Kapitel 1
Es war ein warmer Sommermorgen, als Chloe auf dem Weg zu ihrer kleinen Boutique "The Second Change" war und die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer blassen Haut genoss.
Mit ihren 26 Jahren war sie noch recht jung, um eine eigene Boutique zu führen, aber ihre Leidenschaft war es schon von klein auf, Sachen eine zweite Chance zu geben, anstatt sie wegzuwerfen.
Zum Beispiel machte sie aus einer alten Halskette ihrer Oma ein Armband und Ohrringe und überraschte sie damit.
Oder wenn eine ihrer Hosen kaputt war, schnitt sie ein Bein ab und nähte eins einer anderen Hose wieder an, oder nahm anderen Stoff und reparierte so die Hose. "Hauptsache kreativ", sagte ihre Mutter schon, seit Chloe denken konnte.
Chloes Mutter und ihre Oma waren ihre Vorbilder. Ihre Oma nähte immer die Kleidung selbst für ihre vier Kinder.
Auch wenn diese das oft nicht so toll fanden in dem Moment, rückblickend war es total süß, Chloes Mutter mit ihren drei Schwestern auf den Kinderbildern anzusehen.
Und auch ihre Mutter wurde kreativ, um alter Kleidung ein neues Leben zu geben. Sei es als Puppenkleidung, Stoffbeutel oder Rucksäcke.
Es gab keine Grenzen, und auch das lebte Chloe nun weiter.
Sie schloss ihre Boutique auf und drehte das Schild um, sodass jeder wusste, dass ihr kleiner Laden offen war.
Wie sie diese perfekte Lage bekommen konnte, ist ihr immer noch ein Rätsel.
Direkt am Fluss in einer kleinen Stadt am Meer. Auf dem Fluss glitzerte die Sonne, und die Boote schaukelten friedlich hin und her. Der Fluss mündete nur ein paar hundert Meter weiter ins offene Meer.
Chloe startete ihren Laptop und checkte ihre E-Mails. Eine Bestellung mit neuer alter Kleidung sollte heute ankommen. Ansonsten sollte es ein ruhiger Tag werden.
Gerade als Chloe die ersten alten Stoffreste aus einer großen Holzkiste sortierte, hörte sie die Ladentür klingeln. Es war noch früh, und sie rechnete nicht mit Kundschaft.
Ein Mann trat ein, groß, aber nicht einschüchtern, eher von der Art, die sofort auffällt, weil sie irgendwie falsch wirkt in der Normalität. Wie jemand, der sich bemüht, nicht aufzufallen, aber genau dadurch alle Blicke auf sich zieht.
Er trug eine schlichte Jeans, ein weißes T-Shirt und eine dunkle Stoffjacke. Die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen, obwohl draußen die Sonne brannte.
„Hi“, sagte er, seine Stimme ruhig, fast weich.
„Bist du Chloe?“
Sie nickte zögerlich. Seine Augen trafen ihre, blaugrün, wie das Meer an einem bewölkten Tag.
Irgendetwas in seinem Blick ließ sie kurz die Luft anhalten. Nicht, weil sie ihn kannte, sondern weil er ihr dieses seltsame Gefühl gab, dass die Welt draußen für einen Moment leiser wurde. Wärme. Nicht kitschig, sondern auf eine bodenständige, ehrliche Art.
„Ich hab von deinem Laden gehört“, sagte er und lächelte leicht.
„Und... ich suche was Besonderes.“
Chloe musste grinsen.
„Da bist du bei mir genau richtig. Ich gebe alten Dingen eine zweite Chance.“ „Dann sind wir schon zwei“, antwortete er, und in diesem Moment hatte sie keine Ahnung, wer da wirklich vor ihr stand.









Ah! Endlich habe ich wieder einmal eine Geschichte entdeckt, die aus der Perspektive einer dritten Person geschrieben ist. Liest sich bisher sehr gut 👍
Ein wirklich schöner, etwas mysteriöser Einstieg in die Geschichte, der mir viel Lust macht, weiter zu lesen.