Die Pyjamaparty
DER NEUE UNSERER CLIQUE
Sandra stellte mir beim Cliquentreffen, den sonnengebräunten Neuen vor: „Das ist Christoph, den wir Schuri nennen!“ Sein Spitzname wurde mir von der Freundin erklärt. Diesen formte man aus einer Abkürzung seines Familiennamens „Schurbäcker“. Der Name Christoph klang besser als sein komischer Spitzname. Man merkte aber gleich, alle nannten ihn „Schuri“. Er mochte den Namen offensichtlich. Daher nannte ich ihn fortwährend bei seinem Spitznamen, fand Schuri zum Anhimmeln süß und blickte verzaubert, in seine braunen Augen.
Mit seinem attraktiven Aussehen hätte Schuri sich cooler verhalten können. Er benahm sich aber, eine Spur zu kindisch: „Ja, hallo dann!“ Lächelnd nochmal wiederholend: „Hallo, hallo.“ Da er sich wenig lässig benahm, traute ich mich zu zeigen, dass er mir gefiel. Schwärmerisch bemühte ich mich offen um seine Aufmerksamkeit: „Schuri, ach Schuri! Suchst du eine Freundin? Was hältst du von mir?“ Verschmitzt lächelte er und stammelte: „Ja gut, … im Moment wird alles ein bisschen viel für mich.“ Er war verunsichert.
Ich nützte die Chance, versuchte seine Beachtung zu erlangen, bevor es ein anderes Mädchen machte. Nie vorher drängte ich mich in die Nähe eines Jungen. Allerdings passierte meine forsche Art bei ihm mehr spielerisch, mit Lachen: „Ach Schuri, du gefällst mir!“ Daher lief unser Kennenlernen anders ab als bei Ricki damals, denn dieser wählte mich aus, damit ich seine Freundin wurde.
Sofern nun Schuri gesagt hätte, er möchte mit einem anderen Mädchen zusammen sein, wäre ich von ihm abgewichen. Das passierte aber nicht.
Mithilfe Elenas HiFi-Anlage, im Zimmer der Freundin, wurden Platten abgespielt, um lässig Musik zu horchen. Kreuz und quer unterhielten wir uns. Man achtete nicht ständig, auf Schuri und mich.
Mittlerweile sah es aus, als ob er gerne von mir angehimmelt wurde. Andererseits wirkte er planlos, gedanklich wie: ‚Was anfangen, mit einer Bewunderin?’
Sichtlich wich er erst noch zurück. Ein positives Signal seiner Ausstrahlung war, er grinste in einer Tour. Gut gelaunt ließ er mich schließlich sehr nahe, an sich heran. Wir kamen auf Tuchfühlung. An diesem Nachmittag, vor dem Ende unserer Begegnung, hörte Schuri unerwartet auf nur zu lächeln. Plötzlich drückte er mir seine geschmeidigen Lippen auf meinen Mund. Es war ein richtiger, echter Kuss, nicht nur so ein kleines Küsschen. Damit machte er mich happy. Überrascht war ich, von ihm umarmt und geküsst zu werden. Es war traumhaft! Meine Wunschvorstellung erfüllte sich erfolgreich.
Beim nächsten Cliquentreffen bei Elena, blieben Schuri und ich zusammen. Wir hielten Händchen, umarmten uns, teilten einander Küsschen aus oder schmusten ein bisschen miteinander. Öfter saß ich auf Schuris Schoß. Bestimmt wäre ich traurig und enttäuscht gewesen, hätte er sich für eine andere entschieden. So aber waren wir das neue, glücklich erscheinende Cliquenpärchen.
DIE PYJAMAPARTY, DAS MATRATZENZIMMER
In absehbarer Zeit ergab sich ein Anlass, der ein näheres Zusammensein zwischen den Jungs und Mädchen unserer Clique ermöglichte. Unsere Freundin Maria, lud zu sich nach Hause ein. Sie wollte eine Party veranstalten. Das war eines der besten Dinge, die einem als Fünfzehnjährige passieren konnte.
Seit kurzem zählte Maria als fixes Mitglied der Clique. Sie wohnte in der Nähe der Schwestern Elena und Sandra, die sich auch aufs Kommen zur Party freuten.
