DIE WILDE AUSGEHNACHT
ERST ÜBER EINE WENIGER WILDE AUSGEHNACHT
Die Wochenendnächte im Einzelnen verliefen unterschiedlich. Wir Freundinnen erhofften uns eine Sensation und blieben bis zur Sperrstunde im Lokal. Öfter passierte nichts Aufregendes, dann wiederum gab es Ereignisse, wodurch die Chance anstieg, für eine extra Portion an Sensation.
Einmal im Dark-Night-Club, als es schon spät war, trommelte Andi Leute zusammen. In seinem großen Elternhaus hatte er sturmfrei und beschloss, die günstige Situation zu nützen. Er lud verschiedene Leute ein, unteranderem uns zwei Freundinnen. Da Birgit voll auf Andi stand, nahm sie die Einladung freudig an. Natürlich mochte ich zur spontanen Party mit. Meine Eltern würden sich wieder Sorgen machen, denn es könnte Morgen werden, bis ich heimkäme. Das bliebe aber ihr Problem. Ich war mittlerweile erwachsen, mein Vergnügen würde nie ihres werden, ihre Sorgen nicht automatisch die meinen.
Das geräumige Haus füllte sich mit jungen Leuten. Einen Teil von Andis Partygästen sah ich beim Ausgehen in unserer Stadt bereits öfter. Nun trank man Alkohol und hing herum. Musik hallte laut durchs ganze Haus. Außerdem lockerte ein Joint die Atmosphäre auf. Die Gelegenheit dieser seltenen Abwechslung nützte ich und zog auch neugierig daran. Wahrscheinlich war ich schon zu müde dazu, denn Müdigkeit bestimmte die Wirkung am meisten.
Welche Personen das Haschisch konkret verkauften, besprach damals mit mir keiner so genau. Als gelegentliche Mitraucherin brauchte ich es nicht zu wissen. Manche Leute saßen einfach an der Quelle für das illegale Zeug. Ein Stammabnehmer davon war Andi sicher. Suchtartig gerne mochte er das Haschisch. Er kiffte zumindest ziemlich oft und ließ andere auch daran teilhaben. Mag sein, dass für Andi manchmal härteres Zeug mit im Spiel war, doch für uns gab es nur Haschisch. Sein italienischer Freund Marco hatte mit Drogen zu tun. Gerüchtehalber hörte ich davon. Mit seinem Markenzeichen, einer dunklen Sonnenbrille in schwarzer Lederjacke, sah man den Italiener auf der Party.
Von den Männern, die sich auf Andis Party aufhielten, gefiel mir am ehesten Marco. Flüchtig kannte ich ihn. Er, der Mann mit italienischen Wurzeln, galt als extrem cooler Typ. Marco war ein paar Jahre älter als ich. Die schwarze Lederjacke passte ihm gut und das viele, benützte Haargel. Auffällig an seinem Aussehen, stachen die markanten Gesichtszüge hervor. Sie passten zum schwarzen, gegelten Haar und seinem Italo-Look. Ein bisschen mit italienischem Akzent sprach Marco, was durchaus anziehend klang. In dieser Nacht sah ich ihn bald nicht mehr. Die meisten Leute verteilten sich im Haus. Sie wanderten darin herum. Darunter befanden sich Marco und auch Birgit.
Im weitläufigen Wohnzimmer blieb ich zurück, und zwar auf dem Sofa. Müde! Hingegen Birgit verhielt sich zu vorgerückter Uhrzeit, sehr lebendig. Sie war im Haus unterwegs. Zu einem Rundgang wollte ich mich gar nicht aufraffen, sondern fiel in ein Stimmungstief. Statt aufregend, wurde es langweilig. Marco, der mich etwas interessiert hätte, blieb abgetaucht und von der Bildfläche verschwunden.
René, mein vergangener „Kurzzeit-Lover“ auf den ich eigentlich immer noch stand war Andis Freund, aber leider nicht anwesend. Andi, der uns Mädchen eingeladen hatte, würde früher oder später sicher wieder Birgit beachten. Sie setzte sich mit aufmunternden Zeichen der Zuneigung dafür ein, von ihm beachtet zu werden.
