โ๐ ๐ ๐ โ แตแตโฟแตโฑแตแตโฟแต
Die ersten Wochen nach jener herzzerbrechenden Nacht waren ein einziger Nebel der Gedanken und Gefรผhle.
Ich schlief schlecht, aร weniger und trieb ziellos durch die Tage. Jeder Raum erinnerte mich an ihn, jedes Gerรคusch lieร mein Herz stolpern, als kรถnnte er plรถtzlich in der Tรผr stehen und sich auf Knien bei mir fรผr diese Lรผgen entschuldigen. Aber er kam nicht. Stattdessen wich er mir aus, mit der Kรคlte eines Mannes, der beschlossen hatte, mich nie mehr anzusehen.
Letztendlich begann ich morgens hinauszugehen. Zuerst nur kurze Strecken, halb Laufen, halb Gehen. Ich tat es, weil ich sonst erstickte. Der Rhythmus half mir, die Gedanken zu ordnen, die Schritte im Kopf lauter werden zu lassen als meine innere Stimme, die sehnsรผchtig nach ihm verlangte.
Nach einem Monat war das Joggen ein fester Bestandteil meines Morgens. Es wurde ein Ritual. Ich stand auf, noch bevor die Sonne die Dรคcher streifte, band mir die Haare zusammen, zog mir Sportsachen an, schnรผrrte mir die Schuhe zu und rannte, bis meine Beine brannten. Und das Brennen tat gut. Jedes Mal wich ein minimales Lรคcheln รผber meine Lippen, als ich wieder Zuhause ankam und meine Beine fast in sich zusammenfielen. In diesen Momenten wurde mir meine Wut und dieses bittere Gefรผhl im Herzen schmerzhaft bewusst. Und auch wenn es komisch klang... aber all das machte mich stรคrker.
Natรผrlich blieb das morgendliche Laufen vor Levi nicht verborgen. Er fragte, wo ich gewesen sei, musterte meine verschwitzten Haare und meine gerรถteten Wangen, als hรคtte ich mich eines Verbrechens schuldig gemacht. "Du bist nicht sicher, wenn du allein rausgehst", sagte er anfangs. "Jemand sollte dich begleiten." Seine Stimme war so sachlich, dass es fast harmlos klang, und doch schnรผrte es mir die Luft ab. Ich lachte verbittert. "Dann lauf doch mit mir, wenn du dich traust." Ein Schatten huschte รผber sein Gesicht, nur fรผr den Bruchteil einer Sekunde. Doch er kam nie mit. Stattdessen lieร er den Vorschlag schnell fallen, und ich tat so, als hรคtte es mich nicht tief getroffen.
Es war schon komisch, dass mir plรถtzlich ein Tag spรคter Nathan morgens รผber den Weg lief. Es war zufรคllig, wie er sagte... er sei ohnehin in der Nรคhe gewesen, habe mich laufen sehen, und warum nicht ein Stรผck mitlaufen?
Am Anfang stรถrte es mich ein wenig. Ich hatte mich an die Einsamkeit gewรถhnt, daran, dass nur mein Atem und meine Gedanken mich begleiteten. Aber Nathan war hartnรคckig. Er tauchte immer wieder auf, grinste, wenn ich die Augen verdrehte, und lief einfach neben mir her. Ohne viele Worte. Mit der Zeit wurde es leichter, ihn dabeizuhaben. Seine Prรคsenz war anders als die Levis, nicht drรผckend und auch nicht kontrollierend. Und vielleicht tat genau das gut.
So vergingen die Monate. Der Winter wich einem ersten, zaghaften Frรผhling. Mein Kรถrper wurde stรคrker, mein Herz schwerer und leichter zugleich. Ich lachte wieder mehr, wenn Nathan dumme Sprรผche machte. Ich fand kleine Momente, in denen Levi nicht in meinen Gedanken auftauchte.
Aber dann gab es wieder Tage, an denen alles zurรผckkam, schon in einer Sekunde. Ein Blick von Leviathan, zufรคllig im Flur, und ein flรผchtiges Gesprรคch, das viel zu sachlich klang, brach mich erneut. Er hatte so viel Kontrolle รผber mich, dass ich nicht einmal bemerkt hatte, dass ich sie nicht mehr hatte.
