Zwischen Chaos, Kaffee und dir

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Summary

Ivy hat das Chaos nicht gesucht – es kam mit Asher. Bester Freund ihres Bruders. Jetzt ihr Boss. Und ganz sicher der letzte, mit dem sie im Bett landen sollte. Aber dann sind da diese Blicke. Diese Momente. Zwischen Kaffeepausen und Sarkasmus liegt plötzlich mehr als nur Spannung. Eine Novelle zum Verlieben, Verdrängen und Genießen. Frech. Emotional. Und mit ordentlich Knistern.

Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Kapitel 1

Oh scheiße, da ist er wieder. Wieso nur jetzt und ausgerechnet hier? Von wem ich rede?

Mein absoluter Albtraum auf zwei Beinen mit viel zu viel Testosteron.

Asher William Walker.

Ich kann schon spüren, wie die Wellen seiner Präsenz durch den Raum zu mir überschwappten, und meine Nackenhaare stellen sich auf.

Scheiße, nicht jetzt!

Mein Atem wird schneller, gepresster. Ich versuche, meine Augen in eine andere Richtung zu lenken, aber sie kleben einfach an diesem harten Kinn fest und weigern sich, wieder mein Gegenüber zu fokussieren. Meine Ohren rauschen, nur ein dumpfes Blabla ist zu hören. Ozeanblaue Augen treffen auf meine – und ich weiß, ich bin am Arsch.

Unsanft wird mein Körper durchgerüttelt, und fast hätte ich meine Coke verschüttet. Niemals hätte ich gedacht, einmal dankbar für Britney's Anwesenheit zu sein. Die dürre Cheerleader-Bitch hasst mich wie die Pest, und das "aus Versehen"-Anrempeln war definitiv nicht aus Versehen. Aber hey … meine Panikattacke ist weg.

Eine warme Hand legt sich auf meine Schulter, und endlich kann ich mich wieder auf Josh konzentrieren.

Josh ist nett. Süß. Klug. Witzig. Und, was soll ich sagen … irgendwie auch langweilig. Jeder wünscht sich doch Leidenschaft. Ein Feuer, das durch die Adern brennt. Unaussprechliche Anziehungskraft, magische Blicke und heiße Nächte. Alles, was ich nicht habe – und der gute Josh nicht bieten kann.

Aber lass es mich erklären: Ich bin zwanzig und gehe auf die gleiche Uni wie mein Bruder Derrick.

Derrick ist zwei Jahre älter und meint, dass seine kleine Schwester niemals Sex haben wird.

NIEMALS.

Ich hatte gehofft, dass er heute Abend auf einer Football-Party ist, auf der anderen Seite des Campus. Die Party wäre weit genug von dieser hier entfernt. Und weit genug weg von seinen Kumpels – und meinem persönlichen Bodyguard.

Asher fucking Walker.

Mein Blick huscht durch den Raum. Ich suche nach einem Fluchtweg. Ob ich Josh mitnehme, weiß ich gerade noch nicht. Ich konnte noch nicht herausfinden, wie sportlich er ist. Aber es muss schnell gehen. Denn wenn mein Bruder und Asher mich erwischen, werden sie mir die Hölle heiß machen. Warum?

Weil ich auf einer Party bin. Weil ich ein kurzes, schwarzes Kleid trage. Weil jeder meine Beine sehen kann. Weil ich mit einem Kerl rede. Weil ich … ach, keine Ahnung. Such dir einen Grund aus!

Ich schiebe mich leicht an Josh vorbei, in der Hoffnung, einen Überraschungsmoment nutzen zu können. Ich plane einen eleganten Sprung hinter das Sofa mit einer kleinen Drehung um Carter herum, dann in fließenden Bewegungen Richtung Küche, wo der Hintereingang und somit mein Ausweg aus dieser beschissenen Lage ist. Ich will mir einfach den Vortrag ersparen, den mein Bruder mir halten wird. Das selbstgefällige Grinsen von Asher. Die mitleidigen Blicke der anderen, weil jeder auf dem Campus weiß, dass ich quasi wie eine Nonne lebe.

Josh ist neu hier und kennt meinen Bruder noch nicht. Er war eine kleine Chance. Hoffnung, auch wenn er nur nett ist.

Ein betrunkener Idiot fällt gerade die Treppe runter, und der dumpfe Aufprall ist mein Startschuss zur Flucht. Jeder gafft den Trottel an, der kotzend vor der Treppe liegt, und vereinzelt kann ich ein "Iiiihhh" hören.