Solche Geschehnisse liefen für mich nebenher. Nach dem Joint rauchen hielt mich nichts mehr munter. Es geschah, dass ich am Sofa einnickte, trotzdem sich ein paar Leute im selben Raum befanden und die Musik laut spielte.
Mit einer Neuigkeit kam Birgit zurück. Gut gelaunt aber aufgeregt, setzte sie sich aufs Sofa dazu. Durch ihre Lebendigkeit wurde ich munter. Sie berichtete: „Pah, Sabine, das hättest du sehen sollen. Marco ging einem Mädchen, ganz schön an die Wäsche.“ Daraufhin erfuhr ich, die zwei kamen erst bei dieser Party als Paar zusammen und verzogen sich in ein freies Zimmer.
Die Tür stand offen, ohne Absperrung. Es passierte, dass man im Dämmerlicht sehen konnte, was sich im Raum abspielte. Im konkreten Fall beobachteten ein paar Leute, wie Marco mit dem Mädchen nackt, bei vollem Körpereinsatz, den Geschlechtsverkehr vollzog. Birgit unterstrich ihre Aussage: „Echt! Wirklich, die trieben es miteinander. Ihnen waren Zuseher egal, sonst hätte die offene Tür gestört! Stell dir das vor, Marco lag unten und das Mädchen oben.“
Wir kicherten und glaubten zum Abschluss: „Die waren bestimmt bum zu.“
Mich amüsierte Birgits Erzählung. Ich machte mir ein Bild daraus: „Wahrscheinlich ist Marco das Mädchen gleichgültig. Es scheint aber, sie hatten beide ihren Spaß dabei. Mir ist Marco egal. Jedenfalls bin ich zu müde für die Party.“
Hätte ich das live, mit eigenen Augen gesehen, sowie Birgit, hätte ich auch gestaunt, wegen dem wilden, gebotenen Szenario. Irgendwie klang die Nacherzählung peinlich fürs Mädchen, da man gleich darüber schmunzelte. Sofern die zwei hemmungslosen Sex hatten, ohne aufzupassen, dass die Tür geschlossen war, konnte man aber annehmen, sie standen auf Zuseher! So viel wusste ich, was dem einen peinlich ist, kann den anderen anturnen. Den Klatsch der Party registrierte ich. Während Birgit noch länger bleiben wollte, beschloss ich zu gehen, freute mich aufs eigene Bett daheim.
DIE WILDE AUSGEHNACHT
Ein „One-Night-Stand“ konnte geschehen, in der Zeit, als wir zwei besten Freundinnen oft und lange ausgingen. Obwohl es gewöhnlich so war, dass man den Mann bereits vorher von irgendwo her kannte. Birgit und ich stellten ja öfter fest: „Immer sind die gleichen Leute unterwegs.“ Darum kamen Begrüßungen vor, mit „Hallo!“, ohne sich wirklich zu kennen, aber manchmal den Namen oder sonst eine Information vom anderen schon wusste.
Unsere Aufmachung fürs Ausgehen zielte dahingehend ab, sexy zu wirken und jemand Interessanten näher kennenzulernen. Imposantes Gehabe zwischen Männern und Frauen entstand im Nachtleben, da man sich gegenseitig gefallen wollte. Alkohol beeinflusste mein Verhalten gelegentlich. Leicht benebelt, wurde alles locker genommen. Die richtige Mischung sollte es sein, mit etwas Wein oder Sekt aber nicht zu ausschweifend viel Alkoholkonsum. Erfolge einer langen Ausgehnacht lagen mehr daran, sich berauscht zu fühlen, durch gute Musik, tolle Leute, dem chicen Lokal und guter Stimmung. Positive Überraschungen, wie z.B. interessante Einladungen, sollten sich ergeben.
