Turnierplatz

Es ist das erste Mal, dass Peter sich mit ihr in der Öffentlichkeit zeigt. Bislang haben sie sich immer heimlich getroffen, entweder bei ihr oder in einem Hotel. Es hat da Ärger mit seiner Ex gegeben und dem gemeinsamen Sorgerecht. Frauen können so nachtragend sein, wenn sie sich betrogen fühlen!
Lucy interessiert dieser ganze Scheidungsschlamassel nicht. Sie hat Peter gesehen, sich in ihn verliebt und er ist nicht abgeneigt gewesen. Das sagt ja schon alles über seine Ehe aus. Welcher verliebte oder liebende Ehemann fickt eine andere, nur weil sie ein paar Jahre jünger ist? Na gut, fast jeder schwanzgesteuerte Kerl fickt eine Jüngere, auch wenn er in einer festen Beziehung ist. Aber keiner von ihnen lässt sich deshalb scheiden.
Peter legt seine Hand auf ihre und streicht zart über ihre Finger. Mmh, sie liebt diese sanften Liebkosungen. Zwischen ihren Beinen fängt es an zu prickeln und in ihrem Bauch flattern Tausende von Schmetterlingen herum. Fest umklammert sie das Holz und bemüht sich nicht an Sex zu denken. Aber mit ihren zwanzig Jahren ist sie noch so jung und voller Gier! Sie möchte Peter überall ficken! Am liebsten gleich hier, während sie den Pferden beim Springen zusehen. Es ist so geil, den schnaubenden Tieren zuzusehen, wie sie nur durch den festen Schenkeldruck ihrer Reiter jede Bewegung ausführen. Nicht alle Reiter sind Männer und nicht alle im Alter von Peter, also Mitte dreißig. Da sind auch ziemlich viele Frauen dabei und auch etliche in ihrem Alter!
„Schau!“ Peter beugt sein Gesicht dicht neben ihres und haucht ihr einen Kuss auf die Wange. Mein Gott, ein Funkenregen durchzieht ihren Unterleib! Stöhnend dreht sie ihren Kopf ihm zu und sucht seine Lippen. Er schaut gebannt auf den Reiter, der auf einem braunen Pferd auf das nächste Hindernis zuhält. Sie aber leckt mit ihrer zartroten Zunge seine Lippen entlang, drängt energischer gegen ihn und will hinein in seine feuchte Höhle. Doch erst nach dem Sprung öffnet er seinen Mund.
„Lucy, wir sind wegen der Pferde hier!“ Nach einem viel zu kurzen Zungenkuss entzieht er sich ihr. Enttäuscht schiebt sie schmollend die Unterlippe vor. Dann sagt sie etwas motzig: „Ich muss mal.“
„Mmh.“
Sie vergewissert sich, dass er ihre Worte auch wirklich gehört hat. Wieso nur hält er sie nicht zurück oder bietet ihr zumindest an, sie zu begleiten? Seit er sich von seiner Kathrin getrennt hat, ist er viel zu distanziert. Da hätte sie es lieber gehabt, er wäre bei ihr geblieben und sie treffen sich weiterhin nur heimlich. Der Sex ist immer wild gewesen und hemmungslos. Hier in der Öffentlichkeit hält er ja kaum Händchen!
Motzig stiefelt sie davon. Natürlich sind die Pferde schön. Vor allem schön groß. Sie bewundert die Mädchen, die sich an so ein riesiges Tier herantrauen und sogar ohne Hilfe hinaufsteigen. Lucy ist sich total sicher, dass sie ihr Bein nicht über den Sattel bekommen würde! Gott sei Dank braucht sie das nicht versuchen. Sie darf mit beiden Beinen auf dem Boden stehen bleiben und Reiter und Pferde von der Ferne bewundern. Okay, so fern sind sie nicht. Das bekommt sie ziemlich grob zu spüren. Denn während sie zornig über Peters Desinteresse über den ziemlich vermatschten Boden stapft, packt sie plötzlich jemand von hinten, reißt sie zurück und schon schießt ein Pferd mit Reiter an ihr vorbei!
