Von der Liebe

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Summary

Lass doch verzaubern…

Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
13+

Das Auge

Weit entfernt von hier, vor langer langer Zeit, gab es einmal ein Land namens Oriana. Doch unter diesem Namen kennt man es heute nicht mehr, heute heißt es Ektozenien.

Einst ein Land, das Mitten in der Blüte stand, war nun in Schutt und Asche gelegt. Der Staub hängt so schwer in der Luft, dass man sich einbilden könnte, mit jedem weiteren Atemzug ein Stück des eigenen Körpers, gegen den teuflischen Dreck eintauschen zu müssen. Die Partikel nehmen dich langsam, aber sicher ein, kriechen unter deine Fingernägel, schlagen sich auf deine Haut, dringt durch die Poren in die Haut ein bis die verschmutze Luft dich ganz erfüllt und du sagst, ja so bin ich, so war ich schon immer und alles um mich herum.

Früher einmal war das ganz anders, Oriana war ein glückliches Land, indem sowohl die Männer, als auch die Frauen geachtet wurden. Ein Ort der Chemie, der Kultur und der Düfte. Düfte wohin es einen führte, in der Mitte der gleichnamigen Hauptstadt stand ein Brunnen mit so klarem Wasser, dass die Frische wie ein Benetzen der Augen für die Seele war. Es war so klar, dass man trotz der Hitze - denn in Oriana ist es warm - das Klirren des kühlen Brunnenwassers zu hören meinte, wenn man nur allzugut hinhorchte. Unweit daneben befindet sich ein großer Steinofen, in dem Leibe Brot kleben. Die Seelen heben und senken sich langsam, bevor sie von den Bäckerinnen gewendet werden. Ein würziger Duft liegt dann in der Luft, von Mehl und Koriander und manchmal mischt sich ein süßer Rosinenduft mitunter und formt eine leise Melodie, in der Komposition seiner Stadt.

Ferner sieht man auch kleine Cafés in denen die Frauen an eknem Freitag eines am liebsten bestellen: Eine aufgeschäumte Mandelmilch mit Nelken, Sternanis, Zimt, manchmal einer Prise Muskat und nicht fehlen darf ein Schuss Rosenwasser. So sitzen die Damen unter den Markiesen von den kühlen Morgenstunden bis zum Mittag, wenn die Gebetsstätten sich mit Menschen und Gebeten füllen. Man könnte vieles über diese Stadt behaupten, eine sehr traditionelle Stadt - wobei man traditionell nicht fälschlicherweise für etwas Schlechtes und nicht für etwas Gutes halten sollte; eine Stadt in der auffallend wenige Männer lebten - oder scheint es nur um diese Zeit im Viertel Hosiana so? Manch einer, so wie der große Dichter D. hätte sie sicher als eine Utopie, als etwss unwirkliches beschrieben oder als etwas schönes, starkes eine zeitlose Metapher wie die Rose.

Unzälige Farben und Gerüche mischen sich mit dem Säuseln des Windes und dem leisen Geschnatter der Leute, wenn man es schon aus Vogelperspektive betrachtet. In dieser Komposition lebte Manou. Was sie nicht ahnen konnte; der Vogel würde bald ausgenommen sein, abgeschlachtet, verwarlost, verwesen und vergessen, dem Erdboden gleich gemacht und dem Himmel so nah sein. Das alte Oriana würde nur noch wie eine flüchtige Liebe und eine Rose in der Nacht dahin schweben, ganz fein und leicht, inmitten der von Schuld und Staub schwangeren Luft.

Der kleine Brunnen würde eine wabernde Masse in sich tragen. Die Kümmelkinder würden im Backofen erkalten und die Leibe würden aufhören sich zu heben und zu senken. Und wer sich erinnert, weiß den Namen der Leibe in der Feuerstelle noch.


All das konnte unsere kleine Manou noch nicht wissen, als sie an einem Freitagabend fröhlich summend durch die Straßen hüpfte.

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