Im alten Familienhaus von Marias Eltern, kamen wir alle bereits einmal zusammen. Da geschah nichts Außergewöhnliches, wir horchten Musik und tratschten. Obwohl für Maria tat sich eventuell mehr, denn sie lernte durch die Jungs der Clique ihren neuen Freund kennen. Er war ein großer, schlaksiger Typ, ein Freund der anderen Jungs und nun auch Mitglied. Naja und ich stand noch sehr in der spannenden Kennenlernphase, mit meinem chicen Freund Schuri. Wir schmusten gern, lachten öfter etwas verlegen, fanden uns ganz gut.
Aufregung stand uns bevor. Meine Freundin Sandra weihte mich ein: „Es wird eine Pyjama-Party! Sabine, das wird ein Spaß!“
„Wow!“, ich ahnte, die geplante Zusammenkunft, könnte für ein junges Cliquenpärchen besonders interessant werden. Man hätte die Chance, rasch auf Tuchfühlung zu kommen! Wir sollten keine Jeans tragen, an diesem Abend, sondern etwas Passendes zum Thema Pyjama. Vor allem Sandra meinte, weder zu sexy noch zu nackt sollte man sein, auf der Party. Ärger mit den Eltern bräuchte es deswegen nicht geben. Spaß zu haben, wäre wichtig.
Mein Vater sah es als seine Aufgabe an, mich mit dem Auto dort hinzufahren und spät abends wieder abholen zu kommen. Harmlos sollten die Eltern über unsere Pyjamaparty denken.
Nach all den Jahren, die seither vergingen, weiß ich von den Beziehungsverhältnissen der anderen Cliquenmitglieder zueinander nichts mehr vollständig, außer von Maria und ihrem schlaksigen Freund. Wer sonst mit wem vor Beginn des Partyabends schon zusammen war? Sandra und ihr dunkelhaariger Freund, hatten eine Trennung hinter sich oder zumindest eine Beziehungskrise gehabt. Sie hingen aber doch noch aneinander. Meine Freundin Elena, kam ja irgendwann mit Ricki von den "Lockenjungs" zusammen. Wobei ich nie genau wusste, wann das eigentlich geschah. Egal!
Was Jungs betraf, waren meine Blicke und Gefühle auf Schuri gerichtet. Die anderen wurden von mir, nur nebenher wahrgenommen.
Alte, leerstehende Räume des Hauses, ließen sich für die Party nützen. Eine ausgeräumte Wohnung stand vorübergehend leer, im alten Wohnhaus von Marias Eltern. Soviel ich darüber hörte, wohnten einst die Großeltern darin, doch wichtig war einfach wir benötigten nicht Marias persönliches Zimmer. Diese extra Räumlichkeiten durften wir diesmal nützen und hätten somit viel Platz.
Gleich nach meinem Eintreffen bei Maria, blickte ich neugierig durch die Runde. Welche Kleidung trugen alle? Das Thema Pyjamaparty fand ich gewagt, es machte aufgeregt. Verlegen schmunzelte ich, fühlte sogar Scham, in den ersten gemeinsamen Augenblicken, denn gewöhnliche Kleidung wie Jeans und Shirt boten mehr Sicherheitsgefühl. Dabei fiel von uns Mädchen niemand mit einem extremen Kleidungsstück, völlig aus der Reihe. Unauffällige Baumwollnachthemden oder längere Trikots kleideten uns nett, aber nicht sinnlich sexy. In dieser Hinsicht hatten ich und meine Freundinnen gehalten, was vorher vereinbart wurde.
Mein Freund Schuri trug eine Schlabberhose, bzw. eine echte Pyjamahose, zum Thema passend. Wir zwei sahen uns verlegen an. Er brachte mich zum Kichern. Wenige Treffen gab es erst zwischen uns als „Cliquen-Pärchen“, sonst lachten wir auch oft recht kindisch, doch nun noch etwas kindischer als sonst.
Peinlich empfand ich Schuris schlabbrige Pyjamahose, doch er nahm wenigstens unser Partymotto zur Kenntnis. Im Gegensatz zum männlichen „Kern der Clique“ womit die drei „Lockenjungs“ gemeint waren, trug Schuri wirklich Pyjama.