Mit weit aufgerissenen Augen starrt sie in die Luft und atmet hektisch. „Oh mein Gott, oh mein Gott!“ Wie erstarrt steht sie mit dem Rücken an einen Körper gepresst, der ganz bestimmt nicht Peter gehört.
„Mädchen, immer die Augen offen halten! Die Rennstrecken sind doch markiert.“ Die Stimme klingt ein wenig vorwurfsvoll, aber noch viel mehr beruhigend.
„Ich … ich … es tut mir leid.“ Plötzlich stürzen Tränen aus ihren Augen. Und das tut ihr noch viel mehr leid. Wie steht sie denn jetzt da vor dem Fremden? Wie eine Heulsuse, ein kleines heulendes Baby!
„Du bist wohl zum ersten Mal auf so einem Turnier?“
Sie nickt und wagt es nicht ihren Retter anzuschauen. Doch er führt eine behandschuhte Hand sanft unter ihr Kinn und hebt es an. Sein intensiver Blick ruht auf ihr und er scheint tatsächlich besorgt zu sein.
„Na komm, ich lade dich zu einem Tee ein. Kaffee wäre jetzt sicher verkehrt, denn dein Herz rast bestimmt genug.“
Wieder nickt sie nur.
„Ich bin Sebastian, aber mich nennen alle nur Basti.“ Er fasst nach ihrer Hand und zieht sie mit sich. „Na komm, die Rennstrecke ist frei, jetzt können wir gefahrlos weiter gehen.“
Noch immer stumm stolpert sie hinter ihm her, oder besser neben ihm. Er ist größer als sie, hat dunkelbraune Haare und herrlich braune Augen. Wie ein Bernhardiner, so richtig lieb und treu. Bestimmt kann er auch so bettelnd gucken wie ein Hund und bekommt jeden seiner Wünsche erfüllt. Sie glaubt nicht, dass er zu der strengen Sorte Mensch gehört. Dafür sind seine lachenden Augen einfach zu ausgeprägt. Bestimmt ist er immer sanft und zärtlich und verwöhnt seine Freundin mit zärtlichen Liebkosungen.
Während sie sich vorstellt, wie er sie hingebungsvoll küsst, mit seinen Fingern über die Brüste streichelt und ganz langsam und vorsichtig seinen Penis in sie hineinschiebt, gleiten Wonneschauer durch sie. Sofort schimpft sie sich in Gedanken aus. Verdammt! Dass sie bei Sebastian, dem Fremden, jetzt an Geschlechtsverkehr denkt, daran ist nur Peter Schuld, der sie abgewiesen hat! Seit sie zusammen sind, hat er noch nie, NIE, einen Kuss unterbrochen, weil er Besseres zu tun hat. Denn bis eben hat es für Peter nichts gegeben, was wichtiger war als sie, Lucy. Was also hat sie von der Premiere, dass er sich das erste Mal mit ihr in der Öffentlichkeit zeigt, wenn er sich dann so … abweisend und kalt verhält? Sie will kuscheln, küssen, angefasst werden und ihn berühren. Warum kann er sich nicht von hinten eng an sie schmiegen, seinen Schwanz an ihren Po pressen, während seine Arme sie umschlingen und sie gemeinsam eng kuschelnd dem Springturnier folgen?
„Ich bin Lucy“, bringt sie endlich hervor, damit Basti sie nicht für eine total verblödete Irrsinnige hält, die kopflos in ein rasendes Pferd hineinläuft!