Eine Ausgehnacht gab es, die wir zwei beste Freundinnen im kleinen Tanzclub, dem"Sky", begannen. Wir hielten Ausschau: „Wen kennen wir? Wer ist heute Nacht unterwegs?“ Doch beinahe reagierten wir enttäuscht: „Lauter Fremde sind im Lokal. Die Nacht verläuft total ruhig.“
Reizvolle Komponenten berieselten einem nebenher automatisch, wie die stimmungsvolle Dämmerbeleuchtung, samt einladender Barausstattung mit alkoholischen Getränken und die gute Soulmusik. Kaum war gerade etwas besser als der Song „Purple Rain“, den „Prince“ sang. Beim DJ lag er oft am Plattenteller, fast gleich wie „Your Love is King“ von der Sängerin „Sade“.
Begehrte, männliche Blicke sollten unser Styling Ergebnis bzw. das Abend-Make-up würdigen. Möglichst perfekte Schminke zielte viel aufs sexy Aussehen ab. Bei den sorgfältig ausgewählten Shirts mit Hosen betonten breite Taillengürtel die Figur und frischten die Kleidung auf. Für ein nächtliches Abenteuer fehlte uns etwas Spezielles, wie z.B. eine Einladung zu einer spontanen Party oder einem „Videoabend“ oder einfach ein passender Mann im Lokal. Vom Typ her wäre eine erotische Ausstrahlung bei ihm erwünscht worden.
Ein Bekannter tauchte auf, mit schwarzer Lederjacke und dunkler Sonnenbrille. Birgit bemerkte ihn als erstes: „Marco, der Italiener lehnt vorne an der Bar.“
„Er gibt sich wieder besonders cool. Es scheint so, dass er allein unterwegs ist,“ sagte ich. Wir beobachteten ihn. Selbstbewusst sah er aus und durchaus anziehend, doch irgendwas an ihm wirkte übertrieben, zu machohaft.
Birgit ließ mich wissen: „Von zu viel Drogenkonsum wurde Marco sicher lichtempfindlich. Er snieft verdächtig oft durch die Nase, als ob er sich vorher Koks reinzog. Wenn jemand kokst, verhält er sich wie Marco.“ In der Theorie, bekam ich Ahnung vom Koksen, wollte nochmal die Bestätigung hören: „Glaubst du das wirklich?“
Mit Überzeugung betonte Birgit: „Ja, man verliert beim Koksen sein natürliches Gefühl in der Nase. Die reingezogene, pulvrige Substanz macht abgehoben.“ Ich wusste, man sollte sich erst gar nicht näher für Koks interessieren, denn es war teuer und ein Suchtmittel. Mir reichte es, die seltene Gelegenheit nützen zu können an einem Joint zu ziehen, wenn mir das jemand anbot. Doch Marcos übertrieben cooles Auftreten, passte auf Birgits Beschreibung eines Koksers.
Im feinen, kleinen Lokal entdeckte uns Marco schon wenig später. Er grüßte, gesellte sich zu uns dazu, legte sich ins Zeug und kam mir nahe. Bis dahin kannte ich ihn einzig von kurzen Begegnungen, da er Andis guter Freund war. Das letzte Mal auf Andis Party, entstand ja eine aufregende Klatschgeschichte über ihn. Marco trieb es nach dem Joint rauchen, bei offenstehender Tür mit einem Mädchen dort! Ein solch hemmungsloses Verhalten hätte nicht jeder geschafft. Das benötigte eine gehörige Portion Selbstgefälligkeit ohne Scham.
Nun im Lokal mit Marco an der Bar, musterte ich ihn genauer. Seine pechschwarzen Haare waren vorne ein bisschen länger. Dafür frisierte er sie strähnig aus dem Gesicht, nach hinten. Für den richtigen Halt wurde das viele Haargel benötigt. Zur modischen, schwarzen Lederjacke passte alles andere an Marco gut, eigentlich auch die völlig dunkle Sonnenbrille. Sein Markenzeichen eignete sich aber nicht zur nächtlichen Uhrzeit. Scherzhaft wies ich darauf hin: „Hier drinnen, scheint keine Sonne, Marco. Du könntest die Sonnenbrille nachts abnehmen.“ Er behielt sie oben, begründete: „Meine Augen sind sehr empfindlich bei Licht.“
„Ach, wieso? Ist dein Nachtleben zu wild?“, wir Mädchen lachten, denn es war im Lokal gar nicht so hell. Welche wahrscheinliche Eigenheit dahintersteckte, erklärte mir vorhin Birgit, doch für Marco blieb es beim unwissenden Schulterzucken. Jedenfalls hatte er ein großspuriges Auftreten, im Mafioso-Stil. Er hätte aber niemals vom Koksen gesprochen. Der Italiener tat cool. Er wohnte bereits sehr lange in unserer Stadt, verstand wie ein Einheimischer unseren Dialekt, sprach trotzdem mit seinem leichten, italienischen Akzent. Seinen südländischen Einschlag bemerkte man, denn einen Sizilianer stellte ich mir genauso vor, wie er aussah.
