Nachtwerk: Tödlicher Beat

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Summary

Die Nächte in Berlin sind laut, wild und endlos – vor allem in der schwulen Techno-Szene, wo Exzess und Freiheit zu einer Religion geworden sind. Doch in diesem Sommer verdunkelt eine Mordserie das flirrende Licht der Clubkultur: Innerhalb weniger Wochen werden drei junge Männer tot aufgefunden – brutal ermordet, jeder auf seine Weise inszeniert. Gemeinsam haben sie nur eines: Sie waren Teil der Szene. Und sie kannten sich. Kommissar Elias Berendt, neu bei der Mordkommission und mit der Berliner Szene kaum vertraut, wird auf den Fall angesetzt – zunächst widerwillig, dann besessen. Er taucht immer tiefer ein in eine Welt aus Drogen, Sex und endlosen Nächten. Doch je näher er dem Kreis der Opfer kommt, desto mehr gerät sein eigenes Leben aus dem Gleichgewicht. Was Elias nicht weiß: Der Mörder ist näher, als er denkt. Und er trägt eine Dienstmarke.

Status
Ongoing
Chapters
14
Rating
n/a
Age Rating
18+

Der letzte Rave


Der Bass wummert noch in seinen Knochen, als er die Augen schließt und die Arme hebt. Es ist kurz nach sechs, irgendwo zwischen Nacht und Morgen, und die Luft im „Neonvault“ ist dick wie Nebel. Schweiß tropft von der Decke, die Körper um ihn herum bewegen sich im gleichen Takt, verschmelzen zu einer einzigen Masse. Ein letztes Mal gibt er sich dem Rausch hin, spürt die Ekstase wie Strom durch seine Venen jagen. An der Bar bestellt er sich noch einen Wodka Lemon. Der Barkeeper nickt wortlos, Hände so routiniert wie ein Maschinenarm. Neben ihm steht ein Fremder, schwarze Mütze, kantiges Gesicht. Sie tauschen ein Lächeln, vielleicht auch nur ein Zucken der Lippen. Worte verlieren hier jede Bedeutung. Es bleibt bei einem Blick. Draußen empfängt ihn die Kälte wie eine Ohrfeige. Sein Atem formt kleine Wolken, die Straßen glänzen nass vom Regen der Nacht. Er zieht die Kapuze über den Kopf, setzt seine Kopfhörer auf. Ein dumpfer Beat hämmert in sein Ohr, schwächer als der im Club, aber vertraut. Schritte torkeln an ihm vorbei, andere Überlebende dieser Nacht, manche noch lachend, manche schon halb zerfallen. Er beschließt, zu Fuß zu gehen. Keine Lust auf Taxi. Keine Lust auf U-Bahn. Berlin wirkt wie ausgestorben, eine Stadt zwischen den Takten. Industriehallen, Graffiti, rostige Bauzäune. Alles liegt in einer gespenstischen Ruhe, nur sein eigener Herzschlag treibt ihn voran.

Dann hört er sie. Schritte.

Zuerst achtet er nicht darauf. Die Straße hallt, vielleicht ein Echo. Doch nach einigen Metern sind sie noch da. Schwer, gleichmäßig, zu nah. Er bleibt stehen, dreht sich um. Ein Mann in Kapuze. Unauffällig, könnte jeder sein. Er nickt unsicher, will weitergehen. Der Fremde bleibt stumm. Sein Puls steigt. Er lacht kurz, nervös. „Alles gut. Nur Paranoia. Zu viel Koks.“ Er redet mit sich selbst, als wollte er die Stille brechen. Die Schritte brechen sie für ihn. Wieder. Näher. Schneller. Er biegt in eine Seitenstraße. Ein schmaler Hof, Container, eine flackernde Straßenlaterne. Das Licht wirft harte Schatten. Er merkt, dass er in die falsche Richtung läuft – eine Sackgasse. Der Fremde folgt. „Was willst du?“ Seine Stimme zittert, klingt klein in der Leere. Keine Antwort. Nur der Rhythmus der Schritte. Er will rennen, doch sein Körper ist erschöpft. Das Adrenalin kämpft gegen die Müdigkeit der Nacht. Er stolpert, fängt sich, dreht sich um – zu spät. Ein Glanz in der Hand des Mannes, metallisch, kalt. Ein Ruck, ein Stoß, Schmerz explodiert in seiner Brust. Er keucht, ringt nach Luft. Versucht, sich festzuhalten an der Wand, am Leben. Der Beat in seinen Kopfhörern hämmert weiter, als würde er ihn verspotten. Er denkt noch an das Licht, das im Club über ihn tanzte, ein letzter Funken Freiheit. Dann Dunkelheit. Die Silhouette des Täters verharrt kurz über ihm, unbeweglich, als würde er prüfen, ob das Werk vollbracht ist. Dann verschwindet er lautlos in der Dämmerung.

Zurück bleibt nur der Körper, hingestreckt auf kaltem Asphalt. Ein Ohrhörer ist ihm aus dem Ohr gefallen, der andere spielt weiter, dumpf, monoton. Ein endloser Beat, der niemanden mehr erreicht.