Sie sind an dem Stand für Getränke angekommen. „Claudia, hast du einen Tee für meine Freundin? Sie hat fast Tuchfühlung mit Sir Blackwood aufgenommen und ist entsprechend durcheinander.“
Die Frau namens Claudia schaut sie mitfühlend an. „O wei, bist du das erste Mal auf so einem Turnier? Ja, da kommen einem die Platzaufteilung und die offen begehbaren Turnierflächen ungewohnt vor. Ich mach dir einen Tee. Fenchel zur Beruhigung?“
„Ja danke.“ Lucy gelingt es zu lächeln, obwohl sie sich jetzt noch dümmer vorkommt. Aber anscheinend ist sie nicht die Einzige, der so ein Fehler passiert.
„Wodurch bist du auf das Turnier aufmerksam geworden?“ Sebastian hat sich auf einen Hocker gesetzt. Seine schwarze Reiterhose sitzt knalleng und enthüllt muskulöse Beine. Verdammt, diese Schenkel haben eine enorme Kraft! Ihr wird mit einem Mal bewusst, dass er auch nicht so sanft sein wird, wie sie geträumt hat. Immerhin muss er ja sein Pferd kontrollieren können und über ein Hindernis bringen, ohne dass ihnen beiden etwas passiert!
„Was denkst du?“ Er neigt seinen Kopf zu ihr hinunter und schaut ihr fragend in die blauen Augen. „Es sieht so aus, als ob du mit den Gedanken nicht wirklich hier beim Turnier bist.“
„Äh … doch“, hastig klettert sie auch auf einen Hocker. „Ich habe gerade gedacht, dass du unglaublich viel Kraft in den Beinen haben musst, wenn du dich auf einem Pferd halten kannst und sogar nach einem Sprung nicht herunterfällst.“
„Wow.“
Sie runzelt verwirrt die Stirn. Was meint er denn damit?
„Also, du bist die erste Frau, die mir auf die Beine starrt und mir direkt sagt, was sie denkt.“
Eine leichte Röte färbt Lucys Wangen. „So ganz genau hab ich natürlich nicht gesagt, was ich gedacht habe. Das wäre dann für mich noch peinlicher geworden.“
„Noch peinlicher?“
Warum nur klingt seine Stimme so überaus interessiert? Neugierig und ein wenig amüsiert. Macht er sich etwas über sie lustig?
„Dass ich fast in ein Pferd gerannt bin, weil ich mich über meinen Freund geärgert habe, ist schon peinlich. Aber dann hab ich gedacht, dass du bestimmt ein Softie bist, weil du so lieb zu mir warst und nicht geschimpft hast.“
„O wei“, stöhnt er, „weil ich dich gerettet habe und zu einem Tee eingeladen, hältst du mich für ein Weichei, und nur weil ich muskulöse Schenkel habe, revidierst du deine Meinung?“
Claudia serviert ihr breit grinsend den Tee. „Bleib ruhig bei deiner ersten Meinung, Kindchen, unser Basti hat nämlich eine mächtig hohe Meinung von sich. Da kann er ruhig mal was anderes erzählt bekommen.“
Jetzt färben sich Lucys Wangen richtig rot. Mann, ist ihr das jetzt peinlich! „Ich wollte doch nur sagen, dass du anfangs so zärtlich gewirkt hast, aber eigentlich musst du energisch sein, sonst könntest du doch kein Pferd kontrollieren. Denke ich mir zumindest. Hab ich jetzt schon wieder was Falsches gesagt?“
„Zärtlich?“ Eine schrille Frauenstimme meldet sich hinter Lucy zu Wort. „Hab ich das gerade richtig gehört? Zärtlich? Vor allen Leuten?“
Lucy zieht den Kopf zwischen die Schultern und riskiert einen Blick nach hinten. Eine rothaarige Frau in ihrem oder Sebastians Alter steht nur wenig hinter ihr, die Arme wütend in die Seiten gestemmt. Ihre grünen Augen funkeln und ihre Sommersprossen scheinen ebenfalls geladen zu sein.