Dicht an mir blieb Marco dran und erklärte: „Ich treffe mich mit einer Kellnerin in einer naheliegenden Bar. Sie ist nicht meine Freundin, ich bringe ihr nur etwas vorbei. Schön wäre es, wenn ihr zwei dorthin mitkommt.“ Aus irgendeinem Grund, den er uns Freundinnen erst verheimlichte, gab es Marcos Verabredung mit der Kellnerin, obwohl er kein Verhältnis mit ihr hatte. Er hörte sich eigenartig an aber auch interessant. Er ließ durchsickern: „Einen Joint könnten wir in dieser Nacht noch alle zusammen rauchen.“
„Ja warum nicht, es ist Wochenende!“ wir waren dabei.
Kurz bevor die besagte Bar zusperrte, kamen wir an. Flüchtig kannte Birgit die blonde Kellnerin mit der flotten Bob-Frisur. Sofort unterhielten sie sich angeregt miteinander. Die modische, junge Kellnerin betonte ihre Freude auf die bevorstehende Sperrstunde und ihren Feierabend. Sie lud uns drei ein, wir sollten zu ihr nach Hause mitkommen.
Birgit und ich, wir sagten rasch einmal zu und Marco wollte sowieso in ihre Wohnung mitfahren. Durch unsere Annahme der Einladung, passierte nichts völlig Ungewöhnliches. Es rückte die Vorstellung gemeinsam einen Joint zu rauchen, einfach ein wenig näher. Das machte man nachts öfter, zur privaten Unterhaltung, sofern jemand Haschisch besaß und den nötigen Platz für ein paar Leute hatte.
Mit der Kellnerin, in deren Auto, fuhr Birgit davon. Hingegen ich saß in Marcos Golf als Beifahrerin neben ihm. Er wusste, wo die Kellnerin wohnte. Das war ein kleines Stück außerhalb der Stadt. Bei Gelegenheit musterte ich sein Aussehen genauer. Sein markant geschnittenes Gesicht fiel auf. Marcos Gesichtszüge sahen mir eine Spur zu hart aus. Es konnte damit zu tun haben, da er ein paar Jahre älter war. Ich glaubte das mal gehört zu haben, er war um die fünf- oder sechsundzwanzig herum. Die Möglichkeit bestand, dass diese Altersangabe nicht ganz stimmte und er z.B. schon achtundzwanzig war, dann wäre er zehn Jahre älter gewesen als ich. Die paar Jahre auf oder ab fand ich gerade total egal. Mein restliches Leben lang brauchte er ja nicht zu mir zu passen. Für eine Affäre gefiel mir Marco gut. Seine Statur war schlank. Nach genauer Betrachtung fragte ich: „Du siehst wie ein typischer Italiener aus, Marco. Außerdem ein bisschen, nach Mafia. Hast du, mit der Mafia zu tun?“
Cool lächelte er, nahm meine Hand und legte sie unter seine, auf den Knüppel der Gangschaltung: „In Italien bekommt man schnell mit der Mafia zu tun. Fast jeder hat dort irgendeine Verbindung dazu.“
Amüsiert lächelnd sagte ich: „Das hört sich gefährlich an!“ Hand in Hand blieben wir die ganze Fahrt über und schalteten mit vereinten Kräften, die Gänge.
