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Der Besserwisser

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Summary

Unerfahrener Dom, erfahrene Sub? Sollte funktionieren. Tja ... wenn er nur nicht so ein schrecklicher Besserwisser wäre, der sich nichts sagen lässt!

Status
Complete
Chapters
6
Rating
4.3 (3 reviews)
Age Rating
18+

Stammtisch

Es heißt doch immer, auf alten Pferden lernt man das Reiten. Eine Weisheit, die jeder kennt, und irgendwie entspricht das auch den Tatsachen. Ich als Reitanfänger, kann von der erfahrenen Gelassenheit eines altgedienten Schulpferdes nur profitieren.

Was aber, wenn ich mich weigere, mich auf die Erfahrung des alten Pferdes einzulassen? Wenn ich denke, ich weiß alles besser und ich bin so gut, ich habe den Unterricht im Grunde gar nicht nötig?

Tja, um so eine Geschichte geht es hier.

Nein, nicht ums Reiten lernen, um Himmelswillen, es geht schon um SM. Genauer gesagt, um die Möglichkeit eines unerfahrenen Doms von einer erfahrenen Sub zu lernen. Und seiner Weigerung, das auch nur in Betracht zu ziehen …

Grundsätzlich war ich immer der Meinung, das kann schon klappen, diese Konstellation. Man muss es nur wollen, ganz einfach. Dummerweise sieht man es dem Gegenüber leider nicht an, ob der will oder nicht, oder ob er nur so tut, als wäre er dazu bereit und sich in Wahrheit aber weigert, etwas zu lernen.

Ja, heute bin ich schlauer, doch damals?

Es fing auf diesem Stammtisch in München an. Meine beste Freundin (meine Bestie will ich sie hier nennen) hatte mich dazu überredet, sie war schon einmal dort gewesen, und an diesem Frühlingssonntag schleppte sie mich einfach mit. Brunchen war angesagt in dieser Stammtischrunde, und weil ich nichts Besseres vorhatte, ließ ich mich gerne mitschleppen.

Wir hatten uns beide ein wenig in Schale geworfen, wir standen gerne im Mittelpunkt. Meistens taten wir das ja ohnehin mit unserem riesigen Mundwerk und dem lebhaften Temperament, aber unserer Meinung nach schadet es nie, dem Ganzen optisch noch ein wenig nachzuhelfen. Ich fühlte mich ganz wohl in dem mattbraunen Lederrock, dem schwarzen Strickrolli dazu und den mörderisch hohen Pumps, die ein wenig Leoprint an der Ferse und dem Absatz zeigten. Neckisch fand ich das, ich war regelrecht verliebt in die Dinger, bei Schuhen kommt regelmäßig mein heimlicher Fetisch zum Tragen: Schuhe sind Götter. Ich hege und pflege sie, und wie viele Götter ich beherberge? Ach, darüber habe ich schon längst den Überblick verloren. Es sind auf jeden Fall viele.

Das Lokal in dem man sich traf, war nicht weit weg von der Autobahn, aus Richtung Rosenheim kommend, fuhren wir direkt darauf zu. Da meine Bestie hier schon gut bekannt war, wurde sie mit lautem Hallo begrüßt, und ich war auch gleich mittendrin. Fremdeln ist mir ein Fremdwort, egal wo ich hinkomme, ich bin immer sofort zuhause.

Sie nahm auf der Bank vor dem Fenster Platz, ich an der Stirnseite des langen Tisches neben ihr, und schnell stellte ich fest, von hier aus hatte ich vollen Überblick über die ganze Meute. Ich musste nur den Tisch entlang sehen, grinste in fröhliche Gesichter und plauderte hier und da. Lachte viel, riss blöde Sprüche und zusammen mit meiner Bestie unterhielten wir wie Entertainer das untere Ende des Tisches.

Am Oberen war etwas ganz anderes los. Mir fielen ja fast die Augen in meinen mal wieder am Büffet viel zu vollgeladenen Teller.

Ein Kerl stand auf, aber hallo, was für einer!

Kennt ihr das Lied von der EAV, das, wo sie den Bodybuilder besingen? Ziemlich zum Ende des Songs hin, als der arme Kerl so gänzlich auf die Nase fällt, heißt es: … starke Männer sind längst passe, nur am Schotterteich von Mistelbach, wird vielleicht noch die Christl schwach.

