Velvet and Venom

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Summary

„Ich liebe dich wie Samt auf meiner Haut – warm, weich, ein Versprechen, das süchtig macht. Und ich liebe dich wie Gift in meinen Adern – brennend, tödlich und zu tief, um es jemals herauszuschneiden. Du bist mein Trost und mein Untergang, Claire, und ich will beides. Selbst wenn du mich vergiftest, werde ich dich trinken, bis nichts mehr von uns übrig ist.“

Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 - das wahre Monster

CLAIRE

Meine Hand zittert, doch mein Herz hämmert so laut, dass ich befürchte, er könnte es hören.

Die Waffe in meiner Faust fühlt sich an, als wäre sie aus Blei, und der kalte Stahl brennt auf meinen schwitzigen Fingerknöcheln. Vor mir, kaum einen Meter entfernt, steht er: Elijah. Die Schatten der Nacht tanzen über sein Gesicht, während sein Blick unverschämt ruhig bleibt.

„Traut sich unsere Prinzessin etwa nicht, einem Arschloch wie mir ins Bein zu schießen?”

Seine tiefe Stimme zerschneidet die Dunkelheit.

Obwohl ich seine Silhouette klar erkennen kann, fühlt sich mein eigener Körper fremd an, als würde ich durch eine Glasscheibe auf mich selbst blicken.

Ich schlucke hart und zwinge mich, die Pistole noch fester zu greifen, sodass sich meine Fingernägel in meine Handfläche graben.

Sein Lachen – tief, bösartig, höhnisch – hallt durch den Raum und durchdringt mein Innerstes.

„Du warst doch überzeugt, mich töten zu können … Das Biest zu bändigen, ein für alle Mal.“

Seine Worte kriechen wie Schlangen in meinen Kopf und wickeln sich um meine letzten Reste von Mut.

Verdammt, Claire. Jetzt. Du musst es jetzt tun, bevor er dich ein weiteres Mal schnappt.

Bevor er dich wieder erniedrigt, dir jede Würde raubt und dich für das bestraft, was du bist.

Dies ist deine einzige Gelegenheit.

Wenn du sie nicht nutzt, gibt es kein nächstes Mal.

Dann kannst du dir gleich selbst eine Kugel in den Kopf jagen und alles beenden.

Ein gleißender Gedanke zuckt durch meinen Schädel.

Was, wenn das tatsächlich der einzige Weg ist, dieser Hölle zu entkommen?

Was, wenn der einzige Ausweg ins Nichts ist und ich niemals wieder an seine Hände, seine Gewalt, seine Stimme denken muss?

Doch was, wenn ich versage? Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe und diese Kugel mein eigenes, endgültiges russisches Roulette ist?

Meine Knie geben beinahe nach, als ich flüsternd frage:

„Kann ich das Biest wirklich zähmen?“

Die Pistole fühlt sich wie ein Fremdkörper an, sie ist schwer und bedrohlich, als würde sie meine Unsicherheit spüren.

Mein Körper bebt, Schweiß rinnt mir den Nacken hinab und meine zerrissene Kleidung klebt an der Haut.

Ich bin erschöpft. Ausgelaugt bis ins Mark.

Er beobachtet mich mit einem leisen, grausamen Vergnügen, als würde ihn meine Verzweiflung nähren.

Sein psychotisches Grinsen entblößt sich, seine grünen Augen funkeln und durchbohren mich, als gäbe es in mir kein Geheimnis mehr.

„Tu es … zeig mir, dass du mich besiegen kannst, Claire. Beweise, dass du nicht das brave Mädchen bist, für das dich alle halten … Zeig mir dein wahres Gesicht. Das Monster in dir.

Er tritt einen Schritt näher und seine Präsenz lastet wie eine Lawine auf meiner Brust.

Seine Stimme klingt wie ein Befehl und wie eine Versuchung zugleich.

Mein Herz bleibt für einen Schlag stehen. Die Zeit dehnt sich zu zähem Harz.