„Nein, so hab ich das nicht gemeint. Er hat mich nur in seine Arme gerissen, um ...“
„In seine Arme gerissen?“ Jetzt stapft die Frau wütend auf Sebastian los, sticht ihm mit dem Finger gegen die Brust und zischt ihm zu. „Du reißt hier vor all unseren Freunden und Bekannten eine wildfremde Irgendwas ...“
„Lucy“, wirft er seelenruhig ein.
„... in deine Arme und turtelst mit ihr herum, um sie dann zu Claudia zum Tee trinken abzuschleppen?“
„Meinst du, ich soll ihr die Stallungen zeigen, Lissi?“
„Ahh!“ Kreischend dreht sie sich weg, wirft aber Lucy noch einen mörderischen Blick zu, ehe sie Richtung Vereinsgebäude verschwindet.
„Deine Verlobte?“, fragt Lucy beschämt.
„Meine Frau“, grinst Sebastian breit.
„Deine Frau?“
Plötzlich lachen Claudia und er schallend. Ehe Lucy weiß, wie ihr geschieht, hat Claudia eine Flasche Rum in der Hand und schüttet etwas in ihre Tasse. „Los, mit einem Schluck runter. Das wärmt von innen und lässt den Schreck verschwinden.“
„Bevor deine Frau noch mal ankommt und mir die Augen auskratzt, sollte ich besser gehen. Kann ja auch sein, dass mein Freund mich allmählich vermisst.“
„Ah ja, dein Freund. Wo war der eigentlich, als du Sir Blackwood begrüßen wolltest?“
„An der Koppel mit den Sprunghindernissen, wo die Reiter ihre Pferde aufwärmen.“
„Ist er Springreiter?“
„Keine Ahnung, ich glaub eher nicht.“
„Keine Ahnung?“
Lucy schnüffelt an der Tasse und wirft einen misstrauischen Blick auf das intensiv duftende Getränk. Rum ist wirklich nicht ihr Geschmack, aber Claudia lächelt ihr so aufmunternd zu, dass sie schließlich seufzend die Tasse an den Mund führt, und ehe sie es verhindern kann, hat Basti seinen Finger darunter geschoben und sie muss alles in einem Zug runterschlucken.
„Brav schlucken!“, befiehlt er ihr und fast hätte sie sich bei dem Befehl verschluckt, weil sie prompt an etwas anderes denken muss. Verdammt! Er ist verheiratet und sie hat einen frisch geschiedenen Freund. Wieso nur gerät sie immer an verheiratete Männer?
„Danke für den Tee mit Schuss“, sie wirft Claudia einen vorwurfsvollen Blick zu, „aber ich muss jetzt wirklich zurück zu meinem Freund.“
„Ach komm schon“, Sebastian springt auf und schnappt sie am Arm, „ich muss dir erst die Stallungen zeigen, hab ich meiner Frau doch gesagt.“ Wieder lacht er laut und Claudia fällt mit ein.
Bevor sie etwas erwidern kann, zieht er sie schon mit sich zu einem Bereich, der eigentlich durch Seile für Besucher gesperrt ist. Aber er ist ja kein Besucher.
„Im Stall bitte leise sein, sonst machen wir die Pferde scheu. Und das wollen wir doch beide nicht, oder?“
Sie schüttelt den Kopf und ist sich nicht sicher, ob sie nun ein erregendes Kribbeln zulassen soll oder ob es sich wirklich nur um eine harmlose Führung handelt. Immerhin weiß Claudia von seinem Vorhaben. Da wäre es bestimmt dumm, wenn er ihr an die Wäsche will, oder? Nur … wenn er das bei jeder so macht, dann weiß Claudia auch das und warnt darum kein leichtgläubiges Mädchen. Noch dazu, wo sie ja durch seine Frau Lissi vorgewarnt ist, dass er gerne spielt. Und sie muss zugeben, dass sie sich von einer Ehefrau noch nie abhalten lassen hat, ihren Spaß zu suchen. Wenn er sie also ficken will, warum nicht?