Ehrlich, ich bin so eine Christl. Bei Muskeln werde ich immer schwach, und feucht im Höschen obendrein. Zumindest, wenn ich eines trage.

Was sich da meinen Augen bot, das war auf den ersten Blick allererste Sahne. Auf den Zweiten auch noch, und auf den Dritten immer noch, und genau da begann mein Problem.

Der Typ war aufgestanden, hatte sich das Hemd ausgezogen und präsentierte seinen Kumpels am Tisch das neue Tattoo – ein riesiges Tribal, das eine Triskele zeigte, es nahm den halben Rücken ein bis zum Genick hoch. Für meinen Geschmack etwas zu protzig und dunkel, es gefiel mir nicht. Aber das Drumherum … o gütiger Gott!

Muskeln. Ganz viele Muskeln sogar. Sie spielten unter der Haut, immer wenn er sich bewegte. Relativ schmale Hüften, und er schien groß zu sein. Stiernacken. Glatzkopf.

Ich konnte nicht mehr wegsehen. Da kam alles zusammen, worauf ich einfach abfuhr, und ich vergaß alles um mich herum, bis meine Bestie sich zu mir her beugte und mir giggelnd mit dem Zeigefinger das Kinn nach oben drückte. Mir stand tatsächlich der Mund offen!

Ich schluckte hörbar, konnte einfach nicht wegsehen. Am anderen Ende des Tisches wurde gelacht, die herrliche Muskelmasse wieder eingepackt, er setzte sich wieder hin. Gut, so perfekt war der gute Mann dann doch nicht, neben den Muskeln trug er eine Plautze vor sich her. Bierbauch, konstatierte ich nach einem Blick auf das Helle, das vor ihm stand und schon fast leer war, obwohl wir noch nicht einmal 11 Uhr hatten.

Aber von hinten? Eine glatte 10 plus!

Egal, egal.

Ich hatte Feuer gefangen. Oder sollte ich sagen, mich hatte der Blitz getroffen?

Meine Bestie merkte schnell, dass mit mir jetzt nichts mehr los war. Ich war im Jagdmodus, und wenn das der Fall ist, dann gibt es nur noch diesen Tunnelblick, fixiert auf das Opfer. Zum Glück war sie immer willige Gehilfin bei solchen Aktionen, da verstanden wir uns blind. Gar nicht faul wandte sie sich an ihre Nachbarin, zwitscherte ganz unschuldig harmlos: „Wer ist das denn? Den kenn ich gar nicht!“, und schon hatte sie den Nick, den er in der Community verwendete.

Jetzt waren wir in unserem Element, die Handys wurden aus der Tasche geholt und spioniert. Ich war diejenige, die sie angrinste. Sad-dom! Und Single! Bingo!

Sie verdrehte nur die Augen und holte sich das nächste Dessert vom Büffet.

Ich aber stocherte in meinem Räucherlachs und konnte meine Augen immer noch nicht von ihm abwenden. Schon jetzt malte ich mir in Gedanken aus, wie es sich anfühlen würde, unter ihm zu liegen, die Finger an seinen Armen entlang nach oben gleiten zu lassen und diese herrlichen Muskelpakete fühlen zu dürfen. Dieses Gefühl würde köstlich sein, in Verbindung mit seinem Gewicht auf mir.

Seltsam, auch wenn es mir damals noch gar nicht auffiel, aber alle Gedanken waren sexueller Natur, kein einziger ging in die SM-Richtung.

Es ergab sich einfach keine Möglichkeit, mit ihm ins Gespräch zu kommen – und das, obwohl ich überhaupt nicht schüchtern bin. Er saß inmitten seiner Kumpels, und wenn er zum Rauchen vors Lokal ging, geschah das auch immer in Gesellschaft. Ich kam nicht ran an ihn, erwischte ihn nicht ungestört. Das war zum aus der Haut fahren! Und das schlug mir auf die Laune.