Mit leicht herablassendem Gesichtsausdruck saßen die blonden „Lockenjungs“ in Jeans bekleidet da, lächelten uns milde an. In dem Raum standen nämlich ein paar alte Sesseln um einen einfachen Tisch. Die „Lockenjungs“ streckten gelangweilt ihre Beine aus, verschränkten die Hände, meinten: „Ja, macht nur!“
Wie Zuschauer betrachteten die drei „Lockenjungs“ unsere Nachtlooks, dachten sicher, wir wären kindisch. Ihrem eigenen, ungeschriebenem Motto hielten sie die Treue, denn das Cool sein zählte für den „Kern der Clique“. Das Wichtigste, ihr Markenzeichen, die Coolness, war insofern günstig, da sie sich weigerten lächerlich auszusehen. Wir anderen schwankten im Wechselbad der Gefühle, von Spaß und Peinlichkeit! „Spielverderber“, nannten wir die „Lockenjungs“. Sie verfehlten das Thema der Party. Ich behielt still für mich, dass mir Schuri in Jeans auch besser gefiel als in seiner Schlabberhose. Ein fester Jeansstoff hätte vorteilhafter gesessen. Man erkannte bei der Pyjamahose, Schuris männliche Entwicklung deutlich. Naja, sein Schlaberlook passte einfach ideal für zu Hause, unter die Bettdecke und eigentlich doch auch auf die Pyjamaparty.
Das eine Zimmer in dem die „Lockenjungs“ mit Jeanskleidung saßen, sollte uns Pärchen weniger interessieren. Für den Abend hatte Maria ein besonderes Zimmer vorbereitet. Gleich nach dem Eintreffen, zeigte sie es her. Sandra und ich staunten, sobald die Tür aufging und man in die Dunkelheit blickte.
„Bitte sehr, das Matratzenzimmer!“, mit diesen Worten stellte es Maria vor. Sie meinte: „Wir können es heute Abend benützen.“
Im finsteren Raum befanden sich ein paar Matratzen, am Boden. Der Anblick überraschte mich: „Pah, so finster und lauter Matratzen!“
Maria grinste erfreut: „Ja das Zimmer wurde extra gut abgedunkelt.“ Zum ersten Mal in meinem Leben bestünde die Möglichkeit, im Dunkeln mit einem Jungen, auf einer Matratze zu liegen. Verschiedene Gedanken liefen durch meinen Kopf, hin und hergerissen zwischen Vernunft und staunender Neugier. Eine „Pärchenschmuserei“ konnte ich mir vorstellen, doch mehr nicht. Da sich die Paare, das Matratzenzimmer teilen müssten, wäre man stets in Gesellschaft der anderen. Deswegen würden völlig intime Handlungen nicht geschehen. Trotzdem sah es aus, als ob Überraschungen passieren könnten!
In die Dunkelheit des Matratzenzimmers, zog mich bald mein Freund an seiner Hand hinein. Marias schlaksiger Freund sorgte auch dafür, dass eine Landung der beiden, auf einer Matratze geschah. Sie wählten die erste, nahe der Zimmertüre. Schuri und ich, wir schmissen uns auf eine der hinteren Matratzen und schmusten herum. Es lief keine Musik darin. Statt tanzen sollte das Tolle des Abends sein, wir erhielten die günstige Gelegenheit, für ein aufregendes Erlebnis zu zweit.
Die Dunkelheit hatte nämlich den Vorteil, dass ich mich mit Schuri allein im Raum fühlte. Wieso nach den anderen sehen? Die „Lockenjungs“ würden das Matratzenzimmer nicht nützen, dass wusste ich. Wahrscheinlich fehlte ihnen sowieso gerade die passende Freundin dazu. Sie blieben in dem anderen Raum draußen, im Licht. Es verzogen sich aber meine Freundin Sandra und ihr dunkelhaariger Freund, auf eine Matratze, gleich neben uns. Egal wie die zwei die Wochen vorher miteinander zurechtkamen, ob gut oder schlecht, bei dieser Party, lagen sie jedenfalls schmusend neben uns.
Auf der Matratze, eng zusammengerückt, konzentrierte ich mich mehr und mehr auf Schuri. Im Dunkeln liegend, war ich ihm so nah wie noch nie unterm Küssen. Neuartige Eindrücke entstanden. Der gewisse Unterschied, zwischen Mann und Frau, ließ sich spüren. Auch wenn man kaum ein Detail sah, im Schwarz der Finsternis, drückte Christoph deutlich, mit seinem doch männlichen Körper, gegen meinen. Er lag über mir, seine Schlabberhose hätte er am liebsten ausgezogen, zog einmal den Gummibund weg. Ein fester Körper darunter, zeichnete sich ab, bei einer Jeanshose wäre das nie so ersichtlich gewesen.
