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Das Siegel der Schlange

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Summary

Das Siegel der Schlange" erzählt die Geschichte von Layla, einem Mädchen, das mit einem geheimnisvollen, schlangenförmigen Zeichen auf ihrer Schulter geboren wird. Ihre Geburt fällt mit einer Welle der Dunkelheit und des Unglücks zusammen, die das Königreich heimsucht. Dadurch wird Layla von ihrer Familie und ihrem Volk gefürchtet und gemieden.

Genre
Fantasy
Author
Freya
Status
Complete
Chapters
10
Rating
n/a
Age Rating
13+

Kapitel 1.Das zeichnen


Der Tag, an dem Layla geboren wurde, war der dunkelste in der Geschichte des Königreichs. Es war nicht die Art von Dunkelheit, die von einem heraufziehenden Sturm kam, sondern eine Kälte, die sich in die Herzen der Menschen schlich. Eine Kälte, die die goldenen Felder in der Mittagssonne erstarren ließ und einen Schatten auf die strahlenden Kuppeln der Hauptstadt legte. Die Ärzte und die königliche Heilerin sahen das Zeichen auf Laylas Schulter und zuckten zurück. Es war keine Tätowierung, kein Muttermal, sondern eine makellos geformte schwarze Schlange, die mit dem Säugling zur Welt gekommen war. Sie war in sich selbst verschlungen, ein Ouroboros, und in ihren Augen glühte ein unheilvoller, silberner Schimmer. Die Heilerin murmelte nur ein Wort, das wie ein Fluch klang: „Das Siegel.“

Von diesem Tag an verschwand das Lachen aus den Gassen. Laylas Geburtstag wurde zu einem Tag der Trauer und des Aberglaubens. Bauern sahen in ihren Ernten das Zeichen der Schlange, wenn Krankheiten die Pflanzen befielen. Kinder bekamen Albträume, in denen ihre Kuscheltiere zu Schlangen wurden. Die Königin, die sich so sehr nach einem Thronerben gesehnt hatte, wandte sich von dem Mädchen ab, das nur Unglück über das Reich gebracht zu haben schien. Layla wuchs in den kalten, weiten Gemächern des Palastes auf, eine Gefangene in ihrer eigenen Heimat. Ihre Mutter, die Königin, wagte es kaum, sie anzusehen. Ihr Vater, der König, versuchte, sie zu beschützen, scheiterte aber an der wachsenden Furcht und dem Groll seiner Untertanen.

An ihrem zehnten Geburtstag saß Layla in ihrem Turmzimmer und spielte mit einer alten, hölzernen Marionette, der einzigen Freundin, die sie hatte. Plötzlich schien die Luft um sie herum zu vibrieren. Die Marionette zitterte in ihren Händen. Ein kalter Windstoß wehte durch die geschlossenen Fenster, wirbelte die Vorhänge auf und riss die hölzerne Marionette in zwei Hälften. Layla zuckte zusammen. Sie spürte, wie eine eisige Welle von ihrer Schulter ausging, direkt von dem schlangenförmigen Zeichen. Es war, als würde das Mal in ihrer Haut leben.

Die Schreie von draußen drangen zu ihr herauf. Sie rannte zum Fenster und sah, wie die Rosen im königlichen Garten – die stolzesten Blumen des ganzen Reiches – plötzlich schwarz wurden. Ihre Blätter kräuselten sich, die Rosenköpfe fielen ab und zersprangen auf dem Boden wie winzige Stücke von Glas. Dann, im Licht der untergehenden Sonne, bemerkte sie, dass sich der Garten in einen Friedhof verwandelte. Jeder, der dort stand, fiel zu Boden. Ihre Gesichter waren blass, ihre Augen leer. Von ihren Schultern und Armen aus breiteten sich feine, schwarze Linien aus, die wie Schlangen über ihre Haut krochen. Es war eine Dunkelheit, die nicht aus dem Himmel kam, sondern aus den Tiefen der Erde, eine Krankheit, die mit Laylas eigenen Fähigkeiten zu korrespondieren schien.

Sie hörte, wie ihre Kammerzofe laut keuchte, als sie den Raum betrat. „Prinzessin, die Blumen… die Leute… es ist wieder dein Zeichen!“ Layla sah in den entsetzten Augen der Frau ihren eigenen Schmerz und ihre Angst widergespiegelt. Es war nicht das erste Mal, dass so etwas geschah, aber es war das erste Mal, dass sie das Gefühl hatte, dass sie es hätte stoppen können.

Später in der Nacht stand Layla im Mondlicht und betrachtete ihr Siegel im Spiegel. Die Augen der Schlange glühten silbern, genau wie in ihren schlimmsten Albträumen. Sie berührte das Mal und eine Welle der Macht durchfuhr sie, ein Gefühl, das sie gleichzeitig verführte und erschreckte. Es war nicht nur ein Fluch, es war auch eine Kraft. Plötzlich sah Layla eine schattenhafte Gestalt in der Dunkelheit. Eine Gestalt mit den leuchtenden Augen der Schlange, die sich im Spiegel zu regen schien. Eine kalte Stimme flüsterte in ihrem Kopf: „Du kannst sie nicht kontrollieren, Layla. Du bist der Grund für all das.“

Sie zuckte zusammen und stieß den Spiegel um. Er zersprang in tausend Splitter, und in jedem einzelnen sah sie nicht ihr eigenes Spiegelbild, sondern das der zerbrochenen Krone. Das Symbol des Verfalls, das seit ihrer Geburt das Königreich heimsuchte. Sie wusste nun, dass ihre Existenz eine Bedrohung war. Das Zeichen war nicht nur ein Fluch auf ihr selbst, sondern auch auf das ganze Königreich.

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