrt hierher hatte drei Tage gedauert. Kein Ziel, nur ein Gefühl. Ein inneres Ziehen, als würde jemand an einem unsichtbaren Faden tief in ihrer Brust zerren. Es hatte sie hierher geführt – zu diesem Dorf, das nicht einmal auf einer ordentlichen Landkarte zu finden war.


Sie zog die Kapuze enger über den Kopf. Ihre langen, dunklen Haare waren feucht vom Nebel, ihre Stiefel schwer vom Schlamm des Waldwegs. Vor ihr stand die alte Hütte – brüchiges Holz, ein schiefer Schornstein, Moos auf dem Dach. Perfekt. Abgelegen. Unsichtbar.


Genau, was sie brauchte.


Doch Haven Creek war nicht so schläfrig, wie es wirkte. Und sie war nicht allein.


Die erste Nacht brachte Träume.


Wölfe. Schatten zwischen den Bäumen. Ein Herzschlag, tief und kräftig, nicht ihr eigener. Goldene Augen, die sie durchbohrten. Und ein Name, der durch ihre Gedanken schnitt wie der Ruf eines Tieres: Kain.


Sie erwachte schweißgebadet. Draußen hatte sich der Nebel noch dichter gelegt, aber sie schwor, sie hätte etwas gesehen. Bewegung. Gestalten.


Oder … etwas, das kein Mensch war.


Am zweiten Tag begegnete sie ihm zum ersten Mal.


Sie war in der Stadt. Kaffee holen, Brot, ein paar Vorräte. Die Menschen hier waren wortkarg, zurückhaltend. Manche warfen ihr verstohlene Blicke zu. Andere wichen ihr direkt aus. Nur der alte Mann an der Tankstelle sah sie direkt an und murmelte: „Du bist gekommen. Es hat begonnen.“


Verwirrt trat sie hinaus – und spürte ihn.


Eine Präsenz. Wie eine unsichtbare Welle, die durch den Raum ging. Kalt. Dann heiß. Dann … alles. Ihr Blick flog über den Parkplatz, und da stand er.


Groß. Breitschultrig. In schwarzer Lederjacke, die kaum den massigen Oberkörper verbarg. Dunkle Haare. Bartstoppeln. Und diese Augen: silbern, wie Metall im Mondlicht.


Kain.


Er sah sie an, als wüsste er, wer sie war. Als hätte er sie sein Leben lang gesucht.


Sie wich zurück.


Er trat näher.


„Du solltest nicht hier sein“, sagte er.


„Ich bin genau dort, wo ich sein soll“, entgegnete sie, obwohl ihr Herz raste.


Ein Lächeln zuckte an seinen Lippen. „Du weißt es also noch nicht.“


Dann drehte er sich um und verschwand im Nebel.


Die nächste Woche war ein einziges Fragezeichen. Lorelai spürte es in jeder Zelle: Etwas war anders an diesem Ort. Ihre Sinne waren geschärft. Geräusche im Wald – viel zu laut. Gerüche – zu deutlich. Ihre Träume – intensiver denn je.


Und dann war da immer wieder dieser Mann.


Er tauchte auf. In der Ferne. In der Stadt. Am Waldrand. Beobachtete sie. Sagte nichts. Verschwinden. Wiederkommen. Es war, als würde er sie prüfen. Oder bewachen.


Und sie hasste, wie sehr sie ihn wollte.


In der Nacht des Blutmondes geschah es.


Der Himmel war feurig. Ein unheilvolles Rot lag über dem Wald, als hätte jemand den Himmel angezündet. Der Nebel war verschwunden. Stattdessen: Stille.


Lorelai hörte ein Knacken.


Dann ein Heulen.


Dann wieder Stille.


Sie trat auf die Veranda, barfuß, nur in ihrem langen Hemd. Die Luft war eisig. Und dann hörte sie es: Schritte.


Nicht menschlich.


Etwas näherte sich der Hütte. Schwer. Groß. Keuchend.


Sie wich zurück, suchte nach etwas, das sie verteidigen konnte – zu spät. Ein massiger Schatten sprang aus dem Gebüsch, schneller als ihr Verstand es begreifen konnte. Gelbe Augen. Reißzähne. Kein Hund. Kein Wolf. Ein Monster.


Sie schrie.


Und dann – ein Krachen. Ein Knurren. Ein zweites Tier, größer, wilder, warf sich dazwischen.


Der Kampf war brutal. Fell. Blut. Gebrüll.


Und dann: Stille.


Der Angreifer war fort. Das zweite Tier blieb stehen, keuchend, zitternd. Und verwandelte sich.


Vor ihren Augen – Knochen knackten, Haut zog sich zurück, Fell verschwand – und dann stand er da. Nackt. Schwitzend. Kain.


Sie konnte nicht sprechen. Ihre Knie gaben nach. Er fing sie auf.


„Was … bist du?“ flüsterte sie.


„Deiner“, sagte er. „Ob du willst oder nicht.“


Er trug sie ins Haus, setzte sie aufs Bett. Ihre Haut brannte. Ihr Herz raste. Noch nie war jemand so roh, so wild, so … echt gewesen.


„Du hast dich verwandelt … du bist ein Werwolf …“


„Ich bin Alpha“, sagte er. „Und du bist meine Gefährtin.“


„Das ist verrückt.“


„Das ist Schicksal.“


Sie lachte – hysterisch – und dann weinte sie. Doch er hielt sie einfach nur. Warm. Stark. Unerschütterlich.


Als sie aufblickte, sah sie, wie er sie ansah. Nicht als Beute. Nicht als Spielzeug.


Als Zugehörige.


Er strich ihr das Haar aus dem Gesicht. „Du hast es gespürt. Seit du hier bist. Du weißt es.“


Sie nickte. „Aber ich habe Angst.“


„Dann fürchte dich mit mir.“


Und er küsste sie.


Nicht zärtlich. Nicht vorsichtig. Sondern mit der Gewalt eines Rudelführers, der sein Herz verliert. Seine Lippen brannten auf ihren. Seine Hände erkundeten ihre Taille, ihren Rücken. Sie ließ sich fallen – in ihn, in das, was war, was kommen würde.


Die Nacht war lang.


Und sie war nicht mehr allein.


Ende von Kapitel 1