In der Wohnung angekommen setzten wir vier uns zusammen ins Wohnzimmer und Marco bereitete einen Joint vor. Wir saßen in einer modernen, großen, sauberen Wohnung. Noch fühlte ich mich als „normale“ Besucherin. Also wir würden mit jeweils einem Getränk in der Runde etwas tratschen und blieben vielleicht eine Stunde. Allerdings rückte mir Marco auffallend nahe an die Seite. Birgit sprach voller Begeisterung mit der Kellnerin: „Wow, chic ist es hier.“ Meine Freundin erhielt neue Eindrücke und viel Gesprächsstoff: „Die Palme wächst überdimensional gut. So riesig! Du hast schöne Pflanzen.“ Dankend nahm die Kellnerin die Lobeshymnen an, Birgit staunte weiter: „Deine Handtasche sieht toll aus. Unglaublich die Qualität. Ist die echt?“ Damit meinte Birgit eine teure Marke. Das „Louis Vuitton“ Logo der Beuteltasche erkannte man, da es überall am Leder aufgedruckt war und gerade oft ähnlich nachgemacht als billiges Imitat verkauft wurde. Die Kellnerin lächelte bescheiden: „Echt!“ Sie war bereits eine richtige Frau, älter als wir Mädchen, eher so in Marcos Alter, sah selbst übermäßig gepflegt aus, direkt teuer.
Genaueres wollte Birgit über die verschiedensten Dinge im Wohnzimmer und der Gastgeberin wissen. Hingegen Marco sprach dann mit der Kellnerin in „geheimer Sache“. Diese vertrauliche Angelegenheit ging mich und Birgit nichts an. Wir Mädchen kapierten aber, Marco übergab ihr etwas Illegales, es ging „mindestens“ um Haschisch. Das Gespräch darüber verstand ich nur teilweise. Die Kellnerin lobte lächelnd seine Lieferung und fühlte sich happy. Undurchschaubar für uns Mädchen sagte sie: „Mein Freund wird das Zeug auch gut finden. Danke Marco.“
Der Italiener sah zwar bei ihrer positiven Aussage zufrieden drein, wollte aber Birgit und mir keine öffentliche Erklärung dazu abgeben. Dafür zeigte er mir mit kurzen Berührungen und interessierten Gesten, dass er sich um meine Nähe bemühte.
Den weiß qualmenden Joint reichten wir rundum und zogen uns gelassen das heiße Haschisch hinein. Vorstellbar blieb, dass die überdurchschnittlich modische Kellnerin gelegentlich kokste. Doch egal was sie von Marco erhielt! Jedenfalls war sie sehr zufrieden mit seiner Lieferung. Sie bemühte sich seine Bedürfnisse zu erkennen, übersah nicht, dass er mir sehr nahe rückte. Sie munterte ihn auf: „Ihr könnt ins Schlafzimmer gehen und es benützen. Kein Problem, gerne.“
Marco hatte vor sich mit mir zurückzuziehen, das sickerte durch. So laut und deutlich, wie die Kellnerin sich ausdrückte, machte er es nicht, suchte aber leise nach Bestätigung: „Ist es OK wenn wir hineingehen?“ Vergleichbar locker verhielt sich die Kellnerin, wie eine Mitbewohnerin einer Wohngemeinschaft. Entspannt bot sie an: „Birgit und ich tratschen in der Zwischenzeit ein wenig.“ Meine Freundin war voll dabei: „Oh ja!“
Die gelöste Atmosphäre während unseres Aufenthaltes gefiel mir. Das Angebot der Kellnerin klang derart beiläufig, als ob Marco in der Wohnung einen eigenen Schlafraum gehabt hätte, den er benutzen wollte, obwohl die anderen noch munter waren. Ich wusste, er wohnte in Wirklichkeit wo anders, wehrte mich aber nicht gegen den Wechsel des Wohnraumes, mit Marcos Aufforderung: „Sabine, komm mit!“