Nachmittags zwang ich mich manchmal, mit meiner Familie zu essen. Das klappernde Besteck, das Gesprรคch รผber belanglose Dinge, das Lachen, all das fรผhlte sich falsch an, als wรผrde ich in einer fremden Welt sitzen. Levi war auch dort, still, am Ende des Tisches. Er sprach kaum, beantwortete Fragen knapp und rรผckte sein In-Ear-Funkgerรคt zurecht, welches ich seit er wieder mein Bodyguard war, nahezu durchgehend an ihm sah.
Und jedes Mal, wenn ich es wagte, den Blick zu heben, merkte ich, dass seine Augen schon auf mir lagen. Nur fรผr Sekunden und dann war es wieder vorbei. Das waren die Momente, wo mein Herz sich nach ihm sehnte.
Letztendlich wusste ich jedoch: Ganz frei war ich nicht. Ganz frei wรผrde ich wohl nie sein...
Und doch verรคnderte es sich von Monat zu Monat. Vielleicht war es der Frรผhling, vielleicht die Stunden auf der Straรe, in denen der Wind mein Gesicht kรผhlte und meine Schritte schwerer wurden als meine Gedanken. Aber irgendetwas in mir verรคnderte sich. Nathan merkte es zuerst: "Du bist schneller geworden...", sagte er eines Morgens, als wir nebeneinander aus der Stadt hinausliefen. Sein Atem ging ruhig, viel zu ruhig fรผr die Strecke, die wir gerade hinter uns gebracht hatten. "Und du siehstโฆ lebendiger aus." Ich rollte mit den Augen, lachte knapp und zog an ihm vorbei, nur um nicht antworten zu mรผssen. Aber seine Worte brannten in mir nach. Lebendiger. Ich wusste nicht, ob ich das wirklich war oder ob ich es nur besser versteckte.
Manchmal blieb Nathan nach dem Laufen noch auf einen Kakao. Wir saรen dann in der Kรผche, die Haare noch nass vom Regen oder verschwitzt, die Tassen dampfend zwischen uns. Er erzรคhlte Geschichten aus seinem Alltag, von Plรคnen, die er hatte, von kleinen Dingen, die ich sonst nie beachtet hรคtte. Ich hรถrte ihm zu und bemerkte immer wieder diesen Blick in seinen Augen, dieses Zรถgern, als wรผrde er mehr sagen wollen, als er sich traute.
Levi merkte das wohl auch. Denn immer, wenn er den Raum betrat, wรคhrend Nathan da war, wurde die Luft schwerer, dichter. Ein kaum wahrnehmbarer Zug um seine Lippen, ein Blick, der zu scharf wirkte fรผr die Situation. Und manchmal, wenn Nathan gegangen war, hรถrte ich seine Schritte auf dem Flur lรคnger als nรถtig verharren, so, als mรผsste er sich selbst davon รผberzeugen, weiterzugehen.
So vergingen weitere Monate. Sommer kรผndigte sich an, die Tage wurden lรคnger, die Nรคchte wรคrmer. Ich lachte รถfter, sprach leichter und fรผhlte mich fast frei. Fast.
Denn es gab Abende, an denen mich die Erinnerung mit voller Wucht รผberrollte. Ich konnte an einem offenen Fenster sitzen, das Mondlicht auf meiner Haut spรผren, und plรถtzlich war ich wieder in jenem Zimmer, hรถrte seine Stimme, diese Worte, die alles zerstรถrt hatten. "Es ist mir lieber, wenn du mich hasstโฆ"
Und jedes Mal, wenn sich unser Blick im Alltag ungewollt kreuzte, sei es am Esstisch, im Flur oder wenn ich ihn morgens auf dem Flur nach seinem Training sah und selbst vom Laufen kam, wusste ich, dass er sich irrte. Ich konnte ihn nicht hassen und im tiefen Inneren, wollte er das auch nicht.
Also begann ich, von Woche zu Woche eine Wand zu errichten. Nicht sichtbar, auch nicht greifbar, aber fรผr mich fรผhlbar. Ich stellte mir vor, wie sie Stรผck fรผr Stรผck wuchs, wie sich jeder Stein aus einem Teil meiner erzwungenden Abneigung formte. Anfangs war es nur ein dรผnnes Gerรผst, wacklig und kaum haltbar, aber es reichte, um mich fรผr ein paar Stunden gedanklich von ihm loszureiรen. Mit jedem Tag wurde sie hรถher und fester, und ich versuchte, meine Sehnsucht dahinter zu verstecken.