Ich war dann gar nicht traurig, als sich der Stammtisch langsam auflöste. Er war unter den ersten, die sich verabschiedeten, an mich verschwendete er im Vorbeigehen gar keinen Blick. Das war schon auch ungewöhnlich, mit meinem feuerroten Schopf stach ich eigentlich immer aus der Menge raus.

Sobald wir im Auto saßen, konnte ich nicht mehr aufhören zu reden. Nein, zu schwärmen. Ich hatte mir sein Profil ganz genau angesehen, da passte vieles perfekt zu mir. Das musste ich meiner Bestie natürlich erzählen, ich redete ohne Punkt und Komma. Es gab nur ein Thema: ihn! Kaum die Autobahn erreicht, verdrehte sie schon enerviert die Augen, und der Zug um ihren Mund wurde immer verkniffener.

Am Irschenberg verlangsamte sie dann das Tempo, fuhr rechts raus und herrschte mich an: „Du schreibst ihn sofort an! Oder ich werfe dich hier auf der Stelle raus und fahre alleine weiter!“

„Das kann ich nicht machen. Ich schreibe nie einen Dom an!“, wehrte ich ab.

Tatsächlich, das tat ich nicht. Das hatte ich auch nie nötig, selbst wenn das jetzt arrogant rüberkommt. Die schrieben immer mich an, sprachen mich an, wandten sich an mich. Ich musste nie den ersten Schritt machen, und auf einmal war ich nervös und hatte wieder feuchte Hände.

Sollte ich das wirklich tun?

„Mir egal, du tust es. Jetzt sofort! Oder du läufst nach Rosenheim zurück!“ Bestie war nicht umzustimmen, und mit einem ellenlangen Seufzer tippte ich also die Mail, kontaktierte ihn über sein Profil. Dass er mir auf dem Stammtisch aufgefallen ist, dass er mir gefällt, und dass ich ihn gerne kennenlernen würde.

Mit gewaltigem Herzklopfen schickte ich die Chatmail ab, und dann atmete ich tief durch.

„Du bist schuld, wenn das jetzt ganz gewaltig in die Binsen geht!“

„Blödsinn“, knurrte sie und fuhr vom Parkplatz. „Wenigstens hältst du jetzt den Mund! Ich habe ja schon Kopfweh bekommen von deinem ständigen Gequatsche.“

***

Lange hatte sie keine Ruhe von mir.

Zwei Stunden später hing ich am Telefon.

„Er hat geantwortet!“

„Na, ist doch toll. Hast zurückgeschrieben?“ Sie war mal wieder die Ruhe selbst. Bis heute ist es mir ein Rätsel, wie sie das immer schafft. Ich kriege das nie so hin!

„Nein“, musste ich gestehen. Und dann: „Er schreibt so komisch, ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll.“

Ja, diese Mail war wirklich merkwürdig, das konnte man drehen und wenden, wie man wollte. Ich musste sie dreimal lesen, bevor ich deren Sinn verstand. Wirres Zeug, die Aussage oft nicht klar. Er kam nicht uninteressiert rüber, sei noch nie über die Seite angeschrieben worden und und und.

Ich las sie ihr vor, und sie war ebenso ratlos, wie ich auch.

„Vielleicht ist er kein Muttersprachler?“, sinnierte sie. „Vielleicht tut er sich nur mit der Grammatik schwer, Legastheniker oder so.“

„Vielleicht ist er aber auch einfach nur strohdumm“, entschied ich knallhart.

Wirklich, dumme Menschen sind mir ein Gräuel. Neben Muckis und Tattoos finde ich Intelligenz bei einem Mann absolut erregend, ich habe es nicht so mit Dummheit.

Für die Aussage durfte ich mir gleich eine Rüge anhören: „Mensch, jetzt sei nicht so arrogant, verdammt! Schmeiß nicht gleich die Flinte ins Korn, den hast du doch völlig überfahren. Der weiß doch gar nicht, was er davon halten soll. Antworte ihm, und dann telefoniere mit ihm. Vielleicht kann er ja wirklich nicht gut schreiben, aber besser reden!“

Gesagt – getan!

Kaum aufgelegt, hing ich am PC und ungeniert schickte ich ihm meine Telefonnummer, zusammen mit der Einladung, sich heute Abend bei mir zu melden. Und dann saß ich wie auf Kohlen. Stundenlang.