Wir schmusten und umarmten uns. Selbstverständlich glaubte ich, an Schuris ehrliches Interesse an mir. In dieser Situation wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass er sich ein anderes Mädchen wünschte. Genau während der Augenblicke in gemeinsamer Harmonie, schrie meine Matratzennachbarin auf: „Waahhh, was soll das?“ Das Geschrei stammte von Sandra. Der Lärm erschreckte uns alle, man fragte durcheinander: „Was ist los?“ Obwohl Sandra gerade noch friedlich mit ihrem Freund schmusend dalag, rief sie aufgekratzt: „Drei Hände habe ich auf meinem Körper gespürt!“ Ihr Freund besitze nur zwei Hände, eine bliebe zu viel! Erbost stieß sie hervor: „Die dritte Hand ist von Schuri gewesen! Er griff an meinen Busen. Sicher absichtlich!“
Sandras Freund und ich, wir wunderten uns: „Ohhhh, oh wie unverschämt!“ Wir fanden das Geschehen unmöglich. Schuri gab einzig an: „Entschuldigung! Im Dunkeln habe ich zu wenig gesehen!“
Unerwartet unterbrach die neue Situation, unser erst harmonisches Zusammensein. Sandra, ihr Freund und ich, sprachen aufgewühlt auf Schuri ein: „Bist du verrückt?“ Zusätzlich mahnte mich Sandra: „Pass besser auf deinen Freund auf, Sabine!“
Den Grund seines Handelns wollte ich wissen: „Warum greifst du hinüber, zu Sandra?“ Verschmitzt lächelte Schuri. Sein Gewissen schien rein zu sein: „Passierte unabsichtlich!“
Zu dritt hielten wir ihm vor: „Du hast es mit Absicht gemacht!“ Bei einem verliebten Pärchen erwartete man kein „Fremdgrapschen“. Mich störte, dass Schuri, zu Sandras Busen griff! Stand er auf ihre Figur?
So einen großen Unterschied gab es in diesem Bereich des Körpers gar nicht bei uns Freundinnen, überlegte ich. Sandras Oberweite, war auch eher klein.
Alles geschah abrupt, ich dachte nach, wie weiter handeln? Schuris Ausrutscher ließ mich weder völlig kalt, noch konnte ich total eifersüchtig tun. Sehr tiefe Gefühle brachte ich nicht auf für ihn, nur ein wenig verliebt Schwärmerische. Wir führten noch keine eng verbundene Beziehung.
Von draußen öffnete plötzlich jemand die Tür und sie blieb dann offen. In das verdunkelte Zimmer schien helles Licht herein. Maria sprang auf und stellte sich zu den ankommenden Personen dazu. Ein kleiner Tumult entstand.
Schließlich blieb Marias Silhouette, im Türrahmen allein übrig. Mit ihren braunen, kürzeren, welligen Haaren stand sie ruhig da und erklärte uns nüchtern: „Meine Eltern hörten die Schreie. Jetzt bemerkten sie, wie wir das Zimmer hergerichtet haben. Sie möchten niemand auf den Matratzen, im Dunkeln liegen haben!“ Es gab ein Betteln unsererseits: „Maria, sage deinen Eltern bitte, alles ist viel harmloser, als es auf den ersten Blick aussieht!“ Leider ließen sich Marias Eltern keineswegs umstimmen. Sie forderten den Abbruch der Party. Maria bestimmte: „Jeder muss nach Hause! Leider.“
Natürlich bestand die Möglichkeit, dass Marias Eltern einmal im Matratzenzimmer nach uns gesehen hätten, auch ohne Sandras Geschrei und ihnen die Lage missfallen hätte. Auf jeden Fall löste das Fremdgrapschen von Schuri, eine Kettenreaktion aus. Die zerstörte Stimmung, ließ sich nicht mehr aufhalten. Wir wurden heimgeschickt. Eine sofortige Entscheidung, ob Schuri wirklich mein Freund bleiben sollte, entfiel!
Mit dem Auto musste mich mein Vater frühzeitig abholen kommen, ich rief ihn an. Meine Eltern erfuhren davon, dass uns Marias Eltern verfrüht heimschickten, wegen zu viel Dunkelheit im Zimmer und überhaupt reagierten sie konservativ. Klar beteuerte ich, es wäre ja sowieso nichts passiert, dort auf der Party!
Die Entscheidung des Partyabbruchs, fanden meine Eltern aber ganz OK und wenig dramatisch, sondern eher amüsant. Sie meinten, Marias Eltern hätten sich gesorgt und pflichtbewusst gehandelt. Das Thema Pyjamaparty gefiel eben nur uns Jugendlichen.