Im Schatten der Kathedralen

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Summary

Ich stehe im Schatten der Kathedralen. Nicht als Baumeister, nicht als Priester, sondern als stiller Wanderer. Als einer, der atemlos innehält vor dem, was Menschen mit bloßen Händen und brennenden Seelen erschaffen haben. Ich wollte Teil davon sein, nicht gesehen, aber anwesend. Nicht gefeiert, aber ehrlich. Was ihr in den folgenden Seiten findet, ist kein Versuch, etwas Großes zu schaffen. Es ist mein Versuch, nicht zu zerbrechen. Ein Gedicht ist keine Antwort. Es ist eine Frage, geworfen ins Leere, in der Hoffnung, dass irgendwo ein anderer Mensch zittert wie ich. Wenn du dieses Buch in den Händen hältst, sei gnädig. Nicht mit mir, sondern mit dir selbst.

Genre
Poetry
Author
Lucian
Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Trotzlied eines Nebenproduktes

Wir sind der Riss im glatten Stein,

ein Flackern nur im Weltensein,

Gedanken in ein Nichts geworfen

verwaiste Lichter, stumme Orphen.

Kein Sinn, der uns in Händen hält,

kein Ziel im Bauch der weiten Welt,

nur Geist in einem Fleisch verfangen,

das nie nach Wahrheit hat verlangen.

Ein Hirn, gebaut für Jagen, Flucht,

fragt nun nach Gott, nach Sinn, nach Wucht –

nach Warum und Wozu und Wohin

und bleibt doch taub im Sturm darin.

Doch gerade, weil wir nichts verstehen,

weil Sterne schweigen, Götter gehen,

weil unser Dasein nicht gewollt,

erheben wir uns, ungewollt.

Wir schreiben Lieder ohne Grund,

wir lieben flüchtig, zart und wund,

wir starren in das All und fluchen,

doch hören nie auf, Licht zu suchen.

Wir sind das Trotz, das „Dennoch!“ spricht,

ein schiefer Vers im Weltgedicht,

ein Fehler, der sich aufrecht stellt,

ein Mensch im kalten Schoß der Welt.