Ich redete mir ein, dass es das Einzige war, was mir half. Dass ich ihn nur so von meinem Herz verschlieรen konnte, denn das war der einzige Weg, um Levi zu zeigen, was er im Begriff war zu verlieren. Er sollte merken, was er fรผr einen Fehler begangen hatte... und deswegen musste ich ohne ihn lernen zu atmen. Er konnte es schlieรlich auch ohne mich.
Und wenn ich ehrlich war, funktionierten meine Wege manchmal. Ich konnte lachen, wenn Nathan etwas Dummes sagte, und konnte ein Buch lesen, ohne dass sein Gesicht zwischen den Zeilen auftauchte.
Levi war weiterhin der typische Eisklotz. Unnahbar, hart und kalt. Vielleicht hatte er recht, als er mir damals sagte, dass es besser sei, wenn ich ihn hasste. Denn er tat alles dafรผr, es mir so leicht wie mรถglich zu machen. Kein Lรคcheln, keine Nรคhe, sondern nur Distanz. Eine Distanz, die so kalt war, dass sie in den ersten Wochen noch wehtat... doch irgendwann nicht mehr. Und doch konnte ich nicht ewig an diesem Punkt verharren. Ich wollte nicht.
Mein Leben konnte sich nicht endlos um ihn drehen, nicht um die Vergangenheit, nicht um seine Worte, die wie Klingen in mir steckten. Also setzte ich neue Prioritรคten. Ich zwang mich dazu, mich noch mehr in meine Rollen der Serien und Filme hineinzufinden, kรผmmerte mich energischer und ehrgeiziger als zuvor um Social Media und bekam dort so viel Wertschรคtzung, wie ich sie unbewusst benรถtigte.
Je lรคnger ich diesen Weg ging, desto leichter wurde es. Ich konnte an ihm vorbeigehen, ohne dass mein Herz stolperte, konnte im selben Raum sein, ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen oder ihn anschauen zu wollen. Und manchmal glaubte ich wirklich, dass ich es schaffte. Dass ich ihn irgendwann hinter mir lassen wรผrde.
Ein paar Monate spรคter begann der Dreh fรผr einen neuen Film. Ich hatte die Hauptrolle voller Hoffnung angenommen, nicht nur, weil es eine groรe Chance fรผr meine Karriere war, sondern auch, weil ich dringend etwas brauchte, das mich ablenkte. Etwas, das mich zwang, mich auf etwas anderes zu konzentrieren.
Levi war natรผrlich auch dabei. Er wich nicht von meiner Seite, wie immer. Sein Funkgerรคt war wie immer unauffรคllig in seinem Ohr versteckt und sein Holster ruhte unter seinen Klamotten. Dieser Anblick lieร mich immer wieder daran denken, was uns passiert war... die Men in Black, mein Bruder und Levi...
Auf dem Set hielt er sich im Hintergrund, beobachtete alles mit diesem kontrollierenden Blick, der selbst im grรถรten Chaos unerschรผtterlich blieb. Er war da und doch nie wirklich greifbar.
Und dann war da Elias. Er war der mรคnnliche Hauptdarsteller, und anders als jeder, den ich bisher kennengelernt hatte. Groร, braune Locken, ein strahlendes Lรคcheln, das fast unverschรคmt wirkte, und diese Leichtigkeit, die alles weniger ernst erscheinen lieร. Elias konnte jede noch so angespannte Situation zerplatzen lassen wie eine Seifenblase.
"Also, wenn wir gleich die Szene verhauen, liegtโs nicht an dir, sondern nur an meinem vรถllig untrainierten Kuss-Gesicht", grinste er einmal, kurz bevor die Kamera lief. Oder er beugte sich verschwรถrerisch zu mir und flรผsterte: "Keine Panik, ich zรคhle innerlich einfach immer das kleine Einmaleins runter, dann vergesse ich, dass mir gerade ein ganzes Team auf den Mund starrt."
