Kapitel 1 – Die Ketten aus Flammen
Die Hitze kroch über ihre Haut wie flüssiges Metall, doch sie schrie nicht mehr. Nicht, weil sie keine Schmerzen mehr spürte – sondern weil sie gelernt hatte, sie zu ertragen.
Isara hing an der Wand des höllischen Kerkers, ihre Handgelenke wund von den schweren Eisenringen, die in das rauchgeschwärzte Gestein eingelassen waren. Der Boden unter ihr war warm, als würde er atmen. Die Wände lebten. Flüsterten. Manchmal weinten sie.
Sie wusste nicht, wie viele Tage vergangen waren. Vielleicht Wochen. Zeit hatte hier unten keine Bedeutung. Es gab nur zwei Dinge: Dunkelheit – und ihn.
Er trat ein, wie immer lautlos. Keine Schritte. Nur ein Schatten, der aus der Glut selbst zu wachsen schien. Seine Präsenz füllte den Raum noch bevor sie ihn sah. Und als er vor ihr stand, mit seinen goldenen Augen und den schwarzen Flügeln, durchzuckte sie dieser vertraute Schauer aus Furcht… und etwas anderem.
„Du kämpfst noch, kleine Flamme.“
Seine Stimme war warm wie Samt, und gleichzeitig so kalt wie das Ende aller Hoffnung.
Isara hob den Kopf. Ihre Lippen waren aufgesprungen, ihr Haar klebte an der Stirn. Doch sie sah ihm in die Augen, trotzig wie immer. „Ich gehöre dir nicht.“
Der Teufel lächelte. Nicht grausam. Nicht böse. Fast… traurig.
„Du gehörst längst niemandem mehr – nicht einmal dir selbst.“
Er trat näher. Seine Finger berührten ihr Kinn, hoben es an. Keine Gewalt – nur diese unausweichliche, ruhige Macht.
Und obwohl jeder Teil ihres Körpers zitterte – vor Müdigkeit, vor Wut, vielleicht auch vor Sehnsucht – wich sie nicht zurück.
„Was willst du von mir?“ fragte sie rau.
„Willst du, dass ich dich anbete? Mich breche? Mich verliere?“
Er schwieg einen Moment. Dann senkte er sich zu ihr, so nah, dass sie seinen Atem spüren konnte – warm wie die Glut, in der sie lebte.
„Ich will dich erinnern lassen, wer du warst… und was du werden könntest.“
Seine Hand wanderte an die Fesseln über ihr, und ein Flammenzeichen leuchtete kurz in seiner Haut auf. Die Ketten zerbarsten.
Isara fiel auf die Knie, erschöpft, zitternd, aber frei – wenn auch nur für einen Moment.
„Du wirst lernen, meine Sklavin zu sein“, sagte er leise.
„Oder… du wirst lernen, dass es Schlimmeres gibt als mich.“
Und dann wandte er sich um, und ließ sie in der Dunkelheit zurück. Frei. Aber nicht erlöst.