Drei Reiche - Die Vorgeschichte

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Summary

Adam, der Farmer, begann sein Leben in bescheidenen Feldern, die er mit harter Arbeit und stiller Hingabe bestellte. Doch das Schicksal ließ ihn nicht in Ruhe: fremde Mächte und uralte Geheimnisse rissen ihn fort aus der einfachen Welt der Erde und Saat. Was einst Schwielen an seinen Händen waren, wurden bald Schwielen an Schwertgriff und Schildrand. Zwischen fremden Reichen, unergründlichen Pfaden und Kriegen, die größer waren als sein Dorf je zu ahnen vermochte, musste Adam lernen, dass Mut und Treue die Saat für ein anderes Schicksal sind - eines, das ihn in neue Welten führte.

Genre
Fantasy
Author
Marco1988
Status
Complete
Chapters
20
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Der Farmer von Skarnhof

Sumeria – eine Insel, so groß und geheimnisvoll, dass sie wie eine eigene Welt im endlosen Ozean ruht. Um sie herum liegt nichts als das weite Meer, unergründlich und unbarmherzig, So kennen die Menschen nur Sumeri, und in ihren Herzen trägt sie den Klang des Ursprungs, als gäbe es jenseits ihrer Küsten kein anderes Land.

Im hohen Norden erhebt sich das Antlitz des Eises. Schneebedeckte Gipfel ragen wie Speere in den Himmel, und Stürme durchpeitschen das Land, als wolle der Himmel selbst es verbergen. Zwischen diesen endlosen Schneefeldern liegt die älteste aller Legenden: die Sage von einer verborgenen Stadt. Ihre Mauern, so heißt es, bestehen nicht aus Stein, sondern aus einem eisblauen Metall, das glänzt wie gefrorenes Licht. Niemand kennt ihren Namen, niemand hat ihre Tore betreten. Denn die Kälte ist dort mehr als nur ein Klima – sie ist ein Wächter, unbarmherzig und uralt, der jeden Eindringling verschlingt.

Ganz anders zeigt sich der Südwesten. Weite Flachlande breiten sich aus, grün und fruchtbar, durchzogen von Dörfern der Menschen. Hier pulsiert das Herz des einfachen Lebens: Ackerbau und Handel, Märkte und Feste, das beständige Lied der Arbeit und des Alltags. Rauch steigt aus Schornsteinen auf wie Gebete, Kinder lachen zwischen Feldern und Wegen, und Händler ziehen ihre Waren über uralte Straßen, die Dörfer wie Knotenpunkte verbinden. Doch auch hier liegen Schatten: alte Wachttürme erinnern an vergangene Kriege, als Blut die Erde tränkte. Nun aber herrscht Frieden, und die Menschen leben standhaft und unbeirrt, verwurzelt wie die Erde selbst.

Und schließlich der Südosten – ein Reich der Wildnis, dicht und geheimnisvoll. Wälder türmen sich dort zu grünen Kathedralen, ihr Dach aus Blättern raubt der Sonne das Licht, und in den Tiefen flüstert der Wind von Zeiten, die älter sind als das Reich der Menschen. Dies ist die Heimat der Zentauren, jener stolzen Geschöpfe mit den Leibern der Pferde und den Oberkörpern der Menschen. Ihre Kultur ist von Liedern, Jagd und uralten Geschichten erfüllt, und sie kennen die Wälder wie Menschen ihre Felder kennen. Einst standen sie in blutigem Krieg mit den Menschen, doch heute herrscht eine fragile Ruhe. Kein Bündnis verbindet sie, nur die Übereinkunft, einander nicht zu überschreiten. Menschen meiden die Wälder, und die Zentauren halten sich fern von den Feldern. So besteht ein Gleichgewicht, zart wie Glas, und doch seit vielen Wintern ungebrochen.

So ist Sumeria eine Insel der Gegensätze, ein Reich aus Eis, Erde und Wald. Sie trägt Legenden in ihrem Herzen und Narben auf ihrer Haut. Und während die Stürme des Nordens heulen und die Wälder des Südens flüstern, ruht die Insel, als warte sie auf den Augenblick, an dem ihr nächstes großes Kapitel geschrieben wird.