In meinem Kopf höre ich eine fremde, eindringliche Stimme:

„Du kannst entkommen. Jetzt. Nur jetzt.“

„Tu es“, flüstert sie, doch seine Stimme übertönt sie.

„Tu es, Claire … bevor ich es tue. Eins … Zwei …“

Er hebt die Hand und zählt mit ausgestreckten Fingern – ein makabres Spiel.

Etwas zerreißt in mir.

„Du willst das Monster sehen?“ Meine Stimme ist nur noch ein Schatten von sich selbst, während mein Blick brennt.

Alle Lügen, alle Demütigungen, alles, was ich je zu lieben glaubte, waren nichts als ein grausamer Betrug.

Langsam und beinahe feierlich, richte ich die Waffe an meine eigene Schläfe.

Mein Daumen zieht die Sicherung zurück. Der kalte Lauf bohrt sich in meine Haut, während die Luft im Raum stillsteht.

„Wir sehen uns in der Hölle, Elijah.“

Ich spanne den Finger –

Ein zackiger Schlag ans Handgelenk. Schmerz, ein Aufprall. Die Pistole fliegt, schrammt über den Boden und bleibt unter dem Tisch liegen.

„Nein, Claire.“ Er hebt sie auf, als wäre es ein Kinderspielzeug. „Selbstmord ist die feige Abkürzung. Und du weißt: Ich liebe lange Wege.“

Er drückt das Magazin aus, und die Patronen kullern wie billige Murmeln heraus. Dann wirft er die Pistole beiseite und zieht einen Revolver aus dem Jackett. Er ist alt, gepflegt und wirkt fast feierlich.

„Das hier spielt man nicht mit Plastik und Federdruck. Das hier hat Trommel, Atem, Charakter.“ Seine Mundwinkel zucken. „Ein Klassiker. Wie wir.“

Er klappt die Trommel aus, kippt die Kammern leer und nimmt eine Kugel zwischen Daumen und Zeigefinger, als wäre sie ein Schmuckstück. „Eine für uns.“ Ein kurzer Glanz, dann verschwindet sie im Stahl. Die Trommel dreht sich, Metall säuselt über Metall, es ertönt ein weiches Einrasten.

Er tritt näher, so nah, dass sein Schatten meine Knie verschluckt. „Ich hätte dich fast verloren, Claire. Wochenlang habe ich Türen geöffnet und gehofft, dass du dahinter stehst. Ich habe mir eingeredet, ich könnte ohne dich. Ergebnis: Geräusch. Kein Leben.“ Ein leises, fast belustigtes Schnauben. „Also Schluss mit der Lüge.“ Er nötigt mich, auf dem Stuhl Platz zu nehmen, der im kahlen Raum noch steht.

Er setzt sich mir gegenüber und wirkt entspannt, als würde er auf den Kellner warten, der gerade mit einem anderen Gast beschäftigt ist. „Regeln? Einfach. Wir drücken abwechselnd. Ich beginne. Gentlemanregel.“

Der Hahn spannt. Er legt den Lauf an seine Schläfe, schaut mich ruhig an und drückt ab.

Ein trockenes Knacken ertönt. Kein Schuss.

„Siehst du? Ich halte mich an meine Versprechen.“ Er schiebt mir den Revolver über den Tisch. „Du bist dran.“

Meine Finger greifen nach dem kalten Griff. Das Gewicht stimmt. Ich setze den Lauf an. Er beobachtet mich – nicht wie ein Jäger, sondern eher wie jemand, der sehen will, ob sein Name richtig geschrieben ist.

Ich drücke ab.

Leerlauf. Die Luft kehrt zurück.