Nichts. Keine Reaktion.

Ich sah meine Felle schon den Bach runtergehen, aber dann, als ich schon nicht mehr damit rechnete, klingelte es doch.

Das war so ein Moment, wo das Herz bis zum Hals hochschlug. Die Hände zitterten vor Aufregung, in meinem Magen klumpte es. Eine halbe Etage tiefer pochte es und ich war froh, weil ich gerade faul auf der Couch lag und nicht stand, sonst wäre ich einfach umgefallen.

Er! Halleluja, er war es tatsächlich.

Das Telefonat dauerte stundenlang, ich hörte ihm gerne zu, seine Stimme gefiel mir. Ich erfuhr einiges von ihm, nicht immer das, was ich gerne gewusst hätte. Er sagte auch Dinge, die mir überhaupt nicht gefielen, weil ich damit noch nie konfrontiert worden bin.

Zum Beispiel gab er ganz offen zu, dass er nicht viel Erfahrung hatte. Er sei noch Anfänger und gerade erst dabei, sich und seine Neigung zu entdecken. Und dass er sich von einer Frau mit meiner Erfahrung – zu dem Zeitpunkt hatte ich 20 Jahre SM auf dem Buckel – eher eingeschüchtert fühle. Was könne er einer erfahrenen Sklavin wie mir bieten?

Geile Muskeln, sabberte ich in Gedanken, aber ich blieb brav beim Thema. Beteuerte, das würden wir schon hinkriegen, ich sei hart im Nehmen und könne Fehler leicht verzeihen, die machten mir oft gar nichts aus. Das wäre doch prima zum Üben für ihn, oder? Auf diese Weise und verschiedene andere versuchte ich, ihn voller Eifer zu beschwichtigen, so recht gelang es mir nicht. Er wolle über die Sache nachdenken, hieß es, und dann beendete er das Gespräch.

Ich hing wieder am Telefon mit Bestie, ich musste einfach meinen ganzen Frust abladen.

„Ich verstehe es nicht“, gab ich ihr gegenüber ehrlich zu. „Die Typen lecken sich alle fünf Finger ab, damit sie mich in die Finger kriegen. Und der zieht einfach nicht. Will er mich nicht?“

Wie immer war Bestie so viel verständnisvoller als ich – Geduld ist wirklich nicht meins – und riet mir, ich solle einfach abwarten. Ich hätte ihn ja einfach überfallen, der bräuchte jetzt erst Mal Zeit, um das für sich zu sortieren.

Gut. Also wieder warten.

Ganz still blieb er nicht, es trudelte die eine oder andere WhatsApp ein.

Aber die waren wieder ziemlich seltsam, sie irritierten mich. Ein Gespräch kam nicht zustande, weil er oft sehr zusammenhanglos antwortete, manchmal auch richtig unverständlich.

Und wieder beklagte ich mich bei meiner Bestie. „Er erzählt mir von zwei Ingenieurstiteln, die er hat, warum schreibt der dann so doof? Müsste der nicht urgescheit sein, und richtig was auf dem Kasten haben? Oder kann man sich ein Ingenieursdiplom heute einfach im Supermarkt kaufen?“

Wieder durfte ich mir anhören, wie versnobt und arrogant ich doch sei, bis ich auf die Größe einer Erbse zusammengeschrumpft war und mich gehörig schämte wegen meiner Überheblichkeit. Meiner Arroganz.

Aber verdammt nochmal, ich wollte einfach nicht, dass er dumm war. Weil ich ihn wollte, sollte er so eine Art Intelligenzbestie sein, damit ich ihm nicht nur meinen Körper schenken durfte, sondern auch meinen Geist mit ihm messen und mich an ihm schärfen konnte. Ist das denn zu viel verlangt? Ich wollte einen Dom, auf den ich stolz sein konnte. So, wie er auf mich stolz sein sollte.

Irgendwie rückte das in immer weitere Ferne …

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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author

da hätte sie sich wohl doch was anderes suchen sollen, wo er sie ja jetzt schon depremiert, wo sie sich noch gar nicht kennen 😅 da hat se sich verrannt in was 🤔 das muss schief gehen ... oder? 😅😋😉

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