Kapitel 1 - Der Farmer von Skarnhof

Adam war nun dreiunddreißig Winter alt, als er endgültig allein auf dem Land seiner Eltern stand. Das Gehöft, am Rande von Skarnhof, gehörte nun ihm – Felder, Stallungen und die alten Mauern, die mehr Geschichten kannten, als er je erzählen konnte. Der Tod seiner Eltern hatte ihm die Verantwortung übergeben, und Adam nahm sie an, so wie er alles annahm: mit der Ruhe eines Mannes, der wusste, dass Arbeit und Pflicht das Fundament des Lebens waren. Sein Tag begann mit der Sonne. Noch bevor der Morgennebel sich über den Feldern verzog, zog Adam den Pflug durch die Erde, kontrollierte die Zäune, prüfte die Saat. Seine Hände waren von Schwielen gezeichnet, seine Schultern kräftig gebaut, doch in seinen Augen lag ein Glanz, der mehr verriet als bloße Körperkraft. Adam war klug, bedacht in seinen Entscheidungen, und so war sein Hof nicht nur ein Erbe, sondern ein lebendiges Werk, das von seinem Fleiß zeugte. Sein schwarzes Haar fiel ihm bis auf die Schultern, vom Wind zerzaust und doch gepflegt, als wäre es Teil seines Stolzes. Ein Dreitagebart zeichnete seine Wangen und verlieh ihm ein markantes, festes Aussehen. Doch anders als viele Bauern war Adam nicht verschlossen – er sprach gern, und wenn er es tat, war es mit Worten, die bedacht, klar und oft von einer Wärme getragen waren, die andere anzog. In den Dörfern ringsum kannte man ihn nicht nur als verlässlich, sondern auch als wortgewandt und klug, ein Mann, dessen Stimme Gewicht hatte.

Skarnhof lag wie ein Herzschlag im weiten Flachland des Südwestens. Kein großes Dorf, doch alt genug, dass seine Pflastersteine und Häuser mehr Generationen gesehen hatten, als man zählen konnte. Ein Kreis aus hölzernen und steinernen Häusern umgab den Marktplatz, in dessen Mitte ein uralter Brunnen stand, aus dem die Menschen Tag für Tag ihr Wasser schöpften. Die Menschen von Skarnhof waren Bauern, Handwerker und Händler. Ihre Gesichter trugen die Spuren der Sonne, ihre Hände kannten die Arbeit, doch in ihren Augen lag derselbe Stolz wie in den weiten Feldern, die sie ernährten. Am Morgen füllte das Rufen der Händler den Platz, das Klirren von Hämmern hallte aus der Schmiede, und das Wiehern der Pferde vermischte sich mit dem Lachen der Kinder. Wenn die Sonne sank, versammelte man sich in der Schenke Zur Silberkrone, wo Bier, Met und Geschichten die langen Abende verkürzten. Über allem thronte die kleine Dorfkirche aus grauem Stein, schlicht und fest, ein Ort für Feste, Hochzeiten und stille Gebete. Dort kamen die Menschen zusammen, um in gemeinsamer Andacht ihren Gott zu ehren, wie es in allen Dörfern und Städten des Menschenreiches Brauch war. Über Skarnhof und den umliegenden Landen wachte ein Fürst, der im Namen des Königs regierte. Zwar ließ er sich niemals im Dorf blicken, doch seine Abgaben und Befehle machten den Menschen regelmäßig bewusst, dass sie Teil eines größeren Reiches waren.

Der Morgen in Skarnhof begann für Adam wie so oft mit dem beladenen Karren. Die Räder knarrten über das Pflaster des Marktplatzes, während die Sonne langsam über den Dächern aufstieg. Auf der Ladefläche lagen die Früchte seiner Arbeit: säckeweise Korn, frisch gebackenes Brot, ein paar Bündel Gemüse und das kostbare Öl, das er in mühsamer Arbeit aus den Früchten seiner Felder gewann. Die Dorfbewohner begrüßten ihn mit einem Nicken oder einem kurzen Wort, viele kannten Adam seit vielen Wintern. Sein Stand war schnell aufgebaut, und bald sammelten sich die ersten Käufer. Er sprach ruhig, mit fester Stimme, verhandelte geschickt, aber nie gierig. Man vertraute ihm, denn jeder wusste: was von Adams Hof kam, war von guter Qualität. So verging der Tag mit Geschäften, Gesprächen und dem geschäftigen Treiben des Marktes. Kinder huschten zwischen den Ständen hindurch, Hunde kläfften, Händler priesen lautstark ihre Waren an, während der Duft von frisch gebackenem Brot und gebratenem Fleisch die Luft erfüllte. Für Adam war dies ebenso Arbeit wie Begegnung; er genoss es, den Menschen zuzuhören, ein freundliches Wort zu wechseln, die kleinen Geschichten des Dorfes aufzufangen. Als die Sonne sank und der Markt sich leerte, führte Adam seinen Karren zurück zum Hof, brachte die verbliebenen Waren ins Lager und wusch sich den Staub des Tages von den Händen. Doch anstatt die Nacht in der Stille seines Hauses zu verbringen, zog es ihn heute in die Schenke Zur Silberkrone.