Schnell renne ich zum Sofa und will gerade meine elegante Drehung um Carter vollführen, als ich merke, dass hinter ihm Kelly steht. Ich pralle mit meiner vollen Seite gegen sie. Zu meiner Überraschung steht sie deutlich stabiler da als ich, und somit falle nur ich auf meinen Hintern. Autsch!

Genau das hat noch gefehlt. Ich liege auf dem Boden, mein Hintern pocht, meine Würde liegt irgendwo neben dem Couchtisch, und alle starren mich an. Kurz überlege ich, ob ich so tue, als wäre ich bewusstlos, aber Kellys höhnisches Lachen reißt mich in die Realität zurück.

„Na, Derricks kleine Schwester ist also auf Abwegen unterwegs?“, zischt sie mit einem fiesen Grinsen. Ich blicke zu ihr hoch – ihre High Heels sind höher als mein Selbstwertgefühl in diesem Moment. Ich presse ein gezwungenes Lächeln auf meine Lippen.

„Ich trainiere für den nächsten Cheerleader-Stunt. Elegante Drehung mit einer dramatischen Bodeneinlage. War das überzeugend genug?“

Einige Lacher. Puh. Ein kleiner Rettungsversuch für mein Ego. Doch kaum habe ich mich wieder aufgerappelt, höre ich ein dunkles Lachen hinter mir. Ich erkenne es sofort.

Asher. Scheiße!

Langsam drehe ich mich um, und da steht er – groß, überheblich und leider viel zu attraktiv. Seine Arme sind vor der breiten Brust verschränkt, sein Blick fixiert mich, als hätte ich gerade beim FBI angeklopft und um Ärger gebeten.

„Schön, dich zu sehen, Ivy.“ Seine Stimme ist tief und schmeckt nach Ärger.

Ich verziehe das Gesicht. „Ich dachte, du bist auf der anderen Seite des Campus.“

„War ich. Aber Derrick hat dort nicht die passende Beute für diesen Abend gefunden und mich hierher geschleift.“

Mein Puls hämmert. Ich überlege kurz, ob ich einfach wieder los renne – aber realistisch betrachtet: Er war Football-Captain. Ich habe vielleicht den Weltrekord im Serienmarathon auf der Couch, aber das bringt mir hier wenig.

„Ich geh nur kurz in die Küche.“

„Das ist dein Fluchtplan? Echt jetzt?“ Er schnaubt belustigt. „Du bist so vorhersehbar, Ivy.“

Ich hasse es, wenn er meinen Namen sagt. So verdammt weich und gleichzeitig gefährlich.

Ich stemme die Hände in die Hüften und blaffe: „Vorhersehbar ist das neue Sexy, wusstest du das nicht?“

Ashers Mundwinkel zucken. Nicht gut. Wenn er grinst, endet das für mich nie mit Würde. Oder Freiheit.

„Du hast exakt zehn Sekunden Vorsprung, bevor ich dich deinem Bruder übergebe.“

„Ernsthaft jetzt?“

„Neun.“

Ich drehe mich um und renne. Kein Plan, keine Strategie – nur Panik, ein pochender Herzschlag und High Heels, die ich nach fünf Schritten einfach ausziehe. Mein Kleid rutscht dabei gefährlich hoch, aber es ist mir egal. Hauptsache raus hier, bevor Derrick in den Raum stürmt wie ein übermotivierter Jungpriester beim Exorzismus.

Ich höre Schritte hinter mir. Verdammt, er rennt wirklich! Und natürlich ist er schneller. Großer Gott, das hier ist Highschool-Trauma in Reinform – bloß mit mehr Muskeln, weniger Selbstschutz und einem Asher, der definitiv keinen Heiligenschein trägt.

Ich schaffe es genau bis zur Küche, bevor mich ein starker Arm wie ein verdammter Türstopper zurückzieht. Mein Rücken knallt gegen eine breite Brust, und plötzlich ist da wieder dieses Parfüm – würzig, frisch und zu vertraut.

„Lass mich los, Asher!“ fauche ich, während ich mich loszureißen versuche.

„Ivy, was zum Teufel hast du dir dabei gedacht? Auf so einer Party aufzutauchen? Und dann noch mit so einem Trottel wie Josh?“

„Oh, wie süß! Du hast mein Recht auf Selbstbestimmung mit deiner Besitzstörung verwechselt!“ Ich stoße ihn zurück, aber er rührt sich kaum.