„Fein.“ Sein Blick bleibt auf meinem Gesicht. „Du bist hübsch, wenn du dich weigerst zu brechen. Es macht mich wahnsinnig.“

„Du bist wahnsinnig.“

„Nur in deiner Nähe.“ Ein dünnes, ironisches Lächeln. „Berufsrisiko.“

Er nimmt die Waffe wieder an sich und entspannt seine Schultern, als wäre dies eine Übung. Hahn, Stahl, kurzer Druck – nichts. Er atmet aus, als hätte er damit gerechnet, und legt den Revolver wieder vor mich.

„Noch eine.“

Ich will etwas erwidern, aber dann brennt plötzlich eine Träne, unerwartet und dumm. Sie rollt einfach. Sein Blick folgt ihr, als hätte er sie bestellt. Er hebt den Daumen und streift sie weg – sachlich, ohne Pose.

„Beweisstück A: Du bist noch da.“ Sein Ton ist trocken, beinahe amüsiert. „Und ich bin noch nicht fertig.“

„Fass mich nicht an.“

„Keine Sorge. Ich rühre nur an das, was uns gehört.“ Er deutet auf die Waffe. „Dein Zug, Claire.“

Ich atme flach, setze den Lauf ein zweites Mal an und drücke ab. Wieder ertönt nur die Mechanik.

Er lehnt sich zurück, kippt den Kopf, als würde er einen Takt mitzählen. „Was ich an dir liebe? Du glaubst, du könntest mich aus dir herausargumentieren. Ich habe es versucht. Ergebnis: Nachts höre ich deine Schritte in fremden Zimmern und deine Stimme in meinem Schlaf. Du fehlst sehr laut.“

„Das ist keine Liebe. Das ist Besitz.“

„Ja.“ Er zuckt kaum merklich mit den Schultern. „Endlich verstehst du mich.“

Er steht auf, kommt um den Tisch herum und stellt sich neben mich. „Näher“, sagt er leise, und es klingt wie ein schlechter Witz, den nur er erzählen darf. Seine Hand liegt kurz auf meiner Schulter, so beiläufig, dass es schlimmer ist als ein fester Griff. Er nimmt den Revolver, setzt den Lauf an meine Stirn und legt seinen Zeigefinger über meinen.

„Gemeinsam.“ Ein Hauch von Spott. „Teamarbeit. Ich weiß, wie sehr du das liebst.“

„Ich liebe gar nichts an dir.“

„Lüg mich hübsch an.“ Er ist so nah, dass ich seine warmen Worte auf meiner Haut spüre. „Komm, sei mir gegenüber höflich: Nenn meinen Namen.“

Ich schweige. Er lacht leise, ehrlich amüsiert.

„Gut, dann sag deinen.“

„Claire.“

„Ja, so klingt er richtig.“ Seine Stimme senkt sich. „Hör zu: Wenn du gehst, folge ich dir. Unter die Erde, über das Wasser, hinter jede Tür, die du zuschlägst. Es gibt kein Leben ohne dich. Es gibt nur Wartezeit. Ich bin schlecht im Warten.“

„Das ist krank.“

„Das ist konsequent.“ Ein gepflegter Zynismus liegt auf seiner Zunge. „Ich habe keine Reserven an Vernunft mehr. Ich habe dich.“

Er hebt den Revolver einen Hauch, justiert, als würde er eine Schraube nachziehen. „Und falls du dich fragst, warum ich zuerst gedrückt habe: Ich trauere um dich vor dem Verlust. Jeden Tag. Das ist effizienter.“

„Du redest dir alles schön.“

„Natürlich. Schönheit ist Handwerk.“ Eine Sekunde Stille. „Bereit?“

Ich antworte nicht. Er braucht keine Antwort. Seine Hand liegt fest über meiner, nicht hart, aber eindeutig. Der Abzug gibt nach. Ein Atemzug. Ein kaum hörbares Rasten in der Mechanik.

„Kleiner Tipp“, murmelt er ironisch mild. „Denk an etwas Schönes. Ist gut fürs Fotoalbum.“

Ich denke an nichts. Nur an jetzt.

Der Hahn fällt –

… und die Welt hält den Atem an.