Kapitel 01: Prolog
Der Himmel ist finster, obwohl es helllichter Tag sein sollte. Unzählige Regentropfen störmen vom Himmel herab und das laute, ohrenbetäubende prasseln, wenn die Tropfen auf dem Boden zerspringen, macht es beinahe unmöglich etwas zu hören, dass weiter als ein paar Meter entfernt ist. Ein junger Mann steht vollkommen allein auf einer Wiese. Um ihn herum, Grabsteine. Er scheint nicht durchnässt zu sein, trotz des gewaltigen Regenschauers. Es scheint sogar so, als würden die Regentropfen ihn überhaupt nicht berühren. Er bewegt sich nicht, sondern schaut nur direkt vor sich herab, auf den Boden. Sein Blick, gleichgültig. Einen halben Meter vor ihm breitet sich eine klebrige Suppe aus Blut und Eingeweiden aus, welche sich mit dem Regen vermischt und bereits jetzt schon dabei ist zu verschwimmen. Die sonst so grüne Wiese und die sonst so schwarzen Schuhe des Mannes nehmen ein dunkles Rot an, als das Blut-Eingeweide-Gemisch weiter auf ihn zufließt. Es lässt sich, unter anderem, ein einzelnes Auge und eine halb aufgelöste Niere, welche in der Brühe schwimmen, erkennen. Der metallische Geruch von Blut liegt in der Luft.
Der Junge Mann seufzt enttäuscht. >>Er wollte ja nicht hören und jetzt hab ich den ganzen Mist an meinen Schuhen kleben.<< Seine Stimme klingt monoton und müde, als hätte der junge Mann eine lange Schicht, mit Überstunden, gerade hinter sich und würde nur noch in sein Bett wollen. >>Ich verstehe sie einfach nicht... Diese Menschen.<< Im nächsten Moment ist er weg, als hätte dort nie jemand gestanden und mit Ihm der Regen. Stille kehrt ein, da das dröhnende Geräusch des Regens verschwunden ist. Die Sonne scheint und trocknet bereits das grüne Gras. Von dem Gemisch aus Blut, Eingeweiden und Regen ist kaum noch etwas zu sehen.
Was sind Götter? Sind es Personen mit übermenschlichen Fähigkeiten, oder eine allgegenwärtige Macht die uns umgibt? Woher kommen sie und gibt es sie wirklich? Das sind Fragen auf die wir vermutlich nie eine klare Antwort bekommen werden. Aber eins ist sicher, der Glaube an sie gibt uns Kraft und erfüllt uns mit Hoffnung in schweren Zeiten. Allerdings, wer hat uns je versichert dass Götter gütig sind? Wir beten zu ihnen und verlangen Wunder. Doch würdest du einer Ameise einen Wunsch erfüllen? Oder würdest du überhaupt die Existenz einer einzelnen Ameise bemerken, geschweige denn Wissen was sie braucht oder was sie will? Es ist wahrscheinlicher dass dir das Verständnis dazu fehlt und du unbemerkt über sie drüber läufst. Das ist vollkommen normal. Nun stell dir vor du wärst gezwungen dir eine Ameise auszusuchen, weil du ihre Hilfe brauchst und es ist wichtig dass du die richtige auswählst, da sonst schlimmes passieren könnte. Vermutlich nimmst du einfach irgendeine. Solltest du die falsche Ameise ausgewählt haben wirfst du sie einfach weg und suchst dir eine andere aus. Hasse die Götter nicht wegen ihrer Ignoranz. Es ist alles eine Frage der Perspektive.