Es war unmรถglich, da nicht zu lachen. Elias war kein Aufreiรer, keiner, der sich selbst zu ernst nahm. Eher jemand, der spรผrte, wenn die Luft zu schwer wurde, und sie sofort leichter machte.
Und dann kam die erste Kuss-Szene schneller, als mir lieb war. Die Regisseurin erklรคrte, wie nah wir stehen mussten, wo das Licht fallen sollte, wie langsam wir uns bewegen sollten. Mein Herz raste, nicht wegen Elias, sondern wegen der Gewissheit, dass Levi keine drei Meter entfernt stand. Ich sah ihn in einer dunklen Ecke, die Arme verschrรคnkt, den Blick unbeirrbar auf mich gerichtet. Er war unbeweglich wie eine Statue, aber ich spรผrte ihn, jede Sekunde, stรคrker als die grellen Scheinwerfer.
Elias bemerkte meine Anspannung. Er beugte sich unauffรคllig zu mir, seine Stimme kaum mehr als ein Lufthauch: "Keine Sorgeโฆ ich verspreche, ich beiรe nur, wennโs im Drehbuch steht." Ich musste unwillkรผrlich lรคcheln. Seine Leichtigkeit wirkte ansteckend. Ich atmete tiefer, meine Finger hรถrten auf zu zittern. Fรผr einen Moment war es, als wรผrde er die ganze Schwere in mir wegnehmen, einfach mit ein paar Worten und diesem Blick, der gleichzeitig verspielt und ernst war.
"Undโฆ Action!"
Die Szene begann. Elias trat nรคher, ganz im Rhythmus der Regieanweisungen. Doch als er mich kรผsste, vergaร ich das Skript. Sein Mund war warm, weich und รผberraschend sanft. Keine Spur von Hektik, kein Druck. Nur ein vorsichtiges, aufrichtiges Berรผhren, das eine Welle durch meinen Kรถrper jagte. Ich spรผrte, wie meine Haut kribbelte, wie sich eine unerwartete Gรคnsehaut meinen Nacken hinauf zog. Fรผr eine Sekunde verlor ich das Gefรผhl dafรผr, dass ein ganzes Team um uns herumstand. Es gab nur ihn, diesen Kuss und dieses Kribbeln, das ich nicht erwartet hatte.
"Cut!"
Die Szene war vorbei. Elias lรถste sich langsam, sein Blick blieb jedoch einen Augenblick zu lang an meinem hรคngen. Dann zog er die Mundwinkel hoch, mit einem charmanten Funkeln in den Augen. "Verblรผffend. Ich habe glatt das Einmaleins vergessen."
Ich lachte, viel zu leise, und meine Wangen brannten. Nicht, weil Levi irgendwo in der Nรคhe war. Nicht, weil sein Blick mir die Luft nahm. Sondern weil Elias es geschafft hatte, etwas in mir zum Leben zu wecken, das ich vergessen hatte.
Elias zwinkerte mir noch zu, bevor er mit einem lรคssigen "Ich brauch jetzt definitiv einen Kaffee, sonst kรผssโ ich gleich das ganze Set" davonging. Gelรคchter brach aus, die Spannung lรถste sich, die Crew verteilte sich wie ein Schwarm, der endlich Ruhe gab. Nur ich blieb stehen, das Drehbuch wieder in der Hand, meine Lippen noch immer voller Erinnerung an eben.
Mein Atem war unruhig, nicht wegen der Szenerie, sondern wegen des Gefรผhls, das sie in mir hinterlassen hatte. Ich berรผhrte unbewusst meinen Mund, so, als kรถnnte ich den Moment noch einmal festhalten. Es war lรคcherlich. Es war nur ein Dreh, ein Job, nichts weiter. Und dochโฆ mein Herz pochte schneller als es sollte.
"Alles in Ordnung?"
Die Stimme war kรผhl, sachlich. Ich erstarrte. Levi stand keine zwei Schritte entfernt, die Arme vor der Brust verschrรคnkt, der Schatten der Scheinwerfer hรคrtete seine Zรผge. "Natรผrlich", entgegnete ich hastig und zwang meine Hand von meinen Lippen. "Nicht, dass dich das was anginge.", gab ich nur noch von mir, blickte ihn fest in seine eisigen, hellblauen Augen und ging. Du kannst mich mal, du Arschloch.








