Trotzlied eines Nebenproduktes
Wir sind der Riss im glatten Stein,
ein Flackern nur im Weltensein,
Gedanken in ein Nichts geworfen
verwaiste Lichter, stumme Orphen.
Kein Sinn, der uns in Händen hält,
kein Ziel im Bauch der weiten Welt,
nur Geist in einem Fleisch verfangen,
das nie nach Wahrheit hat verlangen.
Ein Hirn, gebaut für Jagen, Flucht,
fragt nun nach Gott, nach Sinn, nach Wucht –
nach Warum und Wozu und Wohin
und bleibt doch taub im Sturm darin.
Doch gerade, weil wir nichts verstehen,
weil Sterne schweigen, Götter gehen,
weil unser Dasein nicht gewollt,
erheben wir uns, ungewollt.
Wir schreiben Lieder ohne Grund,
wir lieben flüchtig, zart und wund,
wir starren in das All und fluchen,
doch hören nie auf, Licht zu suchen.
Wir sind das Trotz, das „Dennoch!“ spricht,
ein schiefer Vers im Weltgedicht,
ein Fehler, der sich aufrecht stellt,
ein Mensch im kalten Schoß der Welt.