Dort empfing ihn Wärme, Stimmengewirr und der Geruch von Rauch und Met. Der Wirt begrüßte ihn mit einem breiten Lächeln, stellte ihm einen Krug Met auf den Tisch, und Adam ließ sich nieder. Bald gesellten sich einige Dorfbewohner dazu, sie sprachen über die Ernte, das Wetter und die üblichen Kleinigkeiten des Lebens. Doch zwischen dem Gelächter und dem Klirren der Krüge hörte Adam ein Gespräch am Nebentisch. Zwei Männer sprachen leise, beinahe verschwörerisch, doch nicht leise genug, als dass Adams feines Ohr es überhört hätte.

„Der König will seine Armee vergrößern“, murmelte der eine.

„Rekruten, überall aus dem Reich“, entgegnete der andere. „Auch hier in Skarnhof wird man bald Namen fordern.“

Adam nahm einen weiteren Schluck Met, spürte die Schwere dieser Worte in seiner Brust – und ahnte, dass die Tage friedlicher Routine gezählt sein könnten. Der Nachbar an seinem Tisch fragte mit unruhiger Stimme: „Warum glaubt ihr sucht der König neue Rekruten? Das Reich steht nicht im Krieg. Wogegen will der König ein größeres Heer führen?“

Die Männer an den anderen Tischen zuckten mit den Schultern, einige sahen sich unsicher um, als fürchteten sie, das bloße Aussprechen solcher Gedanken könne Ärger bringen. Schließlich antwortete der Schmied, ein breitschultriger Mann mit rußgeschwärzten Händen: „Spielt das eine Rolle? Wenn der König Krieger fordert soll er sie bekommen!“

Ein anderer, ein alter Bauer, schüttelte den Kopf. „Also ich werde mich in meinem Alter nicht melden.“

„Die Grenzen sind ruhig und die Zentauren wurden seit vielen Wintern nicht mehr gesehen, von einem weiteren Bürgerkrieg hätten wir längst erfahren. Wozu er dann mehr Soldaten braucht erschließt sich mir auch nicht.“ Erwiderte eine Frau die Krüge einsammelte.

„Richtig“ antwortete der Schmied. „Die Zentauren trauen sich nicht mal mehr aus ihrem Wald heraus“ fügte er hinzu, bevor er lauthals lachte.

Adam schwieg einen Moment, trank einen Schluck Met und legte schließlich die Stirn in Falten.

„Es heißt, der Frieden sei zerbrechlicher als Glas. Sollte wirklich wieder ein Konflikt mit den Zentauren entstehen, müssen wir zu einer Einigung mit Ihnen kommen, ohne weiteres Blutvergießen. Wir müssen aus der Geschichte lernen, anstatt dieselben Fehler wieder zu begehen. Sollte der König seine Armee vergrößern wegen eines bevorstehenden Krieges, wird dies nicht zur Verhinderung von Schlachten führen, bloß zu mehr Toten.“

Ein leises Murmeln ging durch die Runde. Der Schmied runzelte die Stirn, der alte Bauer nickte langsam, und selbst die Frau mit den Krügen hielt kurz inne, als hätten Adams Worte einen Nerv getroffen. Doch nicht jeder ließ sich davon beeindrucken.

Aus der Ecke erhob sich das Lachen zweier Männer, deren Gesichter vom Met gerötet waren. Sie schwankten heran, lehnten sich schwer auf den Tisch und grinsten breit.

„Du redest, als würdest du mehr wissen als wir alle zusammen,“ sagte der erste mit einem schiefen Grinsen. „Vielleicht sollte der König dich gleich nach Havenbruck holen, wenn du den Frieden so gut verstehst.“

Der zweite lachte rau und fügte hinzu: „Oder du erzählst uns, wie man mit Worten ein Schwert abwehrt. Ein Bauer, der klüger sein will als die Männer, die kämpfen – das will ich sehen.“

Einige der Umstehenden schauten nervös, als könnte sich die Stimmung im nächsten Atemzug in Streit verwandeln. Adam jedoch ließ sich nicht provozieren. Er setzte den Krug ruhig ab, sah die beiden fest an und sprach mit kontrollierter, klarer Stimme.

„Niemand behauptet, dass Worte ein Schwert abwehren können. Aber sie können verhindern, dass es überhaupt gezogen wird. Wer den Frieden versteht, trägt genauso zur Sicherheit des Reiches bei wie der, der das Schwert führt. Und ein Bauer, der Felder bestellt, sorgt dafür, dass jene, die kämpfen, überhaupt etwas zu essen haben.“

Seine Worte waren ruhig und nüchtern, ohne Überheblichkeit, doch so schlüssig, dass die beiden Betrunkenen nichts mehr erwidern konnten. Nach einem kurzen Moment des Schweigens zuckten sie nur mit den Schultern und torkelten zurück in ihre Ecke. Die übrigen Dorfbewohner atmeten auf. Einige nickten zustimmend, andere wechselten vielsagende Blicke, und in mehr als einem Gesicht stand leiser Respekt für Adams klare Haltung.

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