Prolog: 2010
'Seek Bromance': ein treibender Rhythmus, eine Frauenstimme, schnelle pumpende Beats, eine euphorische Atmosphäre...
Lexi liebte den Song. Er ließ sie so viele Gefühle fühlen und in eine andere Welt tauchen. Eine schöne Welt. Eine Welt in der es keine Sorgen gab. Es war, als wäre sie die Musik mit jeder Faser ihres Körpers. Sie fühlte den Beat überall.
Sie hielt ihren MP3-Player in der Hand und sang leise mit, während sie auf dem Weg zur Schule war. Im Takt der Musik ging sie nicht normal, sondern mit leichten Schwung. Am liebsten würde sie ihre Augen schließen und tanzen. Sich ganz der Musik hingeben. Ihr langes braunes Haar fiel ihr wellig über die Schulter, wippte leicht bei jedem Schritt. Sie trug eine Skinny-Jeans und ein einfaches T-Shirt. Sie legte nicht viel Wert auf Mode. Ihr Selbstbewusstsein war von so etwas nicht abhängig, und sie belächelte die ganzen Mädchen in ihrer Klasse, die sich nur darüber definierten.
Plötzlich legte sich eine Hand um ihre Schulter.
"Hey, Lexi!", begrüßte Sam sie.
Lexi verdrehte die Augen und befreite sich aus seinem Griff. Widerwillig nahm sie einen ihrer Kopfhörer aus dem Ohr.
"Was willst du?", fragte sie genervt.
"Was hörst du?"
"'Seek Bromance' von Tim Berg."
"Wer ist Tim Berg?", fragte Sam und griff nach den Kopfhörern.
Lexi verdrehte die Augen. Sam hörte nur Rock, so sah er auch aus.
Er legte extra Wert darauf, dass seine Frisur aussah, als wäre er monatelang auf einer Tour gewesen, seine Klamotten hatten Löcher und zogen Fäden. Und allgemein bestand eigentlich so gut wie alles aus Jeans oder Leder.
Er wollte unbedingt aussehen wie ein Rockstar und sagte immer: "Zieh dich so an, was du gerne wärst, nicht so, was du gerade bist!"
Darüber konnte sie nur den Kopf schütteln. Nur weil man wie jemand anderes aussah, war man ja noch lange nicht so.
"Ein neuer Artist, ich denke, er wird es noch ziemlich weit bringen!", sagte Lexi überzeugt. Dann nahm sie Sam ihre Kopfhörer wieder weg.
"Gar nicht so schlecht, dafür dass es kein Rock ist!", sagte er.
"Wenn du nicht so stur auf Rock beharren würdest, würdest du auch nicht so viel verpassen!"
Er lächelte sie schief an.
"Ich finde nicht, dass ich etwas verpasse. Wenn es was Hörenswertes gibt, zeigst du es mir ja."
"Unfreiwillig, ja.", sagte sie und steckte ihre Kopfhörer wieder ins Ohr.
Sie hatte keine Lust, mit Sam zu sprechen.
Es reichte schon, dass sie ihn ständig sehen musste, da sie in derselben Straße wohnten.
Auch wenn sie Sam nicht sonderlich mochte, beneidete sie ihn darum, dass er sich seinen Traum, Rockstar zu werden, von niemandem ausreden ließ.
Ihm war die Meinung anderer egal, und er zog sein Ding durch. Das würde Lexi auch gerne, jedoch hatten ihre Eltern, und die restliche Familie, ihr klipp und klar gesagt, dass man mit Musik nichts verdienen kann. Man brauche später eine anständige Arbeit. Man muss Geld verdienen.
Den mit so etwas wie Musik, würde man kein Geld verdienen. Trotzdem liebte sie ihre Eltern. Sie waren immer für sie und ihre Schwester da. Nicht so wie bei Sam. Er musste schon früh lernen, dass er sich nicht auf seine Eltern verlassen konnte.
Sie hoffte nur, dass sie es schaffen würde, ihren Traum irgendwann so leben zu können, wie sie gerne würde. Sie fühlte sich ganz anders, wenn sie sich der Musik einfach hingeben konnte. Und, laut Sam, hatte sie ein gewisses Talent vorauszusagen, wer es zu etwas bringen würde, und wer nicht. Das war das einzige, worauf sie etwas stolz war. Auch wenn es von Sam kam.