„Du hast keine Ahnung, was hier abgeht. Die Kerle hier …“

„Ach, halt den Mund, Asher! Ich bin nicht deine Verantwortung. Ich bin alt genug und kann selber auf mich aufpassen.“

Seine Augen verengen sich. „Du bist Derricks Schwester. Damit bist du automatisch meine Verantwortung.“

„Das ist keine Logik, das ist Mittelalter, du Neandertaler!“

Er schnaubt. „Also willst du mir ernsthaft erzählen, dass du auf dieser Party bist, um tiefgründige Gespräche über Quantenphysik mit Josh zu führen und das in diesem Kleid?“

„Und selbst wenn! Wen ich treffe, wie ich mich anziehe und was ich tue, geht dich einen Scheißdreck an!“

„Du willst ernsthaft erzählen, dass dieses Kleid nicht exakt dafür gemacht ist, dass Typen wie Josh sabbern?!“

„Oh mein Gott!“ Ich werfe die Hände in die Luft. „Es ist ein Kleid, Asher. Stoff auf Haut. Kein Vertrag über meine Sexualität!“

Einen Moment ist es still. Nur unsere keuchenden Atemzüge und der Bass aus dem Wohnzimmer hallen durch die Küche.

Dann sagt er leise: „Du treibst mich in den Wahnsinn.“

Ich blinzele. Mein Zorn will sofort zurückschlagen, aber da ist plötzlich diese Hitze zwischen uns. Dicht, pulsierend, gefährlich.

„Dann hör auf, mich zu jagen“, murmle ich und gehe drohend einen Schritt auf ihn zu.

„Dann hör auf, wegzurennen“, knurrt er und kommt näher.

Und verdammt. Jetzt stehen wir uns so nahe, dass ich sein Herz schlagen höre. Oder ist das meins?

Ich spüre seinen Atem an meiner Wange. Seine Fingerspitzen berühren ganz leicht meine Taille, und obwohl mein Kopf ganz laut „Nein“ ruft, tut mein Körper das genaue Gegenteil. Alles an mir ist angespannt, bereit, einzutauchen in diesen Moment, in dieses Chaos zwischen uns.

Ashers Lippen sind nur noch Zentimeter entfernt. Seine Augen brennen sich in meine.

„Ivy?“, murmelt er leise, fast ehrfürchtig.

Dann – wie aus dem Nichts – knallt die Küchentür gegen die Wand.

„IVY?!“


Ich schrecke zurück, als hätte mich jemand aus einem Traum gerissen. Asher lässt sofort von mir ab, tritt einen Schritt zur Seite, während ich mir hektisch eine Haarsträhne aus dem Gesicht streiche.

Derrick steht in der Tür – groß, angespannt, mit gerunzelter Stirn und dem typischen „großer-Bruder-zur-Rettung“-Blick im Gesicht. Nur dass er mich nicht retten will. Er will mir nur meinen verdammten Kopf abreißen.

„Was zur Hölle machst du hier?!“, blafft er los, ohne überhaupt richtig den Raum zu erfassen. „Ist dir klar, was das für eine Party ist? Wer hier rumläuft?! In diesem Kleid?!“

Ich will den Mund öffnen, aber er redet einfach weiter.

„Weißt du überhaupt, wie viele besoffene Typen da draußen sind? Die Hälfte hat schon dumme Sprüche über dich gerissen, Ivy! Du kannst nicht einfach hier auftauchen und erwarten, dass sie dich nicht anbaggern werden!“

Ich balle die Fäuste, während Derrick seine Schimpftirade weiter vom Stapel lässt. Mein Herz hämmert immer noch – nicht nur wegen seiner Worte, sondern wegen dem, was Sekunden zuvor fast passiert wäre. Ich traue mich nicht, Asher anzusehen. Ich weiß nicht mal, was ich in seinem Gesicht sehen würde – Reue? Gleichgültigkeit? Dasselbe Chaos wie in mir?

„Ich komm schon klar“, sage ich schließlich leise, versuche, meine Stimme ruhig zu halten. Was er beschreibt, war ja auch mein Ziel. Endlich mal Leidenschaft und nicht nur Lernen. Aber der Dickschädel sieht mich nicht als Frau, die Sex will. Er sieht nur seine kleine Schwester.

„Ja, klar“, knurrt Derrick, packt mich am Handgelenk – nicht grob, aber bestimmt. Keine Widerrede wird jetzt geduldet.

„Du gehst jetzt nach Hause. Sofort!“

„Ich kann selbst—“

„Sofort, Ivy!“

Asher steht noch immer wortlos an der Seite und starrt seine Bierflasche in Grund und Boden.

Ich lasse mich von Derrick aus der Küche führen. Mein Kopf schwirrt. Mein Atem zittert.

Und mein Herz?

Ein Teil davon bleibt irgendwo in dieser Küche zurück.