Wir zwei betraten das Schlafzimmer, schlossen die Türe. Vor uns stand ein großes Doppelbett. In der nächsten Minute lagen wir schon darauf. Die Initiative ging voll von Marco aus. Er gab mir heißblütige Küsse. Unsere Kleidung wurde abgestreift, das machte die Körper nackt. Seine Sonnenbrille legte Marco ab. Außergewöhnlich war die Situation, da wir in dem fremden Bett lagen. Heiß stieg die Stimmung an. Bereits vorhin, im Auto zeichnete sich ab, wir wollten einander näherkommen. Wie? Das klärte sich gerade. Ein bisschen Alkohol hatte ich getrunken und bestimmt wirkte der Joint. Gedanken wurden unbefangen und leicht, durchbrachen die Tabus des Alltags. Spießige und kleinkarierte Überlegungen hatten keine Chance mehr, das berauschte Bewusstsein aufzuhalten. Als ob der alltägliche Sinn für Vernunft, abgelegt wurde. Triebe nach Begehren wurden geweckt und wollten gestillt werden. In den Vordergrund schob sich die gegenseitige, sexuelle Anziehungskraft. Niemand unterbrach den weiteren Verlauf. Wir hielten uns ungestört hinter der geschlossenen Tür im Zimmer auf. Tatsächlich dachte ich daran, keine Beobachter haben zu wollen. An die vergangene Ausgehnacht erinnerte ich mich, auf Andis Party. Da gab es ja zu hören, Marco ließ beim Sex mit einem Mädchen die Türe offen. Bei uns war sie sicher zu, ich warf kontrollierend den Blick darauf.
Zuseher beim Sex zu haben, wäre gegen meine Art gewesen. Moralisch verhielten wir uns ordentlich, beinahe seriös. Die Bettdecke lag über Marco und ich unter ihm. Er stützte sich aber auf der Matratze auf. Das Licht blieb an. Von meiner Position aus sah ich genügend gut, was sich tat zwischen uns. Berauschend rasch ließ sich der Wunsch verwirklichen, den geforderten Sex durchzuführen. Alles verlief, wie man es sich mit einem scharfen Italiener vorstellen kann. Echt nach Klischee! Der Mann erobert die Frau in Windeseile. Heiß auf den Sex, tat Marco männlich, er blieb bemüht zu gefallen. Wie ein Macho ließ er mich all sein Verlangen intensiv spüren, und zwar so lange, bis feste, bestimmende Stöße das Finale ankündigten. Wenige Augenblicke lang lagen wir danach ruhig und zufrieden im Bett. Die Müdigkeit hätte sich breit gemacht. Wir schliefen aber nicht ein, denn Birgit klopfte an der Tür und mahnte: „Fahren wir heim, es ist spät.“
Im Auto saßen wir bald zu dritt. Marco fuhr uns nach Hause. Keineswegs genierte ich mich vor Birgit, da sie von der intimen Szene mit dem Italiener wusste. Sie war selbst auch kein Mädchen der prüden Sorte. Eine schnelle Affäre hätte ihr genauso passieren können. Diesmal ging sie leer aus. Klar, nüchtern betrachtet konnte man sagen, der Kellnerin erschienen Birgits Manieren bestimmt besser in dieser Nacht als meine. Dank Marco verlief das Ende, trotzdem ich einen gewissen Anstand dabei bewahren wollte, wild. Doch es trugen die Umstände dazu bei, dass ich mich wie im persönlichen Zimmer von Marco fühlte. Es hatte sich einfach ein sexuelles Abenteuer mit ihm ergeben. Den Handlungsablauf im Schlafzimmer der Kellnerin hätte ich nicht unterbrechen mögen. Irgendwie gefiel mir der dunkle Italiener ja ganz gut.
Als ich daheim von seinem Auto ausstieg geschah aber eine schmerzlose Trennung. Ich spürte sofort, Sehnsucht zu Marco würde keine entstehen. Umgekehrt kam mir vor, er empfand ähnlich, mich betreffend. Kurz ausgedrückt, sein Verlangen wurde gestillt, die Sache war für ihn erledigt. Mit dieser Beurteilung kam Marco etwas abgebrüht bei mir rüber. Es stand keine Diskussion an, ob und wann man sich wiedersehe. Übermüdet gab es die Verabschiedung, ich mochte mich rasch ins eigene Bett legen.